Russische Orthodoxe Kirche zu Hamburg

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Tagesbuch

Predigt zum Fest Mariä Schutz von Erzpriester Sergij Baburin vom 14.10.2020 (audio)

25.10.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Dionisij Idavain vom 11.10.2020 (audio)

25.10.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin vom 04.10.2020 (audio)

25.10.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin vom 27.09.2020 (audio)

25.10.2020 | Thema: Predigt |

Predigt vom 20.09.2020

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Predigt vom 06.09.2020

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Predigt vom 28.08.2020 zum Fest der Mariä Entschlafung

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Alles Gute zum Fest des Entschlafens Muttergottes, liebe Brüder und Schwester! 

Sobald wir solche Worte hören entsteht in unseren Köpfen ein großes Rätsel: „Wie kann in unserer Kirche das Andenken des Totentages eines Menschen zum Feiertag werden?“ Allem voran muss man sich mit dem Wort „Feier“ auseinandersetzen. Die Etymologie dieses Wortes bedeutet, „Ein vom Alltag besonders abgesetzter Tag, an dem im Andenken eines besonderen Ereignisses der Vergangenheit gedacht wird, man soll feiern also und wegen dieses besonderen Ereignisses von Tagesgeschäften fernbleiben. Denn das Thema des heutigen Ereignisses für mich so viel bedeutet, dass ich mich um das Tagesgeschäft nicht kümmern kann.“ Dies ist die Etymologie dieses Wortes. Zudem gibt es Feiertage, die das Tragische, die Trauerstimmung in sich tragen, dennoch werden diese trotzdem als Feiertage angesehen. Das kann ein Feiertag zum Andenken eines tragischen Ereignisses, wie z.B. das Fest der Enthauptung von Johannes dem Täufer. Für uns ist dieses Ereignis ein Andenken an die grenzlose Bosheit, worauf der Mensch in der Lage sein könnte. Am heutigen Feiertag erinnern wir uns nicht nur an den Tod, sondern dieser Fest ist für uns auch ein fröhlicher Feiertag. 

Wie kann der Tod der Gottesgebärerin für uns ein fröhlicher Feiertag sein? Die Bedeutung dieses Feiertages finden wir in den Stichiren und Kanonen, sowie in den theologischen Texten, die im Laufe des heutigen Tages gesungen und gelesen werden. Man muss dazu sagen, dass in kalendaristischer Hinsicht dieser Feiertag zu den zwölf größten kirchlichen Hauptfeiertagen gehört, und ist somit das letzte Fest, das die liturgische Tradition bzw. das kirchliche Jahr abschließt. Die Kirche hat lange Zeit über die Rolle der Gottesgebärerin nachgedacht, über ihre Rolle im Leben eines jeden Christen und über diejenigen Ereignisse, die in ihrem Leben auf Erden stattgefunden haben und die für uns auf Erden lebenden Menschen direkte Konsequenzen haben. An dieser Stelle müssen wir zurückblättern und uns an das irdische Leben der Gottesgebärerin erinnern. Wir wissen alle, dass Jesus Christus seinem Tod auf dem Kreuz im Alter von 33 Jahre begegnet ist, seiner Mutter hat er aber im Gegenteil ein langes Leben gespendet. Wie wir wissen – und hier muss erwähnt werden, dass unser Wissen auf der kirchlichen Tradition fußt -, dass die Gottesgebärerin unmittelbar nach der Auferstehung Christi einige Zeit in ihrem Haus in Jerusalem lebte. Sie stammte aus einer sehr wohlhabenden, renommierten Familie, die über ein Anwesen in der Hauptstadt verfügte. Dieses Haus steht bis heute und wird von vielen Pilgern aus aller Ecken der Welt aufgesucht. In diesem Haus, also verbrachte Maria nach der Auferstehung ihres Sohnes einige Zeit in Gedanken über ihr weiteres Leben. Sehr bald aber, begannen in Jerusalem die ersten Verfolgungen (der Christen), die christliche Gemeinde Jurasalems geriet in Bedrängnis, sodass die ersten Märtyrer ihr Leben für den Glauben opferten. Den Hass, den Zorn und die Feindseligkeit der Judäen, die, Christus aufs Kreuz brachten, bekam in erster Linie die Gottesgebärerin zu spüren. Das Leben in der Hauptstadt weiterhin war von hoher Gefahr geprägt und aus diesem Grund nahm der Apostel Johannes, der Evangelist, dem Jesus Christus den Wohl seiner Mutter anvertraut hatte, die Muttergottes in sein Haus auf und ging mit ihr nach Efes. Heute ist Efes eine Großstadt in der Türkei, damals eine wichtige Hafenstadt in Kleinasien des römischen Imperiums. In Efes verkündete der Apostel Johannes den Einheimischen das Evangelium Christi und die Gottesgebärerin verbrachte mit ihm mehrere Jahre dort. Aus dieser sog. „efesischen Periode“ ist uns bekannt, dass die Muttergottes eine große und gefährliche Reise unternahm, als ihr Schiff in einen fürchterlichen Sturm geriet und jedoch unbeschädigt und unversehrt von der Wucht der Wellen blieb. Das Schiff konnte an den Ufern der griechischen Halbinsel Athos anlegen, seit jener Zeit besteht die Mönchsrepublik. Und seit jener Zeit d.h. über mehrere Jahrhunderten, halten die athonitischen Mönche die Muttergottes für ihre Schutzherrin und Helferin. Der weitere Weg der Gottesgebärerin führte sie nach Zypern, wo sie eine Weile blieb, um anschließend nach Efes zurückzukehren. Die letzten Monate und Tage verbrachte die Muttergottes jedoch in Jerusalem. Sie kehrte heim, in ihr altes Haus in der Hauptstadt, um die wichtigsten Heiligtümer, die mit dem Leben ihres geliebten Sohnes verbunden waren, noch einmal zu sehen. Und hier erlebte Gottegebärerin eine zweite Verkündung, indem ihr der Erzengel Gabriel erschien und ihr das baldige Ausscheiden aus dieser Welt verkündete. Die Zeit sei gekommen, ihr geliebter Sohn rufe Seine Mutter zu sich. Die Gottesgebärerin hatte nur einen einzigen Wunsch offen: Etwas Zeit zu bekommen, um sich von den 12 Aposteln würdig zu verabschieden. Ihr Wunsch ging sehr bald in Erfüllung, denn alle Apostel versammelten sich – allein kommend oder mit Unterstützung der Engel, die sie im Nu nach Jerusalem – in das Haus der Gottesgebärerin brachten. Alle außer den Apostel Thomas. Die Apostel waren Zeugen des Entschlafens Muttergottes, die aus diesem Leben vor ihren Augen ausgeschieden war. Mit großem Kummer und Trauer führten Sie die Muttergottes zum Grabe und am dritten Tage kamm auch der Apostel Thomas in die Hauptstadt an. „Alles was ich euch hier erzähle, basiert auf unserer kirchlichen Tradition, die in den ‚alten Notizen der heiligen Väter und in den alten Apokryphen, die besondere historische Ereignisse dokumentierten, zusammengefasst sind. Die Tradition besagt somit, dass die Apostel 3 Tage nach dem Entschlafen der Gottesgebärerin vor ihrem Grab verbrachten. Sie konnten einfach nicht auseinandergehen bzw. zu ihrem vorherigen Leben zurückkehren. Hinter dem schweren Walzstein des Grabes, lag diejenige, die sich so sorge- und liebevoll, um jeden der Apostel gekümmert hatte. Im Gebet und Psalmlesungen gedachten sie also die Gottesmutter, bis der Apostel Thomas denen zusammenschloss. Um Thomas die Möglichkeit zu geben (seinen Tränen wegen), sich von der Jungfrau Maria zu verabschieden, wälzten sie den Grabstein zur Seite und blieben fassungslos: das Leib der Gottesgebärerin war verschwunden, bzw. lag nicht im Grabe. Es blieben lediglich ein paar Kleidungsstücke (das Khiton/Gewand und das Omoporion/Kopftuch) zurück, die von der Kirche bis heute als jene höchsten Relikten verehrt werden. Für die Apostel war es eine Offenbarung, dass Christus seine Mutter noch vor der allgemeinen Auferstehung aller Menschen zum ewigen Leben auferweckt hatte, so groß und eng war die Liebe Christi für Seine jungfräuliche Mutter. Dieses Mysterium stellt somit die Verwirklichung der Gebete der Gottesgebärerin dar, die, wie wir es in den Gesängen der Karwoche, insbesondere im sog. Klagelied der Mutter Gottes hören, die ihren Sohn bat, sie alsbald zu sich zu rufen. Es ist kein Wunder, dass die Bitte Marias erhört wurde: Wie in unserer orthodoxen Ikonographie sehr detailiert abgebildet, nahm Christus nicht nur ihre Seele, sondern auch ihr Leib ins Paradies, damit Seine geliebte Mutter mit ihm für immer bleibt und ihre mütterliche Vorsorge, die Sie bereits damals für die anfängliche und schwierige Entstehung der antiken Kirche spendete, und ihre Unterstützung auch den folgenden Generationen reichlich austeilt. Die Kirche hat unzählige Nachweise und Dokumentierungen über die Vorsorge, Hilfe und Beistand der Jungfrau Maria, die auch in der heutigen Zeit unermüdlich dabei ist, ihren Kindern kummer- und liebevolle Hilfe und Beistand zu leisten. Denn allen Kindern Christi ist sie zu Mutter geworden! In vielen Ecken der Welt wurde sie mehrfach als lebendige Person gesichtet und die Spuren ihrer Füße, die sie an manchen heiligen Orten hinterlassen hat, stellen einen unmittelbaren Nachweis ihrer wunderbaren Präsenz und ihres Wirkens in der Welt dar. Das Fest des Entschlafens der Gottesgebärerin ist folglich von besonderen geistigen Sinnen gekennzeichnet, es offenbart uns insbesondere den Sinn unseres Daseins. Denn wie auch das Leben der Gottesmutter zeigt, werden wir alle irgendwann zum Ende unserer Existenz auf Erden kommen, wovon wir aber keine Furcht haben sollten.  Denn der Tod ist nur ein Komma im Fluss unseres Lebens, nach dem ein wahres Leben anfängt. Uns so bereiten wir uns auf diese Geburt bzw. auf diesen Übergang sorgfältig vor und stimmen uns innerlich auf das kommende, wahre Leben ein. Sehr oft aber begegnet man Menschen die sagen, dass sie keinen Sinn in ihrem Leben sehen, dass das Leben voll Kummer und der Alltag sinnlos sei. Alles zieht sich von einem Tag auf den anderen, man lebe nur von Erinnerungen und Erwartungen. Wir wissen aber, dass jeder Tag, den wir erleben dürfen, ein Geschenk Gottes ist und das wahre Leben, außerhalb dieses Lebens ist. Das ist unser Weg, ein Weg der die Freude, die Fülle, die Tiefe und das Geheimnis des christlichen Lebens umfasst. Dadurch unterscheiden wir uns von den Menschen, die sich freiwillig für die irdischen Freuden entschieden haben und diese zum Zweck ihres Lebens gemacht haben. Aber so ein Leben ist voll Gefahren, Bezweiflungen und Ängste, denn so ein Leben ist auf die Philosophie des Jetztseins und des ewigen Nichtseins bzw. der ewigen Leere (nach dem Tod) beschränkt. Es ist in der Tat verängstigend. Und wir verstehen, was die Ursache dieser Angst ist, denn die Menschen haben den Boden unter den Füßen verloren. Wie z.B. ein von menschlichen Augen unbemerktes Virus die ganze Menschheit aus dem Konzept gebracht hat, indem die Sicherheit im daraufkommenden Tag zunichte gegangen ist. Auch das Gefühl, ich kann sorgenfrei mein Leben, wie gewohnt, weiterführen, ist verloren gegangen, daher sehen wir, wie die Angst das menschliche Leben umhüllt. Und darum haben wir heute nach der Bittektenie das Gebet gelesen, dass der „Herr seine treuen Kinder, in seiner unermesslichen Erbarmung, von jeglichen Ängsten“ befreit. Denn das Leben eines Christen sollten keine Ängste erschüttern. Sollen wir uns wirklich Gedanken machen, wie der Herr uns ins ewige Leben führt? Der Herr setzt auf unser Vertrauen und Ihm sollten wir unser Vertrauen schenken, sowie den Gesetzen folgen, die in unserem Glauben verankert sind und uns helfen, ungestört auf den Herrn zu hoffen. 

