{"id":426,"date":"2005-09-13T21:38:54","date_gmt":"2005-09-13T19:38:54","guid":{"rendered":"http:\/\/hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/50-jahre-orthodoxie-in-deutschland\/426.html"},"modified":"2005-09-17T10:19:02","modified_gmt":"2005-09-17T08:19:02","slug":"50-jahre-orthodoxie-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/50-jahre-orthodoxie-in-deutschland\/426.html","title":{"rendered":"50 Jahre Orthodoxie in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Ambrosius Backhaus<br \/>\n(23.08.1923 &#8211; 03.04.2005)<\/p>\n<p>26.12.2003<br \/>\nM\u00fcnchen<\/p>\n<p>Hochverehrte Bisch\u00f6fe, liebe Br\u00fcder, liebe Br\u00fcder und Schwestern, vielen Dank, dass wir hier zusammensind. Als ich am 7.April 1950 zum Priester geweiht wurde, war es insofern ein besonderer Tag, als es gleichzeitig &#8230;. Verk\u00fcndigung und Karfreitag war. Am Vormittag feierten wir die Liturgie, in der der Bischof, damals Bischof, sp\u00e4ter Erzbischof Athanasius mich zum Priester geweiht hat und anschlie\u00dfend begannen dann die Karfreitagsgottesdienste. Als ich damals zum Priester geweiht wurde, 1950, bekam ich ein h\u00f6lzernes Kreuz, da gab es noch keine Kreuze, man konnte auch keine kaufen \u2013 es ist vielleicht wichtig, wenn wir uns daran erinnern, dass das eine sehr einfache Zeit war, in der die Orthodoxie nicht in ihrer \u00fcberflie\u00dfenden Sch\u00f6nheit der Kirchen, Ikonen, Gew\u00e4nder gelebt hat, sondern ganz einfach. <!--more--><br \/>\nEs fing mit einem h\u00f6lzernen Kreuz an, meine Frau Kira fand das h\u00f6lzerne Kreuz sehr sch\u00f6n, das Kreuz des Herrn war aus Holz und dieses auch; aber es war sehr unpraktisch, es war viel zu leicht, und es hing immer an einer v\u00f6llig unm\u00f6glichen Stelle, aber nicht da, wo es hingeh\u00f6rte. Ein Jahr sp\u00e4ter hat dann eine Gemeinde f\u00fcr mich gesammelt und dieses Kreuz erworben von einem Priester, der ein goldenes Kreuz bekommen hatte. Und dieses Kreuz habe ich immer noch, in Erinnerung an diese Zeit. Auch ein Kreuz auf dem die Worte des heiligen Apostel stehen, dass wir nicht nur sch\u00f6n reden und singen sollen, sondern auch mit unserem Leben das Evangelium verk\u00fcnden.<br \/>\nDamals gab es sehr viele Baracken-Kirchen, es gibt Statistiker, die meinen es seien damals in Hamburg und Umgebung eine Million Fl\u00fcchtlinge aus dem Osten gewesen, das waren wirkliche Baracken-Kirchen, wo Planten un Blomen war, also eine Ausstellung mit Blumen und B\u00e4umen und Wasser, waren damals lauter Baracken aufgestellt, und unter diesen Baracken war auch eine Barackenkirche \u2013 dann gab es eine gro\u00dfe Barackenkirche in Neugraben, und in Wentdorf in den gro\u00dfen Kasernen, war einer der B\u00f6den ganz oben unter dem Dach als eine riesige Kirche ausgebaut, in die f\u00fcnfhundert bis sechshundert Menschen passten.<br \/>\nEs war alles sehr einfach. Und die damaligen Russen meistens, aber auch Bulgaren und Serben, richteten eben ihre Kirche mit einer Bilderwand, mit einer Ikonostase ein, und da ja \u00fcber dem Altar, wie in allen orthodoxen Kirchen, das Abendmahl dargestellt wurde, es aber keine Ikonen gab, verwandten sie mit gro\u00dfer Begeisterung das ber\u00fchmte Abendmahl von Leonardo da Vinci, was f\u00fcr einen Ikonenfachmann zwar sehr sch\u00f6n als Kunstwerk ist, aber allen Regeln und Gesetzen der Ikonen widerspricht. In L\u00fcbeck in der kleinen Kirche sammelten die orthodoxen aus Zeitschriften, Zeitungen, Kalendern Papierikonen, die dann sehr sorgf\u00e4ltig auf Holzplatten oder Faserplatten aufgeklebt und mit einem Lack \u00fcberzogen wurden, so 1950 \u2013 heute existieren noch einige von diesen Ikonen in der L\u00fcbecker Kirche, viele sind aber nun durch richtige, ja, da fragt man ja schon, richtige Ikonen ersetzt, was man da unter richtig versteht.<br \/>\nIch m\u00f6chte Ihnen auch gerne ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Gemeinschaft zwischen Russen und Deutschen deutlich machen, und deshalb werde ich auch davon etwas erz\u00e4hlen.<br \/>\nDie Deutschen kannten die Orthodoxie haupts\u00e4chlich aus den Kirchen des neunzehnten Jahrhunderts. Goethe noch etwas fr\u00fcher, erz\u00e4hlt, wie er in Weimar die orthodoxe Kirche besucht hatte, diese Kirchen waren Kirchen der Prinzessinnen, die aus Russland nach Deutschland gekommen waren. Die wurden ganz und gar im Stil der damaligen Zeit gebaut, wer in Wiesbaden, ich nenne nur eine einzige Kirche, in Wiesbaden in der sch\u00f6nen Kirche auf dem Neroberg gewesen ist, der erkennt die Kirche au\u00dfen als eine orthodoxe Kirche, innen aber f\u00fchlt er sich eigentlich in das neunzehnte Jahrhundert, der damaligen Stilform des Malens, versetzt. Die Gemeinschaft zwischen Orthodoxen und Deutschen Katholiken und Evangelischen ist sehr viel enger, als wir glauben. Ich erz\u00e4hle nur eine einzige historische Tatsache, dass Konservatorium in Moskau, wurde 1866 gegr\u00fcndet, 41 Prozent der dortigen S\u00e4nger und Lehrer waren Deutsche. Das Konservatorium in St.Petersburg wurde 1862 gegr\u00fcndet, 37 Prozent Deutsche. Wir  machen uns oft nicht klar, dass gerade in der Musik der Einflu\u00df nicht nur der Italiener, sondern eben auch der Deutschen in Russland ganz erheblich gewesen ist, und das was wir heute als typisch russische Musik all den ber\u00fchmten Komponisten kennen, herausgewachsen ist herausgewachsen ist aus einer deutsch-russischen Gemeinschaft aus Dresden, aus den gro\u00dfen deutschen St\u00e4dten kamen die Menschen nach Russland und lehrten die Musik und lebten die Musik mit den Russen zusammen, genauso umgekehrt, die Russen kamen hierher.<br \/>\nWas wussten die Deutschen 1950 von der Orthodoxie? Eigentlich nichts. Harnack schrieb einige Jahrzehnte vorher, die Orthodoxie sei das versteinerte dritte Jahrhundert. Und das war das, was jeder evangelische und katholische Geistliche gelernt hatte und wenn er gefragt wurde, auch davon erz\u00e4hlte und dass es auch sp\u00e4ter noch Entwicklungen der Orthodoxie gegeben hat, das es zum Beispiel ein Konzil gegeben hat, auf dem die Ikonenverehrung, das Leben mit den Ikonen in besonderer Weise verk\u00fcndigt wurde, hat Harnack offenbar nicht mehr gelesen, er ist nur bis zum dritten Jahrhundert gekommen in seinen Studien.<br \/>\nHans Ehrenberg hat etwa um 1948 zwei B\u00e4nde ver\u00f6ffentlicht \u00fcber politische und religionsphilosophische Philosophen \u2013 Promjakow, Tschadajew wurden damals zum ersten Mal in Deutschland \u00fcberhaupt gelesen. Aber sehr viel mehr kannten die Deutschen von den Russen durch die Donkosaken, die waren ja gerade damals nach dem zweiten Weltkrieg waren die so richtig ber\u00fchmt, vorher hat es das auch schon gegeben, in dem Kaffee Vaterland, was in Hamburg heute nicht mehr gibt, an der Binnenalster, sang Sergei, der sp\u00e4ter in der Kirche auch sehr viel bei uns gesungen hat, war damals ein junger Mann noch, er war der ber\u00fchmte Russe, den die Deutschen eben kannten und nachdem sie dir Russen eben einsch\u00e4tzen, k\u00f6nnen singen.<br \/>\nIch habe von den Auswanderern gesprochen, diese Auswanderer haben sehr stark das orthodoxe Leben gepr\u00e4gt, die hatten erstens Furcht vor Registrierung, das ist eine Furcht oder eine Verhaltensweise, die weitgehend auch heute noch lebendig ist, viele Orthodoxe Russen, aber auch Serben, Bulgaren, Georgier, sind gern beim Priester bekannt, aber sehr ungern stehen sie in einer Liste. Das hat nichts mit den Beitr\u00e4gen zu tun, dass sie dann bezahlen m\u00fcssen, sondern das ist eine uralte Furcht, die damals noch berechtigt war; die Leute glaubten, dass die Kirchen\u00e4ltesten die Listen der Russen nach Russland nach Russland verkauften, damit dann die NKWD sie abholen konnte \u2013 alles sehr phantastische Vorstellungen, aber die haben sehr stark das Leben bestimmt \u2013 das hei\u00dft, wir hatten also keinerlei Listen, keine zuverl\u00e4ssigen Listen \u00fcber die Menschen, die in die Kirche kamen, die kamen und gingen. Zweitens (erstens war?) hatten sie eine gro\u00dfe Angst vor der Sowjet-Union, die Grenze war ja unmittelbar nah, ich rede jetzt von Hamburg, und infolge dessen wollten sie so schnell wie irgend m\u00f6glich weg, weit, weit weg, nach Australien, nach Kanada, nach Amerika, nach S\u00fcdamerika \u2013 nach Argentinien \u2013 und wer blieb zur\u00fcck? Es wird immer viel \u00fcber die Unmenschlichkeit in der Geschichte geredet, aber diese Unmenschlichkeit ist v\u00f6llig vergessen worden \u2013 die Alliierten Auswanderungskommissionen, die Menschen zur Auswanderung zulie\u00dfen, und dann auch die Auswanderung und den Transport bezahlten, die Eingliederung in Argentinien, Australien usw bezahlten, nahmen keine Alten, keine Vorbestraften, und keine Kranken, vor allem keine Tuberkulose-kranken. Auch wer nur irgendwann mal eine Tuberkulose gehabt hatte, das hei\u00dft, es blieb eine sehr seltsame Struktur, eine sehr seltsame Ordnung der Gemeinden zur\u00fcck, es waren alte