Russische Orthodoxe Kirche zu Hamburg

Navigation

Hauptnavigation

Sprache


Tagesbuch

Predigt vom 28.6.2020 von Vater Henadzi Sar

3.07.2020 | Thema: Predigt |

Frohes Fest euch allen!

Heute haben wir aus dem Evangelium darüber gehört, wie der Herr sagt: „Kümmert euch nicht darum, was ihr esst und trinkt, sondern trachtet nach dem Himmelreich, denn ihr könnt nicht zwei Herren auf einmal dienen“, Gott und dem bösen Mammon. Diese Worte können manchmal missverstanden werden, und so kann man denken, dass wir uns um nichts kümmern müssen. Dabei es ist verlockend, ein reicher Mensch zu werden.  Aber wir hier, in der Kirche, sind normalerweise keine reichen Leute. Wir haben Familien und Eltern, die meistens schon in einem höheren Alter sind. Wir müssen sie und unsere Zukunft im Blick behalten und unser Leben so gestalten, dass es allen gut geht. Stellt diese Lebensansicht einen Widerspruch zu den Worten Christi dar, Der sagt, dass wir uns um nichts kümmern müssen? Ich glaube nicht, dass es hier einen Widerspruch gibt, denn Christus wollte nicht, dass man sich um nichts kümmert, sondern dass man sich in all diesen Gedanken nicht verliert.

Ich erinnere mich an eine Klostergeschichte, in der zwei Mönche, Brüder, im frühen Christentum, in die Wüste gingen, ein Haus bauten und in der ägyptischen Wüste lebten. Einer von ihnen dachte: „Ich werde wie ein Engel sein: Ich werde mich um nichts kümmern, sondern wie ein Engel leben – nur beten“, und er lief zur Nacht weg. In der Nacht aber wurde es kalt, da es eine Wüste war. Denn in der Wüste ist es tagsüber heiß und nachts kalt. Morgens kam er nach Hause und klopfte an die Tür. Sein Bruder antwortet ihm: „Wer ist da?“ Der Mönch sagt: „Ich bin’s, dein Bruder“. Dann antwortet ihm der Bruder: „Das kann nicht sein. Du bist eine Versuchung, ein Dämon, denn mein Bruder ist ein Engel“.

„Öffne doch die Tür. Ich sterbe vor Kälte“. „Das kann nicht sein. Mein Bruder fühlt sich weder kalt noch hungrig.“ Schließlich hat er, der arme Mann, gebetet und gefastet, und die Mönche ließen ihn herein, ließen ihn sich aufwärmen und gaben ihm etwas zu essen.

Ich habe das Beispiel dafür, wie extrem man die Worte des Erlösers verdrehen kann, deswegen gegeben, weil wir uns manchmal willkürlich ausdenken, wie etwas sein soll, ohne eine gründliche Erfahrung darin zu haben.

Diese Frage ist tatsächlich interessant: wie soll das gehen?

Man muss seinen eigenen Lebensweg kennen, ihm folgen und seine Pflichten erfüllen, aber man darf nicht vergessen, dass es tiefere Dinge im Leben gibt.

Ist es möglich, sich an etwas zu erinnern, ohne dieses vorher zu erfahren? Das heißt, ohne vorher die Gnade Gottes zu erfahren, die es uns erlaubt, die Welt als etwas Unwichtiges im Vergleich zur Tiefe, zu tieferen Dingen zu sehen?

Es scheint mir persönlich, dass die theoretische Erkenntnis dieses Geheimnisses und die Entdeckung dieser Tiefe, vorausgehen, und die Praxis, wie man diese Tiefe selbst erreicht, später kommt. Zuerst verstehen wir also, dass es eine Tiefe gibt, und dann machen wir uns bewusst auf den Weg zu dieser Tiefe. Es scheint mir ein großer Fehler zu sein, wenn wir, ohne nähere Kenntnis dieser Tiefe versuchen selbst herauszufinden, welche Art von Leistung und Verhalten zu dieser Leidenschaftslosigkeit und Sorglosigkeit führen.

Jetzt erinnere ich mich an eine andere Geschichte, es war in Ägypten, als dort Christen lebten, als ein junger Mönch, es war ein junger Mann aus einer Großstadt und einer reichen Familie, zu einem älteren Mönch und Starez kam. Dieser behielt ihn dort für einige Zeit (vielleicht ein oder zwei Monate, vielleicht ein oder zwei Jahre) und schickte ihn dann zurück in die Stadt, wo er in einer Familie reicher Eltern gelebt hatte, wo er bedeutsam und herausragend gewesen war. Gleichzeitig hatte ihm der Starez nun angeordnet, dort auf der Straße zu bleiben und um Almosen zu bitten. Für den jungen Mann war es natürlich eine Menge Stress, denn er musste arm, unfreiwillig und bespuckt dorthin zurückkehren, wo er früher großartig gewesen war.

Tatsächlich litt der Arme zunächst mehrere Jahre lang und beruhigte sich dann. Den Rest der Geschichte kenne ich nicht. Aber vielleicht ist es eine Bestätigung, dass man auf diese Weise innere Demut und Stille finden kann?!

Andererseits sagt diese Geschichte nicht aus, was dieser Mönch erlebt hat, bevor er in die Wüste kam.

Hilf uns, Herr, dass wir uns um nichts kümmern müssen, und noch besser, dass wir genug Geld zum Leben haben, und dass dabei auch das geistliche Leben gut verläuft.

Herr, hilf uns allen!

Predigt vom 31.05.2020

7.06.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

russische Übersetzung

Erzpriester Sergij Baburin Hamburg, den 31.05.2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wir setzen die Feiertage des Festes der Himmelfahrt fort und hören an diesem Tag, wenn wir dieser Ereignisse gedenken, wie die Jünger, die das Geheimnis dieses Festes berührt haben, mit großer Freude nach Jerusalem zurückkehren, nachdem sie den Herrn verabschiedet haben. Und hier ist die Frage der Freude: Was ist Freude? Dieses Wort hören wir oft. Wir hören, dass es für einen Menschen im Leben sehr wichtig ist, froh und glücklich zu sein. Wir wünschen es uns gegenseitig jedes Mal bei einem guten Anlass. Wir lesen bei den heiligen Vätern, dass der Mensch zur Freude erschaffen ist.

Wenn wir also über dieses Wort nachdenken, verstehen wir, dass so ein wünschenswertes Wort für jeden von uns sehr unterschiedliche Schattierungen hat. Freude kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt eine Freude, die wir alle kennen, an die wir gewöhnt sind und die wir oft anstreben. Es ist die Freude an einem Feiertag, die Freude an der Kommunikation, die Freude an irgendeinem heiteren und lebendigen Eindruck, an irgendeiner Komödie, an Büchern, die uns für einige Zeit mit einigen freudigen Gefühlen erfüllen. Das sind lustige Geschichten, Witze. Und all dies zusammen bringt unseren Seelen freudige Momente.

Doch denken wir heute über diese Freude nach, wenn wir die Worte des Herrn hören? Er betet in seinem Gebet zum himmlischen Vater, dass seine Freude jedem seiner Jünger gesandt und gewährt werden möge. Somit sehen wir, dass der Herr uns heute nicht nur irgendeine, sondern Seine Freude wünscht. Aus der Heiligen Schrift verstehen wir, dass der Herr während seines irdischen Lebens hier auf der Welt mit Freude lebte. Das ist für uns ein bisschen ungewöhnlich. Wir sind daran gewöhnt, dass der Herr am Kreuz leidet, an das Bild des Herrn mit der Dornenkrone, wie er über den Unglauben der Jünger trauert oder wie er verstimmt die Händler aus dem Tempel verbannt. Dieses Bild mag uns irgendwie näher liegen – so ein strenger Mentor. Es stellt sich aber heraus, dass sich der Herr, als er noch bei seinem Vater war, schon gefreut hat, und während seines irdischen Lebens sich auch immer gefreut hat. Im Großen und Ganzen ist er auf diese Welt gekommen, um sich hier unter den Menschen zu freuen und uns beizubringen, uns zu freuen.

Heute denken wir darüber nach, dass es eine Freude eines alten Mannes gibt, eines Mannes, der sein gewohntes Leben lebt, und eine Freude eines Mannes, der sich allmählich verwandelt. Es ist eine besondere Freude, eine geistige Freude. Heute hören wir aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes, dass der Herr betet, damit jeder von uns seine Freude hat, die Freude Christi.

Genau darüber sollten wir mit Ihnen nachdenken, was die Freude Christi ist und wann, in welchen Momenten, er, der Herr, sich freute. Wir verstehen aus dem Kontext der Heiligen Schrift, dass der Herr sich freute, als er den Willen seines Vaters erfüllte. Das ist ein sehr wichtiger Hinweis für uns, dass, wenn ein Mensch die Gebote Gottes erfüllt, wenn ein Mensch sehr streng darauf achtet, was sein Gewissen ihm sagt, kommt Freude in seine Seele, Gottes Freude. Wir hören davon, dass der Herr sehr oft betet. Er vermisst diese Gemeinschaft und die Freude über die Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater im Gebet. Und so lesen wir aus der Heiligen Schrift oft, dass er seine Jünger verlässt und allein zum Beten geht, wenn er Zeit hat – und er hat nur nachts Zeit. Das ist auch Freude, die einem Menschen im geistlichen Leben, in seinem Gebet eröffnet und geschenkt wird.