Gleichzeitig zeigt uns das heutige Fest, dass wir dem Beispiel der Gottesgebärerin folgen sollten, unser Leben tagtäglich voller Hoffnung und Vertrauen – der Angst um die Zukunft keine Achtung schenkend – führen und dem Herrn für alles was er uns im Leben schenkt, danken. Mit ihrem Leben liefert uns die Gottesgebärerin ein Beispiel, wie ein Christ sein Leben führen soll. Auf dieser Erde konnte sie nichts mehr aufhalten, das Einzige worauf sie sich sehnte war der Augenblick des Treffens mit ihrem Sohn. Doch der Herr hat seiner Mutter eine besondere Rolle zugewiesen, die sie weiter aufführen musste, insbesondere im Dienste der neu etablierten, anfänglichen Kirche stehen. Darauf hat Christus große Hoffnung gelegt. Auch wir sollten unser Leben, als ein ständiger Dienst ansehen. Nicht im Dienst der eigenen Person, der eigenen Sicherheit und des Komforts sein, sondern stets im Dienste Christi. Dies muss nicht zwingend was Großes sein, meist sind es kleine und unauffällige Dinge: Unsere Bemühungen im Dienste der Familie, im Gebet für die Angehörigen, in unserer Vorsorge für die Eltern oder anderen Menschen im Not, usw., etwas was für die anderen Mitmenschen wenig bedeutend und irrelevant ist, was aber im Geheimen ein göttliches Segen für unser Leben beinhaltet. Also, mit ihrem Leben und den Frieden vor ihrem Entschlafen möge uns die Gottesgebärerin die Ruhe und das Vertrauen spenden, damit unsere Seelen von jeglicher Angst und Verzweiflung verschont bleiben. Damit kein Zweifel und Misstrauen unsere Ruhe und unser Vertrauen, einen kindlichen, puren Glauben, in die vorsorglichen Hände des Allherrschers überschattet. In diesem Fest kommt die Vorsorge Christi sehr deutlich zum Vorschein, wie man auf jeder Ikone sehen und im Kanon zum heutigen Fest hören kann, in dem Er die kindliche Seele seiner geliebten Mutter sehr feinsinnig und sorgfältig in seine Hände nimmt. Diese Hände stehlen den Ankerpunkt im Leben jedes Christen dar. Mögen wir also, liebe Brüder und Schwester, die Ruhe, den Trost und den Frieden in diesem Feiertag finden, in allen Umständen des Lebens, die uns der liebe Gott schickt. Gottes Segen und einen schönen Tag!

Predigt vom 30.08.2020

3.10.2020 | Thema: Tagebuch |

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin

Hamburg, den 30.08.2020

Heute wurde uns eine Lesung des Evangeliums angeboten, die wir während des Kirchen- und Liturgiejahres mehrmals hören.

Es ist eine Geschichte darüber, wie ein junger Mann zum Herrn kommt. Die Geschichte über dieses Treffen, über dieses Gespräch finden wir bei drei Evangelisten, die uns mit ihren kleinen Akzenten Erinnerungen an diesen Dialog bringen.

