{"id":893,"date":"2018-05-03T08:20:44","date_gmt":"2018-05-03T06:20:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/?p=893"},"modified":"2018-05-03T17:13:51","modified_gmt":"2018-05-03T15:13:51","slug":"das-christentum-die-unverstandene-religion-lehrbrief-wer-ist-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/tagesbuch\/das-christentum-die-unverstandene-religion-lehrbrief-wer-ist-gott\/893.html","title":{"rendered":"Das Christentum \u2013 die unverstandene Religion. Lehrbrief: Wer ist Gott?"},"content":{"rendered":"<p>Auf Anregung des hochw\u00fcrdigen Erzpriester Vater Sergej der Gemeinde des Heiligen Johannes von Kronstadt zu Hamburg und mit seinem pers\u00f6nlichen Segen sollen wesentliche Wahrheiten des Christentums und damit eine Darlegung der Lehre Christi angesichts der im westlichen Europa bestehenden Unkenntnis und Entfremdung in das Bewusstsein der Menschen gerufen werden. Es ist innerhalb der letzten Jahrzehnte zu beobachten, wie diese Unkenntnis und Entfremdung vom einst g\u00e4nzlich christlich gepr\u00e4gten West \u2013 Europa mit einer rasanten Geschwindigkeit voranschreitet und sich eine immer gr\u00f6\u00dfere geistige Not ausbreitet, die die Menschen Ersatz suchen l\u00e4sst in einem z. B. grenzenlosen Materialismus, Individualismus, d. h. einer extremen auf sich Bezogenheit, die den anderen Menschen als Mitmenschen gar nicht mehr wahrnimmt. Man erlebt eine Art Hilflosigkeit vieler Religionsgemeinschaften, die eigentlich schon aufgegeben zu haben scheinen, da ihre Mitglieder nicht mehr aktiv den Glauben vertreten, respektive ihn ganz einfach nicht mehr kennen.<\/p>\n<p>Was n\u00fctzt es mir, wenn ich zwar flei\u00dfig meine Kirchensteuer entrichte und Weihnachten \u2013 ger\u00fchrt von der Atmosph\u00e4re \u2013 mich als Christ \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 besinne, dieses aber im \u00fcbrigen Jahr einfach aus meinem Leben ausblende, denn es gibt ja so unendlich viele M\u00f6glichkeiten, mich mit Nebens\u00e4chlichkeiten abzugeben und dabei aber mein Christsein \u00fcberhaupt nicht mehr zu leben, weil mir dieses nicht hinreichend in mein Bewusstsein implantiert ist. Was n\u00fctzt es dem Menschen, wenn man ihm zu essen und zu trinken gibt, aber ihm nicht sagt, warum er essen und trinken soll, dann f\u00fchren wir ein sinnentleertes Leben, denn nur wenn wir wissen, warum wir essen und damit leben, dann ergibt unser Leben auch einen Sinn.<\/p>\n<p>Als Christ l\u00f6sen wir eine Eintrittskarte! Diese Eintrittskarte ist die Taufe, die uns zu Christen macht und damit uns verpflichtet, auf Gott gerichtet zu leben!<\/p>\n<p>Was sagt nun unser Glaubensbekenntnis in seinem ersten Satz:<\/p>\n<p><em>\u201eIch glaube an den einen Gott, den Vater, den Allherrscher, den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren,\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Glaube ist zun\u00e4chst einmal etwas ganz Pers\u00f6nliches, deshalb verwenden wir auch im Deutschen die \u201eIch \u2013 Form\u201c, d. h. die I. Person Singular. Freileich sei angemerkt, dass die urspr\u00fcngliche Form \u201eWir\u201c war, weil das Glaubensbekenntnis im Rahmen des offiziellen Gottesdienstes gebetet wurde. Es stellte also das Bekenntnis der gesamten vor Gott sich als Einheit f\u00fchlenden Gemeinde dar, insofern ist es auch erkl\u00e4rbar, den Plural zu verwenden, aber dem ist entgegen zu halten, dass das Bekenntnis vor Gott auch allein au\u00dferhalb der \u2013 wie wir sagen \u2013 G\u00f6ttlichen Liturgie erfolgen kann, es somit etwas ganz Pers\u00f6nliches darstellt, denn \u201eich\u201c als Individuum wende mich an Gott und damit kann ich mich nicht in eine Masse einreihen oder in einer Masse verbergen. Bedenken wir auch, dass der letzte Kontakt, den wir als Lebende zu Gott haben, ein Ich \u2013 Bezug ist, d.h. wir treten als Individuum in unmittelbare Verbindung mit unserem Sch\u00f6pfer, wenn unsere kurz bemessene Zeit hier auf Erden zu Ende geht.