Natürlich kommt bei uns das nicht so oft vor. Häufiger träumen wir von allem Möglichen, wenn wir beten. Aber einige Bruchstücke, Minuten, Momente dieser Freude besuchen uns doch während des Gebets. Das ist die Freude, zu der uns der Herr aufruft. Der Herr freute sich, als er unter seinen Freunden war. Der Herr hatte Freunde. Er besuchte sie gern. Seine Freunde waren zum Beispiel Lazarus und seine Schwestern Martha und Maria. Der Herr fühlte sich wohl in ihrem Haus. Er kam dorthin, nicht um sich zu amüsieren, nicht um zu grillen, sondern um mit ihnen zu reden, um die Seele dieser Menschen mit wahrer Freude zu erfüllen, mit der Freude an erhabenen Gesprächen, an den Lektionen, die sie damals zu Hause hörten.

Wir sehen, dass der Herr sich freut, wenn er die Verwandlung eines anderen Menschen sieht. Wir sehen die Inspiration des Herrn nach seinem Gespräch mit einer Samariterin, wenn sie sich als Person völlig verändert hat, wie der Herr sich freut und überrascht ist, wenn er die Verwandlung eines Heiden, eines Hauptmanns, sieht, der für seinen Knecht betet, um den er sich mehr sorgt als um seinen Sohn. Der Herr ist erstaunt und sagt, dass er einen solchen Glauben in Israel nicht gesehen hat. Der Herr freut sich immer so, wie sich der Himmel über jeden reuigen Sünder freut.

Dies ist für uns auch ein wichtiger Hinweis darauf, dass wir uns über die Freude anderer zu freuen wissen, damit das Wohlergehen, die Freude, der Erfolg und das Glück anderer uns nicht im Herzen verletzen, unser Leben nicht mit einem gewissen Neid erfüllen, sondern damit wir uns aufrichtig für sie zu freuen wissen. Diese Lektionen der Freude werden uns vom Herrn offenbart. Der Heilige Johannes Chrysostomos sagt dazu auch, dass die wahre Freude an Gott eine große Waffe jedes Menschen ist, mit der keine Traurigkeit, keine Schwermut in unserem Leben auf uns zukommen kann.

Wenn wir allerdings von dieser Freude sprechen, kommt sie in unser Leben natürlich auf eine ganz andere Weise. Die übliche irdische Freude, auf welche wir warten, schließt die Arbeit aus, schließt das Leiden aus, schließt die Großtat aus. Im Gegenteil versucht sie, dem Ganzen zu entkommen. Die echte geistige Freude ist jedoch direkt mit dem Kreuz verbunden. Heiliger Theophan der Klausner schreibt, dass der Sinn des Lebens eines jeden Menschen ist, zu dieser geistigen Freude zu kommen. Man kann zu dieser Freude nur durch das Tragen des Kreuzes kommen. Dabei schreibt er, dass das Kreuz das Mittel und die Freude das Ziel ist. Dies sind die erstaunlichen Worte des heiligen Theophanes des Klausners.

Wir verstehen, dass die Freude, welche der Herr verspricht und über welche er spricht, in keinem Vergleich zu der Freude steht, welche wir gelegentlich, in manchen Momenten unseres Lebens empfinden. Und in unserem gewöhnlichen Leben sind freudige Momente ein seltener Vogel, der in unseren Alltag fliegt. Die Freude, welche der Herr uns verspricht und deren Teilnehmer wir in einigen, wenn auch in seltenen Momenten, hier auf der Erde sind, ist eine unendliche Freude. Deswegen ist es wichtig, dass wir verstehen, warum der Herr uns dazu aufruft, unser Kreuz nicht abzulegen, es nicht zu verlassen, uns nicht von ihm abzuwenden, ihm nicht auszuweichen, sondern ruhig, demütig und mit Freude das anzunehmen, was er uns schickt. Denn es ist der Weg zur Freude, welche sich jede Seele wünscht und für welche wir alle bestimmt sind. Zu diesem Zweck sind wir von Gott erschaffen worden, zur Freude, um in Gott zu leben, uns zu freuen und an dieser göttlichen Freude teilzuhaben. Natürlich verstehen wir, dass dies sehr schwierig ist, weil wir viele andere

Seite 2 von 5

Beispiele haben. Wir sind besorgt, wir sind belastet mit den Gewohnheiten jeglicher flüchtigen Eindrücke. Wir wissen, wie leicht man sich an einige Fernsehserien gewöhnen kann, die uns ablenken. Jede Freude dieser Welt lenkt uns für eine Weile ab. Sie erlaubt uns, uns selbst zu vergessen. Sogar wir selbst wissen innerlich, wenn wir sie erleben, dass sie sehr schnell endet und durch eine herzliche Sehnsucht ersetzt wird, denn niemals kann diese Freude eine menschliche Seele erfüllen. Gott gebe, dass jeder von uns nach der wahren Freude strebt. Wir gehen nicht nur mit zusammengebissenen Zähnen, sondern verstehen, dass Gott es von uns will. Der Herr will, dass wir uns freuen, aber mit wahrer Freude, mit echter Freude, mit jener Freude des Menschen in Christus, zu der jeder Mensch berufen ist.

Gottes Segen für uns alle, liebe Brüder und Schwestern. Ich wünsche uns allen, dass wir diese Freude in unseren Häusern, in unseren Herzen erleben, dass das Gebet uns Freude bringt, dass unsere Füße mit Freude in das Haus Gottes hineinlaufen, dass wir verstehen, wozu wir berufen sind und was wir sehr oft ablehnen, wovon wir oft abweichen.

Predigt vom 28.05.2020

30.05.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt von Vater Sergij Baburin

In Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!

Alles Gute zum heutigen Feiertag, liebe Brüder und Schwester. Warum haben wir uns heute in der Kirche zusammengefunden? Die Antwort ist einfach: Um ein bedeutendes Ereignis aus dem Evangelium zu gedenken. Beim Lesen des heutigen Evangeliums werden wir sehr davon beeindruckt, wie der Herr in Beisein seiner Jünger in den Himmel aufsteigt und diese dabei segnet. Mit unserer Vorstellungskraft konnten wir uns in die Atmosphäre vor Ort versetzen. Wir sind aber vielleicht nicht nur wegen des Gedenkens dieses bedeutsamen Ereignisses in die Kirche gekommen, sondern, um mit voller Freude auch die Bedeutung dieses Ereignisses für uns alle – und für jeden Einzelnen von uns – zu verinnerlichen. Darüber hinaus ist es wichtig an diesem Tag uns zu fragen, welche Bedeutung dieses Fest im meinem Leben, vielmehr insgesamt zu meiner direkten geistigen Umwandlung hat? Aus der Geschichte der Bibel kennen wir, dass der Mensch eine besondere göttliche Gnade genießt, wobei die Engel und die himmlischen Kräfte stauen, so groß ist die Gnade des Herrn uns Menschen gegenüber. Die schöpferische Kraft des Herrn spiegelt sich laut heiliger Schrift am meisten in uns Menschen – über die allen von ihm mit Liebe geschaffenen Wesen der Welt – wider. Wie uns die Bibel verrät, der Mensch ist die wunderbarste, gleich wohl auch die komplizierteste Kreatur im ganzen Universum. Der Mensch wird vom Gott innig geschaffen, vielmehr verleiht diesem Geschöpf der Gott sein eigenes Abbild, als Zeichen seiner höchsten und unermesslichen Liebe gegenüber. Gleichzeitig wissen wir, dass der freie Wille des Menschen dazu führt, dass sich der Mensch vom Gott entfernt und seit dem Sündenfall aus dem Paradies, trägt jeder Mensch diesen Schmerz, das innere Leiden, mit sich herum. Dieser Schmerz sorgt im Menschen für Zweifel, Einsamkeit und einen schweren inneren Kampf. Unsere Natur wird zwischen dem göttlichen Ruf eines jeden Einzelnen von uns und einer tiefen, sündhaft-irdischen Anziehungskraft, mit der jeder von uns von Geburt aus ausgestattet ist, zerrissen. Die Bibel verdeutlicht uns sehr klar, dass der Mensch diesen Zustand nicht selbständig überwinden kann. Wie wir schon mal diese Woche darüber nachgedacht haben, ist das Alte Testament – im vollen Umfang der Bücher und Geschichten – ein Zeugnis davon, wie schwer es der Mensch hat, ohne Gott zu leben. Die gesamte alte Zivilisation lebte in der Erwartung, sie spürte es buchstäblich, dass der Erlöser kommen soll, dass dies geschieht bzw. dieses Ereignis eintritt. Das ist die Zeit der Erwartung, das ist die Zeit der Hoffnung. Und diese Zeit tritt mit der Geburt unseres Herrn, Jesus Christus, ein und wird dadurch vervollkommnend. Wir bezeugen, dass Gott vom Himmel herabkam, um einer von uns zu werden, um am irdischen Leben seines geliebten Geschöpfes teilzuhaben, um die Bürde unseres Daseins auf sich zu nehmen – und zwar in einem für uns kaum begreiflichem Umfang – und durch die Leiden, Verrat, Einsamkeit und einem leidvollen Tod, den Letzteren zu besiegen. Das ist das Unbegreifliche daran, dass die Begriffe Gott und Tod nicht zu vereinbaren sind: Gott ist per se unsterblich und steht im Widerspruch zum Tode. Und Gott nimmt den Tod aus Liebe für uns auf sich, er nimmt den Tod, um dessen Kraft über den Menschen endgültig zu zertreten. Deswegen ist das Fest der Himmelfahrt eine weitere Stufe für uns, auf die uns der Herr nach seinem ruhmreichen Sieg über den Tod bzw. nach seiner Auferstehung setzt, indem er an der Rechten seines Vaters sitzt. Was bedeutet das? Dies zeigt uns die tiefe und absolute Nähe des Sohnes zum Vater, nach seiner Rückkehr in das Himmelreich. Christus ist zurück in den Himmel mit der veränderten, menschlichen Natur, die er auf sich genommen hatte, aufgestiegen. Deswegen können wir mit gutem Gewissen sagen, dass unserer Natur der Weg in den Himmel eröffnet wird und diese sich in die unmittelbare Nähe Gottes einnistet. Hier stellt sich die Frage, ist der Herr wirklich in den Himmel aufgestiegen oder ist Er doch auf der Erde geblieben? Wie lesen in der Heiligen Schrift, dass die Jünger tief mit diesem Gedanken beschäftigt waren und auch für vielen für uns ist dieser Gesichtspunkt nicht ganz klar. Der Herr sagte seinen Jüngern: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 18.20). Gleichzeitig sehen die Apostel, wie sich der Herr von der Erde langsam entfernt und in die Höhe entschwindet. Mit seiner Ankunft in den Himmel verändert sich auch die (leibliche) Natur Christi – diese nimmt eine göttliche, allgegenwärtige Gestalt auf. In der Pascha-Woche lesen wir die folgenden Gebete: „Im Grabe leiblich, in der Unterwelt aber als Gott mit der Seele, im Paradiese mit dem Räuber und auf dem Throne warst Du, o Christus, mit dem Vater und dem Geist, Unumschreibbarer, alles Erfüllender.“ Und so kann unser Herr gleichzeitig auf dem himmlischen Altar mit seinem Vater und auf dem irdischen, kirchlichen Altar sein, woher er uns Gläubigern die heilige Kommunion mit dem Leib und dem Blut, des aus dem Toten auferstandenen Erlösers – der von jeglicher Last und Sünde menschlicher Natur befreit ist – großzügig spendet. Das ist das wunderbare Geheimnis, an dem wir teilhaben dürfen: Obwohl unmittelbar im Himmel mit dem Vater, ist Christus immer bei uns. Der hl. Apostel Paulus gibt uns ein Beispiel, wie wir Christus folgen sollten und sagt: „Folgt mir nach, wie ich Christus nachfolge“ (1 Kor 11,1). Und auch über diesen Feiertag nachdenkend, sagt der Apostel folgendes: „Er hat sich selbst erniedrigt, indem er gehorsam wurde bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz. Daher hat Gott ihn auch über die Maßen erhöht und ihm den Namen verliehen, der jedem anderen Namen überlegen ist “ (Philipper 2,8). Und hier macht uns der Apostel Peter deutlich, dass der Herr seinen geliebten Sohn durch die Gehorsamkeit und die Erniedrigung so hoch erhoben hat, sodass wir, die wir Ihm folgen, dem Herrn ähneln, dem Christus gehorsam folgen sollten, unabhängig von den Situationen und Umständen, die uns Gott in unserem Leben schickt. Wir hörten in der heutigen Lesung, dass die Jünger des Herrn bei der Begegnung mit ihm noch vor seinem Aufstieg in den Himmel stark verlegen und verängstigt waren. Doch nach dem Gespräch mit Jesus und mit dem Trost, den Er ihnen gespendet hat, als die unter sich waren, kehrten die Apostel vom Ölberg voller Freude nach Jerusalem zurück. Möge der Herr uns an diesem Feiertag, die Kraft und die Freue geben, alle Situationen unseres Lebens mit Freude zu meistern, aller Verzweiflung, Einsamkeit und Mutlosigkeit zu entkommen und voller Zuversicht gerade zu stehen, denn: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 18.20). Amen!