Leute, die bestenfalls F\u00fcrsorgeunterst\u00fctzung bekamen, das waren Vorbestrafte, aus v\u00f6llig harmlosen Gr\u00fcnden, das waren keine gro\u00dfen Verbrecher, sondern die hatten eben eine nicht ganz saubere Vergangenheit, und das waren Kranke. Vor allem Tuberkulose Kranke \u2013 es fehlten vor allem junge Menschen, es fehlten auch weitgehend leistungsf\u00e4hige Menschen. Es waren Gemeinden in denen wirklich sozusagen die Sehschwachen den H\u00f6rschwachen beistanden, und man miteinander gut lebte \u2013 aber man kann sich das kaum vorstellen, eine Gemeinde, in der es keine Jugend, keine Kinder gibt, in der es keine kr\u00e4ftigen Gesunden gibt, in denen es auch vielleicht einen einzigen gibt, der etwas verdient. Die andern hatten kaum irgend welches Geld. Aber russische Kultur wurde von den Russen damals auch schon vertreten, eine Frau  ..ina \u2013 hatte einen Kulturkreis, das hei\u00dft in ihrer kleinen Wohnung kamen die Leute zusammen, man sa\u00df auf dem Teppich; es wurde russische Musik gesungen, es wurde vorgelesen, aus russischen Werken auf Russisch und auf Deutsch, vor allem wurde die russische K\u00fcche probiert, russische Getr\u00e4nke kannten die Deutschen vorher auch schon, aber nicht so gut die russische K\u00fcche, und es wurde mit einander geredet, eine Familie &#8230; hat das in einer etwas anderen Form ebenso in Hamburg, da gab es Vereine und Gemeinschaften, dann gab es zwei gro\u00dfe Konkurrenz-B\u00e4lle, einen gro\u00dfen Ball im Atlantik, der wurde von &#8230;., organisiert und einer in Eppendorf, der wurde von der &#8230;. \u2013 organisiert. Infolgedessen, ja, was ich Ihnen eigentlich sagen will: Das war der Eindruck, den die Deutschen von den Russen hatten. Musik, Lesungen, K\u00fcche, B\u00e4lle. Interessante, nette Leute \u2013 in der Kirche Alte, uralte Leute, die kaum irgendwie noch leistungsf\u00e4hig waren, und infolgedessen war das eben eine ausgesprochen schwierige oder eigent\u00fcmliche Situation.<br \/>\nDa will ich Ihnen doch noch etwas davon erz\u00e4hlen, weil das vielleicht nicht nur f\u00fcr mich typisch ist \u2013 warum ich nun gerade orthodox geworden bin.<br \/>\nIch bin 1923 geboren, mein Gro\u00dfvater war evangelischer Pastor in Bremen. Bremen ist eine besondere Stadt vor allem in der evangelischen Kirche, da hat es immer schon Dinge gegeben, die es sonst nicht gegeben hat \u2013 mein Gro\u00dfvater war ein \u00d6kumeniker, er kannte nur dieses Wort nicht, er hatte einen Rotweinabend mit dem Rabbiner und mit dem Katholischen Geistlichen zusammen, jede Woche einmal; und meine Mutter war eine sehr selbst\u00e4ndige Dame, die bei den B\u00e4llen 1905 in Bremen kein Korsett mehr trug, was geradezu haarstr\u00e4ubend war, und auch sonst sich ungew\u00f6hnlich verhalten hat; wir sind aufgewachsen f\u00fcnf Kinder mit Vorlesen, M\u00e4rchen, Sagen, es wurde jeden Morgen gesungen, Kirchenlieder, andere Lieder \u2013 die Kirche aber eigentlich und das Christentum im Sinne von Jesus Christus spielte eine geringere Rolle, vordringlicher oder wichtiger war eigentlich Kultur, Menschlichkeit. Infolgedessen hatte ich dann als junger Mensch, getauft mit dem Wasser des Starnberger Sees, aber sp\u00e4ter kein Verh\u00e4ltnis zur Kirche gehabt, hatte ich Schwierigkeiten mit dem Christentum. Mit dem Anspruch des Christentums, dass es die einzig wahre Religion w\u00e4re \u2013 bei uns werde eben doch auch sehr viel aus asiatischer, aus fern\u00f6stlicher Kultur vorgelesen, und ich habe mir dann viele M\u00fche gemacht, ich will das nicht sehr lange erz\u00e4hlen, habe fern\u00f6stliche Sprachen gelernt, und mich mit der Kultur besch\u00e4ftigt vom Buddhismus bis zu den Japanern und bis zum Sanskrit, und zu der Baga &#8230; \u2013 ich hatte immer wieder das Gef\u00fchl, eine gro\u00dfartige Welt, eine gro\u00dfartige Welt transzendenter Wirklichkeit, das hei\u00dft, das auch die unsichtbare Welt eine unmittelbare Rolle spielt, und das Christentum eine Randerscheinung in einem kleinen unbedeutenden Land am Rande der Gro\u00dfm\u00e4chte, eben gerade um diese Zeit, wurde Christus dort in Bethlehem geboren, erhebt einen Anspruch, die einzig wahre Religion zu sein. Das Ergebnis war nicht so pl\u00f6tzlich, es hat bei mir lange gedauert, bis ich das wirklich so richtig begriffen habe, aber dann habe ich es auch begriffen \u2013 und was ich begriffen habe: Es gibt keine Religion und keine Philosophie, in der Gott der Allm\u00e4chtige Herr, der das Universum und mich geschaffen hat, mich pers\u00f6nlich bei meinem Namen kennt. \u2013 Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen und Du bist mein \u2013 steht schon im Alten Testament, auch die Juden mit den Christen zusammen, geh\u00f6ren zu denen, die unwahrscheinlicher weise, glauben, nein, deshalb daraus lesen, dass Gott mich pers\u00f6nlich bei meinem Namen kennt. So hat Er mich geschaffen, so ruft Er mich in der Taufe, so spricht Er zu mir beim Empfang des Heiligen Abendmahls, so wird Er mich einmal richten, wenn Er wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten. Damit war das Christentum f\u00fcr mich \u00fcberzeugend; die einzig wahre Religion. In den anderen Religionen ist genauso viel Sch\u00f6nheit und genau so viel Innigkeit, aber wie Blaise Pascal schon in den letzten &#8230;. geschrieben hat, den Briefen an einen Provancaren, einen Mann in der Provance, kann ich nur sagen, das ist so gro\u00dfartig, der Gedanke, dass Gott mich pers\u00f6nlich bei meinem Namen kennt, das auch, wenn es nicht stimmen sollte, ich mein ganzes Leben mit Begeisterung darauf begr\u00fcnde. Ich bin auch der \u00dcberzeugung, dass es stimmt. Aber dann kamen die n\u00e4chsten gro\u00dfen Schwierigkeiten f\u00fcr mich mit der Kirche. Christus hat mich immer \u00fcberzeugt, die Bibel, das einzige Buch, in dem die Wahrheit steht, da wird nicht fromm und ergriffen am Totenbett des Sokrates Philosophie gesprochen, sondern da streiten sich die J\u00fcnger nach dem Abendmahl, wer der Gr\u00f6\u00dfte ist; das war die Welt in der ich lebte, und die ich kannte. Die Bibel hat mich \u00fcberzeugt, aber nicht die Kirche. Und dann war ich in Russland als Soldat und in Gefangenschaft und in den gro\u00dfen Katastrophen des Krieges und der Gefangenschaft habe ich gelernt, dass man mit Gott, mit Christus unmittelbar reden kann, da braucht man keine Kirche \u2013 da gibt es auch keine Kirche, keine kirchlichen M\u00f6glichkeiten, da ist es der Herr selbst, Der mich gef\u00fchrt hat, auf eine sehr erstaunliche Weise.<br \/>\nDann bin ich aus russischer Gefangenschaft nach Hause gekommen, und dann ging alles schief \u2013 diese Klarheit des Lebens in der Katastrophe in Krieg und Gefangenschaft, das ist nicht die Klarheit unseres allt\u00e4glichen Lebens hier. Wir leben hier nur von Kompromissen; ich \u00fcberlege ja schon wieder, mit welchem Zug ich nach Hamburg fahren mu\u00df, um in L\u00fcbeck Gottesdienst zu halten, wir leben \u2013 ja \u2013 von gegenseitiger Vergebung, von gegenseitiger Liebe \u2013 vom mit einander auskommen.<br \/>\nSich miteinander ertragen, gl\u00fccklich sein, dass wir zusammen sind, &#8230;.        vielen Dank f\u00fcr die Gemeinschaft.<br \/>\nDas ist ganz etwas anderes, und der gelbe Kaiser, der gro\u00dfe chinesische Kaiser hat schon gesagt: warum lieben die Menschen den Krieg so sehr? Antwort: weil sie genau wissen, was sie tun m\u00fcssen.<br \/>\nIm Frieden ist das alles so\u2019n bisschen kompliziert. Und da habe ich begriffen, was Kirche ist \u2013 eben: die Gemeinschaft derer, die miteinander leben \u2013 die in all ihrer Demut und Unvollkommenheit als unvollkommene Menschen, aber doch von Gott geliebte, die Gott bei ihrem Namen gerufen hat, zusammen gesammelt sind &#8230;&#8230;  die Kirche, die Gott zusammen gesammelt hat \u2013 na ja, gut, also die Kirche ist doch etwas ganz Wichtiges \u2013 aber die Orthodoxie? Es gibt ja viele Kirchen. 1948\/49 da war die Evangelische und die Katholische Kirche etwas v\u00f6llig anderes wie heute \u2013 auch die Freikirchen kann man kaum, wenn man sie heute sieht, mit der damaligen Zeit vergleichen. Aber f\u00fcr mich war es relativ \u2013 damals \u2013 einfach, nach den Studien der katholischen und evangelischen Theologie \u2013 zu erkennen, dass das nicht meine Kirche ist. Die Katholische Kirche war mir zu klug, es war alles bis ins letzte hin definiert und festgelegt und klar und logisch gesagt, etwas was mir unwirklich vorkam, was ich mit meiner Erfahrung meines t\u00e4glichen Lebens, des t\u00e4glichen Lebens nicht in \u00dcbereinstimmung bringen konnte. Judas, wie Sie wahrscheinlich wissen, stirbt leider auf verschiedene Weise in dem neuen Testament, das deckt sich nicht so recht \u2013 was soll man nun tun? Und die Katholiken haben interpoliert, wie man das nennt, sie haben die einzelnen Verse, die einzelnen Aussagen dieser verschiedenen Berichte aus den Evangelien, aus der Apostelgeschichte so ineinandergef\u00fcgt, dass sie ein verl\u00e4ssliches gutes, schl\u00fcssiges Bild ergeben, eine gro\u00dfartige Leistung; ich habe sehr viel Thomas von Aquin studiert, was es damals sonst noch gab, Romano Guardini, eine gro\u00dfartige Leistung, aber f\u00fcr mich nicht die Wirklichkeit, in der ich gelebt habe.