Wir verstehen aus dem kombinierten Verständnis aller drei Zeugnisse, dass dieser Mann jung, reich und gut erzogen ist. Unter den alten Forschern gab es den Standpunkt, dass er der Sohn des Synagogenvorstehers war, jedenfalls ein Mann, der seit seiner Kindheit im Recht verwurzelt war. Und nun klingt heute die Frage, mit der er zum Herrn kommt, nicht als eine Provokation, nicht als der Wunsch, den Herrn mit irgendeinem Wort zu fangen, sondern als Wunsch, wirklich eine Antwort auf seine innere Frage zu bekommen. Die Frage, die den jungen Mann quält, ist, wie man in dieser Welt gerettet werden kann. Wahrscheinlich ist es eine Frage, die bis zu einem gewissen Grad jeden Menschen auf der Erde quält. Wie können wir gerettet werden? Worauf will ich hinaus? Wozu ruft mich der Herr? Was ist der Sinn meines Lebens? Wo und wie kann ich mich geistig realisieren? Und so tritt der Herr in einen Dialog mit diesem jungen Mann als Vater ein. Er sagt: „Du kennst doch die Gebote. Also halte sie ein.“ Aber es muss gesagt werden, dass der junge Mann sich in der Gefangenschaft jener Auseinandersetzungen befindet, die die Zeitgenossen Christi aufgewühlt haben, welches Gebot das größte sei. Wir kennen jetzt die 10 Gebote des Moses und lernen sie auswendig, die Gebote der Glückseligkeit. Aber die Gebote des Deuteronomiums sind uns zum Beispiel völlig unbekannt. Dies ist eine riesige Anzahl (mehrere hunderte) von Geboten, die ein gläubiger Jude kennen und zu befolgen versuchen sollte. Es ist durchaus verständlich und offensichtlich, dass es unmöglich ist, all diese mehr als 200 Gebote zu erfüllen. Und so kam es zu einem Streit: Wenn es unmöglich ist, alle Gebote zu befolgen, was sind dann die ersten, die zu beachten sind. Und der Herr listet dem jungen Mann die Gebote auf, die Gott Moses gegeben hat, 10 Gebote. Wir wissen, dass sich die ersten vier Gebote dieser zehn Gebote des Moses auf unsere Beziehung zu Gott beziehen. Und die nächsten sechs beziehen sich auf die Beziehung zwischen den Menschen. Und nun spricht der Herr, indem er diesem jungen Mann antwortet, nur jene Gebote aus, die nicht unsere Beziehung zu Gott betreffen.

Und wir erinnern uns, wie der Evangelist Markus betont, wie Gott diesen Mann gemocht hat. Er war Ihm sympathisch, denn Er sieht seine Bemühungen, sieht sein gutes Herz, seinen Fleiß. Er listet ihm die Gebote auf, die unsere Nächsten betreffen. Der Herr berührt die Gebote im Verhältnis zu Gott überhaupt nicht. Als ob Er sagt: „du bist noch weit entfernt davon und verstehst noch nicht vollständig, was das ist“. Als ob Er ihm sagt, dass der Weg zu diesen Geboten in Bezug auf Gott in der Nachfolge Christi liegt. Als der Herr die Gebote aufzählt, sagt der junge Mann, dass er von Kindheit an, von Jugend an so erzogen wurde, dass er alle diese Gebote hält. Nachdem Er dann aber in das Herz dieses Mannes, des reichen Erben, eingedrungen ist, sagt der Herr zu ihm: „Geh aber hin und verkaufe deinen Besitz, gib ihn den Armen und folge mir nach“. Natürlich verstehen wir, dass dies ein Dialog ist. Der Herr kennt die Schwachstelle dieses Mannes. Die Geldgier hat sich stärker als alles Gute erwiesen, was es im Leben dieses jungen Mannes gibt. Er ist gar nicht in der Lage darüber zu denken, einen Teil seines Nachlasses abzugeben. Deshalb entfernt sich dieser Mann von Christus in Trauer. Und in der Tat sehen wir, dass der Herr ihn gerufen hat: „Folge mir nach. Komm, tu es und folge mir.“ Diese Person war berufen, Jünger zu werden, Apostel zu werden, Christus in seinem irdischen Leben zu begleiten. Aber die Person lehnte ab, weil die Bindungen an irdische Dinge für ihn zu wichtig waren. Und deshalb wurde es für ihn zu dem Problem, welches sich als unlösbar erwies.

Was ist hier wichtig zu erwähnen? Erstens ist dieses Evangelium, wie wir wissen, vom Evangelisten Matthäus geschrieben. Er selbst war ein habgieriger Mann. Und er folgte Christus nach und gab alles weg, was er bei seinen Steuerbetrügereien gewonnen und wovon er zuvor gelebt hatte. Es gab unter den Jüngern und Aposteln auch solche Leute, die gerne auf etwas verzichtet haben. Vielleicht haben sie ein wenig gelitten. Aber immerhin gab es Beispiele vor den Augen, wie es die Menschen um der Nachfolge Christi willen taten. Es war leicht für sie, alles stehen und liegen zu lassen, was sie vorher festgehalten hat.

Und die heutige Lesung des Evangeliums sagt uns, dass manchmal ein einziger Mangel in unserer Seele alle guten Dinge, die wir zu tun versuchen, durchkreuzen kann. Ein sehr ernsthaftes Hindernis in der menschlichen Seele kann stärker als all die guten und hellen Dinge im Leben sein. So fingen die Menschen aus dem Altertum riesige Tiere, die Mammuts, wie wir sie in Felsmalereien sehen: Sie gruben ein großes Loch, legten es mit Zweigen aus. Darauf wurden süße Stiele gelegt und dann liefen sie auseinander. Diese süßen Stängel wurden zu einem Problem für ein Tier, das im normalen Leben vor niemandem Angst hatte. Einmal in der Grube angekommen, war es völlig hilflos gegenüber kleinen Leuten, die es leicht abschlachten konnten. Und natürlich hat wahrscheinlich jeder von uns solche saftigen Stiele, die uns sehr festhalten, diese Gruben, die für uns unmöglich zu überwinden sind. Wie ein Vater mal sagte: „Jemand hat ein Gläschen, jemand hat einen Rock, jemand hat ein buntes Spielzeug oder so etwas“. Wie wir heute sehen, sind die Menschen manchmal auch an Bildschirme gekettet. Und für jemanden ist einer dieser Momente absolut unwiderstehlich.

Und hier ist das Interessante: Wir sehen ein sehr anschauliches Beispiel des Apostels Judas von Iskariot. Wir sehen diesen Mann oft als einen extremen Übeltäter an, aber wenn wir die Heilige Schrift genauer lesen, so hat dieser Jünger Christi alle Gaben in vollem Umfang erhalten, die andere Jünger auch hatten. Auch Judas trieb Dämonen aus, heilte Menschen von Krankheiten. Er war selbst ein Zeuge, wie die Worte, welche er mit Gottes Segen sprach, die Menschen verwandeln. Und wir haben das Recht zu sagen, dass wahrscheinlich viele Menschen die Botschaft über Christus durch Judas erhalten haben. Sie wurden die Jünger Christi durch Judas, aber er selbst fiel von der Gnade ab, weil er das Problem der Geldgier in seiner Seele trug. Wie Johannes der Theologe sagt, Judas, einer der Zwölf, stahl aus der apostolischen Kasse Geld, die durch die Spenden der Menschen gesammelt wurde und von der die Apostel und der Herr lebten. Und wir sehen, wie später diese Leidenschaft sogar zum Verrat wurde. Als er erkannte, dass er neben Christus seine menschlichen Bestrebungen nicht im Sinne des irdischen Wohlergehens befriedigen konnte, verkaufte er Ihn für ein paar Kopeken, um zumindest davon zu profitieren. Das ist die Tragödie des menschlichen Innenlebens. Wenn diese oder jene Leidenschaft verwurzelt ist, hält sie einen Menschen fest.

Als ich kürzlich bei einer Familie war, zeigten mir die Kinder eine Münze. Und sie konnten dank eines Mikroskops erkennen, dass es sich um eine Katharina-Kaiserin-Zeitmünze handelte. Sie hatte ein Datum. Da lässt sich ein Adler lesen. Aber hier ist das Interessante: Es gibt gar keine Münze. Das heißt, woraus man all diese Zeichen liest, ist nur der Rost, der das Bild dieser Münze angenommen hat. Das Metall selbst wurde seit langem von diesem Rost zerfressen. Das ist das Prinzip, wie menschliche Leidenschaft funktioniert.