Alles Gute zum heutigen Feiertag und Gottes Segen!

Predigt vom 24.05.2020

26.05.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Christus ist auferstanden, liebe Brüder und Schwestern!


Wir sind gerade am Ende der Osterzeit. Am Dienstagabend findet Gottesdienst zum Festabschluss von Ostern statt. In dieser Zeit nach Ostern werden uns von der Kirchenlehre viele Erkenntnisse vermittelt, die uns spirituell erheben und uns mit den Wundern inspirieren, von denen wir an diesen Tagen in der Heiligen Schrift hören. In diesen Wundern verbirgt sich das Geheimnis, wie der Herr in unserem Leben wirkt. Vor zwei Wochen erinnerten wir uns im Gottesdienst daran, wie der Herr einen gelähmten Menschen heilte. 38 Jahre lang hatte dieser Mann unter seiner Krankheit gelitten, der Herr heilte ihn, und als er ihm im Tempel begegnete, sagte er zu ihm: „Siehe, du bist gesund; sündige nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres ergeht”. (Johannes 5, 1 bis 15). Wir erfahren, dass diese Krankheit dieser konkreten Person wegen einer Sünde gesandt wurde. Der Herr beschützt ihn, behütet und bewahrt ihn davor, wieder in diese Trübsal zu geraten. Heute hören wir von der Heilung eines Mannes, der blind geboren wurde. Wir sind es gewohnt zu denken, dass jede Krankheit eine Folge der Sünde ist. Manchmal kommt es vor, dass Kinder für die Sünden ihrer Eltern leiden, und wegen einiger Missetaten tragen Kinder die Last der angeborenen Gesundheitsschäden. Es kommt manchmal vor, dass eine Person Tag und Nacht mit Kopfhörern am Computer sitzt und endlos spielt. Und plötzlich, wenn sie anfängt, Schmerzen in den Augen, in den Ohren zu haben, einen Bandscheibenvorfall zu bekommen, könnte man meinen, dass der Herr ihn bestraft und besucht hat. Aber vielleicht ist es auch nicht richtig, denn es ist eine direkte Folge der von ihm eingeschlagenen Lebensart. Aber der Herr ist so gnädig, dass die Konsequenzen, die manchmal einen Menschen treffen, wenn er sie mit Sanftmut und Demut annimmt, Er sie zum Guten lenkt. Die heutige Lesung des Evangeliums begeistert uns ganz besonders und sagt uns etwas sehr Wichtiges. Und heute gibt es viele unter uns, die glauben, dass jede Krankheit wegen einer Sünde gesandt wird. Das dachten auch die Jünger des Herrn, als sie in ihrer Ratlosigkeit fragten: „Rabbi, wer ist schuld, dass er blind geboren wurde? Wer hat hier gesündigt, er selbst oder seine Eltern?“ (Johannes 9, 2). Aber der Herr antwortet: „Weder er ist schuld noch seine Eltern. Er ist blind, damit Gottes Macht an ihm sichtbar wird“. Das sind sehr wichtige Worte, die für uns bedeutsam sind, damit wir sie verstehen. Der Herr steht neben dem Kranken und sagt, dass die Krankheit gesandt ist, „damit die Werke Gottes auf ihm erscheinen“. Das Benehmen dieser Person beantwortet teilweise die Frage, warum die Herrlichkeit Gottes über ihn erschienen ist. Er ist ein sanftmütiger Mann. Er wird nicht wütend, er verflucht nicht den Himmel, er beschwert sich nicht über seine Krankheit. Er nahm mit Sanftmut an, was in sein Leben kam. Er sitzt ruhig da und bittet um Almosen. Er tritt leise in einen Dialog mit dem Herrn ein, versucht nicht, irgendwelche tiefgreifenden Fragen über den Sinn des Daseins zu stellen. Er nimmt das Wunder der Heilung dankbar an. Das Handeln dieser Person lehrt uns, wie wir unser Leben wahrnehmen sollten. Wenn etwas durch unser Verlangen oder direkte Sünde in unserem Leben Einzug gehalten hat, dann hat der Herr es uns zur Ehre Gottes gesandt. Damit wir das Wunder der Heilung oder das vielleicht größte Wunder im menschlichen Leben – die innere geistliche Verwandlung – demütig annehmen können. Leider ist dies die Art und Weise, wie ein Mensch gestaltet ist.  Er ist in der Lage, durch Krankheit die Irrtümer seines Lebens zu erspüren, sonst sind alle moralischen Belehrungen, die er hört, umfangreich und abstrakt.

Heute sehen wir, wie zahlreiche Ängste geboren werden, wie schnell sie sich ausbreiten und bis in schrecklichste Details wachsen. Wir hören, dass der Herr selbst uns warnt, dass es in den letzten Zeiten ganz viele Gründe für die Furcht geben wird. Menschen, die diesem Zustand erliegen, „werden sich aus Furcht und in Erwartung von Unheil zermürben“. (Lukas 21, 26). Heute hört man davon, dass unser christliches Lieblingsthema die Übertragung verschiedener Ängste und Einzelheiten über die rasch herannahende Endzeit ist, über das bevorstehende „digitale Konzentrationslager“, über Impfungen, durch die der elektronische Chip in uns eingeführt wird, über die Hinterbühne und Verschwörungen. Wir sind gewillt, diese Gerüchte aufzunehmen und an andere weiter zu verbreiten. Braucht ein Christ diese Furcht-Lähmung? Selbst wenn der Herr uns lässt, die Endzeiten zu erleben, wird er etwa damit aufhören, sich um Menschen zu kümmern? Wird er jene vergessen, deren Namen „geschrieben stehen im Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist von Grundlegung der Welt an?“ (Offenbarung 13, 8)

Natürlich können wir sehen, wie schnell sich die Welt verändert. Wir sehen einige Anzeichen, die der Herr in seiner Schilderung der Endzeit vorhergesagt hat, und wir erkennen die im Buch der Offenbarung des Theologen Johannes beschriebenen Darstellungen. Dabei wissen wir, dass jede Generation von Christen guten Grund zu der Überzeugung hatte, dass die Endzeit kommen ist. Der Herr sagt zu allen Christen: „erkennt ihr daran, dass der Sommer bald da ist.“ (Lukas 21, 30). Noch heute hören wir die mächtigen Worte des Herrn: „Sei ohne Angst, du kleine Herde!“ (Lukas 12, 32). „Erschreckt nicht, habt keine Angst! Vertraut auf Gott und vertraut auch auf mich!“ (Johannes 14, 1). Es ist wichtig, dass wir diese Worte des Herrn heute nicht vergessen. Wir sollten keine apokalyptischen Ängste in unsere Seelen lassen oder andere damit anstecken. Es ist eine Infektion, die uns der geistlichen Freiheit und Freude beraubt, zu der uns der auferstandene Herr beruft, unsere Gebete lähmt und uns die Fähigkeit verweigert, dankbar zu leben.