<br \/>\nUnd die evangelische Theologie \u2013 ja, da fehlten die Engel, da fehlte die Gemeinschaft mit den Toten, mit den Entschlafenen, die Segnung des Wassers, die Segnung der Ikonen \u2013 dieses handfeste k\u00f6rperliche Leben, die Inkarnation, die Menschwerdung Gottes war mir da nicht griffig genug, und so war es in der Orthodoxie.<br \/>\nUnd dann wollte ich nat\u00fcrlich auch die orthodoxe Kirche kennen lernen \u2013 ich konnte damals russisch, bisschen schlechter wie jetzt, ich hatte es in Gefangenschaft gelernt, ich dachte, ich konnte russisch, ich konnte mich da gut verst\u00e4ndigen, aber ich konnte weder Puschkin lesen noch Dostojewski, ich kannte jedes dritte Wort nicht \u2013 ich kam dann in die orthodoxe Kirche in Hamburg und wurde so liebevoll aufgenommen, spielte sicher auch eine Rolle \u2013 und nicht nur die Theorie, nicht nur die Gedanken \u00fcber die Kirche, sondern auch die Praxis hat mich \u00fcberzeugt. Damals hie\u00df ich noch Arnold, und den gab es nicht so richtig im orthodoxen Kalender, und nun hei\u00dfe ich Ambrosius, wie sie wissen, und ich will auch nicht so viele Geschichten erz\u00e4hlen, der heilige Ambrosius hat mir immer deshalb gefallen, weil Augustinus von ihm berichtet, dass er in seinem Studierzimmer sa\u00df, und immer die T\u00fcr offen hatte, so dass jeder ihn sehen konnte, und dass er immer \u2013 eben: seine T\u00fcr offen hatte.<br \/>\nSo hat Augustin das erz\u00e4hlt, und so habe ich das nachher als Direktor praktisch auch getan \u2013 man wird nicht so viel gest\u00f6rt, wie man denken sollte, aber man hat ein ganz anderes \u2013 ja, eine offene T\u00fcr \u2013 ja, ein ganz anderes Verh\u00e4ltnis zu denen, die eben mal an der T\u00fcr vorbeigehen, und eben nicht vorbeigehen, sondern auch hereinkommen.<br \/>\nJa \u2013 wie habe ich Theologie gelernt? Ja, schlecht \u2013 die Ausbildung bestand vor allen Dingen im Gespr\u00e4ch, im Gespr\u00e4ch mit Erzbischof Stefan &#8230;&#8230;. , den vielleicht manche von Ihnen kennen, ein ganz origineller Mann, mit Bischof Athanasius und damals in den Lagern in Hamburg waren viele kluge orthodoxe Theologen und Priester und mit denen habe ich dann gesprochen. Und dann habe ich gebetet \u2013 und auch heute noch \u2013 das Gebet ist eigentlich f\u00fcr mich die Ausbildung \u2013 schlechtes Wort daf\u00fcr \u2013 aber durch das Gebet segnet mich Gott und steht Er mir bei, dass ich etwas Vern\u00fcnftiges sagen kann \u2013 und die Gebete geh\u00f6ren ja auch zu den erstaunlichsten Dingen, und wenn man eben immer ein Gebetbuch in der Tasche hat, und die Gebete vorm heiligen Abendmahl \u2013 k\u00f6nnen Sie ja ausrechnen 1950 bin ich zum Priester geweiht \u2013 einige tausend Male gelesen hat und jedes Mal auch beim 2443 mal noch etwas neues entdeckt, dann wei\u00df man, was Gebet bedeutet. Das ist Gespr\u00e4ch mit Gott und gleichzeitig auch Offenbarung oder Aneignung oder Inkorporierung, es wird einem ganz nahe, dessen, was Gott uns offenbart hat.<br \/>\nDann haben f\u00fcr mich immer die Auswahl der Lesungen eine ganz entscheidende Rolle f\u00fcr mein orthodoxes Verst\u00e4ndnis der Heiligen Schrift \u2013 der Kirche \u2013 bedeutet. Das ist ja nicht selbstverst\u00e4ndlich, wer die Lesungsordnung, also was jetzt am n\u00e4chsten Sonntag als Apostel, als Prokim, als Evangelium gelesen wird, wie das zusammengestellt wird, was da eventuell noch zus\u00e4tzlich gelesen wird, weil gerade der Feiertag des heiligen Kyriakos oder \u00c4hnliches ist, das ist ein erstaunliches Kunstwerk, eine Auslegung oder eine Aneignung der Heiligen Schrift, dadurch leben wir aus der Bibel \u2013 nicht aus einem Buch, was wir von A bis Z lesen, sondern was uns immer wieder gesagt wird, verk\u00fcndet wird, in einer ganz konkreten Situation, und wenn ich einen Vortrag zu halten hatte, zu irgend einem Thema, dann habe ich mir zun\u00e4chst einmal angesehen, welche Stellen die Kirche bei den Festen \u2013 etwa zu Ostern, zu Weihnachten \u2013 da ausgew\u00e4hlt hat, und ich habe seit langer Zeit eine alte deutsche Bibel, und da sind alle Stellen angestrichen, die in der Orthodoxen Kirche gelesen werden, das ist nicht die ganze Bibel, da fehlen viele, viele Seiten \u2013 die ganze Apokalypse, die ganze Offenbarung des Johannes fehlt \u2013 also die Auswahl der Lesungen geh\u00f6rte f\u00fcr mich zur Ausbildung oder zum Lernen dessen, was ich als Priester tue, sage, lebe.<br \/>\nUnd die Texte der Gottesdienste, was dort alles in den Texten der Gottesdienste \u2013 im &#8230;<br \/>\nIn dem Kanon, in den Prokimen drin steht, ist v\u00f6llig unaussch\u00f6pflich und ich wundere mich immer wieder, was ich alles \u00fcberlesen habe, was ich gar nicht so gemerkt habe, was mir gar nicht so wichtig gewesen ist. Unser Gott ist ein Gott, der Wunder tut \u2013 ein Prokimen, also ein vorlaufender Text, der, wie Sie ja wissen, am Ostersonntag beim Abendgottesdienst in einer besonders feierlichen Weise in der Mitte der Kirche gelesen und gesungen wird \u2013 und wer die mal von Gedda gesungen geh\u00f6rt, der wei\u00df, dass dann die Kirche wackelt, das ist wirklich eine der Grundlagen. Unser Gott ist ein Gott, der Wunder tut. Ja, tut er das denn?<br \/>\nIch humple doch vor mich hin, es gibt doch gar kein Wunder \u2013 es gibt auch viele andere, die davon erz\u00e4hlen, dass die Wunder f\u00fcr sie nicht entscheidend sind, der heilige Apostel Paulus sagt: Ich habe gebeten \u2013 aber der Herr hat gesagt: La\u00df dir an meiner Gnade gen\u00fcgen \u2013 und im Hebr\u00e4erbrief, was wir immer lesen, wenn wir der Heiligen gedenken, der Heiligen M\u00e4rtyrer und der Heiligen, da sind viele, die haben die Erl\u00f6sung nicht angenommen, weil sie etwas besseres hatten \u2013 und da habe ich begriffen, gerade bei diesem Kontin..non \u2013 unser Gott ist ein Gott der Wunder tut.<br \/>\nDie entscheidenden Wunder sind f\u00fcr mich nicht die gro\u00dfen, sondern die kleinen, die unendlich vielen kleinen Wunder, die jeden Tag meines Lebens und Ihres Lebens begleiten \u2013 die wir nur so leicht \u00fcbersehen \u2013<br \/>\nAlso: Text des Gottesdienstes, Auswahl der Lesungen, Gebet und dann Vortr\u00e4ge. Da ich damals einer der wenigen deutsch sprechenden orthodoxen war, glaubte man, ich k\u00f6nnte \u00fcber alles reden, ich habe das dann auch geglaubt, und habe mich dann eben vorbereitet: Gebet, Auswahl der Lesungen, Texte des Gottesdienstes \u2013 und habe mich auch schlau gemacht, wie die Hamburger sagen, und habe oft nach den Vortr\u00e4gen auf den gro\u00dfen Tagungen in den katholischen und evangelischen Theologen, die einen Namen hatten, ich kleine Wurst, die da drunter war, habe dann festgestellt, dass sie ihr Wissen auch meistens aus der Enzyklop\u00e4die oder aus dem Lexikon hatten \u2013 also so schwierig war das auch nicht.<br \/>\nAber da habe ich dann doch gelernt, wie in einer besonderen Weise, die orthodoxe Kirche mit dem Glauben umgeht. Und dazu geh\u00f6rt die deutsche Sprache \u2013 es ist ja sehr seltsam, dass es so verschiedene Sprachen gibt, es ist sehr seltsam, dass der Herr Jesus Christus in aram\u00e4isch und hebr\u00e4isch redet, und dass wir seine Worte auf griechisch \u00fcberliefert bekommen haben. Versuchen Sie sich das mal f\u00fcr den Islam vorzustellen. Undenkbar \u2013 nur das arabische Wort ist das wahre Wort Allahs \u2013 oder denken Sie an den Pali-Kanon des Buddhismus, da m\u00fcssen Sie schon die Sprache lernen, wenn Sie das verstehen wollen \u2013 wir nicht. Der Herr liebt das \u00fcbersetzen, und Er \u00fcbersetzt Sein Wort immer wieder in unsere Muttersprache. Johannes auf Patmos diktiert griechisch, Heronimus in Bethlehem schreibt lateinisch, Luther auf der Wartburg deutsch, James W \u2013 die gro\u00dfe englische Ausgabe, von S die franz\u00f6sische Ausgabe, von Calvin und Zwingli, die Z\u00fcricher Ausgabe, ganz seltsam, was da eigentlich geschieht. (<br \/>\nUnd nun war das Problem, dass die Orthodoxen immer ihre Sprache f\u00fcr die beste halten \u2013 Methodios und Kyrillos haben zwar heftig sich gestritten mit den Pr\u00e4laten, mit dem Papst, \u00fcber die Irrlehre, dass man nur in lateinisch, griechisch und hebr\u00e4isch beten d\u00fcrfte \u2013 Methodios schwitzt \u2013 da fragen ihn die Pr\u00e4laten: warum schwitzt du denn \u2013 da sagt er: wenn man mit so dummen Leuten wie ihr reden mu\u00df, dann mu\u00df man schon ins Schwitzen kommen. So ging das damals in Prag zu. Aber obwohl die Orthodoxen leidenschaftliche \u00dcbersetzer sind, lange vor den Bibel\u00fcbersetzungen des Westens haben sie die Sprache ins Japanische, ins Chinesische, in die ganzen Dialekte Sibiriens \u00fcbersetzt \u2013 die Orthodoxen, auch die Griechen, leidenschaftliche \u00dcbersetzer \u2013 aber ihre Sprache ist die Beste \u2013 auch die Russen haben ja das Gef\u00fchl: na ja, Deutsch, auch eine sch\u00f6ne Sprache, aber beten in Deutsch? Und das ist das Problem. 