Zugleich kennen wir viele positive Vorbilder. Wir erinnern uns an wunderbare Menschen aus näherer Vergangenheit, die wir verehren, deren Ikonen wir sorgfältig in der Kirche aufbewahren, zum Beispiel an den Hl. Seraphim von Wyriza. Dieser Mann wurde von Kindheit an in tiefer Religiosität erzogen. Er wollte Mönch werden und kam ins Kloster, um aufgenommen zu werden. Aber der Beichtvater drehte ihn um und sagte: „Geh zurück in die Welt, baue ein Geschäft auf, heirate, baue eine Familie auf und dann, später, wirst du vielleicht eines Tages wirklich ein Mönch“. So tat er als junger Mann im Kloster völlig unerwartet eine Kehrtwendung. Und später sehen wir, als wie weise sich dieser Beichtvater erwies, denn unter Beibehaltung seiner tiefen Religiosität wurde dieser Mann zu einem führenden und einer der erfolgreichsten Kaufleute des Russischen Reiches. Bis zu einem gewissen Grad war er an der Schaffung von Wirtschaftskursen beteiligt, in denen zukünftigen Unternehmern Geschäftstätigkeiten beigebracht wurden. Sogar Leute wie Henry Ford kamen nach Russland, um von russischen Händlern etwas über Geschäfte zu lernen, die sie ausgezeichnet führten. Und natürlich blieb er sein ganzes Leben lang ein religiöser Mensch und spendete großzügig, baute Kirchen und einige Häuser für die Armen, bot Armen Sonntagsmahlzeiten an. Aber es hat ihm nicht gereicht. Und am Ende, kurz vor der Revolution, gab es eine sehr interessante Begebenheit im Leben dieses Mannes. Er sprach mit seiner Frau (die Kinder waren schon groß) und sagte: „Lass uns in die Klöster gehen. Du weißt, wie sehr ich mir ein klösterliches Leben seit meiner Kindheit, seit meiner Jugend gewünscht habe“. Sie hat gerne zugestimmt. Sie trennten sich in den Klöstern. Ihr ganzes riesiges, kolossales Vermögen haben sie absolut ruhig, ohne jeden Kampf, verschenkt (sie haben sicherlich nicht einfach alles hinaus geworfen, sondern wie kluge Unternehmer bedacht weggegeben). Sie gaben alles für die Menschen hin und nahmen selbst das Mönchtum. Beide wurden Mönche. Und es ist interessant, wenn sie ihr Vermögen nicht selbst weggegeben hätten, wäre es ihnen sicher weggenommen worden, denn wenige Monaten später kamen die Bolschewiken an die Macht, die alle diese reichen Leute sofort enteigneten. Alles wurde weggenommen. Aber er schaffte es, nach dem Gebot Gottes alles zu verschenken und ließ nichts für sich selbst übrig.

Oder wir können uns an die Märtyrerin Elisabeth erinnern. Die Frau, die es gewohnt war, mit ihrem Mann Bälle und hohe Empfänge zu besuchen. Sie hatte viele teure Schmuckstücke und Kleider. Als sie Witwe wurde, gab sie alles auf. Sie zeigte, dass nichts von all dem mehr brauchte: weder die geselligen Zusammenkünfte noch Kleider oder Juwelen. Sie gab alles auf und weg. Sie selbst wird zu einem Menschen, der ein klösterliches Leben führt und ein Armenhaus gründet, in das sie all ihr Vermögen steckt. Und sogar die Juwelen, die von ihrem zärtlichen, liebevollen Ehemann waren -keinen einzigen Moment wankte ihre Seele-, verkauft sie rückstandslos. Sie behält keinen einzigen Stein. Sie gibt alles den Armen. So ein erstaunlicher Mensch. Als sie ihre letzte Märtyrerreise nach Alapajewsk antritt, hat sie keinen Pfennig zurück gelegt. Alles wurde ausgeteilt. Alles war restlos weggegeben.

Natürlich sehen wir, dass solche Beispiele von Heiligen uns inspirierend lehren, verschenken zu können, solange wir Zeit haben, denn wenn wir nicht verschenken, wird es die Inflation auffressen oder etwas anderes: Banken oder einige Finanzunternehmen werden uns bestehlen. Neulich hörte ich mit großem Interesse einem Treffen wichtiger Financiers zu, die darüber diskutierten, in was heute investiert werden sollte. Und am Ende kamen sie in einer Sache zusammen: nirgendwo. Man kann nirgendwo Geld verdienen. Weltweit hat sich die Struktur des Finanzwesens verändert. Man kann überall nur bankrottgehen oder ärmer werden. Und so kamen sie zu der alten Geldgier zurück: nur in Gold investiert man sicher. Alle anderen Versuche sind verwundbar, schwach usw. Wir verstehen also, dass die Welt so funktioniert: der Herr gibt uns Mittel für eine Weile. Bitte beachten Sie: Wenn wir ehrlich über unser eigenes Budget nachdenken, erhalten wir vom Herrn stets ein bisschen mehr, als wir brauchen. Immer. Weil wir auf die Probe gestellt werden, was wir mit diesem Überschuss tun werden: ihn einstecken oder verschenken. Und dies sind die Worte des Herrn: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.“ „Ungerecht“, weil ihn der Herr uns gegeben hat. Es ist nicht unser eigen. Es ist das, was uns zur Verfügung steht. Wie verfügen wir über die Mittel? Natürlich ist es am besten, sie den Menschen zu geben, denn sonst verlieren wir sie sowieso. Wir werden diese Welt ohne alles verlassen.

Gott gebe, dass jeder von uns, der Christus nachfolgt, Großzügigkeit als eine grundlegende innere Tugend hat. Natürlich haben wir noch einen langen Weg vor uns bis dahin, weil wir alle zusammen gierig sind. Dies ist unser gemeinsamer menschlicher Charakterzug. Natürlich ist es sehr schwierig, so leicht in die Tasche zu greifen und sich von etwas zu trennen. Aber andererseits haben wir alle die Erfahrung gemacht, wie leicht es im Herzen ist, wenn man das verschenkt, was zurückhält, weil die Münze, die man so leidenschaftlich in der Hand hält, die Hand lähmt. Alles, was sie dann tun kann, ist diese Münze zu halten und nachzudenken, darüber zu meditieren, dass diese Münze mir gehört. Tatsächlich ist ein Mensch völlig hilflos, weil seine Hand nichts anderes tun kann. Und solange sie es nicht verschenkt, kann sie weder zeichnen noch dirigieren noch einen schönen Blumenstrauß oder irgendetwas anderes machen: einen Kuchen backen und ihn verschenken. Oder etwas mit eigenen Händen machen und es verschenken. Gott gebe, dass die heutige Lesung des Evangeliums uns lehrt, großzügig und barmherzig zu sein und, dass wir, solange wir Zeit haben, den Menschen helfen.

Gott schütze uns alle, liebe Brüder und Schwestern.

Predigt vom 23.08.2020

2.09.2020 | Thema: Predigt, Tagebuch |

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ich gratuliere allen Teilnehmern zur Annahme der heiligen Mysterien Christi. Heute waren wir Teilnehmer an der Göttlichen Liturgie. Was sich hier auf der Erde abspielt, ist wie ein Spiegelbild der Göttlichen Liturgie, die sich für immer im Himmel im Reich Gottes abspielt.

Wenn wir uns eine Kunst z.B. eine Oratorienkunst, d.h. die Kunst der Worte, vorstellen oder betrachten, werden wir sehen, dass die Hauptregel die Wahl des Leitthemas ist. Um die Zuhörer in Spannung zu halten, damit sie nicht weglaufen, ist es notwendig, etwas Interessantes zu wählen, etwas, das alle betrifft.

Das heutige Gleichnis, worum geht es da? Wir hören solche Worte: „Vergeben Sie Ihren Schuldigern…“, und schon wird es uninteressant, nicht wahr? Wenn man zum Beispiel sagen würde, wie man fordern soll, was sind die gegebenen Mitteln dafür, oder was sind die kirchlichen Regeln, was sind die Möglichkeiten, die ich als ein Mensch und vielleicht sogar als ein Kirchenmitglied habe, dann wäre natürlich die Aufmerksamkeit präsent, aber plötzlich realisiert man, dass es wirklich darum geht alles zu vergeben. Es klingt hart und es ist schwierig und man verliert sofort die Aufmerksamkeit, und man will es nicht mehr hören, richtig?

