{"id":760,"date":"2012-01-06T21:34:34","date_gmt":"2012-01-06T19:34:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/tagesbuch\/weihnachtsbotschaft-des-patriarchen-von-moskau-und-ganz-russland-kirill\/760.html"},"modified":"2012-01-06T21:34:34","modified_gmt":"2012-01-06T19:34:34","slug":"weihnachtsbotschaft-des-patriarchen-von-moskau-und-ganz-russland-kirill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/tagesbuch\/weihnachtsbotschaft-des-patriarchen-von-moskau-und-ganz-russland-kirill\/760.html","title":{"rendered":"Weihnachtsbotschaft des Patriarchen von Moskau und ganz Russland KIRILL"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Weihnachtsbotschaft<\/strong><br \/>\n<strong> des Patriarchen von Moskau und ganz Russland KIRILL<\/strong><br \/>\n<strong> an die Oberhirten, Hirten, M\u00f6nche und Nonnen und alle treuen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Hochgeweihte Oberhirten, hochw\u00fcrdige V\u00e4ter, gottgeliebte M\u00f6nche und Nonnen, liebe Br\u00fcder und Schwestern!<\/strong><\/p>\n<p>An diesem lichten und mit Freude erf\u00fcllten Fest der Geburt im Fleisch unseres Herrn, Gottes und Erl\u00f6sers Jesus Christus gr\u00fc\u00dfe ich euch alle herzlich, meine Lieben. In dieser lichthellen Nacht wiederholen wir im Gebet den Lobpreis der Engel, der verk\u00fcndigt <em>\u201egro\u00dfe Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids\u201c <\/em>(Lk 2,10-12).<\/p>\n<p>Die Menschheit, die Gott im S\u00fcndenfall abgelehnt hat, gewinnt heute die M\u00f6glichkeit, sich mit ihrem Sch\u00f6pfer und Vorseher wieder zu vereinigen. Das Kommen des Gottessohnes in die Welt ist seine freiwillige Erniedrigung bis zur Bereitschaft, sich zum qu\u00e4lenden, sch\u00e4ndlichen<em> \u201eTode, ja zum Tode am Kreuz\u201c<\/em> herabzulassen (Phil 2,8). Gott wird im Fleisch geboren, um seine Liebe den Menschen aufzuzeigen und jedem zu helfen, die F\u00fclle des Seins zu gewinnen, der seinen Aufruf h\u00f6ren will.<\/p>\n<p>Gerade deshalb schenkt uns das heutige Fest das unwandelbare Vertrauen auf die Hilfe von oben in schwierigsten Umst\u00e4nden unseres Lebens. Gott, der seine Sch\u00f6pfung nicht verlassen hat und ihr den Weg zur Ewigkeit er\u00f6ffnet hat, erschien uns im S\u00e4ugling Christus, im wehrlosen Kind, das Aufmerksamkeit und Sorge braucht.<\/p>\n<p>Wir alle m\u00fcssen dieses biblische Bild in unseren Herzen bewahren. In dem wir uns an das in der Krippe liegende Gotteskind erinnern, gewinnen wir den festen Glauben und die unzerst\u00f6rbare Hoffnung auf die g\u00f6ttliche Vorsehung, die zum Wohl jedes Menschen f\u00fchrt. Auch wenn in unserem Leben keine St\u00fctze bleibt, alles nicht fest und hoffnungslos zu sein scheint, muss es uns klar sein, dass der Herr durch seine gnadenvolle Kraft f\u00e4hig ist, Schmerz, Leiden und Armseligkeit unserer Welt in Gl\u00fcckseligkeit, Freude und die \u00dcberf\u00fclle geistlicher Gaben zu verwandeln.<\/p>\n<p>Am Festtag des Kommens des Erl\u00f6sers wendet sich der innerliche Blick der Gl\u00e4ubigen zur Wiege des Christentums, dem Heiligen Land, das gew\u00fcrdigt wurde, der Ort der Geburt, des Lebens und des irdischen Dienstes des Herrn zu sein. Heute durchleben die, die Christus nachfolgen, schwere Pr\u00fcfungen in den L\u00e4ndern, in denen die Ereignisse der Heilsgeschichte stattfanden, sie begegnen neuen Gefahren f\u00fcr die Existenz der jahrhundertealten geistlichen Tradition. Lasset uns in den lichten Weihnachtstagen inst\u00e4ndige Gebete f\u00fcr unsere Glaubensgeschwister darbringen, f\u00fcr die H\u00fcter der kostbaren Heiligt\u00fcmer, f\u00fcr die Erben der fr\u00fchchristlichen \u00dcberlieferung.