1949 wurde ein deutscher Chor in Hamburg gegr\u00fcndet, von Theodor Gerassimow, der Vermessungsingenieur war, und der mir sehr sch\u00f6n erz\u00e4hlt hat \u2013 entschuldigen Sie, wenn ich so Kleinigkeiten auch mal erz\u00e4hle \u2013 wie er studiert hat, er musste ja Physik studieren, um Vermessungsingenieur studieren zu k\u00f6nnen, da sagt er: Vater Ambrosius, alles alles unklar, und mit einmal alles ganz klar!, und so ist er dann Ingenieur geworden und hat viele Dinge in Hamburg vermessen. Aber er hat einen deutschen Chor gegr\u00fcndet, mit einer Leidenschaft, bewundernswert \u2013 er hat immer wieder Leute gefunden, die da mit ihm zusammen sangen. Na gut, die Russen haben das dann auch geduldet, einmal im Monat, alte Tradition, in Hamburg wird also deutsch gesungen, der erste Sonntag im Monat ist auf deutsch, aber richtig ist das eigentlich nur in russisch, oder slawisch, auch wenn man es nicht versteht \u2013 das macht nichts. Das ist eben richtig orthodox.<br \/>\nIhnen ist ja wahrscheinlich auch klar, ich will ja niemand beleidigen, wegen seiner schlechten slawischen Kenntnisse, aber dass sie einen deutschen Text, wenn sie einen Kanon lesen \u2013 das f\u00e4ngt ja schon beim Apostel Paulus an, die Deutsche \u00dcbersetzung besser verstehen, als die slawische \u2013 aber das macht nichts, das liegt einfach am Flair der Sprache, und deshalb habe ich dann auch viele Vortr\u00e4ge gehalten, gerade auch f\u00fcr Russen, f\u00fcr die deutsche Sprache \u2013 ich habe gesagt: das ist f\u00fcr euch entscheidend, dass in der Kirche auch deutsch gesprochen wird, damit ihr nicht sozusagen in einer falschen Welt lebt, auf der Strasse spricht man deutsch und in der Kirche spricht man russisch, also der Glaube ist die Kirche, und die Stra\u00dfe ist etwas anderes \u2013 deshalb mu\u00df auch die Sprache der Strasse in der Kirche gebetet werden, damit ich auch, wenn ich auf der Stra\u00dfe bin, im Bus fahre, arbeite, mit den Menschen zusammen bin und diese etwas holprige deutsche Sprache h\u00f6re, dass ich dann gleichzeitig auch im Gebet bin \u2013 denn das ist f\u00fcr die Orthodoxie entscheidend: Es gibt keinen Gegensatz zwischen profan und heilig; ich rede gleich wieder deutsch. F\u00fcr den Westen gibt es viele westliche Theologen und Philosophen, f\u00fcr die gibt es eine heilige Welt, eine sakrale Welt und eine profane Welt, also eine Welt, in der das Heilige nicht die entscheidende Richtschnur ist, ich meine f\u00fcr das Christentum. Die Orthodoxie von Anfang an gibt es keine Trennung \u2013 den ersten Ku\u00df geben sich liebende vor der Ikone der Mutter unseres Herrn Jesus Christus in der Kirche, das hei\u00dft, alles, was in der Kirche geschieht, ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr unser allt\u00e4gliches Leben, und deshalb ist es so wichtig, ich war noch bei der Sprache, es ist es eben so wichtig, dass diese deutsche Sprache auch im orthodoxen Gottesdienst geh\u00f6rt wird, damit die Menschen, gerade die Russen, die aus der Kirche herausgehen und deutsch h\u00f6ren, nicht glauben, dass sie jetzt den Herrschaftsbereich Jesu Christi verlassen haben, sondern ganz im Gegenteil.<br \/>\nEs hat sich ja st\u00e4ndig ge\u00e4ndert. Wir haben (wo?) Zeiten gehabt, wo fast alle in die Kirche kamen, deutsch sprachen, die meisten sogar besser deutsch \u2013 auch die Kinder etwa der Emigranten des ersten Weltkrieges \u2013 und heute haben wir wieder eine Kirche, wo ich wieder auch bei einnem deutschen Gottesdienst in meiner russischen Art versuche, russisch zu predigen, weil da viele Leute sind, die kein Deutsch kennen.<br \/>\nWas ist nun weiter \u2013 noch einen kleinen Abschnitt, und dann machen wir eine Pause \u2013 was soll nun weiter geschehen, um die Orthodoxie lebendig zu machen in Deutschland? Das waren die Tagungen in M\u00fcnchen, damit fing das so an, Kloster des Heiligen Hiob, wo der Machao &#8230;. , Sekret\u00e4r Erzbischof Alexanders uns immer wieder fast mit Tr\u00e4nen in den Augen auf seinem Deutsch gesagt hat: Ihr m\u00fc\u00dft die Nachtwache, die &#8230;. immer halten, und nicht verk\u00fcrzen und nicht aufgeben, das ist das Leben der Kirche. Ich wei\u00df nicht, ob Sie wissen, dass es bei den Griechen zum Teil ja anders ist, die feiern die Orthros, die &#8230;.. morgens vor der Liturgie und am Abend zwar eine sehr ausf\u00fchrliche &#8212;   eine Vesper, einen Abendgottesdienst \u2013 aber er hat uns immer wieder gesagt, bei den Tagungen \u00fcber die Orthodoxie: davon lebt die Kirche, von dieser Nachtwache. Dort waren auch viele Deutsche und da ist dann \u00fcbersetzt und gesprochen worden, und ich erinnere noch, wie da so ein kleiner, ich erinnere noch einen sehr frommen evangelischen Kirchendichter wohl auch, als wir dann dar\u00fcber sprachen: wie \u00fcbersetzen wir denn uns ganzes Leben Christus unserem Gott zu \u00fcbergeben, was bei jeder Liturgie der Schlusssatz ist, er sagte: wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn wir das Wort befehlen: Befiel du meine Wege \u2013 unser ganzes Leben Christus, unserem Gott, befehlen. Keine Probleme der \u00dcbersetzung, sondern ich fand einfach so sch\u00f6n, dass da eine Gemeinschaft zwischen Deutschen und Russen entstand, und der eben aus seinem Empfinden: Befiel du meine Wege \u2013 aus diesem Lied heraus sagte \u2013 das ist doch ein Wort, was die Deutschen nat\u00fcrlich selbstverst\u00e4ndlich nicht gleich richtig verstehen, was auch so grammatikalisch so mit den F\u00e4llen etwas Schwierigkeiten hat \u2013 aber das ist vielleicht \u00fcberhaupt das gemeinsame Leben der Kirche und der \u00dcbersetzung. Diese Tagungen, ob das in M\u00fcnchen war oder in Frankfurt oder an anderen Orten, brachten viel weniger dogmatische Probleme, als vom geistigen Leben, geistlichen Leben der Kirche. Ich erinnere noch eine Serie von Vortr\u00e4gen \u00fcber die Mystik der Ostkirche, die ich dann halten musste, wo ich sehr bald das Wort \u201eMystik\u201c immer in Anf\u00fchrungsstriche gesetzt habe, denn eben f\u00fcr den Westen gibt es, was im Herzengebet der Orthodoxen Kirche im Buch vom Pilger zum Ausdruck kommt, gibt es dies geistige, dies geistliche, dies innerste Leben des Herzens nicht getrennt, sondern das ist integriert, wie man sagt, das lebt unmittelbar im allt\u00e4glichen Leben, aber man kann schon davon sprechen, dass die Orthodoxie immer das, was die Mystik erf\u00e4hrt, n\u00e4mlich die unmittelbare Begegnung mit Gott in der Offenheit und Aufmerksamkeit des Herzens als einen selbstverst\u00e4ndlichen Bestandteil jedes Gottesdienstes und jeder Fr\u00f6mmigkeit verk\u00fcndet.<br \/>\nUnd dann begann sich etwas zu ver\u00e4ndern \u2013 die Orthodoxie war nicht mehr nur russisch, urspr\u00fcnglich war doch das, was gerade an Orthodoxen Gru\u00df (?) in den Westen gekommen ist, denken wir an Malzew, der damals die ganzen Texte \u00fcbersetzt hat, denken Sie an die Kirchen, die in Wiesbaden und \u00fcberall gebaut wurden, denken Sie an Berlin, an Tegel, und was da alles noch zu berichten ist, das war wesentlich russisch, und nun kamen die Griechen, aber auch die Bulgaren und die Rum\u00e4nen \u2013 Jerem\u00e4us, der Metropolit, der ja lange Zeit der Vorg\u00e4nger von Augustinus war, und der von den Kretern entf\u00fchrt wurde, weil sie ihn wieder zur\u00fcck nach Kreta haben wollten, das war ein Mann, der sprach so ausgezeichnet deutsch und konnte auf eine so \u2013 ja gro\u00dfartige \u2013 Weise das verk\u00fcnden \u2013 dann erinnere ich noch einen griechischen Professor, dessen Namen mir nicht einf\u00e4llt, dessen Name ganz ber\u00fchmt war, der einmal einen Vortrag gehalten hat, in dem er sehr sch\u00f6n gesagt hat: Tradition, was ist das? Tradition ist f\u00fcr den Westen hier ist Christus geboren und nun wird das \u00fcber die Geschichte weiterhin tradiert(?), das ist nicht orthodox, sondern: hier ist Christus geboren, Christus, wie Johannes von Damaskus sagt, ein gl\u00fchendes Messer, er schneidet mit dem Messer eine Spur in die Geschichte, nach Bethlehem und gleichzeitig pr\u00e4gt er mit dem brennenden Messer eine Spur in die Ewigkeit. Das hei\u00dft, das Ereignis der Geburt in Bethlehem geschieht einmal in Bethlehem zur Zeit des Kaisers Augustus, und gleichzeitig geschieht es in der Ewigkeit \u2013 und wenn wir jetzt Weihnachten feiern, dann erinnern wir uns nicht hier an dieses Ereignis in der Geschichte, sondern dann \u00f6ffnen wir unser Herz, das aus der Ewigkeit das Licht der Geburt Jesu Christi in unsere Zeit scheint.