Aber was ist hier interessant. Wahrscheinlich ist es das, was der Herr meinte: „du kleine Herde …“, das heißt, er sprach über die Menschen, dass nicht alle ihn hören und ihm zuhören werden. Wir erinnern uns an den Apostel Paulus, der mit den Römern über das Reich Gottes sprechen wollte, und sobald sie davon hörten, über das weit entfernte Reich Gottes, das in diesem Augenblick nicht erreicht werden kann, sagten sie zu ihm: „Weißt du was, wir sind immer bereit, uns etwas interessantes und spannendes anzuhören, aber das hier gerade interessiert uns nicht“, und sie zogen los und gingen auseinander. Wir können sagen, dass das ganze Stadion Apostel Paulus verlassen hat, aber diese Worte Gottes sollten, zumindest für uns Christen, wichtig sein. Sie sollten in unserem Gewissen aufgenommen werden, sie sollten in unserem Leben aufgehen, sie sollten in unserem Leben sichtbar sein, damit wir das Kreuz als sichtbares Zeugnis dafür tragen, dass wir Christus kennen und ihm folgen. Für andere ist es vielleicht nicht so, aber für uns sollte das wichtig sein.

Noch mal ganz kurz über dieses Gleichnis. Ich werde es nicht im Detail wieder erzählen, sie alle kennen das schon. Sie haben heute im Evangelium gehört, wie ein Herr seinen Schuldner, der ihm viel schuldete, gerufen und gesagt hat: Du hast Schuld bei mir und für diese Schuld werde ich, wenn du sie mir nicht zurückgeben kannst, deinen Besitz, deine Frau und deine Kinder in die Sklaverei verkaufen“. Darum hat der arme, verschuldete Mann gebettelt und sagte: „Habt Geduld mit mir, ich gebe Euch, was ich kann, aber bitte tut es nicht“. Somit erbarmte sich dieser Herr und sagte: „Es ist gut, ich vergebe dir deine Schuld, geh jetzt“. Wir alle wissen, wie dann dieser Mann aus dem Königshaus herauskam, plötzlich seinen Schuldner sah, bis zum Ende bei ihm blieb und sagte: „Bis du nicht alles ausbezahlst, werde ich dich in die Schuldengrube stecken“. Eine Schuldengrube ist nicht das, was man heute drunter versteht, und es war damals wirklich eine echte Grube, in die man Menschen geworfen hat und man kam da nicht mehr raus bis sie nicht freigekauft wurden. So grausam war der Mann und ist hart geblieben, wie er vorher war. Er sagte: „Bis Du es zurückgibst, werde ich nicht loslassen. Jetzt ist das Ende mit der Vergebung. Wie soll man dir noch vergeben. Bis Du die Schuld mir nicht zurückgibst, werde ich nicht nachgeben“.

Was ist das? Seine Schuld scheint ihm erlassen worden zu sein. In einer solchen Situation ist man normalerweise, wenn man etwas extra bekommt, das man nicht hätte bekommen sollen, von Freude umgeben. Es ist eine Erfahrung, die zum Beispiel in der Schule beginnt. Es scheint, als hätte man eine sehr schlechte Note bekommen und sich überhaupt nicht vorbereitet, und plötzlich bekommt man eine tolle Note in der Prüfung. Ein wunderbarer Lehrer hatte Mitleid mit dir, weil er wusste, dass du dich vorbereitet hast, du hast immer fleißig gearbeitet hast, aber jetzt hat etwas nicht funktioniert, und er hat dir eine Note im voraus gegeben. Was für eine Freude, die man in so einem Moment spürt! Man ist bereit, diesen Lehrer zu umarmen, ihn für alles zu danken und eine große Flut der Freude kommt heraus. Und so passiert alles in unserem Leben. Alles, was wir erhalten: Wir erhalten manche Gaben von Gott, und wir sind glücklich ihm zu dienen, wir sind bereit, in die Kirche zu gehen, eine Kerze zu spenden und ihm für alles zu danken. Wir sind bereit uns selbst in die Brust zu schlagen und zu sagen: „Herr, wir werden weiter für Dich arbeiten. Danke für diese Sonne, für dieses Meer, für deine Gaben, für unser Leben“. Doch plötzlich gibt es morgen einen Sturm, Regen und wir vergessen alles, was wir gesagt haben. So geschieht es und so menschlich ist es. Wir sind bereit, aber dann schwindet unsere Bereitschaft.

Dieses Gleichnis handelt höchstwahrscheinlich, liebe Brüder und Schwestern, von der besonderen Qualität der Liebe. Diese Eigenschaft der Liebe, wenn wir ihr den Willen geben, diesen besonderen Sinn in uns, kann einen Menschen verwandeln.

Besonders geschieht dies in der Kirche, in den heiligen Mysterien der Kirche, wie etwa dem Mysterium der Beichte. Wenn wir uns auf die Beichte vorbereiten, es fällt uns schwer, wir sind von unseren Sünden müde und entschließen uns endlich alles hinter uns zu lassen, aber dafür bitten wir Gott, uns von dieser Last zu befreien. Wir wollen nicht mehr dorthin zurückkehren. Und jetzt vergibt uns Gott. Manchmal haben wir sogar das Gefühl, dass uns vergeben wurde. Wir sagen uns: „Ich werde es nicht mehr tun“. Und wir gehen fort. Aber manchmal kommt es vor, dass diese Vergebung Gottes nicht tief in unserem Herzen verwurzelt wird, und sie bleibt fruchtlos. Nur oberflächlich. Wir haben bekommen, was wir wollten, und haben es vergessen. Aber uns wurde die Gelegenheit gegeben, uns die ganze Zeit daran zu erinnern, dass Gott mir heute vergeben hat, dass der Herr sich heute nicht an meine Sünden erinnern wird, dass alles, was ich gesagt habe, schrecklich und beschämend für mich war, weg ist! Ich bin rein vor Gott. Ich bin jetzt in der Lage, das Reich Gottes zu erben. Und wenn wir dieses Gefühl, dieses Verständnis dieses großen Sakramentes in unser Herz hineinlegen, dann wird diese Liebe, die der Herr uns durch seine Vergebung geschenkt hat, auch dann Früchte tragen, wenn jemand auf uns zukommt, uns drängt, uns auf unsere Schwielen tritt oder uns bittet ihm 500 Euro leihen und wenn diese Freude wirklich echt ist, weil wir den wahren Gott um Vergebung gebeten haben, dann werden wir nicht an die Verfehlungen anderer Menschen uns erinnern, wir werden nicht grob antworten wollen, wir werden nicht in Neid verfallen, wir werden nicht auf den Menschen zornig schauen wollen, im Gegenteil, wollen wir dann nur Gutes tun! Wir werden diese unglückseligen 500 Euro unserem Schuldner oder jemandem, der darum bittet, geben wollen, auch wenn wir wissen, dass er sie uns nicht zurückgeben wird. Wir wollen dann etwas Gutes tun oder einfach jemanden anlächeln oder einfach zu ihm sagen: „Es ist nichts, alles ist gut, es kann passieren“. Und wenn wir dieses Gefühl beibehalten, wird sich alles um uns herum verändern. Plötzlich werden die Farben in unserem farblosen Leben erscheinen und wir werden sehen, dass alles nicht so schlimm ist. Wir werden sehen, dass der Herr da ist. Die Leute werden sich wundern und sagen: „Was ist mit ihm oder ihr passiert? Warum ist er oder sie plötzlich so anders?“. Ja, weil der Herr uns unsere Schuld vergeben hat und die Liebe, die jetzt in uns lebt, geschenkt hat und wir bekommen keine Gelegenheit uns in unserem Herzen zu verhärten, wie in dem heutigen Gleichnis der Mann, der zu seinem eigenen Nutzen beschlossen hat und für sich dachte: „Wenn es klappt, werde ich heulen. Man sagte mir, dieser Herr sei freundlich. Wenn du dies tust, wird er dir verzeihen“, aber mehr auch nicht.

