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Predigt von Erzpriester Sergij Baburin vom 19.01.2021

28.01.2021 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin
Hamburg, den 19. Januar 2021

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ich gratuliere Euch, liebe Brüder und Schwestern, zum wundersamen Weltkirchenfeiertag, zur Taufe des Herren, zum Fest der Erscheinung Gottes.

Am diesem Tag segnet der Herr Seine Jünger, segnet die Welt, gibt ihr seinen Segen zurück.
In diesen Zeilen des Evangeliums verfolgen wir eine gewisse Rückkehr zu den ersten biblischen Versen darüber, wie Gott die Welt schuf.

Wir erinnern uns an die ersten Zeilen des Buches des Genesis, die erste Erwähnung des Wassers: „…und Geist Gottes schwebte über dem Wasser“ (Gen 1,2).

Diese erste Erwähnung lässt uns verstehen, dass das Wasser die Materie ist, aus der Gott die Welt schafft. Der Heilige Geist schenkt dieser Materie seine lebenspendende Kraft, damit Gott in jedem Schöpfungsabschnitt neue wunderbare Geschöpfe in diese Welt setzen kann, und jedes von ihnen schmückt die Welt, geschaffen von einem beachtlichen Künstler, wie wir in einem Gesang hören.

Und an diesem Feiertag hören wir wieder, wie die ganze Heilige Dreifaltigkeit auf das Heilige Wasser hinabsteigt, damit sich diese durch die menschlichen Sünden betrübten Wasser verklären und uns somit eine neue Reinheit spenden.

Jedes Mal, wenn wir den Tag der Taufe des Herrn feiern, erleben wir immer wieder diese Ereignisse: der Herr steigt immer wieder zum Wasser hinab, segnet die Welt um uns herum, lässt uns aber Herrscher dieser Welt sein, mit der ganzen Verantwortung für alles, was in dieser Welt geschieht, bietet sich aber als Helfer, Unterstützer an.

Am heutigen Feiertag stellen wir uns wahrscheinlich die Frage: Warum eigentlich Wasser? Was ist Wasser überhaupt? Das ist die geheimnisvollste Naturkraft dieser Welt. Wie wir im Buch des Genesis lesen, ist sie dem Leben gleich: gibt es Wasser – so gibt es Leben, gibt es kein Wasser, dann gibt es auch kein Leben. Es ist ja auch so, dass unser Planet zu 70% mit Wasser bedeckt ist und jeder von uns zu 70% aus Wasser besteht.

Und jedes Mal, wenn wir über diese wundersame Materie nachdenken, befassen wir uns mit ihrer unglaublichen Fähigkeit des Ineinander-Durchdringens. Deswegen ist es wahrlich so, dass ein Tropfen das Meer weiht! Das ist die einzige Substanz, die in vielen anderen Substanzen erhalten bleiben kann, als Wasser, als Eis, als Dampf und trotzdem immer Wasser bleiben kann, also die chemische Formel dieser Naturkraft immer dieselbe bleibt und wieder als Kondensat in den flüssigen Zustand zurückkehren kann. Diese Prozesse können wir in vollem Umfang gar nicht begreifen. Wasser ist ein Segen. Kann aber zum strafenden Gottes Schwert werden.

Wir erinnern uns an die Verse, wie Gott die Welt von sündigen Menschen durch Wasser bereinigt. Das Wasser spült augenblicklich alle Sünden weg. Es ist weich und sanft, kann aber auch gewaltsam und zerstörerisch werden, das verstehen wir sehr gut, haben schon etliche Bilder gesehen, wie eine gewaltige Welle mit ungeheurer Kraft ganze Länder wegspülen kann. Und dabei ist das eine reinigende Materie, ohne die das menschliche Leben unmöglich ist.

Und damit wir weiter arbeiten können, segnet Gott durch den Wasserdampf, durch Naturquellen, durch alle Gewässer dieser Welt diese Leben schaffende Naturkraft, welche nach wie vor durch menschliche Sünden erschwert und betrübt ist.

Wie wir im Brief des Apostel Paulus an die Römer lesen, und diese Verse lesen wir bei der Taufe eines jeden Menschen: wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? (Röm 6,3)

Und wenn wir glauben, dass wir mit Jesus Christus sterben, dann glauben wir ebenso, dass wir mit Ihm leben und auch auferstehen werden.

Hier ist ein beeindruckender Moment zu verzeichnen, und zwar sind 30 Jahre vergangen zwischen der Geburt Christi und seiner Taufe. ..30 Jahre des Lebens unseres Herren auf Erden, niemand kannte Ihn, Er lebte ruhig unter den Menschen, kümmerte sich um Seine Mutter, ernährte sich von Seiner Arbeit, Er erlernte einen Beruf und wurde ein guter Meister…Und nun, nach 30 Jahren erscheint Er bei der Predigt, um über sich kundzutun, damit der Himmel über Ihn kundtut, und von diesem Augenblick an, vom Augenblick der Taufe beginnt Sein Weg zu Golgatha, Sein Weg zum Kreuz und zu der Auferstehung.