Vor ein paar Jahren gab es eine Welle der Empörung über die Steueridentifikationsnummern, dass es sich um einen Pass für die antichristliche Welt handle. Natürlich sind das alles unangenehme Dinge, das sind alles Glieder der Kette, die der Feind der menschlichen Rasse ausnutzen will, aber es gab bereits viele Erläuterungen, die es noch einmal zu wiederholen gilt. Im Buch der Offenbarung des Johannes-Theologen lesen wir, dass das Antichrist-Siegel von den Menschen willentlich angenommen werden wird, und darin wird es eine freie Entscheidung sein, das Tier anzubeten und seine Zivilisation durch die Ablehnung Christi anzunehmen. Es ist nicht möglich, sich versehentlich von Christus loszusagen, indem man die Steueridentifikationsnummer annimmt oder die Impfung erhält, nach der sich herausstellt, dass dies das Siegel mit der Nummer des Tieres war.  So wie Christus uns als Kinder braucht, die freiwillig und aus freien Stücken seine Liebe und Adoption in seiner Taufe angenommen haben, so wird es für den Antichristen wichtig sein, eine bewusste und freie Entscheidung der Menschen zu treffen, seine Autorität zu akzeptieren und seine Gottesverehrung zu erreichen.

Natürlich ist alles sehr beunruhigend, und wir haben Angst um unsere Kinder, wir haben das Gefühl, dass unser Glaube noch sehr schwach ist, dass wir noch sehr irdisch sind. Aber es ist wichtiger für uns, darüber nachzudenken, wie schnell wir uns den digitalen Technologien unterwerfen, wie sehr sie unseren Verstand und unser Herz zu vereinnahmen beginnen, wie stark unsere Gewohnheit ist, die meiste Zeit in diesem Lebensraum zu verbringen, wie sehr wir auf Unterhaltung und Vergnügen angewiesen sind, die uns das Internet und die neuen Technologien bieten. Wenn es süchtig macht, ist es ein spirituelles Problem, und es wird für einen solchen Menschen äußerst schwierig sein, das „digitale Konzentrationslager“ aufzugeben, denn es wird ihm die üblichen Vergnügungen, Unterhaltung, Trost und andere Surrogate bieten, um in der virtuellen Welt seinen realen Weg zum himmlischen Vater zu vergessen. Heute müssen wir lernen, frei von den Abhängigkeiten zu sein, die die Welt so großzügig anbietet.

Es ist auch wichtig für uns zu verstehen, dass Proteste, Empörungen und Demonstrationen nicht das stoppen werden, was Gott bereits vorhergesagt hat, sondern dass der Zeitpunkt des Geschehens weitgehend von der geistigen Verfassung der Menschen und insbesondere der Christen abhängt. Unsere Waffe und unsere wichtigste Antwort ist unser konzentriertes, geistliches Leben, unser herzliches Gebet, unsere aktive Einstellung zum Guten und zur Barmherzigkeit. Apostel Paulus sagt wichtige Worte über unsere geistliche Stimmung: „Freut euch allezeit, betet allezeit und dankt Gott für alles“ (1. Brief an Thessalonicher 5, 16). Das ist die Stimmung, mit der wir zu leben aufgerufen sind. Und Apostel Petrus, sein Stammapostelkollege, fügte weitere für uns wichtige Worte hinzu: „Seid wachsam und nüchtern!“ (1. Brief Petrus 5, 8).

Natürlich bedeuten meine Worte nicht, dass wir keine aktive öffentliche Meinung haben sollten. Als Bürger, als Eltern, können und müssen wir manchmal unmittelbar herausfinden, ob diese oder jene Impfung für die Gesundheit unserer Kinder schädlich ist. Verstößt diese oder jene Entscheidung der Behörden nicht gegen die Menschenrechte? Dafür gibt es verschiedene gesellschaftliche Mechanismen, und diejenigen, die sich zu einer aktiven Öffentlichkeit berufen fühlen, können und sollten ihre staatsbürgerliche Position klar zum Ausdruck bringen. Aber dies ist nicht länger eine Frage unseres geistlichen Lebens, unserer christlichen Einstellung zur Welt. Apostel Paulus genoss auch die Rechte seiner römischen Staatsbürgerschaft.

In der Zwischenzeit ist es für uns wichtig, daran zu denken, dass die Welt, auch wenn sie im Bösen liegt, in Christus gegenwärtig ist, und Er wird keines seiner Kinder verlassen. Am nächsten Tag werden wir die Freude des Festes der Himmelfahrt des Herrn erleben. Der Segen der Himmelfahrt des Herrn tröstet uns, unterstützt uns und befreit uns von allen falschen Ängsten: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. Amen“ (Matthäus 28, 20).

Christus ist auferstanden!

Predigt vom 17.05.2020

20.05.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Christus ist auferstanden!