Das Gute, das der Herr diesem Schuldner gegeben hat, hat er nicht verdient. Er brauchte es nur für eine Weile, für seinen Zweck. Dasselbe gilt auch für uns, liebe Brüder und Schwestern, die der Herr uns voll und ganz schenkt. Er fragt nicht, was wir als nächstes tun werden. Und was interessant ist, ist die Tatsache, dass er uns vertraut. Allmächtiger, Allwissender Gott – Er vertraut uns! Er kennt unsere Möglichkeiten, was wir tun können, so wie wir es ihm jetzt sagen, so wie es uns unser Herz sagt, oder wir können uns davon abwenden und tun, was wir immer tun, aber in der Freiheit, in der wir bleiben und über die der Herr sich nicht gestellt hat, hofft der Herr, dass wir diese Freiheit immer noch so anwenden, wie es notwendig ist, so wie Er es von uns erwartet hat.

Wenn ihr mich liebt, sagt Gott, dann hört ihm auf meine Worte, die ich euch sage.

Hier ist ein einfaches Gesetz. Es ist nicht mehr das Gesetz der Schrift oder das buchstäbliche Gesetz – es ist das Gesetz der Liebe, nicht wahr? Der Herr sagt: „Wenn ihr mich liebt, gibt es nur eine Bedingung. Wenn ihr mich liebt, werdet ihr sie erfüllen!“. Der Herr sagt nicht, dass ihr jetzt Christen werdet, dass ihr ein Kreuz haben werdet, dass ich bei euch sein werde, und dass alles gut sein wird. Jeder wird euch lieben, jeder wird euch alles geben. Andere werden euch alles geben und nichts von euch verlangen. Eine solche Anweisung gab es nicht. Im Gegenteil, die Kirche gibt uns das Kreuz Christi, das wir tragen müssen, damit die Menschen um uns herum uns sehen können. Damit sie sehen und wissen, dass der Herr uns kennt und wir ihn kennen und ihn rufen, wie wir heute alle gebetet haben, unseren himmlischen Vater. Vater! Es ist ein wenig anders als nur der Allmächtige, der Schöpfer.

Vater!

Und viele Menschen wissen, dass wir ihn anflehen können, deshalb wenden sie sich an uns, weil sie wissen, dass dies uns möglich ist.

Manchmal sagt man mir, ich dachte, sie wären… Und dann kommen bestimmte Vorstellungen: dass sie verzeihen können, dass sie nicht überreagieren, was sie etwas geben können.

Gott gebe uns, liebe Brüder und Schwestern, dass wir andere Menschen nicht zu einer solchen Enttäuschung bringen, und die Kirche ist uns gegeben, damit wir von der Liebe Gottes angesteckt werden, nicht von Krankheiten, nein. Von der Liebe Gottes.

Heute waren wir, Sie und ich, alle Teilnehmer der Liturgie. Was war das? Es wurde uns gegeben, damit das Licht Christi jetzt auf uns erscheinen kann, so wie das Licht des Herrn auf dem Antlitz von Mose zu sehen war, der mit Gott sprach. Er war allein, ihm wurde eine solche Ehre zuteil. Uns wurde diese Ehre zuteil, nun, wirklich vielen, allen, die heute anwesend waren – das Licht Christi zu verkünden, es in die Welt zu tragen. Was ist das – das Licht Christi? Es ist einfach eine Herzlichkeit in unserer Sprache – Freundlichkeit. Freundlichkeit wird von allen verstanden. Sogar Katzen, Papageien. Jeder versteht es, ohne Worte. Auch ein Mensch, der deine Sprache nicht beherrscht, der Gutes getan hat, wird dein Freund werden, nicht wahr? Jeder Mensch wird ihn bereits als seinen Freund ansehen, ohne seine Sprache zu kennen. So ist es in allem.

Natürlich können Sie schmunzeln und sagen: „Nun, wir wissen, was man in der Kirche noch sagt: Seid einfach freundlich, vergebt den Schuldnern, wir wissen das alles“, aber das ist das Geheimnis der Liebe Gottes.

Wir wissen es, aber leider wenden wir es manchmal nicht an, und deshalb wird es schwierig für uns in dieser Welt Gottes, die für uns geschaffen wurde, damit wir glücklich sein und in Freude leben können. Die Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts verbinden Freude direkt mit einer gewissen Aneignung. Wenn ich etwas habe – ich bin glücklich, ich bin freundlich und ich bin bereit, und wenn ich etwas nicht habe – bin ich traurig und deprimiert, dass ich etwas nicht habe. Das ist es, was der Herr sagt. Vielleicht haben wir wirklich etwas nicht, und vielleicht bekommen wir es nicht von Gott von Christus. Aber der Herr sagt immer: „Freut euch!“

Wenn wir in die Kirche kommen, hören wir diese Worte des Rufs des Herrn: „Freut euch. Man könnte meinen, es handelt sich um eine Krankheit oder etwas, das ich noch nicht bekommen habe, wie kann ich mich also freuen? Freut euch, denn ihr seid die Leitfigur der Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Nun wird in fünf Minuten ein Mann zu Euch kommen, und es wird einen Umstand ergeben, in dem Ihr Gottes Gnade zeigen könnt… …Gottes Gnade! Und auf diese Weise werdet ihr Gottes Segen erhalten, ihr werdet zu Recht ein Nachfolger Christi genannt werden, und die Menschen werden vielleicht sagen: „Ehre sei Gott, Ehre sei Gott, dass es einen solchen Arzt gibt, Ehre sei Gott, dass es einen solchen Lehrer gibt, Ehre sei Gott, dass es einen solchen Menschen gibt, der mir geholfen hat. Gott sei Dank!“ Und diese Ehre wird sich auf unser Leben erstrecken und nicht nur auf unser Leben, sondern auf jeden, der uns nahe steht, auf unsere Kinder, auf unsere Gatten, Verwandten, auf unsere Art – Ehre sei Gott.

Das ist Glück. Glück kann man nicht für Geld kaufen.

Deshalb das heutige Gleichnis, liebe Brüder und Schwestern, dass die Liebe ansteckend ist und dass wir, wenn wir wollen, dass diese Liebe in unsere harten, bösen Herzen eindringt, nur das wahrnehmen müssen, was der Herr mir heute geschenkt hat. Heute hat er mir seinen Segen und seine Vergebung geschenkt, wie wir es schon früher gehört haben, und der Herr sagte zu einem Sünder: „Geh und sündige nicht wieder!

Das ist es… Dies sind Ihre Voraussetzungen, um das Reich Gottes zu erreichen: „Geht und sündigt nicht wieder!

Die meisten von Ihnen haben heute Anteil am Blut und Leib Christi, unseres Gottes. Sie und ich sind geheiligt und gereinigt worden. Wir haben wieder Königsgewänder bekommen, aber sollen wir sie wieder zerreißen, sollen wir sie zum Zerreißen, zur Verschmutzung geben? Möge es so etwas nicht geben!

Gott gewähre uns, liebe Brüder und Schwestern, dass wir für alles Mögliche tapfer sind. Ja, in dieser Welt müssen wir tapfer sein, um Gutes zu tun… So weit ist es schon gekommen.

Einfach so, ohne jeden Rückblick. Zu diesem Zweck besuchen wir die Kirche, zu diesem Zweck beten wir, immer auf der Wache oder im Fasten zu sein. Und umso mehr geht jetzt diese kurze, besondere, schöne Fastenzeit, aber hier müssen wir uns daran erinnern, dass wir gerade in der Fastenzeit sind.

Noch habe ich Zeit, etwas zu tun. Etwas zu lernen, etwas Gutes zu tun. Jeder kann nach der Situation erkenen, was genau das ist. Zumindest nicht, um zornig reagieren. Man sagt dir etwas, was deiner Meinung nach nicht passt, schweig einfach. Man erwidert dir, sei einfach still! Sei nicht sofort eingeschnappt. Dies betrifft zum Beispiel unsere Kinder. Es scheint nur eine Kleinigkeit zu sein, was man tun kann. Sagten dir etwas deine Eltern, erwidere nicht zurück. Sei einfach still, und du bist bereits ein Christ, ein echter Christ, kein einfacher Kreuzträger. Und genau so betrifft es auch Erwachsene. Urteile nicht jemand!