<br \/>\nIch glaube, dass das eine Aussage damals gewesen, ich meine, das w\u00e4re in der Akademie in Tutzing gewesen, wo dieser Vortrag gehalten wurde, eine Aussage gewesen, die weitgehend auf gerade das moderne Verh\u00e4ltnis zwischen Orthodoxie, Evangelisch, Katholisch und Freikirchlich gepr\u00e4gt hat. Denn die Evangelischen und Katholiken streiten sich ja immer noch \u00fcber Tradition und Heilige Schrift, und gerade mit dieser Vorstellung der Tradition, dass die Tradition eben die st\u00e4ndige Gegenwart Gottes in unserer Zeit hier \u2013 wenn wir das heilige Abendmahl feiern, dann bricht aus der Herrlichkeit des Himmels unsere Welt auf und Christus in unserer Mitte, wie Er Gr\u00fcndonnerstag in Jerusalem gewesen ist, wir haben unmittelbaren Anteil in der Gemeinschaft mit Christus.<br \/>\nDann gab es die Himmelst\u00fcr, gibt es ja immer noch, das serbische Kloster von denen sehr viel, die haben auch sehr viel auf Deutsch gedruckt, ein altes katholisches Kloster, das die Serben umgebaut haben, in der N\u00e4he von Hildesheim, dann gibt es Brinkhausen, ein altes katholisches Kloster, was die Kopten wieder aufgebaut haben. Also die Orthodoxie ist nicht nur russisch, dann gab es auch den \u00f6kumenischen Aussprachekreis in Hamburg seit 1950, evangelisch, katholisch, orthodox; sind ja immer wieder nur die Gro\u00dfkirchen, da will ich sp\u00e4ter noch von sprechen, dann gab es durch den Dr.Michaelis von ihm ausgel\u00f6st die Ansgar Vesper also ein gemeinsamer Gottesdienst aller Kirchen und Konfessionen in Hamburg, in dem aber sehr starke orthodoxe Elemente eine Rolle spielten, dann gab es vor kurzem in Ratzeburg zur Er\u00f6ffnung der Umweltakademie von Skandinavien, war ein gemeinsamer Gottesdienst, wo die orthodoxe Wasserweihe \u2013 Kinder trugen das Wasser aus dem Ratzeburger See in die Kirche hinein, das wurde in eine Schale gef\u00fcllt, und dann haben wir Orthodoxen dort wie eben eine kleine Wasserweihe gefeiert, und dann ging der Gottesdienst weiter und heute habe ich gerade eben geh\u00f6rt von einem jungen Pastor, dessen Kind wurde anschlie\u00dfend mit diesem Wasser getauft, diesem geweihten Wasser \u2013 Sie machen sich vielleicht nicht klar, was das bedeutet \u2013 das hat es vor 50 Jahren nicht gegeben, das w\u00e4re Magie gewesen, das w\u00e4re unm\u00f6glich gewesen, das w\u00e4re Abfall vom Glauben gewesen, nur das reine Wort \u2013 und jetzt feiern die Evangelischen, die Katholiken, die Freikirchen, die Orthodoxen zusammen in dem gewissermassen die Orthodoxe Wasserweihe unmittelbar integriert wird, und die sind auch noch froh dar\u00fcber, geweihtes Wasser zu haben. Vor 50 Jahren h\u00e4tten sie dar\u00fcber nur den Kopf gesch\u00fcttelt.<br \/>\nUnd das letzte Beispiel noch vor der Pause: In der Christus-K\u00f6nig Kirche in Lokstedt haben wir vor kurzem eine Lichtermeditation mit den Evangelischen zusammen gehalten, ich habe eine Ikonenausstellung, ich komme noch dazu, was das alles bedeutet, und anschlie\u00dfend wurde eine Ikone in die dunkle Kirche getragen und da wurde dann unter Ges\u00e4ngen von Teseh mit orthodoxen Gebeten auch eben die Lichter entz\u00fcndet \u2013 alles ganz erstaunlich, dass wir heute in einer Welt leben, wo die Kirchen die sich in gewisser Hinsicht weit von einander entfernt haben, denken Sie an den Umgang mit der Heiligen Schrift, aber letzten Endes wieder zusammengewachsen sind in dem Bewusstsein, dass die Menschwerdung Gottes uns eingeladen hat, teilzuhaben mit unseren Sinnen, unserer Nase, mit unseren Ohren, wir d\u00fcrfen sogar Weihrauch in der evangelischen Kirche verwenden, mit unseren Nasen, mit unseren Ohren, mit unseren Augen, mit unseren Fingern etwas anfassen. Und so wurde dort vor einer orthodoxen Ikone gebetet und gesungen und die Lichter entz\u00fcndet zu einer erstaunlichen Gemeinschaft, und so wachsen wir einerseits zu einer Gemeinschaft, ich m\u00f6chte Ihnen noch mehr davon erz\u00e4hlen, wie behutsam wir mit dieser Pflanze umgehen m\u00f6chten.<br \/>\nPause<br \/>\nJa, vielen Dank f\u00fcr das bisherige Zuh\u00f6ren, ich m\u00f6chte Ihnen eben gerne etwas deutlich machen, wie wir Orthodoxe in Deutschland in der Gemeinschaft oder im Zusammensein mit vielen anderen Kirchen und Religionen, unser eigenes Wesen wirklich verk\u00fcnden. Denn wir sind ja keine Randerscheinung mehr, das sind wir einmal gewesen, wir sind heute ein erheblicher, sichtbarer, bekannter Bestandteil des deutschen Lebens in Deutschland \u2013 infolgedessen ist es auch an uns, das was wir von Christus bekommen haben, weiter zu geben, mutig und liebevoll zu verk\u00fcnden, das k\u00f6nnte man unter einem lateinischen Wort zusammenfassen: der nicht exklusive Superlativ &#8211; wenn wir nicht \u00fcberzeugt sind, dass nur wir recht haben, wenn wir nicht \u00fcberzeugt, dass unser Gebet, unser Leben mit Christus, unser Gottesdienst und unsere Kirche die einzig wahre Kirche ist, dann brauchen wir keine Christen und keine Orthodoxen zu sein.<br \/>\nAber wenn wir das Geschenk der Orthodoxie, des rechten Gottesdienstes und Lobpreises, dazu verwenden, andere schlecht zu machen, dann sind wir t\u00f6richt.<br \/>\nMeine Frau ist die beste, sch\u00f6nste, herrlichste, kann alles am Besten \u2013 das wird jeder, der eine Frau liebt, genau so sagen, und t\u00f6richt ist es, auf die anderen Frauen zu zeigen und sie schlecht zu machen.<br \/>\nGenauso, wir d\u00fcrfen erf\u00fcllt sein, von der Freude und der Dankbarkeit, was uns Gott anvertraut hat, und haben keinen Grund auf andere herab zu gucken, oder die das auch noch f\u00fchlen zu lassen.<br \/>\nIch m\u00f6chte das an einem ganz schwierigen Beispiel zun\u00e4chst deutlich machen \u2013 der Umgang mit den Freikirchen. Die Baptisten sind ja die einzigen, die in Russland einigermassen Fu\u00df gefasst haben, obwohl sie in allen wesentlichen anders sind, wie die Orthodoxen, ich wollte eigentlich sagen: alles falsch machen. Und denken Sie, dass die ber\u00fchmten Novellen von Ljeskow \u2013 der Gast beim Bauern, am Rande der Welt \u2013 alles baptistische Erz\u00e4hlungen sind, jedenfalls vom baptistischen Geist erf\u00fcllt sind, und nicht von den Deutschen sondern auch von den Russen als orthodox oft empfunden werden, warum? Weil die Freikirchen in einer ungew\u00f6hnlichen Weise unmittelbar mit Gott sprechen, und das tun die Orthodoxen auch, in einer ganz anderen Weise. Und wir haben heute eine neue Gemeinschaft mit den Freikirchen, wir glauben, dass Gottes Wort verbindlich ist. Sowohl die evangelische wie die katholische Theologie ist heute geneigt, das Wort Gottes unter menschlichen, klugen Gesichtspunkten zu sortieren, &#8211; solche Art f\u00e4hrt nur aus durch Beten und Fasten \u2013 nein, nein, Vater Ambrosius, das steht nur in einem Kodex, in den anderen Codices steht nur: f\u00e4hrt nur aus durch beten \u2013 euer Fasten ist v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig. So moderne westliche Theologie. Und die Freikirchen sind mit uns zusammen die, die das Wort Gottes so w\u00f6rtlich nehmen, wie es in der Bibel steht.<br \/>\nIch habe das durch Begegnungen erlebt, Vortr\u00e4ge in Prediger Seminaren, orthodoxe Verk\u00fcndigung des Osterfestes f\u00fcr baptistische Kinder in einem Freilager, dar\u00fcber, wie wir mit dem Wort Gottes umgehen ein gemeinsames Gespr\u00e4ch. Ich habe mich nur gewundert, wie gut wir uns verstehen und wie deutlich es ist, dass die Freikirchen eben einen anderen Weg gehen, einen Weg, der uns nicht liegt, und dem wir auch nicht folgen k\u00f6nnen. Aber das wir uns darin verstehen, dass Gott uns in Seinem Wort anredet, und dass weder Bultmann noch Drewermann noch \u00e4hnliche Theologen eine Rolle spielen, das verbindet uns. Aber das verbindet uns vor allen Dingen auch mit dem Kopf. Wenn Sie etwa den Bischof Damian, der ja wie ich auch Arzt ist, wenn Sie den Bischof Damian von der Heiligen Schrift reden h\u00f6ren, dann sind Sie selbst als Orthodoxer immer wieder erstaunt, wie er unmittelbar das Wort Gottes ernst nimmt, wie das da steht, ohne gro\u00dfe Relativit\u00e4t und Klugheit. Und nur so k\u00f6nnen wir mit dem Wort umgehen. In dem wir es nicht verbessern, sondern in dem wir ihm immer wieder zu h\u00f6ren \u2013 so tut das Hiob, Hiob in Seiner Not wird gut beraten von den besten damaligen Theologen, die alles erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, das n\u00fctzt dem Hiob \u00fcberhaupt nichts. Aber als Gott mit ihm redet, und als er f\u00fcr seine Freunde betet, f\u00fcr diese Theologen betet \u2013 das ist ja auch erstaunlich, Hiob betet, Gott sagt ihm das: bete f\u00fcr die, sonst wird es denen ganz schlecht gehen, und Hiob betet f\u00fcr seine Freunde, f\u00fcr diese Ungl\u00e4ubigen Freunde, die mit gro\u00dfer Klugheit alles erkl\u00e4ren wollen.<br \/>\nIch will nur ein Wort sagen \u00fcber den Umgang mit den Muslimen, mit den Juden. Es hat in Jerusalem eine Tagung zwischen den Orthodoxen, ich meine das seien ganz verschiedene Orthodoxe \u2013 Griechen, Russen gewesen \u2013 und Juden \u2013 und die Orthodoxen haben dann gesagt: was ihr da alles fragt, was ihr da alles f\u00fcr Probleme habt, unsere j\u00fcdischen Freunde, k\u00f6nnen wir nicht verstehen. Aber wenn Euch das wichtig ist, dann soll es uns auch wichtig sein.