{"id":425,"date":"2005-09-13T21:37:02","date_gmt":"2005-09-13T19:37:02","guid":{"rendered":"http:\/\/hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/lebensbeschreibung-von-ambrosius-backhaus\/425.html"},"modified":"2005-09-17T10:20:37","modified_gmt":"2005-09-17T08:20:37","slug":"lebensbeschreibung-von-ambrosius-backhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/lebensbeschreibung-von-ambrosius-backhaus\/425.html","title":{"rendered":"Lebensbeschreibung von Ambrosius Backhaus"},"content":{"rendered":"<p>Dr. med. Arnold\/Ambrosius Backhaus<br \/>\ngeb. 23.August 1923 gestorben am 3.April 2005 <\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Ihnen zun\u00e4chst eine ganz einfache Geschichte erz\u00e4hlen. Ich war ja, wie Sie wissen, Priester der russisch orthodoxen Kirche seit 1950 und Arzt seit 1952 und war viele Jahrzehnte Hafenarzt &#8211; und da war ein Hafenarbeiter, und der sollte getauft werden. Der wollte eine Griechin heiraten, und die konnte er nur heiraten, wenn er getauft war. Und dann haben sie ihn zu mir geschickt, wir hatten da so Nachtdienst, das war ein sch\u00f6nes kleines, winziges Zimmerchen \u00fcber der Elbe, man sah die Schiffe vorbei fahren, und da haben wir uns dann unterhalten. Und ich habe ihm von der Kirche und von der Taufe erz\u00e4hlt, und wir waren beide m\u00fcde nat\u00fcrlich, und er hat mir immer freundlich zugeschaut und hat gesagt: Herr Doktor, sie geben sich so viel M\u00fche &#8211; aber so richtig wurde das nichts. Aber da habe ich gesagt: \u201eAber der Herr Jesus Christus\u201c &#8211; \u201eJa!\u201c sagt er \u201eden kenne ich &#8211; wissen Sie Herr Doktor, jeden Morgen, wenn ich aus meinem Bett aufstehe, dann knie ich mich nieder, rede mit meinem Herrn Jesus Christus, und dann ist der Tag gelaufen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Ja, so irrt man sich manchmal, der wu\u00dfte nat\u00fcrlich weder, dass der Herr Jesus Christus Gottes Sohn ist, der wu\u00dfte auch nichts von der Heiligen Dreifaltigkeit, als Kirche hatte er nur den Hamburger Michel gesehen, aber den Herrn Jesus Christus kannte er. Und mein j\u00fcngerer Bruder, der immer so ganz kritisch war, dann hat er zu mir gesagt: \u201eWarum hast Du den denn noch getauft &#8211; der war doch schon getauft.\u201c &#8211; Nein, er war nat\u00fcrlich nicht getauft, der wurde dann auch getauft. Aber es ist eben ganz erstaunlich, und so habe ich immer wieder erlebt, was wir gerade in dem Evangelium geh\u00f6rt haben, dass es da Leute gibt, die sagen: Nein, Herr, mit Dir habe ich nichts zu tun, und dann gehen sie doch hin &#8211; so wie dieser Hamburger Hafenarbeiter, der besser Platt- als Hochdeutsch sprach.<\/p>\n<p>Ja, geboren bin ich in Bayern, am Starnberger See, in einem ganz kleinen Ort, S\u00f6cking, und das war 1923. Das war ja eine auch sehr seltsame Zeit. Man muss sich vorstellen, kurz nach dem ersten Weltkrieg, nach der Inflation, langsam ordnete sich wieder die Welt, da an den gro\u00dfen Villen am Starnberger See wohnten bedeutende Leute, zum Beispiel Elly Ney, und die Kinder sollten nicht in so eine primitive Schule gehen, die kamen dann zu meinem Vater, der war Volksschullehrer. Eine kleine Privatschule in einem kleinen Haus, oben auf dem Berg.<\/p>\n<p>Und damals habe ich von der Kirche eben auch nichts gesehen, wie der Hafenarbeiter &#8211; ich bin getauft worden, mit dem Wasser des Starnberger Sees in einer kleinen Dorfkirche, aber bei uns wurde immer jeden Morgen gesungen, so wie Sie das auch getan haben, meine Mutter setzte sich ans Klavier und dann sangen wir zusammen, damals war ich ja noch ganz klein, und wuchs so langsam heran. Und dann wurde erz\u00e4hlt, und meine Mutter hat sehr viel vorgelesen. Ich habe bis zum Abitur praktisch eigentlich die ganze Literatur durch das Vorlesen meiner Mutter kennen gelernt, erst M\u00e4rchen, dann Sagen, dann auch unserem Alter angemessen, wir waren f\u00fcnf Kinder, dann wurde zum Beispiel Kolbenheyer Paracelsus gelesen, ich wei\u00df nicht, ob Sie das noch erinnern &#8211; und Dramen las meine Mutter vor, sie war auch Schauspielerin und hat in M\u00fcnchen da am Theater gespielt, sie hat dann auch mit ihrem damaligen fr\u00fcheren Mann diese alten Spiele &#8211; Oberuferer Paradeisspiel, die hat sie also wieder zum Leben gerufen, die haben sie aus den Akten herausgefunden, und dann zog meine Mutter mit einer kleinen Gruppe junger Leute, zog sie praktisch durch die ganze Welt, in die Tschechei, nach Polen, nach Juist, und dort spielten sie dann das Oberuferer Paradeisspiel und eine Reihe anderer dieser alten Spiele, und wir Kinder wurden dann auch daran beteiligt, wir mussten dann auch mal mitspielen, und etwas mitmachen, einen Engel darstellen, oder irgend so etwas sch\u00f6nes. Und ja, eben, so habe ich eben viel in mich aufgenommen, ohne dass mit der Kirche irgendwie in Beziehung zu bringen. <\/p>\n<p>Dann war das damals die Zeit, wie Hitler auf die Feldherrnhalle zumarschierte, und wie Rudolf Steiner seinen kleinen Kreis bildete, meine Mutter war f\u00fcnfzehn Jahr lang eine der Allern\u00e4chsten von Rudolf Steiner. Nur eine Geschichte erz\u00e4hlen, die hat sie so beeindruckt, die habe ich nicht selbst erlebt &#8211; der Rudolf Steiner hat einen Vortrag gehalten von drei Stunden, und hat immer das Wort Christus weggelassen. Hat eine Pause gemacht &#8211; nicht, jetzt sprechen wir \u00fcber den Herrn, und der hat uns erl\u00f6st, und dieser Herr ist geboren in Bethlehem &#8211; und so weiter &#8211; und meine Mutter hat das also sehr bewundert &#8211; das ist ja auch sehr seltsam, nicht, ist Ihnen vielleicht auch so gegangen, in dem Augenblick klingt pl\u00f6tzlich in Ihnen der Name Jesu Christi, obwohl der nicht ausgesprochen wird. Das ist ja mit unseren Aspekten oder Blickrichtungen &#8211; ich habe gerade einen kleinen 12 Minuten Film gemacht, die Menschen mit Gottes Augen sehen &#8211; auch gerade f\u00fcr Jugendliche &#8211; besteht aus nichts anderem, als zuerst aus sch\u00f6ner Landschaft, ich erinnere an die Sch\u00f6pfung Gottes, und dann sieht man Menschen, ich war da gerade in W\u00fcrzburg vor der Residenz, und ganz seltsam, wenn man dann davon spricht und Gott hat uns alle geschaffen, und ER sieht uns liebend an. Dann geht es einem beinah so wie mit dem Namen Jesu Christi &#8211; gerade junge Leute sehen dann diesen Film mit gro\u00dfer Begeisterung und sagen, ja, die sind alle nach Gottes Bilde geschaffen, da kommen erst ein paar kleine Kinder vor, und dann ist da in der Mitte dieser Brunnen mit Riemenschneider, und mit anderen K\u00fcnstlern, und der eine hat eine Statue in der Hand, und da habe ich gesagt, wie eben der K\u00fcnstler aus dem Material, was er hat, einen Menschen schafft, der dann sch\u00f6n ist, einen sch\u00f6nen Menschen schafft, so schafft Gott eben aus dem Material dieser Welt, aus der Erde, aus der ganzen irdischen Wirklichkeit, den Menschen nach Seinem Bilde.