Deswegen ist es so wichtig für uns, heute am Feiertage der Taufe des Herrn auch an unsere Taufe erinnert zu werden, damit wir es immer wieder verinnerlichen, dass wir Christen sind, welche die christliche Taufe und somit Gottes Segen und Gnade empfangen haben und uns mit dem Herrn zu unserer Auferstehung begeben. Mit Gotthilf hoffen wir, dass das Wasser, welches wir heute in unsere Häuser mitnehmen, für uns zum Symbol der Liebe Gottes wird, zum Symbol dessen, dass der Herr uns alles Notwendige für unsere Errettung gibt. Er gibt alles, was ein jeder Mensch braucht. Natürlich ist uns als sündigen Menschen eigen, faul zu sein, einen Teil unserer Arbeit auf einen anderen Menschen zu überladen, die ganze Zeit zu jammern, wie schwer wir es haben. Und dennoch bleibt unser Dasein als Herrscher in dieser Welt. Und deswegen hilft uns der Herr und erinnert an die Verantwortung für das eigene Leben, für das Leben der Nächsten, für unsere unsterbliche Seele. Und so ist dieses Wasser ein Symbol dafür, dass der Herr bereit ist, bei uns zu sein, unser Leben zu reinigen, aufzuklären und es mit Freude zu füllen. Wir aber sind aufgerufen zu arbeiten, um die Gnade des Heiligen Geistes zu erwerben, wie dieses heilige Wasser, das wir heute bekommen. Damit unser Leben reich an Früchten des Heiligen Geistes, an Liebe, Freude, Friede, Geduld, Demut, Enthaltsamkeit und Gnade ist. Damit unsere Seele jeden Tag fröhlich und freudig von dieser Reinheit wird, welche unser Leben füllt.

Gottes Gnade euch allen, liebe Brüder und Schwestern, wollen wir die große Wasserweihe vollbringen und nehmen wir dieses Wasser als großes Heiligtum mit.

In Altertum gab es eine Tradition, dass wenn ein Mensch aus welchem Grund auch immer die Heiligen Gaben nicht empfangen durfte, so konnte er das Heilige Wasser empfangen, das war die Eucharistie im Bewusstsein eines Christen, denn diese Materie, das Weihwasser, ist mit dem Heiligen Geist verbunden. Das ist Gottes Hilfe in unserem Alltag. Wollen wir dieses Wasser mit großer Pietät aufbewahren und zu uns nehmen wie ein großes Heiligtum, das in unsere Seele und unser Leib eintritt. Und wollen wir glauben, dass der Herr durch dieses große Heiligtum uns allen Gesundheit spendet, um die wir uns letzte Zeit so sehr sorgen.

Gottes Gnade.

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin
Hamburg, den 19. Januar 2021

Videostream. LEBEN IN CHRISTO. 1. Ausgabe

28.01.2021 | Thema: Tagebuch |

Heute, um 19 Uhr, findet das erste online-Gespräch mit Vater Dionisij in deutscher Sprache statt. Über den live-Chat können Fragen gestellt werden, die Vater Dionisij beantwortet. Seien Sie herzlich eingeladen an diesem Gespräch teilzunehmen!

Januar 2021 – Weihnachtsbotschaft des Erzbischofs von Podolsk Tichon, Leiters der Diözese von Berlin und Deutschland

6.01.2021 | Thema: Tagebuch |

Weihnachtsbotschaft
des Erzbischofs von Podolsk TICHON
Leiters der Diözese von Berlin und Deutschland
An den Klerus, die Mönche und Nonnen und die Laien

Geliebte Väter, ehrwürdige Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

Ich gratuliere Ihnen allen zum lichten Fest der Geburt Christi. Von neuem erklingen die Worte des Lobpreises der Engel, wie sie einst vom mitternächtlichen Himmel Palästinas ertönten und den Menschen das Geheimnis der Menschwerdung Gottes verkündeten: „Ehre sei Gott in den Höhen und auf Erden Friede, bei den Menschen Wohlgefallen“ (Lk 2,14).

Von der allreinen und über alle gesegneten Jungfrau Maria wurde der Heiland der Welt geboren. Gott, der durch nichts begrenzt ist, ist in die Bedingungen unserer Begrenztheit eingetreten, hat unser ganzes Menschsein außer der Sünde auf sich genommen und wurde still und demütig in einer armen Höhle geboren, in einer Krippe, die vom Atem der Tiere gewärmt wurde. Am Himmelszelt ging zu dieser Zeit ein ungewöhnlicher Stern auf, der den Magiern von der Geburt des Gotteskindes kündete und sie zur Anbetung zusammen mit den Hirten führte, die dieselbe freudige Botschaft von den Engeln erhalten hatten.

Gott erschien im Fleisch“ (1 Tim 3,16), um dem Menschen ewiges Leben zu geben, indem er Sünde und Tod vernichtete. Da er – nach den Worten eines Auslegers -„niemanden fand, der Gott im Himmel erreichen konnte, kam Er, um jeden auf der Erde zu erreichen. Niemand sollte von dieser Freude ausgeschlossen bleiben, denn die Ursache der Freude ist allen gemeinsam.“ Die Geschichte ist nun ein für allemal geheiligt durch die Inkarnation des Gottessohnes in ihr. Durch diese Fleischwerdung werden Zeit, Ort, Leben und menschliches Fleisch und Blut geheiligt. „Christus kam in die Welt, um alles zu heiligen, um alles mit dem Unterpfand des Sinns und der Rechtfertigung zu erfüllen. Sogar Krankheit, Leiden und Tod fanden ihre Rechtfertigung in Seinem Leiden, in Seinem Tod und in Seiner Auferstehung.“

Lasst uns mit den Engeln das in die Welt geborene Gotteskind Christus preisen und besingen, diese Freude bewahren und Werke der Liebe tun. Seit Urzeiten ist es Tradition der Christen, an den Weihnachtsfeiertagen mit Eifer Gutes zu tun, die Leidenden zu besuchen, die Betrübten zu trösten, die Leiden der Kranken zu lindern und sie an der Freude teilhaben zu lassen, derer wir teilhaftig geworden sind. In der jetzigen für uns alle schwierigen Zeit, in der die ganze Welt von Epidemien heimgesucht wird, in der viele Menschen, vor allem Alte und Kranke, Hilfe brauchen, lasst uns für sie unsere aufrichtigen Gebete emporsenden, lasst uns für sie sorgen und versuchen, ihre Lasten zu erleichtern, indem wir das Gesetz Christi erfüllen (Gal 6, 2).