<\/p>\n<p>Wer ist nun dieser Gott, an den ein Christ glaubt?<\/p>\n<p>Gott ist zun\u00e4chst einmal in einer \u00dcberstimmung rechtgl\u00e4ubiger theologischer Lehren reiner Geist, d. h. er ist nicht sichtbar, aber er manifestiert sich durch die Sch\u00f6pfung, die seinem Willen und seiner Macht unterliegt. Wenn Menschen sich versuchen ein Bild von Gott zu machen, so ist das legitim, denn der Mensch ben\u00f6tigt etwas, das er sich vorstellen kann. So begegnen uns h\u00e4ufig Vorstellungen und Abbildungen von Gott als einem alten, g\u00fctigen Mann mit langem weissen Bart. Wir bekommen so eine Vorstellung eines \u2013 ich m\u00f6chte salopp formulieren \u2013 gutm\u00fctigen Urgro\u00dfvaters, der die Schw\u00e4chen der Menschen kennt und sie ihnen nachsieht. Diese Vorstellung liegt auf der Hand, aber sie trifft nicht den Kern. Wenn wir so platt und einfach, wie Nikita Chrutschow denken, der seinen ersten Kosmonauten, als er aus dem Weltraum zur\u00fcckkam, fragte: \u201eUnd hast Du Gott gesehen?\u201c, dann zeugt diese Frage allein von einer respektlosen und l\u00e4sterlichen Haltung, denn wir kennen aus der Darstellung der Ikonen Gott, Jesus Christus und die Gottesgeb\u00e4ren und immerw\u00e4hrende Jungfrau Maria als aus den Wolken herausschauend und auf die Erde und damit auf die Menschen blickend. Diese Darstellungen sollen uns als Menschen, die wir nur ein H\u00e4ufchen Elend sind, verdeutlichen, wer Gott z. B. ist, sie dienen uns lediglich als Hilfsmittel, das Unbegreifliche zu begreifen, denn was ist reiner Geist. Reiner Geist ist eine nicht sichtbare Materie und Macht, die in den Lage ist, in das Geschehen einzugreifen auf dieser Welt und es zu steuern. Hier f\u00fchrt sich auch die sogenannte feministische Theologie ad absurdum, denn wenn Gott reiner Geist ist, so ist die Frage, ob wir ihn als m\u00e4nnlich oder weiblich betrachten, eine absurde Gedankenf\u00fchrung, die in der Tradition der Theologie keine Begr\u00fcndung findet, sondern der v\u00f6llig sich von den Wurzeln entfernenden speziellen Theologie einiger Denominationen des Westens, die l\u00e4ngst durch die Durchl\u00f6cherung der Philosophen des 18. und vor allem des 19. Jahrhunderts ihre Nahrung gefunden haben, sich so weit zu entfernen, dass aus Gott eine l\u00e4cherliche allegorische Figur gemacht wird.<\/p>\n<p>Gott aber ist nicht aus dieser Sicht erkl\u00e4rbar, denn wir \u00fcbersehen dabei den strafenden und den richtenden Gott, so hei\u00dft es nicht umsonst in der Ektenie oder, wie wir im Lateinischen sagen, Litanei vor dem Herrngebet:<\/p>\n<p><em>\u201eEin christliches Ende unseres Lebens, ohne Schmerz, ohne Schande, in Frieden, und eine gute Rechenschaft vor dem furchtbaren Richterstuhl Christi lasset uns erflehen.