{"id":424,"date":"2005-09-13T21:28:41","date_gmt":"2005-09-13T19:28:41","guid":{"rendered":"http:\/\/hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/prokop-der-selige-narr-aus-lubeck-und-ustjug\/424.html"},"modified":"2005-09-17T10:21:39","modified_gmt":"2005-09-17T08:21:39","slug":"prokop-der-selige-narr-aus-lubeck-und-ustjug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/prokop-der-selige-narr-aus-lubeck-und-ustjug\/424.html","title":{"rendered":"Prokop  &#8211; der selige Narr aus L\u00fcbeck und Ustjug"},"content":{"rendered":"<p>Ambrosius Backhaus<br \/>\n(23.08.1923 &#8211; 03.04.2005)<\/p>\n<p>Die Hansekapit\u00e4ne und Hansekaufleute waren in allen L\u00e4ndern um die Ostsee und die Nordsee zu Hause.<br \/>\n<img src='https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-content\/sprkust.jpg' alt='' \/><br \/>\nNovgorod war schon fr\u00fch ein Ziel der Koggen aus Schweden und L\u00fcbeck;  1190 wird der erste Vertrag mit dem F\u00fcrsten Jaroslav abgeschlossen, um 1200 die Kirche St. Peter gebaut und bald ein Kontorhaus errichtet.<br \/>\nWenige Jahre danach brach ein junger L\u00fcbecker Kaufmann mit drei Koggen nach Novgorod auf. Heute sehen wir noch eine dieser Koggen im L\u00fcbecker Hafen. Farbig wehte die Flagge am Heck und der Wind w\u00f6lbte die gro\u00dfen, wei\u00dfen Segel. <!--more--><\/p>\n<p>Wohl schon als Junge war er mit den Schiffen seines Vaters nach Osten gefahren, nun aber f\u00fchrte er selbst die Schiffe \u00fcber das Meer, und der Abschied war herzlich und die ganze Familie war in L\u00fcbeck im Patrizierhaus mit dem Giebel der Hansest\u00e4dte versammelt. Noch ahnte niemand, da\u00df es ein Abschied f\u00fcrs Leben war.<\/p>\n<p>Die Hansekaufleute kannten keine Trennung der einen Kirche des Herrn Jesus Christus, und so besuchte der junge Kaufherr gerne die orthodoxe Kirche am gro\u00dfen Platz in Novgorod. Hier traf er den heiligen Varlaam (gestorben 1192). Das Leben des heiligen Varlaam und manche Gespr\u00e4che erf\u00fcllten sein Herz mit der Liebe zu Christus und dem in ihm wachsenden Verlangen Christus nachzufolgen. Jahre sp\u00e4ter h\u00f6rte der junge Mann, als das Evangelium gesungen wurde, die Worte des Herrn, als ob sie ganz  nur f\u00fcr ihn gesprochen wurden:<br \/>\nVerkaufe alles, was du hast, und gib&#8217;s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! (Lukas 18,22)<\/p>\n<p>Alles verkaufte er und verteilte alles, was ihm blieb, an die Armen. Vom Platz in der Mitte der Stadt, auf dem er sich von allem Besitz getrennt hatte, kehrte er in die Kirche zur\u00fcck und bat, als M\u00f6nch aufgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Das strenge Leben und die Entbehrungen im Kloster schienen ihm leicht, war er doch von ganzem Herzen gl\u00fccklich, allein dem HERRN nachzufolgen.<\/p>\n<p>Nach einer dem\u00fctigen Zeit im Kloster im langen Gewande des M\u00f6nches bat er den Abt, da\u00df er auch die Geborgenheit des Klosters verlassen d\u00fcrfe, um ganz allein, als Narr in Christo, durch das weite russische Land zu ziehen.<\/p>\n<p>Er trug drei schwere Eisenst\u00e4be, wie sie damals die Schornsteinfeger zum Reinigen der Kamine benutzten, denn er wollte etwas auf seinen Schultern f\u00fchlen und immer daran denken:<\/p>\n<p>Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (Markus 8,34)<\/p>\n<p>So wanderte er betend und fastend nach Osten. Das Gebet: \u201eJesus Christus, Sohn Gottes, erbarme DICH \u00fcber mich S\u00fcnder.\u201c t\u00f6nte unabl\u00e4ssig in seinem Herzen. So kam er nach Ustjug. <\/p>\n<p>Er suchte keine Herberge und betete zwischen den B\u00e4umen an einem kleinen Bach, dem Fl\u00fc\u00dfchen Suchona, nicht fern von der Stadt.<\/p>\n<p>Wenn er leise betend durch die Stadt ging, sagte er jedem, den er traf: \u201eKehrt euch um zu Christus! Tut Bu\u00dfe! Das Himmelreich ist nahe!