Warte wenigstens paar Minuten. Die Leidenschaftliche Erregung wird vergehen, und du wirst sehen, dass es nichts zu verurteilen gibt. So sind wir alle und jeder von uns. Wirklich, wir sind uns dessen wirklich bewusst. Und schon gleich wird die Freude unsere Herzen zum erblühen bringen. Die Freude wird unsere Herzen einweichen. Und nach solcher geistlichen Anstrengung kommt der Wunsch zum Gebet.

Man will beten, man will zu Gott sagen wollen: „Ehre sei Dir, Herr“. Man will in sein Haus kommen, denn hier kommt man zu Kräften, hier bekommt man seine Liebe. Gott segne Euch alle, liebe Brüder und Schwestern. Der Herr versteckt sich nicht von uns und fürchtet uns nicht. Er sagt: Erprobe mich. Ich gebe Dir meine Liebe, wenn Du es willst. Gott bewahre uns davor, dass wir zu einem solchen Arbeiter und Schuldner werden, der uns nur im Sinne hat etwas für sich zu ergattern, uns dem Kelch des Bundes zu nähern, den Leib Christi anzunehmen und sonst nichts weiter zu tun. Man kommt schnell auf Gedanken: „Ich glaube, ich habe alles richtig gemacht, so dass Gott mich in das Reich Gottes führen sollte“. Nein! Wir alle erinnern uns wieder an diese Worte: „Nicht jeder, der zu mir sagt: O Herr, O Herr, wird in das Reich Gottes eingehen“. Nicht jeder, der Teil am Blute und des Leib Christi hat, wird in das Reich Gottes eingehen, sondern der, der das Wort Gottes erfüllt und dadurch Christus liebt.

Möge Gott uns, liebe Brüdern und Schwestern, gewähren, Christus mit Ihnen zu lieben. Fröhliches Fest, Schutz und Gottes Segen für Sie alle!