<\/p>\n<p>Mit Rudolf Steiner war das dann &#8211; (f\u00fcr meine Mutter) &#8211; auf die Dauer nichts, f\u00fcr mich also auch nicht, weil mir das alles zu rational und zu klug war. <\/p>\n<p>Das ist eine meiner ersten Erlebnisse eigentlich mit der heiligen Schrift, es wurde immer die heilige Schrift bei uns gelesen, das war das Buch f\u00fcr mich, damals war ich vielleicht sieben, acht Jahre, aber das kann ich heute ganz genau so sagen, das Buch ist, was mir die Wahrheit sagt &#8211; oder kein gro\u00dfartiges Wort &#8211; die Wahrheit ist eine Person: Jesu Christi, die ist nicht in Worte zu fassen, aber die Wirklichkeit darstellt. Die J\u00fcnger nehmen das Abendmahl und streiten sich &#8211; so habe ich die Welt erlebt, und so erlebe ich sie eben auch heute noch &#8211; das war f\u00fcr mich unmittelbare, unbezweifelbare &#8211; ich habe gar nicht angefangen, zu zweifeln \u2013 unbezweifelbare Wirklichkeit &#8211; und dieses Wort Gottes ist ja ganz erstaunlich. Wenn Sie heute an das Evangelium denken, der Herr Jesus Christus redet doch in einer ganz seltsamen Weise und ich finde diese Weise, wie ER redet in dieser einfachen \u00dcbersetzung von Luther, die ist, f\u00fcr mich, wenn ich das so sage &#8211; viel besser als alles, was dann an wissenschaftlichen Apparaten und Kommentaren dazu gegeben wird. Dieses Wort ber\u00fchret mich. Wie redet der Herr die Menschen dort an, Er erz\u00e4hlt ihnen eine Geschichte, und dann redet er von den Huren und Z\u00f6llnern, Er ist in diese Welt gekommen, um die Kranken als Arzt gesund zu machen &#8211; nicht die Gerechten &#8211; mich hat das immer von Anfang an so ber\u00fchret, dann muss es doch Gerechte geben &#8211; wir sind doch alle S\u00fcnder, aber wenn der Herr sagt, ich gehe dann lieber zu den Huren und Z\u00f6llnern und rede mit denen, weil die wirklich mein Wort brauchen, ihr seid ja schon ganz in Ordnung &#8211; nein, so sagt Er das zwar nicht, aber das klingt irgendwie mit &#8211; der Herr geht mit uns in einer sehr seltsamen Weise um, und mit mir auch.<br \/>\nNaja, dann kam ich, mein Vater wieder in einen richtigen Schuldienst in einer kleinen Dorfschule in Krusemark in der N\u00e4he von der Elbe, dann sp\u00e4ter in Thielbeer, und da habe ich eben die Kirche deshalb erlebt, weil ich was zu tun hatte, ich musste n\u00e4mlich die B\u00e4lge treten auf der Orgel, an der mein Vater spielte. Und Sie k\u00f6nnen sich mal vorstellen, versuchen Sie sich mal vorzustellen &#8211; damals war ich vielleicht acht oder neun &#8211; der geht in die Kirche, aber nicht da rein, wo die ganzen Leute reingehen, und wo man den Pastor erst mal mit tiefer Verbeugung begr\u00fc\u00dft, sondern der geht die Treppe hinauf, und dann wird vorne die Kirche Gottesdienst gefeiert &#8211; aber er ist ja hinter der Orgel und tritt die B\u00e4lge und h\u00f6rt dann, wann der Vater wieder frische Luft braucht, damit er Orgel spielen kann. Das hei\u00dft also, ich habe \u00fcberhaupt keine Verk\u00fcndigung in der Kirche geh\u00f6rt &#8211; ich mache niemand einen Vorwurf daf\u00fcr, das war eben einfach so selbstverst\u00e4ndlich gegeben.<br \/>\nNaja, 1936 kamen wir dann nach Hamburg, weil ich auf die Oberschule sollte, die Waldd\u00f6rferschule, eine ganz originelle Schule damals schon, in Volksdorf in den Waldd\u00f6rfern, mein Vater war dann in Ahrensburg dort Lehrer, und da war das Erstaunliche, dass unsere Lehrer uns in einer ganz seltsamen Weise das Evangelium beigebracht hatten &#8211; das war ja verboten, es gab keinen Religionsunterricht &#8211; es gab politischen Unterricht, und man musste lernen, dass man Arier war und \u00e4hnliche Dinge, wenn man Gl\u00fcck hatte, war man eben Arier, und &#8211; aber unser Lehrer, der brachte uns dann eines Tages einen langen Zettel mit, und da hatte er lauter Stellen aus der Bibel, aus dem Neuen Testament aufgeschrieben, und hat gesagt, Ihr habt doch alle eine Bibel zu Hause, nun lest das mal durch, und dann wollen wir mal dar\u00fcber sprechen &#8211; im Rahmen sozusagen des Literaturstudiums; und dann sa\u00dfen wir zu Hause und haben, so wie er das gesagt hatte, gelesen &#8211; ich kann mich \u00fcberhaupt an keine Begegnung mit Gott oder Christus in diesen ganzen ausgew\u00e4hlten Texten erinnern, ich kann mich nur an die Tatsache erinnern, die uns Jungs, wir wu\u00dften ja, wie gef\u00e4hrlich das war, das wir den Lehrer einfach bewundert haben, dass er diesen Mut hatte, uns in dieser Zeit das Evangelium zu verk\u00fcnden im Rahmen der Siegfried Sage und des Hildebrandliedes und Goethe und \u00e4hnliche Dinge und eben auch die Heilige Schrift. <\/p>\n<p>Auch wieder sehr seltsam, ich habe eigentlich die Heilige Schrift erlebt als ein herrliches Buch, ich kann mich an diese Stellen, die er damals rausgeschrieben hatte, \u00fcberhaupt nicht erinnern.          <\/p>\n<p>Ja, und waren ja die Gebote Gottes f\u00fcr mich immer die Gebrauchsanweisung zum Leben &#8211; ich wei\u00df nicht, wer mir das gesagt hat, das gibt es sowohl in der evangelischen, katholischen, orthodoxen Theologie solche Aussagen, aber mir war das eigentlich selbstverst\u00e4ndlich. Gott, der die Welt geschaffen hat, hat uns freundlicherweise die Gebrauchsanweisung dieser Welt in seinen Geboten mitgeteilt. Und das ist ja deshalb auch so wichtig, weil jeder junge Mensch erlebt, das er belogen wird: wenn du die Gebote Gottes \u00fcbertrittst, dann geht es dir schlecht! &#8211; \u00dcberhaupt nicht der Fall, jedes vern\u00fcnftige Kind \u00fcbertritt kr\u00e4ftig ein Gebot, und dann wartet es, wann es einem schlecht geht, und es geht ihm \u00fcberhaupt nicht schlecht, &#8211; ja, weil Gott uns liebt. Gott ist kein strafender und grausamer Gott, der uns mit der Peitsche erzieht.<\/p>\n<p>Aber, wenn wir anfangen, nach den Geboten zu leben, nur mal versuchen &#8211; man kann es mal so bisschen versuchen: du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten &#8211; dann merkt man pl\u00f6tzlich, wie sch\u00f6n die Welt ist. Die Gebote Gottes waren f\u00fcr mich eigentlich immer der Weg, eben die Leuchte auf dem Weg, auf dem ich gehe &#8211; ein Weg, den man gehen kann, die dann noch gewissermassen herrlicher wurden, in den Seligpreisungen und dem Leben Jesu Christi, aber doch auch in diesen Geboten. Und wenn man versuchte, sie ein ganz bisschen in aller Demut und aller Unvollkommenheit mal zu erf\u00fcllen, dann merkte man: Der Herr hat recht. Eine herrliche Welt &#8211; wenn man sie befolgt &#8211; aber das ist ja schwierig.