Möge die Freude über Christus, den in die Welt geborenen Retter, immer in unseren Herzen bleiben. Möge das Licht, das über dem Ort scheint, an dem Gott geboren wurde, unser Leben erhellen. Möge der helle Feiertag für jeden zu einer geistlichen Realität werden, in die wir mit frommem Schauer eintreten und in die Tiefe des großen Geheimnisses der Menschwerdung Gottes auf Erden eindringen.

+ TICHON 
Erzbischof von Podolsk
Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland

Berlin
Geburt Christi
25. Dezember 2020 / 7. Januar 2021

Predigt zum Fest Mariä Schutz von Erzpriester Sergij Baburin vom 14.10.2020 (audio)

25.10.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Dionisij Idavain vom 11.10.2020 (audio)

25.10.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin vom 04.10.2020 (audio)

25.10.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt vom 20.09.2020

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Predigt vom 06.09.2020

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Predigt vom 28.08.2020 zum Fest der Mariä Entschlafung

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Alles Gute zum Fest des Entschlafens Muttergottes, liebe Brüder und Schwester! 

Sobald wir solche Worte hören entsteht in unseren Köpfen ein großes Rätsel: „Wie kann in unserer Kirche das Andenken des Totentages eines Menschen zum Feiertag werden?“ Allem voran muss man sich mit dem Wort „Feier“ auseinandersetzen. Die Etymologie dieses Wortes bedeutet, „Ein vom Alltag besonders abgesetzter Tag, an dem im Andenken eines besonderen Ereignisses der Vergangenheit gedacht wird, man soll feiern also und wegen dieses besonderen Ereignisses von Tagesgeschäften fernbleiben. Denn das Thema des heutigen Ereignisses für mich so viel bedeutet, dass ich mich um das Tagesgeschäft nicht kümmern kann.“ Dies ist die Etymologie dieses Wortes. Zudem gibt es Feiertage, die das Tragische, die Trauerstimmung in sich tragen, dennoch werden diese trotzdem als Feiertage angesehen. Das kann ein Feiertag zum Andenken eines tragischen Ereignisses, wie z.B. das Fest der Enthauptung von Johannes dem Täufer. Für uns ist dieses Ereignis ein Andenken an die grenzlose Bosheit, worauf der Mensch in der Lage sein könnte. Am heutigen Feiertag erinnern wir uns nicht nur an den Tod, sondern dieser Fest ist für uns auch ein fröhlicher Feiertag. 