\u201c\u00a0<\/em>Wir beten:<em>\u00a0\u201eHerr, erbarme Dich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Gott als Richter ist aus dem Bewusstsein des westlichen Menschen verschwunden, denn der g\u00fctige, milde Gott, wenn es ihn so \u00fcberhaupt gibt, hat l\u00e4ngst seinen Schrecken verloren. Bedenken wir aber eines: Gott hat uns in den Zehn Geboten \u2013 auf die an anderer Stelle eingegangen wird \u2013 eine klare Richtschnur gebeten, an die wir uns zu halten haben. Wir alle, jeder einzelne und da gibt es keine Gruppe, in die ich als Individuum mich gern fl\u00fcchten m\u00f6chte, wird vor Gottes Gericht treten und er muss Rechenschaft ablegen, wie die Heilige Schrift uns sehr eindringlich sagt, Rechenschaft f\u00fcr alles, was er unterlassen hat. Nehmen Sie ein Beispiel, warum gehen Sie achtlos an einem Bettler vorbei, ohne ihm etwas zukommen zu lassen? Sie werden vielleicht sagen oder denken: \u201eWas geht mich das an, die sollen arbeiten wie ich!\u201c Sie gehen vor\u00fcber und haben kein schlechtes Gewissen, dann sind Sie bereits in Ihrem Herzen verh\u00e4rtet, denn Gott wird Sie auch hier fragen: \u201eWarum bist Du achtlos an einem Bettler vor\u00fcber gegangen?\u201c Gott verlangt von uns, dass wir unser Gewissen sch\u00e4rfen, denn je kritischer wir mit unserem eigenen Verhalten ins Gericht gehen, umso weniger Fehler \u2013 man kann auch S\u00fcnden sagen \u2013 werden wir begehen. Gott ist zwar durchaus der verzeihende Gott, den wir im Sakrament der Beichte wieder mit uns vers\u00f6hnen k\u00f6nnen, aber wir m\u00fcssen bestrebt sein \u2013 anders formuliert \u2013 wir m\u00fcssen den guten Willen haben, Gottes Willen zu erkennen und nach seinen Geboten zu leben. Dazu geh\u00f6rt bei jedem von uns, dass wir barmherzig und dem\u00fctig sind, denn Gott begegnet uns immer wieder mit seiner Barmherzigkeit. Erinnert sei hier an das Gleichnis des verlorenen Sohn in der Heiligen Schrift, das uns verdeutlichen soll, dass Gott sich \u00fcber jeden, der zu ihm zur\u00fcckfindet und der seinen Weg zu ihm findet, freut und ihn gern wieder aufnimmt. Leider f\u00e4llt es uns heutigen Menschen so besonders schwer, Gottes Angebot anzunehmen und uns auf ihn und seine Heilige Kirche einzulassen, denn wir leben in einer v\u00f6llig s\u00e4kularisierten Welt, die in einem \u00fcberzeugten Christen eine Art Sonderling sieht, den man bel\u00e4chelt. Menschen, die sich vorbehaltlos zu Gott bekennenden, sind im Westen rar geworden. Das ist die Arroganz des heutigen Menschen, wir k\u00f6nnen auch anders formulieren, der Widersacher Gottes ist auf dem Vormarsch und gewinnt hier im Westen eine Schlacht nach der n\u00e4chsten, so dass das Bewusstsein f\u00fcr Gott und damit der Glauben am Schwinden sind, denn nehmen wir die Verh\u00e4ltnisse in Belgien. Dort ist ein gottloses und menschenverachtendes Gesetz eingef\u00fchrt worden, ein Recht auf Euthanasie eines Kindes, d. h. T\u00f6tung eines Menschen, der nicht mehr leben kann oder will, eingef\u00fchrt worden. Gott hat die T\u00f6tung oder \u2013 hart formuliert \u2013 den Mord an einem Menschen, zu dem auch der Selbstmord zu rechnen ist, verboten. Was stellen wir als Reaktion im einst christlichen Europa weitestgehend fest: Peinliches Schweigen, anstelle eines Aufschreis der Emp\u00f6rung. Ist das das ehemalige christliche westliche Europa?<\/p>\n<p>Wir wundern uns \u00fcber die unendliche Geduld, die Gott als Allherrscher, wie es im Glaubensbekenntnis hei\u00dft, aber wir d\u00fcrfen sicher sein, diejenigen, die hierf\u00fcr die politische Verantwortung tragen und den medizinischen Vollzug vornehmen, werden sich vor Gottes Richterstuhl finden. Hier sehen wir als krasses Beispiel, wieweit Gott und seine Lebensregeln bereits aus den L\u00e4ndern des westlichen Europas verschwunden sind. Eine Pseudohumanit\u00e4t, die in den Nachwehen der Aufkl\u00e4rung wurzelt, wirkt als die Menschen und ihr ethisches Bewusstsein und Gewissen vergiftende Substanz, der nicht hinreichend entgegen getreten wird. Gott als Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde droht entthront zu werden durch neue \u00dcberzeugungen, die die Christen immer mehr in die Irre f\u00fchren. Wie sollen wir hierauf reagieren? Nun, f\u00fcr uns als orthodoxe, d. h. rechtgl\u00e4ubige Christen bedeutet dieses, wir werden die Lehre unserer Kirche strikt befolgen und keinen Millimeter hiervor abweichen, dann werden wir auch die Kraft finden, zu diesen Auffassungen \u201eNein\u201c zu sagen. Wie sagt die Heilige Schrift: \u201eIhr werdet den Menschen ein \u00c4rgernis sein.