<\/p>\n<p>Naja, dann hatte ich ja nicht so furchtbar viel Zeit, ich habe 1942 Abitur gemacht, auch eine Geschichte, die ich sehr behalten habe. Dann sagte unser Studiendirektor: \u201eJetzt entlasse ich Euch in die Freiheit\u201c. Was hei\u00dft Freiheit, ich hatte ja schon den Einberufungsbefehl in der Tasche. <\/p>\n<p>Und ich war fest entschlossen, keine Gewalt anzuwenden &#8211; so ist man eben als junger Mensch manchmal, so begeistert von einer solchen Sache &#8211; aber das war ja v\u00f6llig undenkbar. Dann hatten wir auch \u00c4rger, meine Mutter und ich mit der Gestapo. Ich wei\u00df nicht, ob sie sich an M\u00f6lders erinnern? M\u00f6lders war ein ganz ber\u00fchmter Jagdflieger, mit vielen Absch\u00fcssen, sehr ber\u00fchmter Mann, und dieser M\u00f6lders war gleichzeitig der Leiter sozusagen der katholischen Jugendbewegung. Das war den Regierenden sehr unangenehm. Wahrscheinlich ist er bei einem Flug mit einer Ju52 abgest\u00fcrzt, und alle glaubten, er ist umgebracht, weil es unertr\u00e4glich war, dass ein gl\u00e4ubiger Christ als ganz erfolgreicher Flieger in der Armee des gro\u00dfen F\u00fchrers Adolf Hitler seinen Dienst tat, und das Evangelium verk\u00fcndete, und da gab es einen M\u00f6ldersbrief, und er schrieb an seine Freunde, als der Krieg anfing. Da war das gro\u00dfe Geschrei und die gro\u00dfe Begeisterung der Ungl\u00e4ubigen, die Gott verspotteten, aber als dann die ersten Toten da waren, und die ersten Verwundeten, und es wirklich Ernst wurde, da erwies sich, dass die Christen die wahren Helden sind. Den haben wir abgeschrieben mit der Hand, meine Mutter und ich, und verteilt &#8211; das ging nat\u00fcrlich nicht gut &#8211; wir wurden infolgedessen bei der Gestapo verh\u00f6rt, und das Ergebnis f\u00fcr mich, ich stand ja damals kurz vorm Abitur, das Ergebnis war f\u00fcr mich ein sehr witziges &#8211; in meinem Soldbuch stand drin: nur an der russischen Front zu verwenden.<\/p>\n<p>Auch eine ganz faire, das ist immer das Schreckliche mit diesen diktatorischen Systemen, die haben auch irgendwo etwas ganz Menschliches, nicht, die haben gesagt: dieser bl\u00f6de Kerl, umbringen wollen wir ihn nicht, intelligent ist er auch, gutes Abitur hat er gemacht, vielleicht kann er uns noch n\u00fctzlich sein, aber &#8211; und so kam ich dann erst nach Schleswig zur Ausbildung und dann an die russische Front. Und ich hatte Gl\u00fcck, gerade mit meinem Vorsatz, niemand zu t\u00f6ten, hatte ich wirklich Gl\u00fcck. Wenn sie da oben, wie die armen Kanadier, die Dresden zerst\u00f6rt im Dunkeln in ihren Flugzeugen sitzen, und nur diese Markierungen sehen, und auf den Knopf dr\u00fccken, die sehen doch \u00fcberhaupt niemand. Oder wenn sie an den gro\u00dfen Gesch\u00fctzen stehen, die schie\u00dfen \u00fcber 30 km, da sehen sie gar nicht, was passiert &#8211; aber wenn sie an der Front sind, sehen sie nat\u00fcrlich immer ihren Gegner Auge in Auge. Daf\u00fcr bekam man dann auch eine Nahkampfspange &#8211; habe ich dann immer wieder erlebt, erstaunlicherweise. 24.12.1943 waren die Russen eingebrochen bei uns, war tiefer Schnee, und wir sollten den Einbruch wieder freik\u00e4mpfen. Ja, und dann scho\u00df die 8,8, das war die gro\u00dfe Flak, die schoss dann Sicherheitsfeuer, erst zu kurz, und ich war einer der wenigen \u00dcberlebenden der Kompanie, alles andere waren junge Leute, die hatten \u00fcberhaupt keine Ahnung. Und dann kamen wir in den Graben, und dann komme ich auf einen Russen zu, der steht mir gegen\u00fcber, und dann schaue ich ihn an, und rede ihn an &#8211; mit meinem ganz schlechten Russisch, war nicht doll, und dann haben wir uns vertragen, dann war der Krieg f\u00fcr uns zu Ende, dann kriegte ich den ersten Punkt f\u00fcr die Nahkampfspange. Dann sp\u00e4ter noch einmal in einem Nachtgefecht in lauter kleinen Birken, stehe ich pl\u00f6tzlich auch vor einem Russen mit einer Maschinenpistole, schaue ihn an und sage: Towaritsch &#8211; der Krieg ist zu Ende &#8211; habe ich ihn gefangen genommen &#8211; zweiter Punkt &#8211; aber das ging doch nur, ich sage das nur, weil ich niemand schlecht machen will, der diese M\u00f6glichkeit nicht hatte &#8211; das geht nur, was ja immer heute in den modernen Kriegen und K\u00e4mpfen immer weniger wird, wann sehen sie denn noch ihren Gegner Auge und Auge und k\u00f6nnen mit ihm reden, und k\u00f6nnen den Frieden auch dort verk\u00fcnden, wo Krieg ist.<\/p>\n<p>Das ging also gut, und ich war \u00fcberzeugt, dass der Herr Jesus Christus der ist, auf den man sich absolut verlassen kann. Dann kam ich in Gefangenschaft, will ich nicht viel erz\u00e4hlen, bin ich von der NKWD verh\u00f6rt worden, ein halbes Jahr, aber das war ganz witzig, die merkten offenbar, dass ich deutsch konnte, dass ich russisch konnte, italienisch und englisch, infolgedessen haben die mir nicht geglaubt, dass ich Obergefreiter war, und dachten, ich sei sicher irgend so ein geheimer hoher Offizier, der ihnen was Wichtiges sagen konnte &#8211; und dann bestanden die Verh\u00f6re darin, dass ich Nachts aus dem Bett geholt wurde, und dann kam man in einen kleinen Raum, da gab es zwar elektrisches Licht, das war aber aus, da stand so eine kleine Kerze, und dann musste ich meine Lebensgeschichte erz\u00e4hlen, immer wieder. Und das ist schon erstaunlich, wenn sie da also zwei russischen h\u00f6heren NKWD Leuten gegen\u00fcbersitzen &#8211; nun erz\u00e4hlen Sie mal &#8211; der sprach gut Deutsch &#8211; nun erz\u00e4hlen Sie, und dann wird, wie Sie das hier auch erleben, Ihr Leben eben ja, es wird auch verfremdet, wenn Sie das mehrmals erz\u00e4hlen, und das immer wieder bringen, da gibt es gewisse Dinge, die haben schon ihre Gestalt bekommen, auch wenn Sie nachher einsehen, dass es eigentlich gar nicht so stimmen kann. Und der gro\u00dfe Unterschied zwischen NKWD und Gestapo war der, die Gestapo war eben hart und grausam, und wenn die Verh\u00f6re fertig waren, dann wurden Sie abgef\u00fchrt. Und bei den Russen war das ganz witzig, dann war die Nacht da, und ich habe meine Lebensgeschichte erz\u00e4hlt, und dann ging die Sonne langsam auf, und dann sagten die Russen: nun ist fertig, rauchen wir mal eine. Die hatten, das war immer noch, das war schrecklich, das war in der Taiga, fast am Polarkreis ganz im Norden Ru\u00dflands &#8211; die hatten dann immer noch einen Rest von, ja, Kameradschaftlichkeit, auch diesem Deutschen gegen\u00fcber. Da habe ich \u00fcberall, ich k\u00f6nnte noch viele Geschichten erz\u00e4hlen, immer wieder erlebt, wie in den &#8211; das ist eben das Problem, &#8211; wie in der Katastrophe, in der Gefangenschaft, im Krieg, ich habe auch sp\u00e4ter noch \u00dcberschwemmungen in Hamburg und \u00e4hnliches erlebt, wie in der Katastrophe &#8211; da braucht man keine Kirche, und da braucht man gar nichts, da braucht man einfach nur den Glauben an Jesus Christus, und das Gebet und das Gespr\u00e4ch mit dem Herrn.