Wie kann der Tod der Gottesgebärerin für uns ein fröhlicher Feiertag sein? Die Bedeutung dieses Feiertages finden wir in den Stichiren und Kanonen, sowie in den theologischen Texten, die im Laufe des heutigen Tages gesungen und gelesen werden. Man muss dazu sagen, dass in kalendaristischer Hinsicht dieser Feiertag zu den zwölf größten kirchlichen Hauptfeiertagen gehört, und ist somit das letzte Fest, das die liturgische Tradition bzw. das kirchliche Jahr abschließt. Die Kirche hat lange Zeit über die Rolle der Gottesgebärerin nachgedacht, über ihre Rolle im Leben eines jeden Christen und über diejenigen Ereignisse, die in ihrem Leben auf Erden stattgefunden haben und die für uns auf Erden lebenden Menschen direkte Konsequenzen haben. An dieser Stelle müssen wir zurückblättern und uns an das irdische Leben der Gottesgebärerin erinnern. Wir wissen alle, dass Jesus Christus seinem Tod auf dem Kreuz im Alter von 33 Jahre begegnet ist, seiner Mutter hat er aber im Gegenteil ein langes Leben gespendet. Wie wir wissen – und hier muss erwähnt werden, dass unser Wissen auf der kirchlichen Tradition fußt -, dass die Gottesgebärerin unmittelbar nach der Auferstehung Christi einige Zeit in ihrem Haus in Jerusalem lebte. Sie stammte aus einer sehr wohlhabenden, renommierten Familie, die über ein Anwesen in der Hauptstadt verfügte. Dieses Haus steht bis heute und wird von vielen Pilgern aus aller Ecken der Welt aufgesucht. In diesem Haus, also verbrachte Maria nach der Auferstehung ihres Sohnes einige Zeit in Gedanken über ihr weiteres Leben. Sehr bald aber, begannen in Jerusalem die ersten Verfolgungen (der Christen), die christliche Gemeinde Jurasalems geriet in Bedrängnis, sodass die ersten Märtyrer ihr Leben für den Glauben opferten. Den Hass, den Zorn und die Feindseligkeit der Judäen, die, Christus aufs Kreuz brachten, bekam in erster Linie die Gottesgebärerin zu spüren. Das Leben in der Hauptstadt weiterhin war von hoher Gefahr geprägt und aus diesem Grund nahm der Apostel Johannes, der Evangelist, dem Jesus Christus den Wohl seiner Mutter anvertraut hatte, die Muttergottes in sein Haus auf und ging mit ihr nach Efes. Heute ist Efes eine Großstadt in der Türkei, damals eine wichtige Hafenstadt in Kleinasien des römischen Imperiums. In Efes verkündete der Apostel Johannes den Einheimischen das Evangelium Christi und die Gottesgebärerin verbrachte mit ihm mehrere Jahre dort. Aus dieser sog. „efesischen Periode“ ist uns bekannt, dass die Muttergottes eine große und gefährliche Reise unternahm, als ihr Schiff in einen fürchterlichen Sturm geriet und jedoch unbeschädigt und unversehrt von der Wucht der Wellen blieb. Das Schiff konnte an den Ufern der griechischen Halbinsel Athos anlegen, seit jener Zeit besteht die Mönchsrepublik. Und seit jener Zeit d.h. über mehrere Jahrhunderten, halten die athonitischen Mönche die Muttergottes für ihre Schutzherrin und Helferin. Der weitere Weg der Gottesgebärerin führte sie nach Zypern, wo sie eine Weile blieb, um anschließend nach Efes zurückzukehren. Die letzten Monate und Tage verbrachte die Muttergottes jedoch in Jerusalem. Sie kehrte heim, in ihr altes Haus in der Hauptstadt, um die wichtigsten Heiligtümer, die mit dem Leben ihres geliebten Sohnes verbunden waren, noch einmal zu sehen. Und hier erlebte Gottegebärerin eine zweite Verkündung, indem ihr der Erzengel Gabriel erschien und ihr das baldige Ausscheiden aus dieser Welt verkündete. Die Zeit sei gekommen, ihr geliebter Sohn rufe Seine Mutter zu sich. Die Gottesgebärerin hatte nur einen einzigen Wunsch offen: Etwas Zeit zu bekommen, um sich von den 12 Aposteln würdig zu verabschieden. Ihr Wunsch ging sehr bald in Erfüllung, denn alle Apostel versammelten sich – allein kommend oder mit Unterstützung der Engel, die sie im Nu nach Jerusalem – in das Haus der Gottesgebärerin brachten. Alle außer den Apostel Thomas. Die Apostel waren Zeugen des Entschlafens Muttergottes, die aus diesem Leben vor ihren Augen ausgeschieden war. Mit großem Kummer und Trauer führten Sie die Muttergottes zum Grabe und am dritten Tage kamm auch der Apostel Thomas in die Hauptstadt an. „Alles was ich euch hier erzähle, basiert auf unserer kirchlichen Tradition, die in den ‚alten Notizen der heiligen Väter und in den alten Apokryphen, die besondere historische Ereignisse dokumentierten, zusammengefasst sind. Die Tradition besagt somit, dass die Apostel 3 Tage nach dem Entschlafen der Gottesgebärerin vor ihrem Grab verbrachten. Sie konnten einfach nicht auseinandergehen bzw. zu ihrem vorherigen Leben zurückkehren. Hinter dem schweren Walzstein des Grabes, lag diejenige, die sich so sorge- und liebevoll, um jeden der Apostel gekümmert hatte. Im Gebet und Psalmlesungen gedachten sie also die Gottesmutter, bis der Apostel Thomas denen zusammenschloss. Um Thomas die Möglichkeit zu geben (seinen Tränen wegen), sich von der Jungfrau Maria zu verabschieden, wälzten sie den Grabstein zur Seite und blieben fassungslos: das Leib der Gottesgebärerin war verschwunden, bzw. lag nicht im Grabe. Es blieben lediglich ein paar Kleidungsstücke (das Khiton/Gewand und das Omoporion/Kopftuch) zurück, die von der Kirche bis heute als jene höchsten Relikten verehrt werden. Für die Apostel war es eine Offenbarung, dass Christus seine Mutter noch vor der allgemeinen Auferstehung aller Menschen zum ewigen Leben auferweckt hatte, so groß und eng war die Liebe Christi für Seine jungfräuliche Mutter. Dieses Mysterium stellt somit die Verwirklichung der Gebete der Gottesgebärerin dar, die, wie wir es in den Gesängen der Karwoche, insbesondere im sog. Klagelied der Mutter Gottes hören, die ihren Sohn bat, sie alsbald zu sich zu rufen. Es ist kein Wunder, dass die Bitte Marias erhört wurde: Wie in unserer orthodoxen Ikonographie sehr detailiert abgebildet, nahm Christus nicht nur ihre Seele, sondern auch ihr Leib ins Paradies, damit Seine geliebte Mutter mit ihm für immer bleibt und ihre mütterliche Vorsorge, die Sie bereits damals für die anfängliche und schwierige Entstehung der antiken Kirche spendete, und ihre Unterstützung auch den folgenden Generationen reichlich austeilt. Die Kirche hat unzählige Nachweise und Dokumentierungen über die Vorsorge, Hilfe und Beistand der Jungfrau Maria, die auch in der heutigen Zeit unermüdlich dabei ist, ihren Kindern kummer- und liebevolle Hilfe und Beistand zu leisten. Denn allen Kindern Christi ist sie zu Mutter geworden! In vielen Ecken der Welt wurde sie mehrfach als lebendige Person gesichtet und die Spuren ihrer Füße, die sie an manchen heiligen Orten hinterlassen hat, stellen einen unmittelbaren Nachweis ihrer wunderbaren Präsenz und ihres Wirkens in der Welt dar. Das Fest des Entschlafens der Gottesgebärerin ist folglich von besonderen geistigen Sinnen gekennzeichnet, es offenbart uns insbesondere den Sinn unseres Daseins. Denn wie auch das Leben der Gottesmutter zeigt, werden wir alle irgendwann zum Ende unserer Existenz auf Erden kommen, wovon wir aber keine Furcht haben sollten.  Denn der Tod ist nur ein Komma im Fluss unseres Lebens, nach dem ein wahres Leben anfängt. Uns so bereiten wir uns auf diese Geburt bzw. auf diesen Übergang sorgfältig vor und stimmen uns innerlich auf das kommende, wahre Leben ein. Sehr oft aber begegnet man Menschen die sagen, dass sie keinen Sinn in ihrem Leben sehen, dass das Leben voll Kummer und der Alltag sinnlos sei. Alles zieht sich von einem Tag auf den anderen, man lebe nur von Erinnerungen und Erwartungen. Wir wissen aber, dass jeder Tag, den wir erleben dürfen, ein Geschenk Gottes ist und das wahre Leben, außerhalb dieses Lebens ist. Das ist unser Weg, ein Weg der die Freude, die Fülle, die Tiefe und das Geheimnis des christlichen Lebens umfasst. Dadurch unterscheiden wir uns von den Menschen, die sich freiwillig für die irdischen Freuden entschieden haben und diese zum Zweck ihres Lebens gemacht haben. Aber so ein Leben ist voll Gefahren, Bezweiflungen und Ängste, denn so ein Leben ist auf die Philosophie des Jetztseins und des ewigen Nichtseins bzw. der ewigen Leere (nach dem Tod) beschränkt. Es ist in der Tat verängstigend. Und wir verstehen, was die Ursache dieser Angst ist, denn die Menschen haben den Boden unter den Füßen verloren. Wie z.B. ein von menschlichen Augen unbemerktes Virus die ganze Menschheit aus dem Konzept gebracht hat, indem die Sicherheit im daraufkommenden Tag zunichte gegangen ist. Auch das Gefühl, ich kann sorgenfrei mein Leben, wie gewohnt, weiterführen, ist verloren gegangen, daher sehen wir, wie die Angst das menschliche Leben umhüllt. Und darum haben wir heute nach der Bittektenie das Gebet gelesen, dass der „Herr seine treuen Kinder, in seiner unermesslichen Erbarmung, von jeglichen Ängsten“ befreit. Denn das Leben eines Christen sollten keine Ängste erschüttern. Sollen wir uns wirklich Gedanken machen, wie der Herr uns ins ewige Leben führt? Der Herr setzt auf unser Vertrauen und Ihm sollten wir unser Vertrauen schenken, sowie den Gesetzen folgen, die in unserem Glauben verankert sind und uns helfen, ungestört auf den Herrn zu hoffen. 