Der heutige Sonntag ist einer wunderbaren Frau aus Samaria gewidmet. Wir kennen sogar ihren Namen. In der Überlieferung der Kirche ist diese Frau als die heilige Märtyrerin Fotinia bekannt. Heute, in der heutigen Lesung des Evangeliums, sehen wir die himmlische Höhe der Lehre, die der Herr dieser Frau offenbart, und gleichzeitig über die Menschlichkeit unseres Herrn Jesus Christus. Wir sehen, dass Christus am Brunnen allein gelassen bleibt. Es ist Mittag. Er ist durstig, und um diese Zeit kommt eine Frau zum Brunnen, um Wasser zu holen. Die Samaritaner hatten den Hauptbrunnen, zu dem sie alle gingen, um Wasser zu holen, den Brunnen des Patriarchen Jakobus. An diesem Brunnen findet ein erstaunlicher Dialog statt. Aber bevor wir über den Dialog nachdenken, müssen wir sagen, dass der Herr, wenn er in das Gespräch mit dieser Frau einsteigt, viele verschiedene zwischenmenschliche Hürden zerstört. Zunächst einmal hätte er nach den Regeln der damaligen Zeit nicht so gelassen mit einer fremden Frau kommunizieren dürfen. Zweitens, am wichtigsten ist, dass Juden und Samariter zu dieser Zeit nicht miteinander kommunizierten, wie wir es hier hören. Kein Jude würde jemals mit einer Samariterfrau sprechen. Höchstwahrscheinlich würde er, an Durst leidend, kein Wasser von einem Samariter nehmen. So sehr war der Widerspruch und die gegenseitige Abneigung zwischen diesen beiden Völkern. Das passiert nämlich in der Geschichte, wenn die stärkste Abneigung zwischen den Völkern entsteht, die zwar miteinander verwandt sind, sich aber politisch voneinander entfernt haben. Zwischen solchen Völkern herrscht die größte, unversöhnlichste Feindseligkeit. Das ist es, was wir heute sehen. Für Gott ist diese Trennung völlig irrelevant. Drittens sehen wir in der Erzählung, dass diese Frau für ihre Lebensweise aus der Gesellschaft, aus den allgemein üblichen moralischen Werten, die um sie herum herrschen, ausgestoßen wurde. Das ist verständlich, denn zu welcher Zeit kam sie zum Brunnen. „Zur sechsten Stunde…“ und das entspricht unserer Mittagszeit, die die Sonne im Höhepunkt ist, der heißesten Zeit. Kein normaler Mensch würde zu dieser Zeit in dieser Gegend jemals sein Zuhause verlassen, um Wasser zu holen. Sie geht um diese Zeit aus, weil sie niemanden begegnen möchte, weil jemandem zu begegnen bedeutet, verurteilt zu werden: vielleicht mit Worten, vielleicht mit Blicken, vielleicht irgendwie in einer Art und Weise, dass jeder sie als moralische Aussätzige wahrnimmt. Der Herr sieht ihr verzweifeltes, weibliches Herz, das in ihrem Leben nie die Liebe, die Familie, den Trost gefunden hat. Der Herr nimmt sie an, wie sie ist, aber gleichzeitig nimmt er sie als Mensch an und öffnet ihr die Augen über ihren Glauben und ihr Privatleben. Es ist, als ob der Herr sagen würde: „Ja, unsere religiösen Eigenschaften, die jetzt zwischen den Nationen etabliert sind, sind für mich nicht so wichtig“. Aber der Herr betont, dass die Erlösung von den Juden kommt, d.h. dass religiöser Synkretismus, diese Vermischung des Heidentums mit Fragmenten der offenbarten Religion Gottes, die von den Samaritanern praktiziert wird, dem Herrn nicht wohlgefällig ist.  Als nächstes verurteilt Jesus sie nicht für ihr böses Leben. Aber er öffnet ihr die Augen für ihre Lebensweise.  Es ist nicht möglich, die „Quelle des Wassers, das in das ewige Leben fließt“, gleichzeitig zu nutzen, um dieses Leben zu erhalten.  Auch das ist ein erstaunliches Merkmal des Herrn. Er nimmt uns mit Liebe an, aber er segnet den Bösen nicht, lässt nicht zu, dass die Sünde in uns existiert. Er ist bereit, mit uns, mit seiner Liebe, gegen diese Sünde zu kämpfen.  In dem Dialog, als die Frau das plötzliche Gefühl bekommt, eine ganz besondere Person vor sich zu haben, fängt sie an, nach theologischen Fragen zu fragen, nach dem Messias. Es ist eine erstaunliche Entwicklung. Es ist das erste Mal, dass der Herr über seine messianische Königswürde spricht, sich dieser Frau, dieser Fremden, dieser armen Frau mit einem gebrochenen Schicksal offenbart. All dies stellt unser Verständnis irgendwie auf den Kopf, denn vielleicht sollte man sich die Apostel, vielleicht die Priester, vielleicht jemand Würdigeres öffnen. Aber der Herr offenbart sich einer einfachen Frau, wer Er ist. Als sie nach der Mission fragt, sagt er: „Ich bin es, der zu dir spricht“. Und dann hört diese Frau erstaunliche Worte, Worte, zu deren Fassung die Apostel noch nicht bereit waren. Dass es eine Zeit kommt, in der wahre Bewunderer im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Außerdem ist es sehr interessant. Die Samariterin geht, aber verändert. Sie kommt zum Brunnen und wünscht, von niemandem bemerkt zu werden, sich mit niemandem zu begegnen, aber als es einen Verwandlung in ihrer Seele passiert, wenn sie eine reuevolle Veränderung ihrer Seele durch die Begegnung mit Gott erfährt, steht sie nicht mehr unter dem Druck ihrer Sünde.  Sie schämt sich nicht ihrer Sünde, weil sie sie vor Gott bekannt hat und sich von ihr befreit fühlt. Sie geht und erzählt von einem gerechten Mann, der ihre Seele und ihr Leben gesehen hat. Als die Jünger kommen, begegnen sie dem Herrn in einem sehr erhabenen Zustand, sie verstehen nicht, was mit ihm geschehen ist. Er weigert sich zu essen, er sagt, er habe andere Nahrung. Jemand muss ihn gefüttert haben, als wir weg waren, denken sie. Doch dann erklärt Herr Gott, dass die wahre Speise darin besteht, den Willen seines Vaters zu tun, der ihn gesandt hat. Warum empfindet der Herr solche Freude? Denn er sieht die Verwandlung des Menschen, schwach, krank, gebrechlich, verwirrt in seiner Trauer, in seiner Sünde, losgelöst von ihm und bereits entschlossen, anders zu leben, nachdem er dem Herrn begegnet ist. Die heutige Lesung des Evangeliums öffnet uns den Blick dafür, dass die geistliche Verwandlung des Menschen für den Erlöser immer eine Freude ist. „Die Freude im Himmel über einen Bußfertigen“. Und durch den aufrichtigen, inbrünstigen Appell eines Menschen an Gott wurden die Herzen vieler Menschen entflammt. Es stellte sich heraus, dass diese schwache, sündige Nation als erste die Botschaft des Herrn, der in diese Welt kam, empfangen konnte. Denn die ganze Stadt, die gekommen war, um dem Herrn zu begegnen, hatte der Frau bereits verkündet, dass wir an ihn glauben, nicht weil du es uns gesagt hast, sondern weil wir ihn gesehen und gehört haben. 

Und natürlich müssen wir heute viel darüber nachdenken, was „Anbetung im Geist und in der Wahrheit“ bedeutet. Die Worte des Herrn lassen sich wahrscheinlich so übersetzen, dass es vor Gott nicht darauf ankommt, wo genau und dank welcher Handlungen wir unsere religiöse Akte ausführen, sondern darauf, wie wir sie ausführen, was in der menschlichen Seele geschieht, welcher Prozess, welche Buße vor dem Herrn, welche Freude der inneren Begegnung mit dem Schöpfer stattfindet. Und die Wahrheit liegt darin, dass der Mensch sein ganzes Leben lang die Wahrheit Gottes suchen sollte! Die Wahrheit Gottes in seinem konkreten Leben, wie er sein Leben so aufbauen kann, dass die Wahrheit Gottes in ihm offenbart wird! Den Willen Gottes in meinem Leben zu manifestieren, ihn zu fühlen, zu finden und zu verwirklichen. Gleichzeitig sollten wir uns daran erinnern, dass diese Wahrheit schrittweise enthüllt wird, durch aktive Erfahrung und durch unser Verständnis der Heiligen Schrift. Das Wort Gottes ist eine tiefe und lebensspendende Quelle, denn die Quelle des Jakobus, von der wir heute hören, liegt immer vor uns. Und deshalb spricht der Herr heute davon: „Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken“. Gott segne uns alle, Brüder und Schwestern, und möge Gott gewähren, dass dieser Dialog zwischen einer einfachen Frau und dem Herrn heute das Herz eines jeden von uns berührt!

Christus ist auferstanden!

Predigt zum Sonntag vom Gelähmten vom 10.05.2020

12.05.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Christus ist auferstanden!

Liebe Brüder und Schwestern, wir haben uns am heutigen Sonntag zum ersten Mal nach unserer Quarantäne versammelt. Jeder hat auf seine Art diese Zeit verbracht, viele Familien haben ihre kreative Seite ausgelebt. Viel Lob, aber auch Tadel für diese Quarantänezeit habe ich vernommen, doch die richtige Ein- und Wertschätzung dieses unseren Lebensabschnitts findet wahrscheinlich später im Herzen eines jeden statt.

Wir hören heute über das Schicksal eines interessanten Menschen. Nach den Erlebnissen der letzten Wochen erscheint uns diese Geschichte näher und verständlicher. Das ist die Geschichte eines Kranken, der viele Jahre vor einem Teich nicht weit vom Schafstor in Jerusalem lag, an dem Ort, wo sich Obdachlose, Elende und Schwerkranke sammelten, mit der Hoffnung, irgendwann eine Wunderheilung zu bekommen, wenn sie es schaffen, als erste in den Teich hinabzusteigen, nachdem ein Engel zu seiner Zeit das Wasser darin bewegte. Dieser Teich hieß Bethesda, in dem man vor der Opfergabe die Opfertiere wusch.

Zu der Zeit der Geschehnisse, über die wir heute sprechen, wurde der Teich für diesen Zweck nicht mehr benutzt. Und so lag dieser Mensch dort 38 Jahre lang. 38 Jahre ist eine ziemlich lange Zeit für die meisten von uns.

All diese Jahre litt und hoffte dieser Mensch, verlassen von seinen Verwandten und der Familie. (Wir hier mussten nur zwei Monate warten, sind aber schon sehr müde und genervt und fragen immer wieder, wann denn diese Einschränkungen zu Ende sind.

Gott sei Dank gab es damals in Jerusalem schon Menschen, die sich der Schwächsten annahmen und sie versorgten. Und eben diese von der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen werden von dem Herrn aufgesucht. Johannes schenkt diesem Ereignis, diesem alten jüdischen Volksglauben viel Aufmerksamkeit, da man darin möglicherweise das Vorbild der späteren christlichen Taufe erahnen konnte.

Am Teich fanden sich viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte ein. Das ist unsere Welt, und in diese Welt kommt Jesus, wohl wissend, dass es keine Welt der Schönen, sondern eine der Kranken ist. Johannes zählt die Versehrten auf, er ordnet sie förmlich bezüglich ihrer Art der Krankheit.

Nach Deutung von Heiligen Kirchenvätern der Vergangenheit wurden diese Menschen durch ihr Lossagen von Gott krank: der Blinde erkennt keinen Weg mehr, er sieht Gott nicht mehr und weiß nicht mehr, wie er weiter leben soll; der andere hinkt, angeblich verfügt er noch über bestimmtes Wissen, stolpert aber immer zu, irrt auf falschen Pfaden; der Verdorrte durstet ständig nach Gottes Gnade und Glückseligkeit.

Und jeder Mensch, wir alle, warten auf die Bewegung des Wassers, auf die reinigende Kraft des Wassers, der Taufe, auf die Gnade Gottes.

Als Nächstes fragt der Herr den Gelähmten, ob er gesund werden wolle. Ein sehr wichtiges Detail, auf das wir genauer hinschauen wollen: der Herr, schätzt die innere Freiheit eines jeden Menschen, Er bewirkt kein Wunder, bevor der Mensch Ihn darum bittet, bevor er es sich mit seinem ganzen Herzen wünscht. Und der Kranke antwortet: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, wenn sich das Wasser bewegt, in den Teich bringt; während ich aber komme, steigt ein vor mir hinab. Ein schreckliches Beispiel der menschlichen Hartherzigkeit! 38 Jahre lang lag ein Kranker an diesem Ort, und nicht einmal fand sich jemand, der in ihm einen Menschen gesehen hätte…

Es ist so wichtig, den Augenblick nicht zu verpassen, in dem unser Herr uns zum Werkzeug seiner Liebe macht.

Jesus sagt zum Lahmen: Steh auf, nimm dein Bett und gehe umher! Sofort wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging umher.

