Russische Orthodoxe Kirche zu Hamburg

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Tagesbuch

Predigt vom 5.4.20

8.04.2020 | Thema: Predigt |

Originale Version der Predigt (russisch): https://www.hamburg-hram.de/letopis/slovo-protoiereya-sergiya-baburina-05-04-2020/15341.html

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Ich gratuliere Euch zu diesem Sonntag, liebe Brüder und Schwestern! Heute nehmen wir wahr, wie nur noch zwei Wochen bis Ostern bleiben. Und in dem Evangelientext, der uns heute gegeben wurde, dem Ausschnitt aus dem Markus-Evangelium, da spricht der Herr zu seinen Jüngern und uns allen: „Siehe, wir gehen hinauf, gen Jerusalem“. Dieser Einzug nach Jerusalem bezieht sich einerseits auf eine geographische Begebenheit: Jerusalem liegt über dem Meeresspiegel. Und um als Pilger nach Jerusalem zu kommen, braucht es einige Anstrengung für diesen Aufstieg. Andererseits wissen wir, dass es auch für das geistige Leben einen Aufstieg bedeutet. Der Herr spricht davon, dass eine Zeit beginnt besonderer innerer Sammlung für den Aufstieg nach Jerusalem, für den Aufstieg zu den Tagen der Karwoche. Und die heutigen Texte, die heutige Liturgie sprechen darüber, wie unterschiedlich dieser Aufstieg sein kann.

Wir wissen, dass die Heilige Maria von Ägypten auch nach Jerusalem aufgestiegen ist. Gerade ihr Wunder steht in Verbindung mit dem Aufstieg nach Jerusalem. Sie machte sich auf, um dort eine angenehme Zeit zu erleben. Wir wissen, dass sie in ihrer Kindheit das Eine oder Andere über Gott und den Glauben gehört hatte. Vielleicht hatte sie in ihrer Seele kindliche Erlebnisse, als sie sich nach Jerusalem aufmachte. Aber sie hatte nicht vor, ihr vorheriges Leben aufzugeben. In der Beichte beim Starzen Zosima, von der wir aus der Vita des Starzen Zosima wissen, gesteht sie, dass sie noch auf dem Weg nach Jerusalem sich all ihren gewohnten Sünden hingegeben hat. So ist das bei uns auch oft: der Aufstieg zu einem geistigen Leben wird nicht selten als Teil einer Tradition wahrgenommen. Als eine Art persönlichem Osterkuchen-Dasein, das wir sehr gerne mögen, und dazu kommt dann halt noch der Kreuzgang. Manchmal rufen Menschen an, und sie haben so ein Durcheinander im Kopf, und es wird deutlich, dass sie wirklich gar nichts verstehen, und fragen: „Und wann ist unser Oster-Kreuzgang?“. Das heißt, die Menschen brauchen diesen Kreuzgang, Ostereier und den Osterkuchen. Aber ihr Leben ändert sich dabei überhaupt nicht. Aber gerade durch das Beispiel der Heiligen Maria aus Ägypten glauben wir, dass der Herr das Herz eines Jeden von uns berührt, selbst von denen, welche parallel ausgesprochen irdischen Gedanken nachhängen. Wir glauben, dass auch so ein Mensch, vielleicht völlig unerwartet für sich selbst, dass auch so ein Gläubiger die Gnade Gottes erhalten kann, die uns liebt und rettet.

Wir hören heute auch über das Verhalten der Jünger. Dreieinhalb Jahre begleiten sie den Herrn und hören Seine Worte, werden zu Zeugen von Geheimnissen des Evangeliums. Und wir sehen, dass Jakobus und Johannes in den Vordergrund der Erzählung gerückt werden, zwei Brüder, denen der Herr viele Geheimnisse seines Lebens anvertraute. Sie waren zu diesem Zeitpunkt schon Zeugen geworden von der Auferstehung der Tochter des Iairus. Und sie waren schon für würdig befunden worden bei der Verwandlung des Herrn auf dem Berg Tabor dabei zu sein. Und ihnen nun sagt der Herr, dass er nach Jerusalem aufsteigen wird. Und sie verstehen, dass ein Gipfel des irdischen Dienens des Erretters erreicht wird. Aber immer noch ist ein Rest vom alten Bewusstsein übrig, dass es sich um ein Himmelreich auf Erden handelt. Er sagt ihnen, dass Ihm Leiden bevorsteht, Verrat, Qualen, dass all dies kommen wird, auch der Tod am Kreuz. Aber sie verstehen es entweder als Allegorie, oder sie sind schon so an Wunder gewohnt: wenn er selbst schon so Viele hat wiederauferstehen lassen, wird es ihm doch auch selber nicht schwer sein wieder aufzuerstehen, auf jeden Fall bedeutete dies alles in ihrem Bewusstsein den Beginn seines Reiches. Sie hören nicht mal das Wort „Leiden“, sie hören und verstehen das Wort „Reich“, dass sein Reich komme. Und sie haben nicht begriffen, dass dieses Reich nicht von dieser Welt sein wird. Und im Bewusstsein, dass ein Gipfel erreicht wird im irdischen Dasein des Erretters, wenden sie sich an Ihn mit der Bitte sich zur Linken und zur Rechten seines Throns setzen zu dürfen. Wir sehen, dass selbst Menschen, die dem Herrn so nahe waren, bestrebt sind, ihre irdischen Bedürfnisse zu stillen, ihre irdischen Bestrebungen und Ziele zu verfolgen. Sie wollen in dem neuen Reich, wenn der Herr auf Schild und Banner erhoben wird, und die Stellung der Jünger unter den Menschen hervorgehoben sein wird, sich seines Versprechens versichern. Und der Herr sagt ihnen Worte, die auch für uns wichtig sind: zum Einen ernüchtert uns der Text, indem der uns daran erinnert, dass auch wir irdisch verhaftete Menschen sind. Auch wir bitten gerne um Hab und Gut, um Gesundheit, darum dass uns Krankheiten meiden, dass wir alle gesund, satt und glücklich sind. Damit treten wir oft an den Herrn heran. Und er wiederholt uns traurig, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. Dass er nicht dafür nach Jerusalem aufgestiegen ist, ans Kreuz, damit wir alle ein wenig mehr Geld verdienen und ein angenehmes Leben führen können.