Gleichzeitig zeigt uns das heutige Fest, dass wir dem Beispiel der Gottesgebärerin folgen sollten, unser Leben tagtäglich voller Hoffnung und Vertrauen – der Angst um die Zukunft keine Achtung schenkend – führen und dem Herrn für alles was er uns im Leben schenkt, danken. Mit ihrem Leben liefert uns die Gottesgebärerin ein Beispiel, wie ein Christ sein Leben führen soll. Auf dieser Erde konnte sie nichts mehr aufhalten, das Einzige worauf sie sich sehnte war der Augenblick des Treffens mit ihrem Sohn. Doch der Herr hat seiner Mutter eine besondere Rolle zugewiesen, die sie weiter aufführen musste, insbesondere im Dienste der neu etablierten, anfänglichen Kirche stehen. Darauf hat Christus große Hoffnung gelegt. Auch wir sollten unser Leben, als ein ständiger Dienst ansehen. Nicht im Dienst der eigenen Person, der eigenen Sicherheit und des Komforts sein, sondern stets im Dienste Christi. Dies muss nicht zwingend was Großes sein, meist sind es kleine und unauffällige Dinge: Unsere Bemühungen im Dienste der Familie, im Gebet für die Angehörigen, in unserer Vorsorge für die Eltern oder anderen Menschen im Not, usw., etwas was für die anderen Mitmenschen wenig bedeutend und irrelevant ist, was aber im Geheimen ein göttliches Segen für unser Leben beinhaltet. Also, mit ihrem Leben und den Frieden vor ihrem Entschlafen möge uns die Gottesgebärerin die Ruhe und das Vertrauen spenden, damit unsere Seelen von jeglicher Angst und Verzweiflung verschont bleiben. Damit kein Zweifel und Misstrauen unsere Ruhe und unser Vertrauen, einen kindlichen, puren Glauben, in die vorsorglichen Hände des Allherrschers überschattet. In diesem Fest kommt die Vorsorge Christi sehr deutlich zum Vorschein, wie man auf jeder Ikone sehen und im Kanon zum heutigen Fest hören kann, in dem Er die kindliche Seele seiner geliebten Mutter sehr feinsinnig und sorgfältig in seine Hände nimmt. Diese Hände stehlen den Ankerpunkt im Leben jedes Christen dar. Mögen wir also, liebe Brüder und Schwester, die Ruhe, den Trost und den Frieden in diesem Feiertag finden, in allen Umständen des Lebens, die uns der liebe Gott schickt. Gottes Segen und einen schönen Tag!