<\/p>\n<p>Aber wenn keine Katastrophe ist &#8211; sehr seltsam, dass also schon der gelbe Kaiser, der etwas mythologische chinesische Kaiser eben gesagt hat, als man ihn gefragt hat, warum lieben die Menschen den Krieg so, da hat er gesagt: weil sie wissen, was sie tun m\u00fcssen, da ist alles klar und eindeutig &#8211; und da ist man &#8211; ja, eben: wohlauf Kameraden aufs Pferd aufs Pferd, im Felde das ist der Mann noch was wert, da wird das Herz noch gewogen.<br \/>\nUnd dann kam ich zuf\u00e4llig relativ fr\u00fch nach Hause, weil ich mit \u201eB\u201c anfange. Die hatten einen Zug geschickt zum R\u00fccktransport von Gefangenen nach Deutschland, das waren vor allem Juden, die auch mitgefangen genommen waren, die wurden also zuerst, und dann wurden noch einige, und dann waren zwei Waggons zu viel, und was sollte der arme Kommandant machen, der hatte nach dem Alphabet diese beiden Waggons noch gef\u00fcllt, er konnte den Zug ja nicht leer zur\u00fcckschicken &#8211; und so bin ich schon im 9.November 1945, mein neuer Geburtstag, nach Hause gekommen mit der \u00dcberzeugung, dass man mit Christus leben kann, das einfach das Gebet, Gemeinschaft mit Christus alles regelt &#8211; das man sich ganz darauf verlassen kann, man kann dabei sterben &#8211; das ist f\u00fcr einen jungen Menschen nicht so schlimm &#8211; das h\u00f6rt sich sehr seltsam an, ein junger Mensch ist letzten Endes, das sehen sie ja beim Autofahren, der hat keine Angst vorm Tode, der geht gern mal ein Lebensrisiko ein &#8211; \u00e4lter wird das schwierig, im Altersheim wollen die Leute immer nicht mehr sterben.<br \/>\nInfolgedessen &#8211; und dann ging alles schief &#8211; mein sch\u00f6ner klarer einfacher Glaube an Jesus Christus f\u00fchrte \u00fcberall zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen und zu \u00c4rger und ich habe Leuten weh getan, was ich gar nicht wollte, ich habe einfach so, wie ich das im Kriege und in Gefangenschaft gelebt hatte, das ging alles nicht.<\/p>\n<p>Und dann habe ich angefangen, nachzudenken, ich bin eben ein neugieriger Mensch, und bei diesem Nachdenken war eigentlich das erste Ergebnis mein ganz gro\u00dfer Zweifel an dem Absolutheitsanspruch des Christentums. Ich war in russicher Gefangenschaft mit vielen Mongolen zusammen, habe viele Menschen einfach erlebt, nicht so sehr Religionen, ich habe die orthodoxe Kirche in Ru\u00dfland nie gesehen, und auch die Mongolen nat\u00fcrlich, aber hatte ich eben diese Erfahrung oder diese Begegnung mit Menschen, die von Christus nichts wu\u00dften, und die auch aus ganz anderen Kulturkreisen kamen, und die eben auch Menschen waren. Und dann habe ich angefangen zu studieren, habe Philosophie studiert, nicht zu Ende, und habe mich dann eben, Upanisad, Iging, Kungfutse, Montse &#8211; habe so ein bi\u00dfchen Chinesisch gelernt, weil ich dachte, das mu\u00df doch eigentlich etwas viel Gro\u00dfartigeres sein, tibetanisches Totenbuch, das sind ja ungeheure Welten, die sich da einem auftun, auch von einer Einfachheit und Klarheit, das ist ganz erstaunlich; und auch eben von so sch\u00f6nen Geschichten. Ein moderner junger Chinese, 2000 vor Christi, geht da den Weg entlang und da ist ein Gatter, und da sieht er einen alten Mann, der z\u00fcchtet Rosen, und da sieht er, wie der alte Mann in den Brunnen hinabsteigt, mit dem Eimer, und wieder mit dem Eimer in der einen Hand hinaufsteigt. Da sagt er: \u201eOpa komm mal her, bist ja nicht mehr zu retten, mu\u00dft ein Rad machen und einen Strick, dann l\u00e4\u00dft Du das runter, und dann rauchst du ganz friedlich dein Pfeifchen dabei, und dann l\u00e4\u00dft du es runter, und dann ziehst Du es wieder hoch, und dann gie\u00dft Du\u201c &#8211; \u201eNein,\u201c sagt der Alte, \u201ewenn ich meine Rose mit einer Maschine begie\u00dfe, dann riechen sie nicht mehr so gut.\u201c usw. Sie kennen ja auch alle solche chinesischen Geschichten. <\/p>\n<p>Es war ein langer Weg, eine lange \u00dcberlegung. Warum das so lange gedauert hat, wei\u00df ich nicht, der Herr wollte das wahrscheinlich. Die Antwort ist ganz einfach: in keiner (anderen) Religion und keiner Philosophie der Welt kennt Gott mich beim Vornamen, ob Er meinen Familiennamen kennt, wei\u00df ich nicht, aber Er kennt mich bei meinem Vornamen, denn auf den bin ich getauft, da hat Er mich angeredet. Mit diesem Namen wird Er mich anreden, wenn ich vor Ihm im J\u00fcngsten Gericht stehe. Das fand ich einfach hinrei\u00dfend. Ich bin nicht der erste, der das hinrei\u00dfend fand, der erste, den ich in der Literatur kenne, ist Pascal, in dem Argument der Wette schreibt er davon: \u201eUnd wenn diese Aussage des Christentums auch so unwahrscheinlich wie m\u00f6glich w\u00e4re, eins zu zwei Millionen &#8211; ich w\u00fcrde darauf wetten, darauf gr\u00fcnde ich mein Leben.\u201c &#8211; Ja, damit bin ich dann eigentlich zum ersten Mal bewu\u00dft Christ geworden. Ich habe viele Vortr\u00e4ge gehalten \u00fcber Glauben und Verstand &#8211; ich will mich jetzt nicht wiederholen, aber das ist ja eben immer wieder immer ein Problem, diese Arbeiter von dem ich zu Anfang erz\u00e4hlt habe, der seinen Verstand dazu nicht gebraucht &#8211; der kannte den Namen Christi und damit war die Sache f\u00fcr ihn in Ordnung. Der Tag ist gelaufen, aber es gibt eben andere Menschen, wie Sie und wie ich, die m\u00fcssen, d\u00fcrfen &#8211; wollen mal so sagen &#8211; die d\u00fcrfen denken. Und so habe ich dann eben gedacht.<\/p>\n<p>Ja, und dann gab es die Kirche &#8211; die Kirche war f\u00fcr mich etwas nicht so recht zu verknusen, wie der Hamburger sagt, da waren so viele Dinge, die mir nicht pa\u00dften, aber dann habe ich einfach begriffen, dass wir ja Menschen sind, eben Gerechte und S\u00fcnder, und dass in der Kirche die Gerechten, die gerechten S\u00fcnder zusammengerufen werden und gerade in ihrer Kl\u00e4glichkeit eine Gemeinschaft bilden, eine heilige Gemeinschaft. Das war f\u00fcr mich zun\u00e4chst mal einfach Theorie. Habe ich dann theoretisch begriffen &#8211; ich war ja damals schon Arzt und war Hafenarzt und dazu geh\u00f6rt doch auch sehr vieles, vom Trinkwasser auf den Schiffen, L\u00e4rm, Vibration, Alkohol, Geschlechtskrankheiten, Einsamkeit und was es da so alles gibt. Sehr seltsam, nicht, die Seeleute soffen, weil sie in der Vorpeaks mit 10 Leuten zusammen in einem winzigen stickigen Raum lebten, und wenn sie mal nach drau\u00dfen kamen, dann pfiff ihnen der kalte Wind um die Nase, und dann wurde die Schiffe immer besser, und dann hatte auch der Moses schon ein Appartement mit Na\u00dfzelle, schalldicht nat\u00fcrlich, fast vibrationsdicht, auf den gro\u00dfen modernen, ich denke zum Beispiel an die Hamburg S\u00fcd-Schiffe, an die Kapschiffe, und was passierte &#8211; die sassen da alleine in ihrer Luxuskammer &#8211; fr\u00fcher haben wir zusammen drau\u00dfen auf dem Deck gesessen, einer hat Schifferklavier gespielt, wir haben unser Bierchen getrunken, der Wind pfiff uns um die Nase, wir waren zusammen, wir waren ne Gemeinschaft, jetzt war die Gemeinschaft kaputt, jeder sa\u00df, schon die T\u00fcr zu wegen der Klimaanlage, alleine &#8211; hatte seinen Rekorder und Musik geh\u00f6rt oder so etwas, einsam, da ging das Saufen wieder los.