<\/p>\n<p><em>\u201eUnd so ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit\u201c<\/em> (siehe 1 Kor 12,26). Diese Worte des Apostels betreffen nicht nur die Glieder einer einzigen Pfarrei, einer einzigen Kirchengemeinde. Sie umfassen gewiss alle Kinder der einen, heiligen, allumfassenden und apostolischen Kirche, der auf der ganzen Welt verbreiteten Orthodoxen Kirche. Ihre Einheit besteht nicht nur in dem einen Glauben der heiligen V\u00e4ter und in der sakramentalen Gemeinschaft, aber auch im Mitempfinden der Schwierigkeiten, im hingebenden Dienen aneinander, im wechselseitigen Gebet.<\/p>\n<p>Das vergangene Jahr war nicht leicht im Leben vieler L\u00e4nder und V\u00f6lker, darunter jener, die im Raum der historischen Rus \u0301 leben: nicht wenige tragische Ereignisse und Kataklysmen dienten der Erprobung unseres Glaubens und unserer Standhaftigkeit.<\/p>\n<p>Heute jedoch vollziehen sich die haupts\u00e4chlichen Pr\u00fcfungen nicht im materiellen, sondern im geistlichen Bereich. Diejenigen Gefahren, die auf der physischen Ebene liegen, mindern das k\u00f6rperliche Wohlergehen und den Komfort. In dem sie die materielle Seite des Lebens erschweren, sind sie aber unf\u00e4hig, dem geistlichen Leben einen erheblichen Schaden zu bringen. Aber gerade die spirituelle Dimension deckt die wichtigste und ernst zu nehmende weltanschauliche Herausforderung unserer Zeit auf. Diese Herausforderung ist auf die Vernichtung des von Gott in unserer Seele angelegten sittlichen Gef\u00fchls gerichtet. Heute versucht man den Menschen davon zu \u00fcberzeugen, dass er allein das Ma\u00df der Wahrheit sei, dass jeder seine eigene Wahrheit habe und bestimme, was Gut und was \u00dcbel ist. Die g\u00f6ttliche Wahrheit, beziehungsweise die auf dieser Wahrheit beruhende Unterscheidung zwischen Gut und B\u00f6se, versucht man durch die sittliche Indifferenz und Permissivit\u00e4t zu ersetzen, die die Seelen der Menschen zerst\u00f6ren und sie des ewigen Lebens berauben. Wenn Naturkatastrophen und Kriegshandlungen die \u00e4u\u00dferliche Lebensordnung in Ruinen verwandeln, so zersetzt der sittliche Relativismus das Gewissen des Menschen, macht ihn geistlich behindert, missachtet die g\u00f6ttlichen Daseinsgesetze und st\u00f6rt die Korrelation der Sch\u00f6pfung mit dem Sch\u00f6pfer.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen in erster Linie dieser Gefahr widerstehen, in dem wir die allreine Jungfrau und die Versammlung der Heiligen zu Hilfe rufen, damit sie durch ihre F\u00fcrbitte vor dem Thron de<em>s Heiligen und Wahrhaftigen Herrn<\/em> (Off 6,10), den wir heute in der Gestalt des neugeborenen Kindes verehren, die Kraft f\u00fcr uns erwirken, um \u201e<em>mit F\u00fcrsten und Gewaltigen, n\u00e4mlich mit den Herren der Welt, die in der\u00a0Finsternis dieser Welt herrschen, mit den b\u00f6sen Geistern unter dem Himmel<\/em>\u201c (Eph 6,12) zu k\u00e4mpfen. Es ist wichtig, die Betr\u00fcgereien und T\u00e4uschungen des irdischen Wohlergehens in unseren verderblichen Leidenschaften erkennen zu lernen, im habs\u00fcchtigen Streben, in der Verlockung der Reklame, in den Unterhaltungs- und Politiktexten. Es ist immer wichtig, die Stimme des eigenen Gewissens zu h\u00f6ren, die vor der Gefahr der S\u00fcnde warnt und es versteht, die eigenen Handlungen mit den Geboten des Evangeliums zu vereinbaren.