Predigt vom 30.08.2020

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin

Hamburg, den 30.08.2020

Heute wurde uns eine Lesung des Evangeliums angeboten, die wir während des Kirchen- und Liturgiejahres mehrmals hören.

Es ist eine Geschichte darüber, wie ein junger Mann zum Herrn kommt. Die Geschichte über dieses Treffen, über dieses Gespräch finden wir bei drei Evangelisten, die uns mit ihren kleinen Akzenten Erinnerungen an diesen Dialog bringen.

Wir verstehen aus dem kombinierten Verständnis aller drei Zeugnisse, dass dieser Mann jung, reich und gut erzogen ist. Unter den alten Forschern gab es den Standpunkt, dass er der Sohn des Synagogenvorstehers war, jedenfalls ein Mann, der seit seiner Kindheit im Recht verwurzelt war. Und nun klingt heute die Frage, mit der er zum Herrn kommt, nicht als eine Provokation, nicht als der Wunsch, den Herrn mit irgendeinem Wort zu fangen, sondern als Wunsch, wirklich eine Antwort auf seine innere Frage zu bekommen. Die Frage, die den jungen Mann quält, ist, wie man in dieser Welt gerettet werden kann. Wahrscheinlich ist es eine Frage, die bis zu einem gewissen Grad jeden Menschen auf der Erde quält. Wie können wir gerettet werden? Worauf will ich hinaus? Wozu ruft mich der Herr? Was ist der Sinn meines Lebens? Wo und wie kann ich mich geistig realisieren? Und so tritt der Herr in einen Dialog mit diesem jungen Mann als Vater ein. Er sagt: „Du kennst doch die Gebote. Also halte sie ein.“ Aber es muss gesagt werden, dass der junge Mann sich in der Gefangenschaft jener Auseinandersetzungen befindet, die die Zeitgenossen Christi aufgewühlt haben, welches Gebot das größte sei. Wir kennen jetzt die 10 Gebote des Moses und lernen sie auswendig, die Gebote der Glückseligkeit. Aber die Gebote des Deuteronomiums sind uns zum Beispiel völlig unbekannt. Dies ist eine riesige Anzahl (mehrere hunderte) von Geboten, die ein gläubiger Jude kennen und zu befolgen versuchen sollte. Es ist durchaus verständlich und offensichtlich, dass es unmöglich ist, all diese mehr als 200 Gebote zu erfüllen. Und so kam es zu einem Streit: Wenn es unmöglich ist, alle Gebote zu befolgen, was sind dann die ersten, die zu beachten sind. Und der Herr listet dem jungen Mann die Gebote auf, die Gott Moses gegeben hat, 10 Gebote. Wir wissen, dass sich die ersten vier Gebote dieser zehn Gebote des Moses auf unsere Beziehung zu Gott beziehen. Und die nächsten sechs beziehen sich auf die Beziehung zwischen den Menschen. Und nun spricht der Herr, indem er diesem jungen Mann antwortet, nur jene Gebote aus, die nicht unsere Beziehung zu Gott betreffen.

Und wir erinnern uns, wie der Evangelist Markus betont, wie Gott diesen Mann gemocht hat. Er war Ihm sympathisch, denn Er sieht seine Bemühungen, sieht sein gutes Herz, seinen Fleiß. Er listet ihm die Gebote auf, die unsere Nächsten betreffen. Der Herr berührt die Gebote im Verhältnis zu Gott überhaupt nicht. Als ob Er sagt: „du bist noch weit entfernt davon und verstehst noch nicht vollständig, was das ist“. Als ob Er ihm sagt, dass der Weg zu diesen Geboten in Bezug auf Gott in der Nachfolge Christi liegt. Als der Herr die Gebote aufzählt, sagt der junge Mann, dass er von Kindheit an, von Jugend an so erzogen wurde, dass er alle diese Gebote hält. Nachdem Er dann aber in das Herz dieses Mannes, des reichen Erben, eingedrungen ist, sagt der Herr zu ihm: „Geh aber hin und verkaufe deinen Besitz, gib ihn den Armen und folge mir nach“. Natürlich verstehen wir, dass dies ein Dialog ist. Der Herr kennt die Schwachstelle dieses Mannes. Die Geldgier hat sich stärker als alles Gute erwiesen, was es im Leben dieses jungen Mannes gibt. Er ist gar nicht in der Lage darüber zu denken, einen Teil seines Nachlasses abzugeben. Deshalb entfernt sich dieser Mann von Christus in Trauer. Und in der Tat sehen wir, dass der Herr ihn gerufen hat: „Folge mir nach. Komm, tu es und folge mir.“ Diese Person war berufen, Jünger zu werden, Apostel zu werden, Christus in seinem irdischen Leben zu begleiten. Aber die Person lehnte ab, weil die Bindungen an irdische Dinge für ihn zu wichtig waren. Und deshalb wurde es für ihn zu dem Problem, welches sich als unlösbar erwies.