<\/p>\n<p>Und dann hat ja die Hamburg S\u00fcd zu Anfang Schiffe gebaut, bei denen die G\u00e4nge so angelegt waren, dass die Leute sich treffen mussten, das ist ja fast unheimlich. Auf gro\u00dfen Schiffen sind zum Teil noch zwei Leute auf der Br\u00fccke, aber auf kleinen Schiffen ist nur einer auf der Br\u00fccke, er mu\u00df alle zehn oder zwanzig Minuten auf einen Knopf dr\u00fccken, damit er zeigt, dass er noch aufmerksam ist, sonst gibt es Alarm f\u00fcr das ganze Schiff. Und so f\u00e4hrt der alleine, und macht seine Wache, dann kommt der andere gerade aus dem Bett heraus, sagt \u201eHallo\u201c &#8211; \u201eHallo\u201c sagt der andere, und geht weg. Was ich da so an Einsamkeit auf den Schiffen erlebt habe, und das war auch wieder, nicht. F\u00fcr mich ist immer Naturwissenschaft, Arzt und Priester wirklich eins &#8211; das ist eben die Kirche, die uns zur Gemeinschaft ruft, das ist ja immer das Seltsame bei den Russen, habe ich das von Anfang an geh\u00f6rt &#8211; wenn man zusammen ist, dann hei\u00dft es zum Schlu\u00df: Spasiva, &#8230; \u201eVielen Dank f\u00fcr die Gemeinschaft!\u201c das habe ich zu Anfang nicht so richtig begriffen, aber nun ist es mir so richtig klar geworden. Wir sind ein zoon politicon &#8211; ein Gemeinschaftswesen, wir sind aufeinander angewiesen, auch wenn wir als Einsiedler einsam in der &#8230; W\u00fcste leben, irgendwo geh\u00f6ren wir zusammen. <\/p>\n<p>Und dann hat mich in der Kirche nicht mehr die ganze B\u00fcrokratie und die ganze Ordnung und die Sitzordnung und so weiter gest\u00f6rt, dann habe ich es eigentlich begriffen &#8211; und dann war f\u00fcr mich die Frage &#8211; es gibt verschiedene Kirchen &#8211; ich bin evangelisch getauft, aber sie k\u00f6nnen sich nach meiner Geschichte vorstellen, dass ich nicht konfirmiert bin, das war alles nicht nach meiner M\u00fctze. <\/p>\n<p>Ja, was nun, welche Kirche? Das ist 1948, 1949 gewesen, da gab es doch f\u00fcr mich nur die evangelische und die katholische Kirche &#8211; mu\u00df ich beinah fragen, wie dumm man eigentlich sein kann, allein die anglikanischen Kirche ist \u00fcberhaupt nicht in mein Bewu\u00dftsein gekommen, und die Freikirchen waren damals Sekten, die hat man nicht so ernst genommen, und ich habe mich dem angepa\u00dft, und dann habe ich mich mit der Kirche, dann habe ich evangelische Theologie ein bisschen studiert &#8211; was mich sehr beeindruckt hat, war der Kommentar zum R\u00f6merbrief, der noch vor 1521 geschrieben worden ist &#8211; Karl Barth war f\u00fcr mich eben auch irgend jemand. Dann habe ich Sch\u00fctz noch erlebt. Sch\u00fctz war der Pastor von St.Nikolai in Hamburg &#8211; und katholische Theologie, da kann ich eigentlich nur sagen: Romano Guardini vor allen Dingen, Odo Casel und dann: Thomas von Aquin &#8211; das hat meinen Verstand sehr begeistert &#8211; diese summa theologica, ein ganz gro\u00dfartiges Buch. Ich sage heute immer noch dasselbe, was ich damals empfunden habe, obwohl das wissenschaftlich vielleicht nicht richtig ist &#8211; der Thomas schreibt: \u201eDer hat gesagt\u201c, \u2013  und dann zitiert er die Kirchenv\u00e4ter und die Araber und alle, \u00fcber das Problem, und dann kommt die Summa, und da sagt er dann: \u201eDann sage ich\u201c. Und ich habe das damals schon empfunden, empfinde das heute noch, da ist kein logischer Zusammenhang &#8211; Thomas betrachtet, was die Weisheit der Menschheit gesagt hat, und anstatt daraus ein Integral zu machen, das sozusagen zusammenzufassen, bekennt er seinen Glauben. Gro\u00dfartige Geschichte, aber nicht so richtig wissenschaftlich. Aber dieses grunds\u00e4tzliche Buch hat mein Denken und mein Leben mit den Glaubensg\u00fctern, mit dem Glaubensinhalt eben doch sehr gepr\u00e4gt, aber ich habe wirklich gesehen und auch das, was mir dann mein Bischof immer wieder gesagt hat: Predige nie \u00fcber etwas, was du nicht glaubst.<\/p>\n<p>Damals war ich gerade ein Jahr Priester &#8211; da war ich noch ein bisschen beleidigt &#8211; heute bin ich nicht mehr beleidigt, ich glaube immer noch nicht alles; aber das, was ich glaube, das glaube ich.<\/p>\n<p>Das hat Gott mir auch geschenkt, das habe ich in meinem Herzen, dar\u00fcber kann ich auch reden, und dann kommt es auch an, und so macht Thomas (von Aquin)das auch &#8211; er beweist, ich tue das ja auch gerne, um zu zeigen, wie klug ich bin, das ist ja sehr sch\u00f6n &#8211; er beweist, was er alles gelesen hat, und &#8230;. , und dann bekennt er also seinen gro\u00dfartigen Glauben.<\/p>\n<p>Ja, und dann habe ich noch gedacht, es gibt ja noch die orthodoxe Kirche, damals gab es ja kaum Literatur auf Deutsch, da gab es die Malzew \u00dcbersetzungen, von der Jahrhundertwende her, dann gab es von Ehrenberg zwei B\u00fccher \u00fcber die Religionsphilosophie, die Philosophie der Russen, und dann gab es sp\u00e4ter das Buch vom Metropoliten Serafim in Berlin \u00fcber die Orthodoxie; und Russisch konnte ich damals mittlerweile schon ganz gut, aber auch nicht so richtig, dass ich alles h\u00e4tte lesen k\u00f6nnen. Griechisch konnte ich immer noch ganz m\u00e4\u00dfig, franz\u00f6sisch gab es damals schon sehr viel, und dann habe ich \u2026 <\/p>\n<p>Ja, das mu\u00df man sehen, das war also 1950, dann bin ich orthodox geworden, und zwar aus ganz klaren Motiven &#8211; in der evangelischen Kirche fehlte mir v\u00f6llig die Welt der Segnung des Wassers, des Hauses, des Tisches, die Welt der Gemeinschaft mit den Entschlafenen. Christus sagt doch eindeutig: \u201eWer mein Wort h\u00f6rt, der ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen\u201c. &#8211; und Er sagt eben auch ganz eindeutig: \u201eDie, die Toten, die h\u00f6ren mein Wort und leben\u201c. Das ist die Auferstehung Jesu Christi. Diese Auferstehung Jesu Christi verwirklicht sich &#8211; w\u00fcrde ich heute noch genau so sagen, und das war damals f\u00fcr mich mein wesentliches Motiv: verwirklicht sich letzten Endes darin, dass ich mit den Entschlafenen im Gebet und in der Liebe verbunden bin. Da realisiert sich die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu Christi. Man kann sie auch anders realisieren, ich rede jetzt von mir.