Die Worte, die er seinen Jüngern nun spricht, sind auch sehr wichtig: „Zwar ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, da ich mit getauft werde, …“. Was bedeuten diese Worte? Der Herr spricht, und das ist so eine östliche Besonderheit zu sprechen in Doppelsätzen. Im Grunde ist es das Gleiche: der Kelch und die Taufe — ein gewisses Eintauchen ins Leiden. Der Herr sagt in Ruhe seinen Jüngern und somit auch uns allen heute, dass die Nachfolge Christi, der Aufstieg nach Jerusalem, in bestimmtem Maß auch die Fähigkeit und Bereitschaft bedeutet, die Leiden und Schwierigkeiten, die uns in unserem Leben begegnen, zu ertragen, traurige Gedanken, uns selbst in dunklen und traurigen Zeiten zu ertragen, so wie Er es tat, und damit Seinen Kelch zu teilen. Und natürlich ist ein Gipfel der Nachfolge Christi, und darüber hören wir eben heute auch, im Leben der Heiligen Maria aus Ägypten zu finden. Wie dieser Mensch alles hinter sich lassen konnte, um dem Herrn zu folgen. Mit ihrem Aufstieg nach Jerusalem begann auch ihr Abstieg von dort. Sie hat in Jerusalem das Wunder ihrer Berufung durch den Herrn erfahren. Sie begibt sich von dort in die jordanische Wüste, überschreitet den Jordan und beginnt ihre Askese. Hier wird der Übergang über den Jordan zum symbolischen Bild.
Jeder von uns muss seinen Jordan überschreiten, dem Herrn nachfolgen. Das ist dieses alte Leben, in dem es zu viel von dem Irdischen gab, zu viel Jagd nach einfachem menschlichen Glück. Auch solches Glück braucht es in unserem Leben, alle brauchen wir es, wir suchen es und wir erhoffen es uns, aber wir dürfen es nicht ins Zentrum unseres Lebens stellen und den Herrn immer nur darum bitten, dass er es uns erhalte und nichts es bedrohen könne. Das Beispiel der Heiligen Maria von Ägypten ist ein Beispiel dafür, dass jeder Mensch, der Christus nachfolgt, bereit sein muss, das, was sein früheres Leben ausgemacht hat, hinter sich zu lassen. Alles das, was vor der Taufe war, alles das, was vor Christus war in unserem Leben.

Und gebe Gott, dass diese zwei Wochen, die uns vom Osterfest trennen, unser Leben erfüllen mit Eifer, Fleiss und einem Verständnis dafür, was der Herr auf sich nimmt. Wir feiern nicht einfach nur Ostern, wir versuchen Seine Leiden mitzufühlen in diesen folgenden Tagen unseres Lebens. Noch eine Woche trennt uns von der Karwoche. Lasst uns versuchen, so oft wie möglich diese Tage mit ihren Lehren gemeinsam innerlich zu durchleben.

Und noch eine freudige Nachricht: am Dienstag, zur Mariä Verkündigung, gibt es die Möglichkeit, der Liturgie in einem Online-Livestream beizuwohnen und, wenn auch ferngehalten von der Kirche für eine bestimmte Zeit, doch ein wenig teilzuhaben aus der Ferne an der Heiligen Liturgie.

Gottes Segen uns allen, liebe Brüder und Schwestern! Behüte euch Gott, freut euch in geistiger Freude, seid nicht traurig, gebt nicht auf und lasst uns uns selbst zu inneren Schritten unserer geistigen Arbeit zwingen. Behüte euch Gott!


Adresse: Tschaikowskyplatz 1, 20355 Hamburg + Telefon (040) 248 70740 | Pfarrer: Priester Sergij Baburin + Telefon (0173) 23 11 055
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