\u201c Nun, dann sei es so, dann wollen wir gern ein Stachel im Fleisch des Gender Main Stream sein und uns ihm entgegen stellen, denn er ist nicht vom Gott, sondern vom Diabolus getragen. Wir aber rufen dieser Welt zu und wir legen wie zur Zeit der \u00fcber 80-j\u00e4hrigen Verfolgung durch den gottlosen Kommunismus Zeugnis ab und sagen: \u201eUnterwerft Euch Gott und lasst Ihn in Eure Herzen. \u00d6ffnet Eure Herzen f\u00fcr Gott, dann wird er Euch erh\u00f6ren und Ihr werdet eine gute Rechenschaft vor seinem furchtbaren Richterstuhl abgeben.\u201c<\/p>\n<p>Gott ist aber nicht nur der Allherrscher, sondern er ist auch \u201eSch\u00f6pfer\u201c dieser Welt, das hei\u00dft alles, jedes Wesen untersteht ihm und seinem Willen. Die Heilige Schrift sagt uns: \u201eUnd Gott sprach: Es werde Licht.\u201c So geschah es. Gott hat als reiner Geist die Macht diese Sch\u00f6pfung, deren Teil der Mensch, die Tiere, die Pflanzen und somit die gesamte Natur sind, aus seinem Willen erschaffen. Absurde Erkl\u00e4rungsversuche vom Urknall oder Darwins \u201eTheory of Evolution\u201c, ja, ja, alles gut und sch\u00f6n, aber nur Theorien, die die Menschen erdacht haben, um sich von Gott als Sch\u00f6pfer und Allherrscher zu l\u00f6sen und so seinen Willen besser missachten zu k\u00f6nnen. Glauben Sie ganz pers\u00f6nlich etwa, dass Gott wissenschaftlich erkl\u00e4rbar ist. Ich m\u00f6chte Sie auf Goethes \u201eFaust\u201c, dem Klassiker des Bildungsb\u00fcrgertums verweisen, in dem der kleine Student vor dem gro\u00dfen Dr. Faustus, der sich durch enormes Wissen auszeichnet, und in die Wissenschaft eingef\u00fchrt werden will. Dr. Faustus hat es l\u00e4ngst verstanden: Was ist die Wissenschaft? Sie ist, wie ein K\u00e4se, durch den man sich durchisst, kommt man am anderen Ende wieder heraus, dann stellt man fest, dass zwar etwas war, aber letztlich nichts geblieben ist. Nein, es kann auch nichts bleiben, denn der Glaube kann Gott nicht ersetzen. Wie sagte doch ein Theologe der r\u00f6mischen Kirche: \u201eChristus war kein Theologe.\u201c Was f\u00fcr eine unendliche Versteigung und Dummheit spricht aus diesem Denken, die Theologie versucht Gott zu erforschen und dieser Dummkopf \u2013 Theologe, so muss ich ihn nennen, erdreistet sich, zu einer solch gottesl\u00e4sterlichen Aussagen und f\u00fchlt sich dabei auch noch pr\u00e4chtig vom Beifall einer gottlosen Zeit getragen.<\/p>\n<p>Gott, m\u00f6ge sich uns aller erbarmen und unsere Herzen dem\u00fctig machen, auf das wir den Weg zu ihm finden und uns ihm als Allherrscher und als Alpha und Omega unterwerfen.<\/p>\n<p>Gerd Holger Wuerfel, M.A.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Anregung des hochw\u00fcrdigen Erzpriester Vater Sergej der Gemeinde des Heiligen Johannes von Kronstadt zu Hamburg und mit seinem pers\u00f6nlichen Segen sollen wesentliche Wahrheiten des Christentums und damit eine Darlegung der Lehre Christi angesichts der im westlichen Europa bestehenden Unkenntnis und Entfremdung in das Bewusstsein der Menschen gerufen werden. 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