Was ist hier wichtig zu erwähnen? Erstens ist dieses Evangelium, wie wir wissen, vom Evangelisten Matthäus geschrieben. Er selbst war ein habgieriger Mann. Und er folgte Christus nach und gab alles weg, was er bei seinen Steuerbetrügereien gewonnen und wovon er zuvor gelebt hatte. Es gab unter den Jüngern und Aposteln auch solche Leute, die gerne auf etwas verzichtet haben. Vielleicht haben sie ein wenig gelitten. Aber immerhin gab es Beispiele vor den Augen, wie es die Menschen um der Nachfolge Christi willen taten. Es war leicht für sie, alles stehen und liegen zu lassen, was sie vorher festgehalten hat.

Und die heutige Lesung des Evangeliums sagt uns, dass manchmal ein einziger Mangel in unserer Seele alle guten Dinge, die wir zu tun versuchen, durchkreuzen kann. Ein sehr ernsthaftes Hindernis in der menschlichen Seele kann stärker als all die guten und hellen Dinge im Leben sein. So fingen die Menschen aus dem Altertum riesige Tiere, die Mammuts, wie wir sie in Felsmalereien sehen: Sie gruben ein großes Loch, legten es mit Zweigen aus. Darauf wurden süße Stiele gelegt und dann liefen sie auseinander. Diese süßen Stängel wurden zu einem Problem für ein Tier, das im normalen Leben vor niemandem Angst hatte. Einmal in der Grube angekommen, war es völlig hilflos gegenüber kleinen Leuten, die es leicht abschlachten konnten. Und natürlich hat wahrscheinlich jeder von uns solche saftigen Stiele, die uns sehr festhalten, diese Gruben, die für uns unmöglich zu überwinden sind. Wie ein Vater mal sagte: „Jemand hat ein Gläschen, jemand hat einen Rock, jemand hat ein buntes Spielzeug oder so etwas“. Wie wir heute sehen, sind die Menschen manchmal auch an Bildschirme gekettet. Und für jemanden ist einer dieser Momente absolut unwiderstehlich.

Und hier ist das Interessante: Wir sehen ein sehr anschauliches Beispiel des Apostels Judas von Iskariot. Wir sehen diesen Mann oft als einen extremen Übeltäter an, aber wenn wir die Heilige Schrift genauer lesen, so hat dieser Jünger Christi alle Gaben in vollem Umfang erhalten, die andere Jünger auch hatten. Auch Judas trieb Dämonen aus, heilte Menschen von Krankheiten. Er war selbst ein Zeuge, wie die Worte, welche er mit Gottes Segen sprach, die Menschen verwandeln. Und wir haben das Recht zu sagen, dass wahrscheinlich viele Menschen die Botschaft über Christus durch Judas erhalten haben. Sie wurden die Jünger Christi durch Judas, aber er selbst fiel von der Gnade ab, weil er das Problem der Geldgier in seiner Seele trug. Wie Johannes der Theologe sagt, Judas, einer der Zwölf, stahl aus der apostolischen Kasse Geld, die durch die Spenden der Menschen gesammelt wurde und von der die Apostel und der Herr lebten. Und wir sehen, wie später diese Leidenschaft sogar zum Verrat wurde. Als er erkannte, dass er neben Christus seine menschlichen Bestrebungen nicht im Sinne des irdischen Wohlergehens befriedigen konnte, verkaufte er Ihn für ein paar Kopeken, um zumindest davon zu profitieren. Das ist die Tragödie des menschlichen Innenlebens. Wenn diese oder jene Leidenschaft verwurzelt ist, hält sie einen Menschen fest.

Als ich kürzlich bei einer Familie war, zeigten mir die Kinder eine Münze. Und sie konnten dank eines Mikroskops erkennen, dass es sich um eine Katharina-Kaiserin-Zeitmünze handelte. Sie hatte ein Datum. Da lässt sich ein Adler lesen. Aber hier ist das Interessante: Es gibt gar keine Münze. Das heißt, woraus man all diese Zeichen liest, ist nur der Rost, der das Bild dieser Münze angenommen hat. Das Metall selbst wurde seit langem von diesem Rost zerfressen. Das ist das Prinzip, wie menschliche Leidenschaft funktioniert.

Zugleich kennen wir viele positive Vorbilder. Wir erinnern uns an wunderbare Menschen aus näherer Vergangenheit, die wir verehren, deren Ikonen wir sorgfältig in der Kirche aufbewahren, zum Beispiel an den Hl. Seraphim von Wyriza. Dieser Mann wurde von Kindheit an in tiefer Religiosität erzogen. Er wollte Mönch werden und kam ins Kloster, um aufgenommen zu werden. Aber der Beichtvater drehte ihn um und sagte: „Geh zurück in die Welt, baue ein Geschäft auf, heirate, baue eine Familie auf und dann, später, wirst du vielleicht eines Tages wirklich ein Mönch“. So tat er als junger Mann im Kloster völlig unerwartet eine Kehrtwendung. Und später sehen wir, als wie weise sich dieser Beichtvater erwies, denn unter Beibehaltung seiner tiefen Religiosität wurde dieser Mann zu einem führenden und einer der erfolgreichsten Kaufleute des Russischen Reiches. Bis zu einem gewissen Grad war er an der Schaffung von Wirtschaftskursen beteiligt, in denen zukünftigen Unternehmern Geschäftstätigkeiten beigebracht wurden. Sogar Leute wie Henry Ford kamen nach Russland, um von russischen Händlern etwas über Geschäfte zu lernen, die sie ausgezeichnet führten. Und natürlich blieb er sein ganzes Leben lang ein religiöser Mensch und spendete großzügig, baute Kirchen und einige Häuser für die Armen, bot Armen Sonntagsmahlzeiten an. Aber es hat ihm nicht gereicht. Und am Ende, kurz vor der Revolution, gab es eine sehr interessante Begebenheit im Leben dieses Mannes. Er sprach mit seiner Frau (die Kinder waren schon groß) und sagte: „Lass uns in die Klöster gehen. Du weißt, wie sehr ich mir ein klösterliches Leben seit meiner Kindheit, seit meiner Jugend gewünscht habe“. Sie hat gerne zugestimmt. Sie trennten sich in den Klöstern. Ihr ganzes riesiges, kolossales Vermögen haben sie absolut ruhig, ohne jeden Kampf, verschenkt (sie haben sicherlich nicht einfach alles hinaus geworfen, sondern wie kluge Unternehmer bedacht weggegeben). Sie gaben alles für die Menschen hin und nahmen selbst das Mönchtum. Beide wurden Mönche. Und es ist interessant, wenn sie ihr Vermögen nicht selbst weggegeben hätten, wäre es ihnen sicher weggenommen worden, denn wenige Monaten später kamen die Bolschewiken an die Macht, die alle diese reichen Leute sofort enteigneten. Alles wurde weggenommen. Aber er schaffte es, nach dem Gebot Gottes alles zu verschenken und ließ nichts für sich selbst übrig.