<br \/>\nSo auch wir, da wir jetzt in einer Welt leben, mit Juden, mit Muslimen, hier in Deutschland, meine ich, mu\u00df es oder darf es uns wichtig sein, was diese unsere Br\u00fcder und Schwestern eigentlich erleben.<br \/>\nDie Orthodoxie hat eine Verk\u00fcndigung in dieser Welt zwischen Evangelischen und Freikirchen und Katholiken, die nur die Orthodoxie so vertreten kann, von Maria der Immerjungfrau, der Gottesgeb\u00e4rerin.<br \/>\nIch hatte eine Tagung in L\u00fcbeck und habe dann meinen evangelischen und Freunden gesagt, ich k\u00f6nnte nicht verstehen, wie sie Jesus Christus, ewiger Gott, Mensch geworden, als Mensch erleben k\u00f6nnen, wenn sie nicht an Maria denken \u2013 wer nicht sich ganz wehm\u00fctig aber auch begeistert vorstellt, Christus neun Monate im Leibe der Maria, neun Monate, &#8211; in den Ges\u00e4ngen der orthodoxen Kirche von ihrem purpurfarbigen Blut hast Du Christus Deinen Leib gebildet. Das kann man nicht in Theorie, das mu\u00df man einfach anschauen. Geboren in Bethlehem, in den Armen Seiner Mutter, sie tr\u00e4gt Ihn uns entgegen. Wie auf den Ikonen der orthodoxen Kirche immer wieder zu sehen ist. Auch ein unbegreifliches Geschehen, wie die Kirche, wie wir. Wir tragen den Leib und das Blut des Herrn Jesus Christus vom Altar in die Gemeinde hinein \u2013 entgegen \u2013 damit jeder von uns der erste bei Christus ist, so tr\u00e4gt sie uns Christus entgegen \u2013 sie sagt den Leuten in Kanaan: was Er euch sagt, das tut. Ohne lange zu reflektieren und zu diskutieren, was da geschehen soll. Was Er euch sagt, das tut.<br \/>\nSie steht unter dem Kreuz, sie tr\u00e4gt den Gekreuzigten auf ihren Armen, sie ist die, die mit den J\u00fcngern verbunden, zusammen ist, als er gen Himmel f\u00e4hrt, als der Heilige Geist auf sie herabkommt. Es gab keine so richtige Antwort auf meine Frage, wie k\u00f6nnt ihr die Menschwerdung Gottes erleben und glauben, wenn ihr nicht immer wieder an Maria denkt und an seine heilige Mutter, und an die Gottesgeb\u00e4rerin, an dieses unbegreifliche Geheimnis, was dort geschehen ist?<br \/>\nAber erstaunlicherweise nimmt die orthodoxe Weise, dass Magnifikat, also das was wir bei der utr..   , beim Morgengottesdienst Gottesgeb\u00e4rerin, Jungfrau Maria immer wieder singen, nimmt Einzug und wenn Orthodoxe dabei sind, dann lieben es heute Katholische und Evangelische Christen, wenn die Orthodoxen diese: die du geehrter bist als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher als die Seraphim \u2013 singen.<br \/>\nIn der etwas erfahrenen, meine ich, aus der Geschichte zu verstehenden Schwierigkeit mit Maria zwischen evangelischen und katholischen Christen sind wir als Orthodoxe eben nicht vorbelastet von der Geschichte. Unsere Marienverehrung, die oft sehr viel lebendiger ist, als selbst die katholische, wird auch von den reformierten und evangelischen angenommen, und ich meine hier haben wir wirklich eine Verk\u00fcndigung, immer wieder von Maria zu sprechen, der Immerjungfrau, der Gottesgeb\u00e4rerin, die den Herrn geboren hat, zu verk\u00fcnden, dass wir nur mit ihr zusammen, durch sie, durch ihre F\u00fcrbitte, durch ihre Gemeinschaft ahnen, erfahren, ergreifen, begreifen, glauben k\u00f6nnen, das Gott wirklich Mensch geworden ist.<br \/>\nDazu geh\u00f6ren auch die Engel, die Liturgen des Himmels, die N\u00e4he zu Gott und diese N\u00e4he zu Gott wird eben auch in besonderer Weise wichtig in unserer Weihe.<br \/>\nWenn ein moderner Ikonenmalkurs \u2013 das ist ja wohl hier bei Ihnen genauso wie bei uns im Norden \u2013 also \u00fcblich, dass die Menschen dann einen \u2013 ein Russe kommt aus Russland, ein Ikonenmaler, und dann malen sie zusammen eine Woche Ikonen und dann wollen sie die Ikonen geweiht haben. Und dann habe ich immer so die Schwierigkeiten, zun\u00e4chst mal auch im Denken \u2013 was meinen sie eigentlich damit, was glauben sie, warum sollen die Ikonen geweiht werden. Ja, Vater Ambrosius, Ikonen m\u00fcssen geweiht werden. Ich frage: Warum? Ja, das ist immer so gewesen \u2013 ich sage: ja, aber doch nicht bei Ihnen. Ja, aber bei Euch. Warum denn. Naja, und dann versuche ich zu sagen, die Weihe ist: ich gebe die Ikone Gott zur\u00fcck \u2013 ich sage: wir Menschen eignen uns immer alles an, alles geh\u00f6rt uns (1.Mose 1,28-30?) und in der Weihe in der Segnung sagen wir: Herr, das habe ich zwar mit Deiner Hilfe geschaffen, aber ich gebe es Dir wieder zur\u00fcck.<br \/>\nUnd das erstaunliche ist, dass die gro\u00dfe Wasserweihe am Epiphaniastag von den Griechen ausgehend, aber alle zusammen mit den Evangelischen und Katholischen zusammen an der Elbe gefeiert wird, ein gro\u00dfer Zug, meistens der Bischof aus Hannover, der kommt nach Hamburg, und dann zieht er da \u2013 jetzt auf die R R      &#8211; und dann wirft er  mit gro\u00dfem Geschick zwischen die Eisschollen, falls da welche sind, das Kreuz ins Wasser, und die Bisch\u00f6fin Jepsen, die Vorsteherin der Evangelischen Kirche, der katholische Bischof, Freikirchen, alle sind mit dabei.<br \/>\nIch kann mich noch erinnern, wie ich das erste Mal einen Vortrag gehalten habe, oder die Predigt gehalten habe, bei der Vorbereitung in der Katharinenkirche, weil da so evangelische waren, die sagten, das darf man nicht, das ist so Magie, das ist Heidentum \u2013 und eben auch dort erz\u00e4hlt, was das bedeutet, dass wir die Natur, das Wasser Gott in die H\u00e4nde geben \u2013 das ist doch ganz modern. Umweltschutz \u2013 der Umweltschutz beginnt nicht bei uns, sondern, dass wir uns lossagen von unserer Herrschaft, wie wir das in der Taufe machen \u2013 ich sage mich los von der Gewaltherrschaft des Teufels. Unsere Gewaltherrschaft \u00fcber diese Sch\u00f6pfung, das ist die N\u00e4he zu Gott, auf Den wir zugehen, zu Dem wir auch kommen, zu Dem wir auf dem Wege sind.<br \/>\nDie Orthodoxie habe ich schon gesagt, ist kein Provisorium mehr, das sieht man einmal an der Zahl, das sieht man aber vor allen Dingen jetzt auch an den neuen Kirchbauten; auch diese Kirche hier, oder die Kirche in Frankfurt oder die Kirche in Hamburg, das sind richtige Kirchen mit richtigen Ikonen, das ist kein Papier, das dort an den W\u00e4nden h\u00e4ngt, das ist kein Abendmahl von Leonardo da Vinci, sondern das ist eine richtige orthodoxe Ikone. Vielleicht habe ich mich so etwas ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, und Ihnen verst\u00e4ndlich machen, was das bedeutet. 1950, nach 1945 war das alles provisorisch, das ist nichts Schlechtes, die Kirche darf auch im Provisorium leben, aber jetzt geschieht etwas ganz neues: Unsere Kirchengeb\u00e4ude, sind Geb\u00e4ude, die nach richtigen orthodoxen Regeln errichtet oder umgebaut sind \u2013 die orthodoxe Kirche in Hamburg des seligen Prokop, ist meines Wissens nach die einzige Kirche, die von den Erzbischof Philotheus und dem Maler Meiendorf zusammen bis in die kleinste Einzelheit geplant worden ist, so dass jede Ikone genau an der Stelle ist, wo sie nach \u00dcberzeugung des Bischofs und des Meiendorf eben hingeh\u00f6rt, und wo sie auf diese Weise das Evangelium unmittelbar verk\u00fcndet. Auf der einen Seite das Bild des heiligen Abendmahls in der Ikonostase, gegen\u00fcber der Hain Mamre oben auf der gegen\u00fcberliegenden Wand, auf der einen Seite die Propheten des alten Bundes auf der anderen Seite die Heiligen, die M\u00e4rtyrer der Kirche, so f\u00fcgt sich alles zusammen, die heiligen Engel umgeben oben den Pantokrator, den Allerhalter in der Kuppel. So ist das also alles zusammen gef\u00fcgt.<br \/>\nAuch die Ikonen werden wirkliche Ikonen, die sind von Ikonenmalern gemalt, ob sie jetzt an die neue serbische Kirche in Hannover denken, oder ob sie an Frankfurt denken, oder wo auch immer \u2013 da geschieht also etwas Neues. Die Orthodoxie ist jetzt nicht mehr ein Provisorium, sondern wir geh\u00f6ren unmittelbar zu dieser deutschen Welt, da sind unsere Kirchen, und diese Kirchen sind jetzt wirklich \u2013 nicht wie die Kirchen, die f\u00fcr die Prinzessinnen gebaut wurden \u2013 die doch sehr viel R\u00fccksichtnahmen letzten Endes auf den Stilform, die Kunstform der damaligen Zeit, sondern sie sind urspr\u00fcnglich, aus dem innersten Wesen heraus orthodox.