<\/p>\n<p>Heute wie immer ist jede Christin, jeder Christ gerufen, den Wert der gerechten Lebensweise durch eigenes t\u00e4gliches Handeln zu bekr\u00e4ftigen, bewusst dem sittlichen Relativismus und dem Kultus der schnellen Gewinnsucht zu widerstehen. Es gibt um uns herum viele Schwache, Kranke, Einsame. Es gibt nicht wenige, die wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten auf der Suche nach Arbeit ihre Heimatorte verlassen haben, die auch Sorge brauchen, denn sie geraten zuweilen in eine feindselige Umgebung. An der Ausf\u00fchrung der sozialen, missionarischen, kirchlich-gesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten, muss sich jeder Hirte und jeder Laie beteiligen. Nach den Worten des hl. Innocentius von Kherson, \u201enur im Lichte Christi kann man Gott, sich selber und die Welt in ihrer wahren Gestalt sehen; nur auf die Weisung der himmlischen Offenbarung kann man den Pfad finden, der ins ewige Leben f\u00fchrt\u201c.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen die W\u00e4rme und Freude des heutigen Festes mit denjenigen teilen, die die Tr\u00f6stung von Christus erhoffen. Jeder von uns kann das Licht des Sterns von Bethlehem den N\u00e4chsten und Fernen bringen: den Kollegen, Freunden, Verwandten und Nachbarn.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr wurde in Zusammenarbeit mit der staatlichen Gewalt und \u00f6ffentlichen Organisationen der Anfang vieler Initiativen gemacht, die die Menschen zusammenschlie\u00dfen und die feste geistliche und sittliche Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens wieder erneuern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Entwicklung solcher Zusammenarbeit, auch dem Zeugnis von der kostbaren Einheit unserer Kirche, dienten die von mir unternommenen Reisen in Russland, in die Ukraine, in Moldawien. Diese Visitationen haben meine Erfahrung des Gebetes und der Gemeinschaft mit dem gl\u00e4ubigen Volk bereichert, und ich hoffe, sie haben zu Verfestigung des uns verbindenden geistlichen Bandes beigetragen. In den Gottesdiensten, die mit Beteiligung sehr vieler Leute gefeiert wurden, ist auf besondere Weise die Kraft des Glaubens und des Gebetes erschienen, was die Sch\u00f6nheit der Orthodoxie ausmacht, die Sch\u00f6nheit und die Macht der \u201e<em>Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens<\/em>\u201c (Eph 4,3).<\/p>\n<p>In dem ich euch alle zu Christi Geburt und zum Neuen Jahr gratuliere, w\u00fcnsche ich euch im Gebet, stets in der Freude des Herrn zu verbleiben, der Mensch geworden ist, damit \u201e<em>wir durch desselben Gnade gerecht und Erben des ewigen Lebens nach der Hoffnung<\/em>\u201c seien (Tit 3,7). \u201e<em>Der Gott aber der Hoffnung erf\u00fclle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr v\u00f6llige Hoffnung habet durch die Kraft des Heiligen Geistes<\/em>\u201c (R\u00f6m 15,13). Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>PATRIARCH VON MOSKAU UND GANZ RUSSLAND<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weihnachten,<br \/>\n2011\/2012<br \/>\nMoskau<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachtsbotschaft des Patriarchen von Moskau und ganz Russland KIRILL an die Oberhirten, Hirten, M\u00f6nche und Nonnen und alle treuen Kinder der Russischen Orthodoxen Kirche Hochgeweihte Oberhirten, hochw\u00fcrdige V\u00e4ter, gottgeliebte M\u00f6nche und Nonnen, liebe Br\u00fcder und Schwestern! 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