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin vom 2.8.2020

8.08.2020 | Thema: Predigt |

Predigt von Erzpriester Sergij Baburin
Hamburg, den 2.8.2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
An diesem Sonntag verehren wir den heiligen Propheten Elias. Wir haben
heute von ihm gehört, dass er ein grundlegender Prophet ist, das Urbild
des alttestamentarischen Propheten schlechthin. Dabei verstehen wir,
dass der Prophet Gottes Elias in der ganzen Heiligen Schrift ein
besonderer Mensch ist. Er lebte 900 v.Chr., fast ein Jahrtausend vor
Christi Geburt. In seinem Erdenleben gehört er einer sehr alten Epoche
an. Im Neuen Testament ist er anwesend auf dem Berg der Verklärung. Und
wir lesen, dass dieser Prophet in den letzten Tagen, den Zeiten des
Antichristen, der Welt wieder erscheinen werde. Auf erstaunliche Weise
erscheint dieser Prophet in den schicksalhaftesten Momenten der
menschlichen Geschichte. Wir wissen, dass der Prophet Gottes Elias
selbst der erste Mensch ist, der erste Gerechte, der das Wunder der
menschlichen Auferstehung vollbracht hat und selbst nicht dem irdischen
Tod erlegen ist, das heißt, er selbst ist ein Urbild Mysteriums der
Auferstehung. Wenn man über das Leben dieses Gerechten erzählen soll,
dann muss man festhalten, dass kurz nach dem Tod des berühmten
israelischen Königs Salomon starke Wirren im israelischen Reich
beginnen. Es beginnt der Kampf zwischen israelischen Geschlechtern, der
dazu führt, dass das Reich in zwei Teile geteilt wird, in zwei Teile
zerfällt. Es entsteht das Königreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem
und das Königreich Israel mit der Hauptstadt Samaria. Diese beiden
Königreiche gehen verschiedene Wege in ihrer Geschichte. Eine
kompliziertere Geschichte hat das Königreich Israel, weil es, obwohl
zahlreichere Geschlechter in es eingegangen sind, stärkerer Einwirkung
und Einfluss umliegender Völker unterlag. Schnell wird die Kultur des
Königreiches Israel durchdrungen von anderen Sitten und einem fremden
Glauben. Der Höhepunkt des Abfalls vom Glauben wird erreicht zur Zeit
des Königs Ahab, der nun gerade ein Zeitgenosse des Propheten Gottes
Elias war. Aus dem Buch der Könige wissen wir, dass er Isebel zur Frau
nahm. Das war eine Frau aus einem fremden Volk. Und sie war nicht nur
aus einem anderen Volk, sie war eine fanatische Anhängerin ihres
heidnischen Glaubens. Ihr Ziel war es, dem ihr fremden Volk ihren
Glauben einzupflanzen. Wir sehen, wie sie in das Königreich Israel eine
große Anzahl von Priestern bringt, welche dieses grobe Heidentum
predigen, das noch Menschenopfer dem Götzen Baal bringt. Es gab etwa 500
Priester dieses Kultes zu Lebzeiten des Propheten Elias. Und nun richtet
Gott diesen Heiligen auf, um die Infamie anzuprangern. Denn zusammen mit
den fremden Lehren, die unter das Volk kamen, zusammen mit dem Abfallen
vom Glauben, kam auch äußerste Ehrlosigkeit in das persönliche Leben der
Menschen: in das Familienleben und das Staatswesen. Und dieses mächtige
Reich versinkt in der Finsternis der Sünde. Zu dieser Zeit also mahnt
die Stimme des Propheten Elias, laut, durchdringend und sogar scharf,
dass die Menschen bereuen sollen, ihr Leben ändern müssen, zu dem
Glauben zurückkehren müssen, der ihnen von Gott selbst verkündet worden
war. Und als er sieht, dass seine Stimme von seinen Stammesangehörigen
nicht nur nicht erhört wird, sondern seine Predigten sogar den Zorn der
Königin wie auch des Königs auf sich ziehen, des Hofstaats und all
derer, denen ein gottloses Leben in Saus und Braus gefällt, da spricht
der Prophet Elias eine besondere Art prophetischen Fluchs aus, dass für
diese Infamie das Land von Not heimgesucht werden wird. Und es kommt
eine Trockenzeit, es kommt Hunger. In der Heiligen Schrift steht es so:
durch sein Gebet wurde der Himmel verschlossen für drei Jahre und sechs
Monate. Und nachdem der Prophet diese drohenden Worte gesprochen hat,
geht er in die Wüste, in die Berge, um zu beten. Und noch während er
dies tut, beginnt die Heimsuchung für das ganze Volk. Dort, in der
Wüste, tröstet der Herr den Propheten.
Es gibt ein interessantes Detail im Leben dieses erstaunlichen Menschen:
in seinem eigenen Leben sehen wir ihn kompromisslos bis in
Kleinigkeiten. Es gibt für ihn keine einzige Sache, der er seinen
Glauben opfern würde. Und nun richtet Gott diese Leuchte des Glaubens
auf, um die Infamie anzuprangern. Dabei ist er vollkommen integer in
seinem persönlichen Leben. Er ist von reinem heiligen Leben erfüllt. Und
diesem Eiferer in der Wüste tut es in der Seele weh, er verzehrt sich
vor Schmerz ob der Ehrlosigkeit seines Volkes, und er betet. Raben
bringen ihm Nahrung. Es gibt darüber interessante Gedanken von Johannes
Chrysostomus: der Herr sendet absichtlich Raben, die zur Zeit Johannes
Chrysostomus´ als die härtesten Eltern des Tierreiches galten, aber der
Herr schickt sie, ihn zu nähren, um seinen eifrigen Charakter bescheiden
werden zu lassen, damit der Eifer sich in Gnade verwandle. Und weiter
sehen wir, wie ein erstaunliches Wunder eintritt, als der Prophet Elias
Gott darum bittet, er möge sich ihm offenbaren. Und wieder offenbart
Gott Elias Bilder, die ihm nahe sind: Donner, Erdbeben, Blitze. Genau so
stellt sich der Prophet Elias Gott vor, so war auch seine Predigt. Aber
Gott sagt ihm: „Das bin nicht Ich. Wenn dich auch nur ein leichter Hauch
eines Windes streift, so bin Ich da.“ Auch hier versucht der Herr den
stürmischen Charakter seines Eiferers zu zähmen. Nach dreieinhalb Jahren
kehrt der Prophet zu seinem Volk zurück. Die meisten haben zur Reue
gefunden und sind bekehrt worden Die heidnischen Priester wurden verjagt
oder gar getötet. Ihm scheint es, das Volk hätte bereut, aber bald schon
muss er feststellen, dass es sich überhaupt nicht beeilt zu einem
gerechten Leben zurückzukehren. Auch die Königin und der König finden
sehr schnell zu einem sündigen Leben zurück. In Trauer, mit zerrissenem
Herzen geht er beten. Und hier sucht ihn der Herr wieder auf und sagt
ihm, er solle nicht glauben, er sei Sein einziger Diener im Königreich
Israel. Er sagt ihm, dass es 7000 Treue in diesem Reich gibt. Es schien,
es gäbe keine, aber der Herr kennt die Herzen seiner Diener. Und das ist
ein sehr wichtiger Fakt im Leben des Propheten Elias: er betet, Gott
möge sich ihm eröffnen. Und der Herr eröffnet sich ihm so, wie es im
Alten Testament möglich war. Denn im Alten Testament konnte Gott nur in
der Seele erfahren werden, im Gefühl. Es war unmöglich Gott zu sehen,
weil es unmöglich ist Gott zu sehen und nicht zu sterben, wie Gott zu
Moses sagt.
Deswegen erleben Moses und Elias Gott nur in der Seele und können Ihn
nicht sehen. „Aber ich bat, Ihn zu schauen!“. Und nach 1000 Jahren ruft
der Herr Elias herbei, Sein echtes Antlitz im inkarnierten Christus auf
dem Berg der Verklärung zu schauen. Es erfüllt sich das Gebet des
Propheten Elias. Das ist eine erstaunliche Sache, denn hier erfüllen
sich auch die Worte des Propheten Davids, der sagt, dass für Gott 1000
Jahre wie ein Tag sind und ein Tag wie 1000 Jahre. Wir nehmen das auf
wie eine Geschichte. Aber manchmal sagen die Leute: „Wie lange soll ich
denn noch beten? Der Herr hört mich wohl nicht.“ Nach 1000 Jahren
erlebte der Prophet Elias die Erfüllung seines Gebets, seiner Bitte, mit
seinen menschlichen Augen den inkarnierten Gott zu schauen. Für uns ist
das ein interessanter Trost, denn der Herr sieht außerhalb der Zeit und
hört jeden Menschen. Der Herr kennt jedes Schicksal, Leben und das Herz
eines jeden von uns und schickt uns Seine Gegenwart und eine Berührung
mit Gott erst dann, wenn sie für uns möglich, nützlich und der Rettung
unserer Seele hilfreich ist.
Es ist wichtig zu bemerken, dass ein erstaunliches Phänomen des
Propheten Elias darin besteht, dass er gemäß der kirchlichen
Überlieferung uns wieder erscheint in der letzten Epoche des
menschlichen Lebens, zu der Zeit, in der die menschliche Geschichte
ihrem Ende zu geht, zu der Zeit, über die wir in der theologischen
Sprache von der Eschatologie sprechen oder der Epoche des Antichristen,
wie diese Zeit auch manchmal genannt wird. Wir lesen im Kapitel 11 der
Offenbarung des Johannes, dass uns zwei Propheten erscheinen werden,
zwei Gerechte, die uns predigen werden von der Reue in der letzten Zeit.
Denn diese Zeit wird ähnlich sein zu der Zeit des Propheten Elias: es
wird der Glaube ebenso in Vergessenheit geraten sein, es wird die Sünde
ebenso herrschen und zur Norm erhoben. (Off.11,03) Und wir sehen, dass
wir von Jahr zu Jahr immer mehr diese Zeichen erkennen, die hier
beschrieben werden. Wir wissen nicht, ob wir das Recht haben dies zu
behaupten, denn wir wissen dass die Christen zu allen Epochen und Zeiten
gefühlt haben und fühlen mussten, dass sie in der letzten Zeit leben.
Denn so war das Vermächtnis des Herrn: in dem Gefühl zu leben, es in
Erinnerung zu halten und so zu leben, als erlebte man die letzten Tage.
Aber, wer weiß, vielleicht sieht noch jemand von uns hier mit eigenen
Augen diesen Propheten, der die Grundlage gelegt hat für die
alttestamentarische Heiligkeit. Wer weiß.
Die Schrift spricht davon, dass das irdische Leben dieses Propheten noch
eine Fortsetzung finden wird. Im Laufe von dreieinhalb Jahren wird er
gemeinsam mit dem Prophet Henoch, einem anderen Gerechten, predigen.
Auch Henoch hat den Tod nicht gekostet. Auch er ging in den Himmel ein,
ohne einen gesetzmäßigen menschlichen Tod gestorben zu sein. Und diese
beiden Menschen werden über das Unrecht predigen in dieser Zeit und über
die Ehrlosigkeit der Menschen, die versuchen sich die ganze Erde
untertan zu machen und sich wie ein Gott verehren zu lassen. Und dann
lesen wir im Kapitel 11 der Offenbarung, dass beide getötet werden. Auch
sie werden noch die Grenze überschreiten, die jeder Mensch überschreiten
muss. Aber zu der Zeit, die der Herr ihnen zugeschrieben hat.
Dreieinhalb Jahre werden sie predigen, und dreieinhalb Tage werden ihre
Körper nicht der Erde übergeben. Nach diesen dreieinhalb Tagen werden
sie auferstehen vor den Augen aller Menschen und in den Himmel eingehen,
und danach wird die letzte, schwierigste Zeit beginnen. So wird das Bild
gemalt der letzten Tage in Kapitel 11 der Offenbarung.
Darum, wer weiß, vielleicht wird noch einer von uns diesen großen
Propheten in seinem Leben begegnen. Und darum hören wir auch mit solchem
Interesse über das Leben Elias´, und mit Inbrunst wollen wir uns heute
an ihn wenden, dass er uns von seinem Eifer mitteile. Nicht den
alttestamentarischen Eifer, der Blut gefordert hat, denn wir haben
gesehen, dass der Herr seinen Charakter gemäßigt hat, sondern Eifer und
Kompromisslosigkeit in Bezug auf uns selbst, in Bezug auf das Leben, das
wir hier miteinander erleben. Wir müssen uns an eine einfache Sache
erinnern: wir können nur auf eine einzige Art und Weise gegen diese Zeit
der Abwendung vom Glauben angehen und ihr widerstehen: nur in unserem
persönlichen geistigen Leben, nur mit persönlichem Eifer und Reinheit,
wie sie uns der Prophet Gottes Elias gezeigt hat. Denn alle anderen
befinden sich in der Angst, sammeln Gerüchte, verbreiten die Angst an
andere. Das alles ist Wasser auf die Mühlen des Antichristen, wie das
Sprichwort sagt.
Gebe Gott, dass wir genauso eifrig sind im persönlichen Leben, wie es
der Prophet Gottes Elias war. Aber gnädiger, wie auch er in seinem
Charakter gedämpft wurde durch die Zeichen in seinem irdischen Leben.
Liebevoll in Verbindung zu unseren Nächsten. Wir erinnern uns daran,
dass wir uns dem Hass nicht hingeben dürfen, der Bosheit, der
Gereiztheit oder Verurteilung. Wir müssen verstehen, dass trotz der
schwierigen Zeiten, die jeden Christen ereilen können, ein Christ
aufgerufen ist, Zeuge der österlichen Freude zu sein, ein Zeuge für
innere Freude, die durch den im Herzen erworbenen Frieden entsteht. Gebe
Gott, dass all das in unser Leben eingehe und unser wichtigster innerer
Reichtum werde.
Gott behüte uns alle, liebe Brüder und Schwestern und Gottes Segen für
die bevorstehende Woche!


Adresse: Tschaikowskyplatz 1, 20355 Hamburg + Telefon (040) 248 70740 | Pfarrer: Priester Sergij Baburin + Telefon (0173) 23 11 055
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