<\/p>\n<p>Infolgedessen war die evangelische Kirche damals &#8211; 1949 &#8211; f\u00fcr mich nicht der richtige Ort, sie war nicht meine Braut.<\/p>\n<p>Und die Katholische Kirche war mir zu klug. Es ist immer das Seltsame. Als Arzt, als Naturwissenschaftler, denken die Menschen immer, das man alles logisch denkt &#8211; und gerade der Arzt wei\u00df eben sehr genau, dass das nicht funktioniert &#8211; nat\u00fcrlich mu\u00df ich ordentlich untersuchen, was manche \u00c4rzte nicht so ordentlich machen. Es gibt gewisse Dinge, die geh\u00f6ren einfach dazu: Blutdruckmessen, Blut untersuchen, Urin untersuchen, auch mal den Patienten anschauen, das Herz abh\u00f6ren und \u00e4hnliche Dinge machen. Das ist alles schon sehr wichtig, aber das, was daraus hervorgeht, das ist, das ist einmal ganz gro\u00df, das ist eine sch\u00f6pferische Leistung, das kann der Computer nicht, das ist eben das Seltsame. Ich bin auch heute geneigt, ein EKG mir selber anzusehen. Wenn Sie ein EKG schreiben lassen, brauchen Sie gar nichts mehr zu machen. Der Computer, der stellt schon alles fest, wo Fehler sind, druckt er Ihnen alles aus zum EKG: so und so, das ist in Ordnung, da ist ein Fehler und so weiter. Aber ich habe immer, wenn ich mir diese EKG\u2019s angesehen habe, irgend etwas erlebt; oder beim Puls f\u00fchlen oder \u00e4hnlichen Dingen, so dass mir also v\u00f6llig klar war, im Grunde genommen, dass all unser Denken die Vorbereitung dazu ist, unsern, ja &#8211; zu glauben &#8211; und zwar wird das nicht unsicherer, sondern mit dem Glauben wird die Sache ja erst sicher. Da schlie\u00dft sich alles das, was an meinem Wissen vorhanden ist, das schlie\u00dft sich dann zur Gewi\u00dfheit zusammen, das ist ein ganz seltsamer Vorgang.<\/p>\n<p>Und die katholische &#8211; damals, war auch damals anders vorm 2. \u00f6kumenischen Konzil, mu\u00df man sagen &#8211; hatte damals, denken Sie an den Delfinger, dieses Buch, in dem die ganzen Konzilsentscheidungen aufgezeichnet sind, hatte ganz klare Dinge, und ich kann noch erinnern, einen Jesuiten, ein guter Freund von mir, und wenn ich den was fragte, ich war so klein, er war so gro\u00df. Dann hatte ich immer das Gef\u00fchl, er fa\u00dft hinter sich, und zieht eine Schublade heraus, und liest mir das vor, was in dieser Schublade aufgeschrieben ist. Das hei\u00dft also die Kirche, so mein Erlebnis damals. Die Kirche hatte eine unendliche F\u00fclle richtiger S\u00e4tze, und diese richtigen S\u00e4tze und richtigen Erkenntnisse, die werden dann auf die Wirklichkeit angewandt, und das funktionierte bei mir nicht mehr. Denn der Mensch ist eben immer wieder anders. Das geht ja bis heute noch so in die Praxis &#8211; wir sind ja eigentlich immer noch ganz konsequent keine Leute zu beerdigen, die sich verbrennen lassen. Herr Jesus Christus ist in das Grab gelegt worden, und so auch wir. Aber wenn jetzt der Bulgare in Hamburg stirbt, und gerne in bulgarischer Erde beerdigt wird, dann kosten der Transport immerhin so mit s\u00e4mtlichen Nebenkosten 15 bis 20 Tausend Euro. Und dann hat mal einer von unseren alten Priestern sehr sch\u00f6n dem Bischof gesagt: \u201eHerr Bischof, wollen Sie das bezahlen.!\u201c Der sagt: \u201eNein, wieso?\u201c &#8211; \u201eNaja, der kann das nicht bezahlen, aber dass er in seiner heimatlichen Erde &#8230;\u201c &#8211; \u201eNaja, dann la\u00df ihn verbrennen.\u201c<\/p>\n<p>Und so &#8211; wie gehen wir mit den Regeln, ich denke immer noch an diese Schubladen &#8211; mit diesen Regeln um, und dann habe ich die Orthodoxe Kirche, und dann bin ich in die Orthodoxe Kirche gegangen, weil nach meiner Erfahrung nat\u00fcrlich auch die Praxis eine gro\u00dfe Rolle spielt &#8211; das war meine Welt und ist sie heute auch noch.<br \/>\nDas ist ja etwas sehr Seltsames, es gibt einen nichtexclusiven Superlativ &#8211; das ist Grundlage der Liebe und das Glaubens &#8211; wenn ich meine Frau nicht liebe \u00fcber alles, wenn sie nicht die einzige, sch\u00f6ne Frau, die es \u00fcberhaupt gibt, ist &#8211; dann soll ich sie nicht heiraten &#8211; so hat meine Mutter mir schon gesagt. Aber wenn ich das dadurch mache, dass ich sage: \u201eDu bist &#8211; wenn ich Dich so ansehe, so sch\u00f6n, und die Haare und die Figur &#8211; aber schau doch mal die da an, ist ja unm\u00f6glich, und die da, ist ja entsetzlich\u201c &#8211; das ist t\u00f6richt, das ist wirklich t\u00f6richt, aber so machen wir das doch, so gehen wir doch damit um &#8211; so &#8211; ja, eben &#8211; so preisen wir unsere Geliebte, indem wir die anderen schlecht machen &#8211; nicht exclusiver Superlativ &#8211; ohne Superlativ geht es nicht &#8211; und genau so ist es im Glauben, und das hat mich auch im Glauben so beeindruckt &#8211; und das war seltsamerweise, die Orthodoxen sind ja au\u00dferordentlich streng, kann man sagen, andererseits von einer ganz gro\u00dfen selbstverst\u00e4ndlichen Offenheit. Nicht das sehen Sie ja immer wieder, dann gibt es gro\u00dfe Erkl\u00e4rungen und dicke lange Schreiben: \u201eWir nehmen an diesen \u00f6kumenischen Tagungen nicht mehr teil &#8211; weil, weil, weil\u2026\u201c &#8211; brauche ich gar nicht zu sagen &#8211; und dann kommen sie auf die n\u00e4chste Tagung, und wer sitzt in der ersten Reihe? Die orthodoxen Bisch\u00f6fe. Ja, das ist eigentlich schlimm, nein, das ist unm\u00f6glich, wie kann jemand also sich so verhalten? Habe ich auch im Hafen erlebt; war so ne Nebent\u00e4tigkeit, habe ich ne Arbeit gemacht \u00fcber L\u00e4use und \u00e4hnliche Geschichten mit einer Firma zusammen, und dann bekam ich einen bitterb\u00f6sen Brief vom obersten Senat: \u201eSie haben ohne Nebent\u00e4tigkeitsgenehmigung Nebent\u00e4tigkeit gemacht. Nehmen Sie dazu Stellung.\u201c &#8211; Und dann habe ich den angerufen und habe dem gesagt: \u201eWissen Sie, ich habe eine Nebent\u00e4tigkeitsgenehmigung\u201c &#8211; \u201eWas?\u201c hat der gesagt, \u201eSie haben eine?\u201c &#8211; \u201eJa\u201c, \u2013 sage ich, \u2013 \u201eich habe eine, haben Sie nicht nachgesehen? &#8211; \u201eNein, ich dachte, sie h\u00e4tten keine\u201c &#8211; \u201eUnd was nun?\u201c &#8211; \u201eAch\u201c, \u2013  sagt er, \u2013 \u201eschmei\u00dfen sie den Brief in den Papierkorb.