Und da stellt sich die Frage: warum sollte er mit seinem Bett umhergehen? Bestimmt nicht nur, um sein altes schmutziges Zeug wegzuräumen, obwohl auch das einen Sinn hätte. Das Mittragen seines Bettes zeugt von der vollständigen Genesung dieses Menschen, denn er erlangte seine ganze Kraft zurück. Und er ging. Wir wissen nicht wohin, ob er ein Haus hatte oder sonst was. Aber einige Zeit später findet ihn Jesus im Tempel. Davor war der Geheilte den Fragen ausgesetzt, wer denn der Mensch sei, der gesagt habe: Nimm dein Bett und geh umher. Es war nämlich Sabbat, und das Tragen eines Bettes war nicht erlaubt. Nicht die Frage, wer derjenige ist, der einen 38 Jahre lang praktisch ohne Bewegung am Teich liegenden Kranken geheilt hat, bewegt die Menschen, sondern wer etwas machen ließ, was das Sabbatgebot verletzte.

Diese Frage brachte die Menschen auf. Der Geheilte wusste nicht, wer ihn gesund machte. In seiner Freude und Dankbarkeit ging er in den Tempel, und da findet ihn Jesus und sagt zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres widerfahre!

Dieser Mensch ist und bleibt uns unbekannt, wir kennen seine Geschichte nicht, aus diesen Worten unseres Herrn können wir aber schließen, dass er wahrscheinlich in den jungen Jahren gesündigt hatte, wofür ihm diese Krankheit geschickt wurde.

Wir alle sollten uns diese Worte verinnerlichen, denn es ist ja oft der Fall, dass man nach überstandener Krankheit oder gelösten Problemen die guten Vorsätze und Gelöbnisse vergisst und alte Gewohnheiten wieder lebt. Das tiefe Gefühl der Dankbarkeit der ersten Zeit verflüchtigt sich allmählich, und wir widmen uns wieder der teils angenehmen Routine, die im Endeffekt zur seelischen und geistigen Lähmung führt. Und deswegen warnt der Herr diesen geheilten Menschen und somit uns alle: Sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres widerfahre!

Und Jesus weiß in dem Moment, dass ab jetzt die Geschichte die tödliche Wendung nimmt, ab diesem Moment beginnt Seine Golgatha (Johannes 5), denn nachdem der Geheilte Jesus im Tempel traf, erzählte er voller Freude, Jesus habe ihn gesund gemacht. Nichts Böses dachte er sich dabei, und doch verriet er den HERRN, denn ab jetzt lauerten Ihm die führenden Gelehrten auf und wenig später beschlossen sie, dass Er getötet werden soll. Jesus ist das alles bewusst, und doch kam Er in diese Welt der Kranken und Elenden, um die Seele eines jeden Menschen zu retten, und der Preis dieser Erlösung ist Sein Tod.

Der Geheilte erzählte den Gelehrten von Jesus, er verriet Ihn. Wie sollen wir uns dazu verhalten? Alle heiligen Kirchenväter der Vergangenheit äußerten sich schützend über ihn, denn er

handelte aus Dankbarkeit, ihm ging es um das Wunder seiner Heilung und er wollte die Fragenden an seiner Freude teilhaben lassen. Das könnte auch für uns als Zeugnis gedeutet werden, dass man bereit sein muss, über seinen Glauben und über die Begegnung mit Gott sprechen zu können. Aber manchmal fragt man nur, um sich zu unterhalten, nett zu plaudern, nicht weil man wirklich Interesse an dem hat, was den anderen richtig bewegt und beschäftigt, und in solchen Situationen ist die Zurückhaltung eine bessere Option, als sich zu offenbaren.

Wenn der Herr Wunder bewirkt, dann geschieht dies nicht offensichtlich, nicht um alle und jeden sofort zu überzeugen. Und über Wunder sprechen sollte man in stiller Freude, ohne Inbrunst und Aufdringlichkeit. Sonst kann leider das Gegenteil erreicht werden, nämlich Protest und Unmut, und das Leugnen des Wunders.

Unser Zeugnis über den Herrn soll als Antwort den Fragenden ruhig und mit Glaube und Liebe abgelegt werden.

Gott schütze Euch! Christus ist auferstanden!

Predigt zum Österlichen Totengedenktag (Raduniza)

6.05.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Christus ist auferstanden!
Liebe Brüder und Schwestern! Heute feiern wir den Österlichen Totengedenktag (Raduniza). Der heutige Tag ist unmittelbar mit Freude verbunden, denn heute ist der erste Tag nach Ostern, wenn wir das Gebet für unsere entschlafenen Angehörigen vollziehen und mit ihnen die Osterfreude teilen. Deshalb hat der heutige Österliche Totengedenktag in sich eben einen wichtigen freudigen Punkt für unsere entschlafenen Angehörigen, die heute nicht am Leben sind. Nach der Gottesdienstordnung wird ein Totengedenken genau am heutigen Tag, am Dienstag nach der Thomas Woche, vollzogen. Wir bemühen uns, die Osterfreude, die Freude über den Sieg des Lebens über den Tod, mit unseren entschlafenen Angehörigen zu teilen. Wir lesen im Evangelium nach Lukas: “Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden’’. Und tatsächlich gibt es bei Gott keinen verstorbenen oder entschlafenen Menschen, es gibt nur lebendige. Dazu können wir uns an die Worte des Apostel Paulus erinnern, der sagt, dass wir, Christen, ein besonderes Vertrauen in Gott oder Hoffnung auf Ihn haben. Wir verherrlichen heute die Auferstehung Jesu Christi und hoffen auch für unsere entschlafenen Angehörigen, die sich an einem anderen Ort, an einem geistigen Ort befinden, dass die Osterfreude auch sie trifft und dass sie gemeinsam mit uns darüber jubeln, dass sie mit uns frohlockend den Augenblick erwarten, wenn wir uns alle im Himmelreich wieder sehen. Amen!
Christus ist auferstanden!

Predigt zum Thronfest der Heiligen Myrrhetragenden Frauen vom 03.05.2020

5.05.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Christus ist auferstanden!
Frohes Fest, liebe Brüder und Schwestern!