Oder wir können uns an die Märtyrerin Elisabeth erinnern. Die Frau, die es gewohnt war, mit ihrem Mann Bälle und hohe Empfänge zu besuchen. Sie hatte viele teure Schmuckstücke und Kleider. Als sie Witwe wurde, gab sie alles auf. Sie zeigte, dass nichts von all dem mehr brauchte: weder die geselligen Zusammenkünfte noch Kleider oder Juwelen. Sie gab alles auf und weg. Sie selbst wird zu einem Menschen, der ein klösterliches Leben führt und ein Armenhaus gründet, in das sie all ihr Vermögen steckt. Und sogar die Juwelen, die von ihrem zärtlichen, liebevollen Ehemann waren -keinen einzigen Moment wankte ihre Seele-, verkauft sie rückstandslos. Sie behält keinen einzigen Stein. Sie gibt alles den Armen. So ein erstaunlicher Mensch. Als sie ihre letzte Märtyrerreise nach Alapajewsk antritt, hat sie keinen Pfennig zurück gelegt. Alles wurde ausgeteilt. Alles war restlos weggegeben.

Natürlich sehen wir, dass solche Beispiele von Heiligen uns inspirierend lehren, verschenken zu können, solange wir Zeit haben, denn wenn wir nicht verschenken, wird es die Inflation auffressen oder etwas anderes: Banken oder einige Finanzunternehmen werden uns bestehlen. Neulich hörte ich mit großem Interesse einem Treffen wichtiger Financiers zu, die darüber diskutierten, in was heute investiert werden sollte. Und am Ende kamen sie in einer Sache zusammen: nirgendwo. Man kann nirgendwo Geld verdienen. Weltweit hat sich die Struktur des Finanzwesens verändert. Man kann überall nur bankrottgehen oder ärmer werden. Und so kamen sie zu der alten Geldgier zurück: nur in Gold investiert man sicher. Alle anderen Versuche sind verwundbar, schwach usw. Wir verstehen also, dass die Welt so funktioniert: der Herr gibt uns Mittel für eine Weile. Bitte beachten Sie: Wenn wir ehrlich über unser eigenes Budget nachdenken, erhalten wir vom Herrn stets ein bisschen mehr, als wir brauchen. Immer. Weil wir auf die Probe gestellt werden, was wir mit diesem Überschuss tun werden: ihn einstecken oder verschenken. Und dies sind die Worte des Herrn: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.“ „Ungerecht“, weil ihn der Herr uns gegeben hat. Es ist nicht unser eigen. Es ist das, was uns zur Verfügung steht. Wie verfügen wir über die Mittel? Natürlich ist es am besten, sie den Menschen zu geben, denn sonst verlieren wir sie sowieso. Wir werden diese Welt ohne alles verlassen.

Gott gebe, dass jeder von uns, der Christus nachfolgt, Großzügigkeit als eine grundlegende innere Tugend hat. Natürlich haben wir noch einen langen Weg vor uns bis dahin, weil wir alle zusammen gierig sind. Dies ist unser gemeinsamer menschlicher Charakterzug. Natürlich ist es sehr schwierig, so leicht in die Tasche zu greifen und sich von etwas zu trennen. Aber andererseits haben wir alle die Erfahrung gemacht, wie leicht es im Herzen ist, wenn man das verschenkt, was zurückhält, weil die Münze, die man so leidenschaftlich in der Hand hält, die Hand lähmt. Alles, was sie dann tun kann, ist diese Münze zu halten und nachzudenken, darüber zu meditieren, dass diese Münze mir gehört. Tatsächlich ist ein Mensch völlig hilflos, weil seine Hand nichts anderes tun kann. Und solange sie es nicht verschenkt, kann sie weder zeichnen noch dirigieren noch einen schönen Blumenstrauß oder irgendetwas anderes machen: einen Kuchen backen und ihn verschenken. Oder etwas mit eigenen Händen machen und es verschenken. Gott gebe, dass die heutige Lesung des Evangeliums uns lehrt, großzügig und barmherzig zu sein und, dass wir, solange wir Zeit haben, den Menschen helfen.

Gott schütze uns alle, liebe Brüder und Schwestern.


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