\u201c<\/p>\n<p>Und diesen Umgang habe ich auch, entschuldigen Sie, habe ich auch mit vielen kirchlichen Dokumenten gelernt. Wie viele unsinnige unfreundliche Dokumente sind in der Kirche immer wieder geschrieben worden, auch von den Orthodoxen, von einer Unkenntnis und \u00dcberheblichkeit, dass ist geradezu unwahrscheinlich. Viele Russen in Ru\u00dfland, die kennen keine Katholiken und Evangelische &#8211; da gibt es ein paar, die haben sie gar nicht gesehen. Und v\u00f6llig anders verhalten sich orthodoxe Kirchen in Frankreich, wo sie schon sehr lange sind, und auch in Amerika und auch in Deutschland, wo sie einfach diesen pers\u00f6nlichen Kontakt haben, wo sie sehen, die anderen sind eben doch keine Bestien, sondern scheinen auch Menschen zu sein. Aber wer diese Erfahrung nicht gemacht hat &#8211; nicht exclusiver Superlativ. Das ist mir also auch im Glauben so au\u00dferordentlich wichtig. Wenn ich meine Kirche nicht von ganzem Herzen liebe, wenn sie nicht einfach &#8211; eben &#8211; das ist ja auch diese pers\u00f6nliche Entscheidung, das ist ja etwas, was gerade der Papst, ist jetzt ja ein Buch erschienen \u00fcber die ganzen \u00c4u\u00dferungen, die der Papst \u00fcber die anderen Religionen und anderen Konfessionen, \u00fcber die Juden und Mohammedaner gemacht hat. Und da schreibt er, der jetzige Papst, finde ich ganz erstaunlicherweise immer wieder, das er ein ehrliches Leben f\u00fchrt seines Glaubens ist viel wichtiger, als dass er katholisch ist. Das ist ganz neu f\u00fcr die Katholiken, f\u00fcr die Orthodoxen eigentlich auch, aber das bedeutet f\u00fcr uns alle einfach eine Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Naja, und dann wurde ich orthodox, Priester wollte ich nie werden, w\u00e4re nie auf die Idee gekommen, was f\u00fcr eine komische Idee, und eines Tages war ich in der Kirche, ich war dann einer der jungen Leute, und der Bischof Aphanassij, wir haben uns gut vertragen, ich war Ministrant w\u00fcrde man eben sagen &#8211; und eines Tages sagt er zu mir: \u201eWillst Du nicht Priester werden?\u201c &#8211; Ich sage: \u201eWei\u00df ich nicht.\u201c &#8211; Da sagt er: \u201eAber du bist ganz geeignet.\u201c &#8211; \u201eAlso Herr Bischof, wenn Sie das sagen\u201c &#8211; \u201eAber dann mu\u00dft du heiraten &#8211; oder nicht &#8211; besser nicht!\u201c. Ich war da mit einer Berlinerin zusammen, die auch orthodox war und besser russisch sprach wie ich, ein richtiges Berliner M\u00e4dchen, wir waren sehr gl\u00fccklich zusammen, aber nicht verheiratet &#8211; das war 1948, 49 &#8211; geheiratet haben wir 1950. Das sehe ich immer bei den jungen Leuten, bei meinen Freunden, wenn man nicht rechtzeitig in der ersten Liebe heiratet, dann ist das ganz schwierig, sich sp\u00e4ter noch daf\u00fcr zu entscheiden. Darum ist das eben mit der Enthaltsamkeit gar nicht so dusslig, sondern das ist eine ganz vern\u00fcnftige Sache. Aber dar\u00fcber will ich jetzt nicht reden. Aber als ich meiner Frau das gesagt habe, \u2013  \u201eAch ja, ich glaube &#8211; wir wollen dann auch heiraten\u201c &#8211; und dann haben wir also geheiratet. Ich bin sehr zufrieden, habe gar nichts dagegen, wir waren f\u00fcnfzig Jahre verheiratet. Kurz nach der f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Wiederholung unseres Hochzeitstages ist meine Frau dann gestorben. Also so sch\u00f6n konnte es eigentlich gar nicht sein, aber da habe ich eben auch etwas in der Ehe gelernt, um das vielleicht doch noch mal zu sagen: Ehe hat Geduld und was ich so Vorschu\u00dfvertrauen nenne &#8211; wir haben also wirklich &#8211; aber nat\u00fcrlich hat das Schwierigkeiten, nicht, denken Sie. Ich erinnere, meine Frau war ein Morgenmuffel, Sie wissen, was das ist, nicht? Wenn sie morgens aus dem Bett kam, war sie eine Hexe, und wenn sie ihren Kaffee getrunken hatte, ihre Zigarette geraucht hatte, dann war sie eine ganz liebenswerte Frau. Das h\u00e4tte ich, damals war ich schon Arzt, das h\u00e4tte ich ja wissen k\u00f6nnen. Es gibt also Leute, die haben einen sehr stabilen Blutzucker, wie ich also komischerweise. Ich brauche den ganzen Tag nichts zu essen, und es passiert gar nichts, aber bei vielen sinkt dann der Blutzucker ab, und dann werden sie also, unter Umst\u00e4nden, sogar zitterig, aber zun\u00e4chst mal missmutig, und das reflektieren sie nat\u00fcrlich nicht, sie reagieren nur so. Und nachdem ich das begriffen hatte, hat lange gedauert. Ich habe mich also viele Monate dar\u00fcber ge\u00e4rgert \u00fcber dieses Weib, was so nett und so liebevoll ist, und was morgens immer so unertr\u00e4glich ist. Als ich das dann wirklich begriffen habe &#8211; und da bin ich wieder bei einem seltsamen Ph\u00e4nomen. Es dreht sich doch um den Verstand, dass man manche Dinge auch durchdenkt, da fand ich das ganz lustig. Meine Frau aufgestanden und ich geguckt, na, was macht denn die alte Hexe &#8211; und dann ihr Kaffee, Zigarette und man sah richtig, wie sie aufbl\u00fchte und eine sch\u00f6ne Frau wurde. Ich k\u00f6nnte noch viele solche Geschichten erz\u00e4hlen, aber eben, es h\u00e4ngt eben an zwei Dingen &#8211; es h\u00e4ngt an dem, was ich Vorschussvertrauen nenne: das ich von Anfang an annehme, dass der andere recht hat, und ich w\u00fcrde sagen, in 99,99999 Prozent trifft das auch zu, nur ich merke das gar nicht, weil ich mich schon habe scheiden lassen, ehe ich das begriffen habe. Und so ist die Ehe f\u00fcr mich eine herrliche Zeit nat\u00fcrlich, aber letzten Endes nat\u00fcrlich auch eine gro\u00dfe Schule gewesen. Das Zusammenleben mit einem Menschen ist ein Geschenk, ein unbegreifliches Geschenk, aber auch eine Aufgabe. <\/p>\n<p>Ja, das \u00fcbertrage ich jetzt wieder auf die Kirche. Ich habe mich eigentlich in der orthodoxen Kirche also wirklich ganz wohl gef\u00fchlt. Ja, was habe ich an Theologie gelernt? Gar nicht. Durch das Gebet, wirklich nur &#8211; aber in den orthodoxen Ges\u00e4ngen und Gebeten ist wirklich die ganze Theologie vorhanden, wenn ich irgend einen Vortrag halte, dann sehe ich nat\u00fcrlich auch die klugen B\u00fccher nach, aber das brauche ich eigentlich nicht, sondern ich brauche nur die Liturgie und die ist unendlich, das sind immerhin so viele B\u00e4nde, in denen die ganzen Gottesdienste des Jahres aufgezeichnet sind, &#8211; da ist immer wieder &#8211; wenn sie an die Verkl\u00e4rung denken &#8211; die sch\u00f6ne Tropar, wo es hei\u00dft: Und der Herr offenbarte den J\u00fcngern seine Herrlichkeit auf dem Berge Tabor, damit sie, wenn er am Kreuze st\u00fcrbe, erkennen w\u00fcrden, dass es ein freiwilliges Leiden war. Und so k\u00f6nnte ich dutzende von solchen Dingen, in denen in ganz kurzen Merks\u00e4tzen beinahe &#8211; Troparien, Kondaktien, eben die ganze Weisheit der Theologie zusammengeflossen ist, gebetet wird &#8211; und davon habe ich eigentlich erst sp\u00e4t, so seit zehn Jahren, habe ich gelernt auch das evangelische und katholische Gesangbuch, gestern war ich in einer Baptistischen Kirche, das baptistische Gesangbuch darauf hin anzugucken, und da bin ich auch immer wieder ganz erstaunt, was in diesen Kirchenliedern an klarer, deutlicher Theologie drinsteht, an Verk\u00fcndigung des Glaubens in einer singbaren Form, aber gleichzeitig auch in einer rational ganz pr\u00e4zise durchdachten Form &#8211; und eben durch das Beten.