Heute feiert unsere kleine, wunderbar-warme und gemütliche Kirche ihren
Thronfest. Sie ist nach den Heiligen Myrrhetragenden Frauen benannt. Das ist nicht zufällig so von unserem verstorbenen Erzbischof Theophan abgesegnet worden. Er sagte, eine Kirche auf einem Friedhof müsse unbedingt eine Auferstehungs-Kirche sein. Sie müsse jeden, der diesen Ort aufsucht, um um seine Nächsten zu betrauern, allein schon durch dieses ihr Thema trösten und befrieden. Auch wir sollten, wenn wir auf unsere Kirche der Heiligen Myrrhetragenden Frauen blicken und uns ihre Opfertat vor Augen führen, nicht trauern wie die, welche keine Hoffnung kennen, sondern uns daran erinnern, dass durch die Auferstehung der Tod besiegt wurde. Und jedem von uns und unseren Nächsten ist eine Begegnung mit unserem auferstandenen Erlöser versprochen. Heute feiern wir das Gedenken an diese Heiligen Frauen und ebenso an die Heiligen Joseph und Nikodemus. Denn an diesem heutigen Tag ist es besonders wichtig sich daran zu erinnern, dass ein gläubiger Christ Gott treu sein muss. Es ist unmöglich, zu glauben und nicht treu zu sein. Und heute sehen wir am Beispiel der Jünger des Erlösers, wie ein treuer Mensch sein kann. Wir hören heute, wie diejenigen sich als treu erwiesen, die die Unbedeutendsten schienen. Es waren heimliche Jünger, die zu Lebzeiten des Erlösers Angst davor hatten, ihren Glauben offen zu bekennen. Das waren die Menschen, die durch unsichtbare Heldentaten den Herrn begleiteten, die Myrrhetragenden Frauen, die durch ihre Arbeit, ihren Besitz und ihre Fürsorge für den Herrn und seine Jünger sorgten. Und eben diese Menschen, deren wir heute gedenken, erwiesen sich als die Stärksten, Mutigsten und Treuesten. Ihre Leistung ist etwas, woran wir uns heute erinnern. Wir sehen, dass sowohl die einen wie die anderen Risiken eingegangen sind und überhaupt nicht darüber nachgedacht haben.
Die Liebe zum Herrn war die Hauptantriebskraft für ihre Taten, der einen
wie der anderen. Wir sehen, dass Joseph und Nikodemus, nachdem der Herr verschieden war aber noch nichts bekannt war über das Wunder und die Freude seiner Auferstehung, den Entschluss zu einem öffentlichen
Bekenntnis fassen. Sie verstehen sehr wohl, dass ein solches Bekenntnis
sie nicht nur ihre gesellschaftliche Stellung, Hab und Gut, sondern
vielleicht sogar das Leben kosten kann. Aber sie gehen hin und nennen
sich Seine Jünger. Sie bitten um Seinen Leichnam und bestatten ihn mit
allen damals üblichen Ehren. Und die Frauen sahen von Ferne zu und
beobachteten, wie der Herr ins Grab gelegt wurde. Am Tag darauf, dem
Sabbat-Ruhetag, hatten sie kein Recht ihrer Trauer anders Ausdruck zu
geben als durch ihre Tränen. Aber gleich am ersten Tag nach dem Sabbat,
den Tag, den wir heute Sonntag nennen (russisch „voskresenije“ heißt
sowohl Sonntag als auch Auferstehung), wenn das Gesetz es erlaubt, das
eigene Haus zu verlassen und seinen Geschäften nachzugehen, mit der
aufgehenden Sonne, so früh, wie es nur geht, machen sie sich auf den Weg
zum Grabe des Herrn, um ihre Liebestat zu vollbringen, den Ritus der
Salbung des Toten mit Myrrhe. Myrrhe, das ist das besonderes, duftendes
Öl, mit dem die Toten gesalbt wurden. Und deswegen heißen die Heiligen
Frauen auch die Myrrhetragenden, denn sie brachten dieses kostbare Öl
mit zum Grabe des Herrn. Sie machten sich keine Gedanken darüber, wer
ihnen den Stein vom Grab wegschieben werde. Sie haben nicht darüber
nachgedacht, dass sie ein Risiko eingehen, denn das Grab wurde ja
bewacht. Sie konnten sich nicht vorstellen, wie sie den Ritus vollziehen
würden. Das war ihnen nicht wichtig. Ihr Herz forderte Taten, die
Liebestat der Salbung, und so gingen sie. Und diese Frauen werden die
ersten Zeugen der Auferstehung Christi. Das ist eine erstaunliche
Besonderheit unserer evangelischen Geschichte, denn die antike Welt
achtete das Zeugnis einer Frau gering. Die Gerichte akzeptierten
Zeugenaussagen von Frauen manchmal gar nicht. Hier sehen wir, dass die
Christen manchmal verlacht wurden von der heidnischen Welt wegen dieser ersten Zeugenschaft der Auferstehung Christi durch Frauen. Frauen! Für uns ist das aber ganz im Gegenteil ein Faktum, das die Echtheit
bestätigt von dem, was im Evangelium geschrieben steht. Denn, wenn es
eine Frucht der Phantasie oder künstlerischen Genies seiner Jünger wäre,
dann hätten sie natürlich keine Frauen erwähnt. Etwas später in seinen
Predigten an die Heiden erwähnt der Apostel Paulus keine Frauen. Er
sagt, dass der erste, dem der Herr erschien, Petrus war. Aber die
Evangelien sagen uns die Wahrheit, dass die ersten Zeugen dieser Freude
der Auferstehung Frauen, die Heiligen Myrrhetragenden Frauen waren.
Noch heute hören wir, dass die Kirche Sie in ihren liturgischen
Lobgesängen Apostel für die Apostel nennt. Wir hören, wie die Kirche
ihren Mut lobpreist, der die Männer und Apostel inspiriert und gelehrt
hat. Wir kennen die wunderbaren Worte des Heiligen Nikolaus von Serbien, dass die Frauen mit Myrrhe kamen, um den toten Leib ihres Lehrers zu salben, aber dem Herrn begegneten, der ihre Seelen mit Frieden salbte und mit Freude erfüllte.
Das ist das, wozu die Kirche heute jeden von uns aufruft. Dass die Seele
eines jeden von uns lerne und versuche den Seelen der Heiligen
Myrrhetragenden Frauen ähnlich zu werden. Dass sie sich vom frühen
Morgen an aufmache zum Grabe des Herrn, an jedem Tag ihres Lebens. Dass wir mehr als alles diese geistige Wachheit suchen, Wahrheit suchen und Sinn. Dass wir das suchen, was uns persönlich erhebt über das
Alltägliche und mit Gott verbindet, was das Hauptanliegen unseres
christlichen Herzens ist.
Möge uns allen die geistige Liebestat der Heiligen Myrrhetragenden
Frauen zu christlichen Taten inspirieren. Und mögen uns die Worte
trösten, die der Herr zu den Heiligen Frauen sprach, und mit Freude
erfüllen. Die ersten Worte waren: „Freut euch!“. Lasst uns unsere
Lebenszeit freudvoll verbringen und uns daran erinnern, dass auch Leid
und Kummer, die uns gelegentlich auf unserem Weg ereilen, von Gott
gesandt sind. Er lenkt und aus Seiner weisen und väterlichen Hand
erhalten wir alles, was in unser Leben eingeht. Schwer ist es manchmal,
ratlos sind wir oft, wie es auch die Heiligen Frauen und Apostel am
leeren Grab des Herrn waren. Aber die Engel haben sie aufgemuntert:
„Fürchtet euch nicht!“. Gebe Gott, dass wir uns nicht fürchten, auch
nicht in Lebensumständen, die uns brechen könnten. Gebe Gott, dass wir
uns stets an den Aufruf des Herrn erinnern, dass es jedem Christen
geziemt sich zu freuen. Gebe Gott, dass wir uns diese Freude erhalten
können und unseren Nächsten schenken.
Ich gratuliere heute ganz besonders den Frauen, die über Jahrhunderte
fortfahren, tätige Liebe auszuüben und Treue zu halten. Wir erinnern uns
an die Worte des Apostel Petrus, wie er die Frauen zu einem tugendhaften
und reinen Leben anhält, und ein Bild von der vollkommenen Frau
zeichnet. Wir verstehen, dass er sich das nicht ausdenkt, sondern vor
dem geistigen Auge vielleicht das Bild der Heiligen Myrrhetragenden
Frauen hatte, die für ihn vollkommene Ideale waren. Wir erinnern uns,
wie Apostel Petrus schrieb: „Nicht auf äußeren Schmuck sollt ihr Wert
legen, auf Haartracht, Gold und prächtige Kleider, sondern was im Herzen
verborgen ist, das sei euer unvergänglicher Schmuck: ein sanftes und
ruhiges Wesen. Das ist wertvoll in Gottes Augen.“ (1 Pet 3:3). Möge dies
uns ein Vorbild für jede Christin sein, aber gleichzeitig lasst uns
nicht vergessen, dass das Vorbild der Heiligen Myrrhetragenden Frauen
für tätiges Christentum, Sinnhaftigkeit, würdiges Verhalten und Treue
einer jeden christlichen Seele steht.

Christus ist auferstanden!

Predigt zum Thomassontag vom 26.04.2020

26.04.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

mit Subtiteln (deutsch, russisch)

Christus ist auferstanden!