<br \/>\nAuch der Gesang \u2013 gerade wenn Sie hier an die Gesangsform hier in M\u00fcnchen denken, an den Versuch, wieder den alten Orthodoxen Gesang zu praktizieren, das hei\u00dft, ich mache das jetzt ganz einfach \u2013 das man nur in kleinen Terzen singt. Das f\u00e4llt uns sehr schwer, das bedeutet aber, dass der Gesang nach unseren Vorstellungen, nach den Vorstellungen westlicher Musik von Dur nach Moll wechselt, so dass also auch gerade im Gesang auch wieder ganz bewusste Auslegung des Textes geschieht \u2013 im Gesang und in der Sprache, das ist auch etwas, was ich so in Hamburg eben miterlebt habe im Laufe der Zeit, wir haben zu Anfang, also der Deutsche Chor 1949: Singt also die Texte, die damals bei Malzew, also bei der \u00dcbersetzung aus der Jahrhundertwende vorlagen, recht und schlecht \u2013 und dann kam nach einiger Zeit der Gerassimow, und die anderen Chordirigenten und sagten: Vater Ambrosius, so kann man das Deutsch nicht singen. Dann haben wir zusammen \u00fcberlegt, wie man die Deutsche Sprache, der slawischen Musik letzten Endes anpassen kann, aber so, dass beides wieder zusammen kommt, und wenn Sie jetzt heute nach \u00fcber 50 Jahren die Ges\u00e4nge h\u00f6ren, dann sp\u00fcren Sie, da\u00df auch die Sprache, die deutsche Sprache ist eingef\u00fcgt in die Ordnung der Troparien und Kondaktien und der ganzen Ges\u00e4nge, aber gleichzeitig hat die Musik auch einen ganz leichten deutschen Flair bekommen \u2013 vielleicht k\u00f6nnen Sie sich das vorstellen, wenn Sie daran denken, wie die slawische Musik entstanden ist \u2013 die Griechen kamen in die Rus nach Kiew, sangen dort die Ges\u00e4nge, die die Russen f\u00fcr mich unverst\u00e4ndlicherweise als Paradiesgesang empfunden haben, &#8230;&#8230; , also doch eine f\u00fcr uns sehr fremde Musikform, die Russen waren hingerissen, und jetzt wurden die griechischen Troparien, die griechischen Texte ins Slawische \u00fcbersetzt und wurden zun\u00e4chst mit den griechischen Melodien gesungen, das kann man auch noch nachweisen, aber dann begann die slawische Sprache die griechische Melodie umzuformen, dass dann die slawischen Melodien entstanden, die nur noch f\u00fcr den Fachmann an die griechischen erinnern \u2013 genau ist das jetzt zwischen den slawischen und den deutschen geschehen. Das hei\u00dft gerade im Rahmen der Musik geschieht also au\u00dferordentlich viel, und ich habe h\u00e4ufiger bei Musikvereinigungen, bei der Seniorenunion in Hamburg etwa \u00fcber die orthodoxe Musik und \u00fcber dieses Wesen, wie hier Wort und Gesang miteinander zusammenw\u00e4chst, und wie sich beides vereint, und daraus sozusagen ein gemeinsames k\u00fcnstlerisches Gebilde wird.<br \/>\nDas bedeutet, dass wir unsere Ges\u00e4nge und unser Singen doch immer sehr viel st\u00e4rker erleben nicht nur das klingt nicht nur sch\u00f6n, sondern das verk\u00fcndet den Glauben. Gerade der ber\u00fchmte deutsche Kammerchor in Hamburg, der gibt auch gerne Konzerte, dann singt er meistens russisch oder slawisch und nicht deutsch, weil das einfach sch\u00f6ner und klangvoller ist.<br \/>\nDenken Sie an noch etwas, was das Provisorium abgel\u00f6st hat \u2013 die Glocken: wir haben doch fr\u00fcher in den orthodoxen Kirchen keine Glocken \u2013 ein Gl\u00f6ckchen vielleicht \u2013 gehabt; aber wer was von orthodoxen Glockenspiel versteht, wenn ich dieses Wort einfach so verwenden darf, der wei\u00df, was das bedeutet, dass wir jetzt heute in den verschiedenen Kirchen, die doch mehrere Glocken haben, und die Verk\u00fcndigung der Glocken, an denen man ja h\u00f6ren kann, ob Ostern ist, oder ob eine Beerdigung ist, l\u00e4sst sich zum Ausdruck bringen.<br \/>\nDie Orthodoxen sind nun zu einem Partner geworden, das sieht man ja auch immer, wir werden jetzt ja auch h\u00e4ufiger eingeladen \u2013 nicht mehr \u00fcberall, aber denken Sie an den Kirchentag, wo wir auch immer dran denken, die Orthodoxen sind nicht mehr Exoten, sondern sie geh\u00f6ren einfach mit dazu. Hat zun\u00e4chst eine nicht so ganz angenehme Folge, die Unterst\u00fctzung wird sehr viel sp\u00e4rlicher, die Orthodoxen sind nicht mehr die Armen, die man unterst\u00fctzen mu\u00df, die evangelischen und katholischen Kirchen haben ja auch nichts mehr \u2013 infolgedessen m\u00fcssen die eben selbstst\u00e4ndig sein, das ist ja nun auch eine selbst\u00e4ndige Kirche; aber das bedeutet, dass wir doch vielleicht eine ganz neue Form des Umganges, ich m\u00f6chte nicht so gern das Wort: selbstbewusst in den Vordergrund stellen, aber es hat doch Zeiten gegeben, wo wir eben doch die Betreuten waren, denen man half, und denen man ganz freundlich gesinnt war, und auch mal \u201ane Kirche gab. Wir d\u00fcrfen heute unseren Glauben und unser orthodoxes Leben wirklich vertreten, ja, wie ich schon gesagt habe mit einem nichtexklusiven Superlativ, mit dem Bewusstsein und der Freude, dass Christus uns etwas ganz besonderes und einmaliges anvertraut hat.<br \/>\nIch m\u00f6chte jetzt auf meine Weise vom Moskauer Patriarchat sprechen, und ich m\u00f6chte Ihnen erz\u00e4hlen, wie das Deutschen das erlebt haben. Ich rede jetzt \u00fcberhaupt nicht von der gro\u00dfen Theologie, sondern einfach was das f\u00fcr die Deutschen gewesen ist. Zun\u00e4chst mal gab es die DDR und die BRD, die DDR war Moskauer Patriarchat und in der BRD gab es eben auch irgend welche orthodoxen Kirchen. Dann waren die westlichen Kirchen, die Katholiken und Evangelischen gewohnt, mit den Gro\u00dfen zu sprechen, das hei\u00dft, nicht mit uns, sondern mit dem Moskauer Patriarchat \u2013 die ganzen Gespr\u00e4che, die theologischen Gespr\u00e4che, die gef\u00fchrt worden sind, zwischen den Katholiken und Evangelischen einerseits wurden mit dem Moskauer Patriarcht gef\u00fchrt, oder mit der rum\u00e4nischen Kirche, das lag aber daran, dass die Rum\u00e4nen in der letzten Zeit eine ganz weltbekannte Theologie entwickelt haben, infolgedessen gab es also auch solche Gespr\u00e4che. Aber wir waren nicht dabei \u2013 ein Gespr\u00e4ch unter den Gro\u00dfen. Ich sage nicht, dass das richtig ist, ich m\u00f6chte Ihnen jetzt nur deutlich machen, wie das also einfach so geschehen ist; und die Exilkirche, etwas vom Moskauer Patriarchat vielleicht gesteuert, aber im Grunde einfach so selbstverst\u00e4ndlich im Bewusstsein des Westens war eine zaristische Kirche, das war die Kirche, die dem russischen Zar noch anhing; das das alles Unsinn ist, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, aber so hat man das einfach erlebt, und dann kam nat\u00fcrlich dazu, dass der Alexander da auf das Schlo\u00df der westlichen F\u00fcrsten fuhr und dort eine Panichida hielt f\u00fcr die K\u00f6nigin, die eine Russin gewesen war, insofern erlebten eben die Deutschen immer wieder die Exilkirche, die eben daf\u00fcr da ist, um eben dieses alte k\u00f6nigliche, zaristische Russland zu vertreten. Die Sache wurde etwas unsicherer durch die Gebete f\u00fcr die Kriegsgefangenen. Das begann in Bergen Belsen und das ist in L\u00fcbeck alte Tradition, das war auch einmal in Aachen, haben sie einen Gottesdienst gehalten, diese riesigen Friedh\u00f6fe wo eben unendlich viele tausende und zehntausende von Russen liegen, die auf schreckliche Weise als Kriegsgefangene umgekommen sind, und da sah man dann pl\u00f6tzlich, dass diese Kirche ja nicht nur f\u00fcr die Adligen da ist, &#8211; eine Schwierigkeit im Gespr\u00e4ch mit den evangelischen und katholischen Freunden war, dass die nat\u00fcrlich beeindruckt waren von ihren Erlebnissen in Russland. Das m\u00fcssen Sie sich auch wieder vorstellen, die werden nach Petersburg oder nach Leningrad damals eingeladen oder nach Moskau oder nach Sagorsk und erleben da einfach dies gro\u00dfartige, diese Weite Russlands, und dann kommen sie zur\u00fcck, und dann haben wir gesagt: die leugnen doch die M\u00e4rtyrer, und dann, ich h\u00f6re das immer noch, dann sagte ein Oberkirchenrat, guckt mich strafend an und sagte: Wir haben in Russland nicht \u00fcber die M\u00e4rtyrer sondern mit den M\u00e4rtyrern gesprochen. Ja, und dann sind sie nat\u00fcrlich zun\u00e4chst erst mal sprachlos. Ich habe das alles vielleicht etwas holzschnittartig, etwas \u00fcbertrieben, aber nicht sehr. Dann hatte ich einen Vortrag gehalten, \u00fcber die Berechtigung der orthodoxen Kirche oder die Geschichte der Orthodoxen Kirche, und ich wollte mich gern verst\u00e4ndlich machen, und ich habe gesprochen, entscheidend ist, dass das Moskauer Patriarchat \u00fcber Jahrzehnte hinweg alle M\u00e4rtyrer geleugnet hat, das hat niemals ein Mensch in der Sowjetunion um Christi willen gelitten \u2013 diese Erkl\u00e4rung war ein regelm\u00e4\u00dfige Erkl\u00e4rung der Kirche. Man kann nat\u00fcrlich sagen, das diese Erkl\u00e4rung nicht falsch war, denn w\u00e4hrend in den ersten Jahrhunderten die Leute gefragt wurden, bist Du Christ, und wenn Du darauf bestandest, dann wurdest du den Tieren vorgeworfen, waren die Prozesse gegen die Christen in der Sowjetunion immer Prozesse Kollaboration mit dem Westen, Unterschlagung von Kirchengut, das hei\u00dft die formale Seite \u2013 aber ich habe damals sehr ausdr\u00fccklich gesagt, und meine, das ist auch wirklich: die Exilkirche hatte schon deshalb einen Grund zu bestehen, damit sie f\u00fcr diese zehn- und hunderttausende Menschen eintritt, die um Christi willen gestorben sind. Dann gab es noch eine zweite Erkl\u00e4rung, die vom Moskauer Patriarchat gelegentlich gemacht wurde, der sowjetische Staat sei dem Reich Gottes am N\u00e4chsten. Ich wei\u00df nicht, ob Sie sich daran erinnern. Ja, dar\u00fcber kann man nat\u00fcrlich nur lachen, man kann sich aber auch dar\u00fcber \u00e4rgern. Man kann nat\u00fcrlich sagen, wer w\u00fcrde