<\/p>\n<p>Und dann nat\u00fcrlich durch das Gespr\u00e4ch &#8211; ich war damals einer der ganz wenigen orthodoxen Geistlichen, der also gut Deutsch sprach, infolgedessen wurde ich \u00fcberall eingeladen, und dann sollte ich etwas sagen. Erst hatte ich dann so Muffensausen, wie man sagt, weil ich dann so hochkar\u00e4tigen Professoren gegen\u00fcberstand, dann habe ich sicherlich anschlie\u00dfend beim Wein festgestellt, dass die das auch nur aus der Enzyklop\u00e4die Britannica hatten, was die da gesagt hatten, und dann bin ich etwas mutiger geworden. Und damals gab es ja alles noch nicht, Internet und diese Dinge, wo man sich ja wirklich leichter informieren konnte, sondern man musste das schon lesen oder eben &#8211; beten.<\/p>\n<p>Und dann habe ich unendlich viel gelernt durch die Beichte &#8211; nicht so sehr durch meine eigene Beichte, die ist auch gut &#8211; sondern bei uns beichten die Leute vorm Empfang des Abendmahls, und das Seltsame ist ja, dass, als ich Priester wurde, die Leute drei &#8211; viermal im Jahr zum Abendmahl gingen, obwohl wir ja bei jedem Gottesdienst das heilige Abendmahl feiern, also jeden Sonntag jedenfalls, und heute kommen sie praktisch alle. Das hat ihnen niemand beigebracht, das ist ja in allen Kirchen so, das eine die Kirchen durchziehende Begeisterung f\u00fcr das Abendmahl, und das bedeutet, dass wir dann also zwanzig, drei\u00dfig, vierzig Leute zur Beichte haben. Und dann habe ich eben in der Beichte das gelernt, was sozusagen Moraltheologie ist. Das ist manchmal, manche Leute haben alles aufgeschrieben, ich krieg da schon einen Schreck, wenn ich sehe, sie haben da drei gro\u00dfe Zettel mit, die sie dann vorlesen, damit sie nichts vergessen. Ich sage immer, es kommt nicht darauf an. Wenn du zum Arzt gehst, dann ist wichtig, dass du dem Arzt sagst, woran du leidest, da brauchst du nicht s\u00e4mtliche Einzelheiten deines Lebens aufzuf\u00fchren, aber es gibt immer noch, auch Orthodoxe, die eben glauben, nur die S\u00fcnden werden vergeben, die man bekannt hat &#8211; ganz gro\u00dfer Irrtum, Irrlehre, aber weitgehend verbreitet. <\/p>\n<p>Naja, und wenn man dann sieht, woran die Menschen leiden, und dann auch das Seltsame, wenn jemand immer wieder kommt, und immer wieder die selben Geschichten erz\u00e4hlt. Dann denkt man doch mal so als Seelsorger &#8211; eigentlich mal: Mein lieber Freund, mu\u00df das sein? Eine ganz harmlose Geschichte: \u201eVater Ambrosius, ich bin wieder bei Rot \u00fcber die Strasse gegangen\u201c &#8211; und das h\u00f6ren Sie dann n\u00e4chste Woche wieder, und so weiter und dann sagen Sie irgendwann: \u201eSag mal, mu\u00dft du denn bei Rot \u00fcber die Strasse gehen?\u201c \u2013 \u201eJa, mir ist dann so ums Herz, wissen sie, aber das ist ja auch nicht so schlimm\u201c.  \u2013 \u201eNein\u201c, \u2013 sage ich, \u2013 \u201eSchlimm ist das nicht, wenn keine Kinder daneben stehen\u201c. Aber wenn es dir wehtut, und da habe ich also erlebt, dass nat\u00fcrlich die Gebote und die Seligpreisungen und all das, was die Kirche sagt, f\u00fcr den Menschen wichtig ist, und dass jeder auf seine eigene Moralstruktur in sich tr\u00e4gt, und das ist genau wie f\u00fcr den Arzt eben auch wichtig ist, mit ihm \u00fcber diese Moralstruktur zu sprechen.<\/p>\n<p>Ja, ich habe schon sehr lange geredet, ich h\u00f6re auch gleich auf. <\/p>\n<p>Ich will eigentlich nur noch \u00fcber &#8211; geordnetes Gebetsleben und Fasten reden.<\/p>\n<p>Solche Art f\u00e4hrt nur aus durch Beten und Fasten. Man mu\u00df nicht unbedingt Fasten, in dem man nicht i\u00dft, man kann auch mal nur 50 in der Stadt fahren, oder man kann alles m\u00f6gliche machen, oder die Pfeife gerade mal weglegen, und mal eine Stunde nicht rauchen, aber das ist, irgendsolche Dinge in dem Leben geschehen, die ich nicht aus vern\u00fcnftigen Gr\u00fcnden mache, sondern um Gottes willen, oder weil ich mich vorbereite. Meine Mutter hat ja immer sehr viel, war Rezitatorin und hat viele Vortr\u00e4ge gehalten, noch wie sie 92 war, und die hat immer bis zum Vortrag den ganzen Tag gefastet, und erst hinterher etwas gegessen.<\/p>\n<p>So ordentlich bin ich nicht, aber ich habe das auch begriffen, unser Leben mu\u00df eben doch von meiner Liebe Gott so gepr\u00e4gt sein, dass auch ganz praktische Dinge meines Lebens sich darin auswirken. Am einfachsten ist nat\u00fcrlich, wenn man die Fastengebote einh\u00e4lt, das ist ganz praktisch, aber es geht eben auch auf sehr viel andere Weise.<\/p>\n<p>Und eben das Gebet. Ich hatte jetzt gerade eine Tagung in Kirchberg, und da habe ich dann \u00fcber die Versuchungsgeschichte gesprochen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, &#8211; ist das nicht an uns eine Frage: brauchst Du mehr Zeit zum Essen oder mehr Zeit zum Beten? Sie brauchen sie nicht zu beantworten, aber das ist doch eine fast unheimliche Frage. Ich rede jetzt nicht vom st\u00e4ndigen Gebet der orthodoxen Kirche, sondern einfach auch von klarer Gebetspraxis. Ich habe mir, je \u00e4lter ich wurde, immer mehr ganz angew\u00f6hnt, doch viele Stunden des Tages wirklich zu beten, auch wenn ich etwas anderes zu tun habe, weil ich einfach das Gef\u00fchl habe, das geh\u00f6rt zu unserem Sein, dies Gespr\u00e4ch mit Gott, dieses mit Ihm reden, mit Jesus Christus, sich ihm zuwenden, ihm zuh\u00f6ren, auch mal im Gebet darauf achten, sich immer wieder dar\u00fcber wundern, und auch den Mut zu fassen, zu beten: Dein Wille geschehe &#8211; wem gebe ich denn sonst eine blanko Vollmacht f\u00fcr mein Leben, au\u00dfer Gott, wenn ich sage: Dein Wille geschehe, weil dieses Gebet so wichtig ist. <\/p>\n<p>Und eines dieser orthodoxen Gebete, und damit will ich dann auch schlie\u00dfen, ist etwas, was so mein Leben gepr\u00e4gt hat. Das wird in der Fastenzeit mehrmals am Tage von allen gebetet, aber das kann man immer beten:<br \/>\nHerr und Gebieter meines Lebens den Geist des M\u00fc\u00dfigganges, der Herrschsucht, der Schwatzhaftigkeit und der Verzagtheit nimm von mir, den Geist aber der Keuschheit, der Demut, der Geduld und der Liebe gib mir, Deinem Kinde.  <\/p>\n<p>Herr, K\u00f6nig, la\u00df mich meine S\u00fcnden erkennen und nicht meinen Bruder richten, denn hochgelobt bist Du in allen Ewigkeiten.<\/p>\n<p>Amen.<br \/>\nVielen Dank.     <\/p>\n<p><center><br \/>\n<a href=https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius>https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius<\/a><br \/>\n<\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. med. Arnold\/Ambrosius Backhaus geb. 23.August 1923 gestorben am 3.April 2005 Ich m\u00f6chte Ihnen zun\u00e4chst eine ganz einfache Geschichte erz\u00e4hlen. 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