Heutiger Sonntag ist der nächste Sonntag nach der Auferstehung. Unser Leben ist so aufgebaut, dass ein Mensch, ein Christ, ohne Ostern, ohne Osterstimmung nicht existieren kann. Deshalb feiern wir heute das erste Ostern nach Ostern. Wir brauchen mindestens einmal im Jahr, um diese freudige Stimmung des Osterfestes Christi zu erleben, denn unser Glaube ist Ostern, unser Glaube handelt von Christus, dem Auferstandenen. Apostel Paulus schreibt, dass unser Glaube nutzlos sei, wenn Christus nicht auferstanden wäre. Deshalb ist die Auferstehung Christi der wichtigste, feierlichste, zentralste und freudigste Moment unseres christlichen Glaubens. Warum ist es für uns so wichtig? Warum endet das Evangelium nicht mit dem Kreuz, sondern mit der Auferstehung? Weil der Herr durch das Kreuz und das Leiden durchgeht, um uns die Auferstehung zu schenken. Natürlich ist der Preis für die Auferstehung das Kreuz Christi. Und heute sprechen wir darüber, wie reich und glücklich wir sind, dass wir die Auferstehung Christi haben! Vor uns haben viele Generationen von Menschen, bevor Christus in die Welt kam, sich als Geschöpf gefühlt, seine Majestät und Gegenwart gespürt, aber nicht gewusst, wer der Schöpfer ist, nach einer Gelegenheit gesucht, ihn anzubeten, aber nicht verstanden, wer er ist: der Richter, der Vater, der liebt oder bestraft. Deshalb finden wir all diese Merkmale im Alten Testament. Aber der Herr offenbart uns eine neue, besondere Liebe zum Menschen. Und deshalb ist es für uns die größte Freude: Der Herr hat nicht nur die Hölle zerstört, sondern Er hat sich für jeden von uns geopfert. Von nun an gibt es keinen Tod mehr, sondern nur noch die Liebe Gottes, die jedem Menschen völlig frei gegeben wird. Und heute gedenken wir Apostel Thomas. Wir erinnern uns an die Umstände, die mit seinem Vertrauen, mit seiner Begegnung mit Christus verbunden waren. Wir sehen, dass dieser Apostel später die Freude der Begegnung mit dem Herrn erlebt. Als die Jünger zum ersten Mal Christus begegneten, der auferstanden war und ihnen erschien, war er (Thomas) mit ihnen nicht anwesend. Warum war er nicht da? Es gibt viele Überlegungen zu diesem Thema, dass Apostel Thomas ein Mann eine sehr sinnliche Seele und sehr reine Moral besaß. Er liebte den Herrn sehr. Er war bereit, für ihn zu sterben. Wir erinnern uns, wie die Jünger beginnen, in einen Zustand des Zweifels zu verfallen, als der Herr wieder nach Jerusalem geht und versteht, dass die Verschwörung gegen ihn stattgefunden hat. Aber Apostel Thomas stärkt die Brüder, indem er sagt: „Kommt und wir werden mit ihm sterben!”. Er drückt die Bereitschaft der Apostel aus, für den Herrn zu sterben. Und für ihn ist alles mit dem Tod Christi beendet gewesen, alles ist zu Ende gegangen. Wir sehen, dass die Jünger irgendwie nach einem Weg suchen, ihr Leben fortzusetzen. Einige kehren zum Fischen zurück, zu ihrer üblichen Berufung und Arbeit. Jemand versteckt sich hinter verschlossenen Türen. Aber er, Thomas, kann seinen Platz nicht finden. Er geht, und in seiner Einsamkeit erlebt er seine Trauer, seine Trauer über die Trennung von seinem Meister, nach der ihm nur noch eines bleibt, wie er einmal sagte: „Geh und stirb mit ihm“. Weil alles mit seinem Tod in seinem Leben gestorben ist. Und als er seinen Brüdern, den Aposteln, begegnet, glaubt er ihnen nicht. Er glaubt ihnen nicht, denn ihre Freude ist zu irdisch, zu menschlich und für ihn bedeutet der Namens des Herrn viel, dass es ihm so leicht fällt, plötzlich diesem Lächeln, dieser Freude, diesem Beifall zu glauben. Er geht fort. Sein Unglaube liegt nicht in der Auferstehung Christi, sondern im Zeugnis seiner Glaubensbrüder. Und in wirklichkeit, wie es so oft in unserem Leben passiert, gewöhnen wir uns sehr schnell an alles. Wir gewöhnen uns an die Feier des Osterfestes, an die Freude der Auferstehung Christi. Sogar den Ostergruß selbst – Christus ist Auferstanden! – füllen wir mit einem gewöhnlichen, fast schon banalen Gruß: „Hallo“, wenn wir einander treffen. Wir verwenden einfach andere Worte dafür. Und deshalb hat Thomas seinen Brüdern nicht geglaubt. Und manchmal dieser erschöpfte Zustand, manchmal unsere Fähigkeit, buchstäblich alles zu formalisieren: jede Freude, jede Erfahrung – ist ein trauriges Merkmal unserer menschlichen Natur. Und selbst jetzt hört man manchmal von solchen Sünden in der Beichte: dass man schwer gesündigt habe, in der Lichtwoche gelesen zu haben: „Kommt, lasset uns anbeten und niederfallen…“ anstatt von „Christus ist auferstanden“. So oft passiert es bei uns, dass wir in einige, feste Vorstellungen davon eingeschlossen sind, was und wie notwendig sei, Gott zu verherrlichen. Wir wissen, dass der heutige Satz von Apostel Thomas lautet: „Mein Herr und mein Gott!”. Es ist keine Phrase, die beim Abend- oder Morgengebet abgeschaut wurde, sondern es ist ein Schrei, der aus dem Herzen von Apostel Thomas kam. Und heute lehrt uns Apostel Thomas, dass wir, wenn wir an Christus, den Auferstandenen, glauben, mit unserem ganzen Leben glauben sollten. Wir verstehen, dass wir in diesem heutigen Fest ein gewissen Trost haben, denn es ist charakteristisch für einen Menschen, in den Zeiten der Abkühlung des Glaubens, in den Zeiten der Enttäuschung, in den Zeiten des Zweifels, in den Zeiten einer gewissen Abweichung von der vielleicht ersten Liebe des Glaubens, der ersten Freude zu erleben, aber der Herr verurteilt niemals einen Menschen in diesem Zustand. Wir sehen die Liebe, mit der der Herr den Apostel Thomas empfängt. “Kommt zu mir”, ruft ihn zu ihm und zeigt ihm seine Wunden. Hier ist eine sehr freudige, heutige Erzählung, in der der Herr sagt, dass er die innere Suche des Menschen, die Suche nach der Wahrheit, nicht verurteilt, auch wenn die Suche manchmal mit Zweifel, mit einem gewissen Wandern, mit Misstrauen, mit der Ablehnung der menschlichen Reaktion und der menschlichen Erfahrung vermischt ist, die nicht mit meiner Suche im Einklang steht. Und hier sprechen wir natürlich darüber, wie ein Christ sein sollte. Wahrscheinlich ein wenig selig, denn wenn ein Mensch diese Freude über den auferstandenen Christus für sich öffnet, kann er nicht weiter genau so leben, arbeiten, ruhen, fernsehen, wie vorher, etwas in seinem Leben bricht völlig zusammen. Wahrscheinlich sollte ein Christ wie eine Person aussehen, die einen klinischen Tod erlitten hat und in dieses Leben zurückgekehrt ist. Das Leben geht zwar weiter und man muss Brot verdienen, man muss mit der Familie zusammen sein, man muss Feiertage und Geburtstage mit seinen Lieben feiern, aber es bleibt ein Geheimnis in der Seele eines solchen Menschen. Er hat den Tod bereits durchlebt, er weiß bereits, dass ab diesem Punkt nicht alles vorbei ist. Er hat bereits Erfahrung mit dem Leben jenseits dieses Punktes, und deshalb erscheint manchmal ein Geheimnis, ein für die anderen unverständliches Lächeln auf seinem Gesicht. So sollte ein Christ sein. Das ist die Freude, die wir teilen sollten, die Freude über unsere Erfahrung mit dem auferstandenen Christus. Und die Welt  akzeptiert diese Freude nicht immer. Sie empfindet eine solche Glückseligkeit von unserer Seite aus als eine Torheit, die unverzeihlich ist und manchmal irritierend, aber dies ist die einzige Gelegenheit, von Christus zu erzählen, denn mit der Zeit werden diese Irritationen durch Nachdenklichkeit und inneren Analyse ersetzt, woher man diese Freude hat. Warum hat derjenige einen solchen Optimismus, wo es doch so viele Krankheiten, so viel Trauer, so viele Tränen um ihn herum gibt und er nicht davon loskommt, aber er findet die Kraft, sich zu freuen. Er findet in sich selbst die Kraft, Gott zu danken. Vielleicht ist der heutige Sonntag noch sehr wichtig für uns, denn der Herr zeigt uns das Maß der Freude durch Apostel Thomas, weil Er ihn zur Osterfreude zurückführt, aber Er zeigt ihm auch seine Wunden. Er bietet ihm an, diese Wunden zu berühren. Unsere Freude sollte das Kreuz nicht vergessen, sollte die Wunden nicht vergessen. Dies ist die goldene Mitte der Wunden Christi – zu gehen und über Christus zu predigen, der durch sein Kreuz, durch seine aufopfernde Liebe auferstanden ist, zu gehen und sein eigenes Kreuz zu tragen, zu seinem Ostern zu gehen, zu gehen und sich nicht entmutigen zu lassen, zu gehen und sich zu freuen, diese Freude mit jedem Nachbarn zu teilen, der dich auf deinem Lebensweg begegnet. Apostel Thomas versichert uns allen heute mit diesem Aufruf und einer außerordentlichen inneren Freude: „Mein Herr und mein Gott!”. Mit diesem Zustand, liebe Brüder und Schwestern, wollen wir unser Leben verbringen und uns freuen und diese Freude unseren Nachbarn schenken.

Christus ist auferstanden!

Wahrhaftig wiederauferstanden!

Predigt vom 17.04.2020 zum Karfreitag

18.04.2020 | Thema: Predigt |

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Zuletzt, liebe Brüder und Schwestern, haben wir das Fest der Verkündigung der Heiligen Jungfrau Maria gefeiert und Gott für seine Entscheidung gedankt, die Menschheit durch die Hingabe seines Sohnes in die Welt zu retten. Oft fällt das Fest der Verkündigung nahe der Karwoche und dem Osterfest aus, und sehr oft fällt es sogar mit den Tagen der Karwoche zusammen. Viele fragen sich, warum es nicht möglich ist, das Fest der Verkündigung auf einen anderen Tag zu verlegen, um es nicht mit den traurigen Tagen der Karwoche zu verbinden. Aber – wir müssen verstehen, dass Gott Fleisch geworden ist, um für uns zu sterben. Und heute ist genau der Tag, an dem wir Zeugen sind, Zeugen des Kreuzes, Zeugen von Golgatha, Zeugen des Todes Jesu Christi. Natürlich ist Gott nicht gestorben, weil Judas ihn verraten hat oder weil die Tempelwächter hinter ihm her waren. Wir verstehen und wissen aus der Heiligen Schrift, dass nicht die Menschen Gott beherrschen, sondern Gott die Menschen und die ganze Welt regiert. Auch Christus hatte, wenn er gewollt hätte, Möglichkeiten, dies nicht geschehen zu lassen. Das lag in seiner Macht. Aber das ist der Punkt, dass der Sohn den Willen seines Vaters bis zum Ende erfüllt hat. Und der Wille war, sich für die ganze Menschheit zu opfern. Heute ist der Tag, an dem wir nichts zu sagen brauchen, weil es unmöglich ist. Es ist der Tag, an dem selbst Gottes Mund verschlossen bleibt und er nichts mehr von sich gibt. Der Heilige Isaac der Syrer sagte, wenn Gott etwas noch Kostbareres als seinen Sohn hätte, würde er auch das hergeben. Natürlich ist die hingebende Liebe des Gottvaters, die sich aufopfernde Liebe am Kreuze Seines Sohnes Christus und die Liebe des triumphierenden göttlichen Heiligen Geistes das, was uns am Leben hält und was uns nicht allein sein lässt in dieser Welt. Als der Herr am Kreuz sagte: „Mich dürstet!“, war es sein Durst nach der Rettung der Menschheit. Und wir haben keine Chance, nicht auf diese Liebe zu antworten und Christus nicht nachzufolgen, allein schon deshalb, weil wir zu einem so teuren Preis gekauft worden sind, dem Preis des Lebens unseres Herrn Jesus Christus!


Adresse: Tschaikowskyplatz 1, 20355 Hamburg + Telefon (040) 248 70740 | Pfarrer: Priester Sergij Baburin + Telefon (0173) 23 11 055
Site powered by WordPress | Design Tkach.ru | Kontakt: hamburg-hram
Impressum | Datenschutzerklärung