von uns sagen, dass die Bundesrepublik dem Reich Gottes n\u00e4her ist, wie der Amerikanische demokratische Staat \u2013 eine sinnlose Frage. Aber f\u00fcr den Sowjetstaat, f\u00fcr Stalin und Chrustchow war das nat\u00fcrlich sehr sch\u00f6n sagt: ihr h\u00f6rt es ja, wir sind dem Reich Gottes am N\u00e4chsten. Dann gab es eine ganz erstaunliche Sache, das Gebet f\u00fcr Stalin, f\u00fcr den toten Stalin. Das hat es noch nie in der Geschichte gegeben, kein Kalif ist auf die Idee gekommen, von den Christen zu verlangen, dass sie f\u00fcr einen verstorbenen Kalifen beten, das ist so einmalig in der Geschichte, dass man dar\u00fcber lange reden sollte, will ich aber nicht. Und das seltsame ist, dass in Dresden w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges der orthodoxen Kirche der Gottesdienst verboten wurde, weil man nicht genau wusste, ob die russisch betenden in der orthodoxen Kirche in Dresden nicht vielleicht f\u00fcr den Sieg der russischen Armee beten w\u00fcrden. Das ist aktenkundig, vom Polizeipr\u00e4sidenten in Dresden liegt das also vor. So dass offenbar Staaten das Gebet der Kirche sehr viel wichtiger ansehen, als wir das vermuten. Und dann das Problem mit den M\u00e4rtyrern, mit dem Zar, der als M\u00e4rtyrer bekannt wird. Das alles stand alles zun\u00e4chst mal nur zu Verst\u00e4ndigung, dass die Deutschen verstehen konnten und ahnen konnten, warum es eine Exilkirche eigentlich gab. Dann wurde der Vorhang aufgehoben, wie man so sch\u00f6n sagt, und nun haben wir ja alle miterlebt, sind wir auf einem Wege, dessen Ende wir noch nicht kennen, und das im Augenblick f\u00fcr die Deutschen so schwer zu begreifen ist weil die so ungeduldig sind, die wollen uns ja immer vorschreiben, Bischof Mark haben wir ja auch erlebt, was wir machen m\u00fcssen, und wenn man ihnen sagt, es mu\u00df wachsen, es mu\u00df etwas wachsen, und au\u00dferdem d\u00fcrfen wir hier wieder sagen, wir sind nun nicht mehr die Betreuten Orthodoxen, sondern die Partner in dem Deutschen Land, infolgedessen: Dies ist unser Leben, unser eigenes Leben.<br \/>\nUnd zum Schlu\u00df m\u00f6chte ich nocheinmal \u00fcber die Frage unserer Gemeinschaft mit den Russen, die jetzt zu uns kommen, das ist ja nicht immer ganz einfach. Ich bin ja h\u00e4ufig in der Sowjetunion gewesen als Arzt, h\u00e4ufig auch mit dem Auto, und will Ihnen nur von zwei Gespr\u00e4chen erinnern, weil mich das so beeindruckt hat \u2013 ich bin an der Grenze in der N\u00e4he von Llow und das Auto wird von vorne bis hinten auseinander genommen, nicht aus Bosheit, aus Neugierde, sie haben sich alles zeigen lassen, ich habe ihnen auch alles gezeigt, wie das ist \u2013 die haben nicht gemerkt, dass Wasserpumpe und alles doppelt eingebaut war, das haben sie nicht gesehen, aber sonst hatten die, also waren, und als ich dann zum Schlu\u00df ganz alleine mit dem Z\u00f6llner war, der guckte sich dann um und fragte: haben Sie eine Bibel? Nein, hatte ich nicht, ich dachte, man d\u00fcrfe keine mitnehmen. Ich wusste auch nicht, dass der eine hatte. Und dann bin ich Kiew, in Odessa und lasse das Auto waschen, weil ich es auf das Schiff bringen sollte, die Dame hat das Auto sauber gemacht, noch nie erlebt, den Aschenbecher mit hei\u00dfem Wasser ausgesp\u00fclt, das war also alles ganz super, und dann wollte ich ihr einen Rubel geben, und da gibt sie ihn mir wieder und sagt: beten Sie f\u00fcr mich. Und ich wei\u00df, dass meine Kollegen als \u00c4rzte in Russland, die ja wussten, dass ich Priester bin, ich habe eine Doktorarbeit geschrieben \u00fcber die Freizeitbesch\u00e4ftigung der Seeleute, die ist ins russische \u00fcbersetzt worden, und bei einer Doktorarbeit schreibt man ja auch seinen Lebenslauf, der steht vorne drin, die wussten also alle, dass ich Priester bin \u2013 niemand ein Wort dar\u00fcber gesprochen, und selbst, wenn wir in meinem Auto waren, kein Wort. Erst wenn wir ganz alleine waren, irgend wo am Meer, zwischen den D\u00fcnen und nun wirklich nichts &#8230; dann wurde pl\u00f6tzlich vom Glauben gesprochen. Dann knieten pl\u00f6tzlich Leute vor mir nieder und wollten die Beichte empfangen \u2013 ganz erstaunlich, ich habe dadurch etwas erlebt, was wir immer doch hier im Westen wieder vergessen, diese Angst, oder diese st\u00e4ndige Gef\u00fchl der Verfolgtheit k\u00f6nnen wir uns ganz schwer vorstellen \u2013 ich habe immer gedacht, die spinnen, nicht \u2013 nein, nein, die spinnen nicht, die haben Angst. Und erst dann, wenn sie nun ganz sicher sind, &#8211; hier auf gar keinen Fall, da k\u00f6nnen \u00fcberall, das ist unm\u00f6glich, aber so ganz allein in der freien Natur, wo man weit, weit sehen kann, da spricht man dann vom Glauben.<br \/>\nUnd nun kommen die neuen Russen, wenn ich die mal so nennen darf, das ist sehr freundlich, die kommen also hierher und jetzt m\u00fcssen wir uns eines wirklich ganz klar machen, die konnten ihren Glauben nicht rational, die konnten ihren Glauben nicht so wie wir durch Predigt und \u00e4hnliches leben, ihr Glaube war ihr Verhalten, darum spielt das Kopftuch eine solche entscheidende Rolle, der Kalender eine entscheidende Rolle; wir haben oft nicht das liebevolle Gef\u00fchl daf\u00fcr, wie wichtig Menschen ist, die nicht predigen d\u00fcrfen, die nicht die Kinder unterrichten d\u00fcrfen, die nicht einen Taufschein haben d\u00fcrfen, die nichts in der Hinsicht d\u00fcrfen, wie sehr f\u00fcr die \u00c4u\u00dferlichkeiten in Anf\u00fchrungsstrichen \u2013 Christus ist Mensch geworden, es gibt eben keine \u00c4u\u00dferlichkeiten mehr, diese \u00c4u\u00dferlichkeiten eine Rolle spielen. Und nun kommen sie hierher und erleben oft wie die Gemeinden hier im Westen in Deutschland sehr leger geworden sind, und nun gibt es eben Gegens\u00e4tze und ich m\u00f6chte eigentlich nur das wir ein Gef\u00fchl daf\u00fcr bekommen, warum es diesen Menschen, diese scheinbaren \u00c4u\u00dferlichkeiten so wichtig sind, und die wir hier, ich bin ja auch hier geblieben, ich bin ja nicht dagewesen, &#8211; wie wichtig es sein kann, einfach durch sein \u00e4u\u00dferes Verhalten, durch sein Zeichen den Glauben zu verk\u00fcnden. Der Kalender spielt eine gro\u00dfe Rolle \u2013 Himmel und Erde sind synchron \u2013<br \/>\nUnd zum Schlu\u00df noch einige wenige Dinge \u00fcber Deutschland. Russen leben hier in der Fremde. Wenn das auch ein Land ist, dass Ihnen sehr offen steht, das ihnen auch sehr vertraut sein kann. Und da m\u00f6chte ich nocheinmal an die Welt der Sprachen erinnern: Jede Sprache ist eine Welt, wenn ich russisch, deutsch, englisch predige ist das jedes Mal v\u00f6llig anders \u2013 und das die Deutsche Sprache, das Deutsch, das wir st\u00e4ndig um uns herum h\u00f6ren, eben auch f\u00fcr unseren Gottesdienst und f\u00fcr unser Leben eine Bedeutung gewinnt, bedeutet, dass wir h\u00f6ren, dass wir darauf h\u00f6ren, und dass wir auch die deutschen Worte, wenn das Evangelium deutsch gelesen wird, mit den Herzen in uns auf \u2013 dann denken Sie: Deutschland ist ein enges Land. Ich wei\u00df nicht, ob Ihnen das so bewusst geworden ist, wenn sie in Russland sind, in Finnland, in Nord-Schweden, da fahren sie stundenlang und sehen keinen Menschen, und wenn sie ein Auto sehen, dann freuen sie sich und halten an, freuen sich, dass sie jemand getroffen haben, hier in Deutschland stolpern sie von einem Haus zum anderen. Von einer Gro\u00dfstadt zur anderen, das ist eine andere Welt. Ich m\u00f6chte nur, dass wir uns dessen bewusst sind, wie wir in einer anderen Welt leben, einer engen Welt, und das bedeutet, dass wir in einer ganz besonderen Weise die Menschen, die um uns sind, mit denen wir umgehen, ja doch einfach in unser Herz schlie\u00dfen.<br \/>\nEs ist nicht mehr so, dass es eine deutsch gebaute Orthodoxie gibt, sondern Orthodoxie in Deutschland. Ich meine, das es ganz wichtig ist, das das deutlich wird, es gibt auch keine deutschen Evangelischen \u2013 die gibt es nat\u00fcrlich, aber man mu\u00df doch auch hier sagen: Christentum in Deutschland, Orthodoxie in Deutschland. Wir sind dankbar, ich, dass ich Deutscher bin, dass wir hier leben, aber letzten Endes hat Gott uns aus allem herausgerufen zu unserem freien Leben vor ihm.<br \/>\nVielen Dank f\u00fcrs Zuh\u00f6ren, ich hoffe, ich habe mich einigermassen verst\u00e4ndlich ausgedr\u00fcckt. Danke sch\u00f6n.                        <\/p>\n<p><center><br \/>\n<a href=https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius>https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius<\/a><br \/>\n<\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ambrosius Backhaus (23.08.1923 &#8211; 03.04.2005) 26.12.2003 M\u00fcnchen Hochverehrte Bisch\u00f6fe, liebe Br\u00fcder, liebe Br\u00fcder und Schwestern, vielen Dank, dass wir hier zusammensind. Als ich am 7.April 1950 zum Priester geweiht wurde, war es insofern ein besonderer Tag, als es gleichzeitig &#8230;. Verk\u00fcndigung und Karfreitag war. 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