\u201c Oft h\u00f6rten die Menschen der Stadt diese Worte unwillig und \u00e4rgerten sich, da\u00df dieser Deutsche, dem man das Fasten ansah, sie immer wieder zu Christus rief; meinten sie doch, erst einmal wichtigere Dinge erledigen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>So \u00f6ffnete in einem sehr kalten Winter niemand dem Narren, der den Namen eines griechischen Narren aus Griechenland, PROKOP, trug, seine T\u00fcr. Den Tod durch den t\u00f6dlichen Frost erwartend ging er mit schwachen Schritten zur Kirche und hob betend seine H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Da erf\u00fcllt ihn eine milde W\u00e4rme mitten im Winter, und er sp\u00fcrte die Liebe Christi mitten im Schnee, die ihn im Winter w\u00e4rmend umh\u00fcllte.<\/p>\n<p>Der Sommer kam sp\u00e4t mit vielen Blumen, und Prokop sp\u00fcrte im Geiste, da\u00df ein riesiger Meteor auf die Stadt zuflog. Er kniete nieder zum Gebet an dem kleinen Fl\u00fc\u00dfchen, das ihm schon vertraut war, und betete dem\u00fctig und ohne Unterla\u00df. Dunkle Wolken zogen sich am Himmel zusammen, und Prokop eilte in die Stadt, die Bewohner zum Gebet und zum Fasten zu rufen. Als der Himmel immer drohender aussah, begannen alle in der Stadt mit ihm zu beten und zu fasten, Menschen und Tiere, wie in Ninive. (Jona 3, 5-8)<\/p>\n<p>Der Herr erbarmte sich \u00fcber die Stadt, wie ER sich \u00fcber Ninive erbarmt hatte (Jona 3,10), und der Meteor schlug fast drei\u00dfig Kilometer entfernt in der Ein\u00f6de auf die Erde. Den riesigen Krater sieht man noch heute.<br \/>\nZur gleichen Zeit flo\u00df duftendes \u00d6l aus der Ikone der Gottesgeb\u00e4rerin und Immerjungfrau Maria, vor der alle mit Prokop gebetet hatten.<\/p>\n<p>\u201eSolche Art f\u00e4hrt nur aus durch Beten und Fasten (Matth\u00e4us 17, 21)\u201c, hatte der Herr Seinen J\u00fcngern gesagt. So blieb Prokop st\u00e4ndig im Gebet und in der F\u00fcrbitte f\u00fcr die Menschen, die Tiere und die ganze Stadt. Seine Demut trug Frucht und die Menschen begannen, auf ihn zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Als Prokop einmal durch die Stra\u00dfen ging, sah er ein kleines M\u00e4dchen. Maria. Und mit einmal erkannte er in seinem Herzen, da\u00df dieses M\u00e4dchen die Mutter eines gro\u00dfen Heiligen, des heiligen Stephan, Bischof von Perm, werden w\u00fcrde. Mitten auf der Stra\u00dfe fiel er zum Erstaunen aller, die das sahen, vor dem Kind auf die Knie. Zur Zeit des Kniefalles gab es in Perm keine Christen, keine Kirche und keinen Bischof. Erst Jahrzehnte sp\u00e4ter, als Perm Bischofssitz geworden war, erinnerten sich viele daran und verstanden nun den t\u00f6richten Kniefall des seligen Prokop auf der Stra\u00dfe der Stadt. <\/p>\n<p>Als Prokop f\u00fchlte, da\u00df sein Tod bevorstand, betete er und beichtete im Kloster der allheiligen Gottesgeb\u00e4rerin und des Erzengels Michael und verabschiedete sich von seinen Freunden, betete mit ihnen und segnete sie.<br \/>\nNahe der Kirche des heiligen Erzengels Michael bei einer Br\u00fccke legte er sich nieder und wartete geduldig und voller Freude, bis der Herr ihn in die ewige Herrlichkeit rief: am 8. Juli 1303 (21. Juli neuen Stiles)<\/p>\n<p>Unter einer Schneewehe verborgen lag der Leib drei Tage nahe der Kirche, bis der Schnee taute und die Menschen den seligen Prokop fanden und in die Kathedralkirche trugen. Nach seinem Wunsch gruben sie ihm sein Grab bei dem Stein, auf dem er oft im Gebet gesessen hatte. Heute steht dort eine Kirche und viele Menschen kommen zu seinem Sarg, der unter einem goldenen Baldachin steht.<\/p>\n<p>So sehen wir den seligen Prokop auf der Ikone, umgeben von kleinen Bildern, die uns von seinem Leben erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Der Name Prokop kommt aus dem Griechischen und bedeutet urspr\u00fcnglich: das Schwert am Griff haltend, d.h. bereit sein, \u00fcbertragen: immer auf Gott h\u00f6ren und bereit sein, nach Gottes Wort und Willen zu leben, zu handeln und zu sprechen.<\/p>\n<p>Das zweite Festlied, Kontakion im 4. Ton, aus dem Akathistos, dem Lobpreis des seligen Prokop lautet:<\/p>\n<p>\u201eDurch die Narrheit um Christi willen durchquertest du auf den H\u00e4nden der Engel ungehindert die Zollstellen zwischen der Erde und dem Himmel, wurdest der Schau des Thrones gew\u00fcrdigt, und Christus, der K\u00f6nig aller, empfing dich und schenkte dir heilende Gnade.<\/p>\n<p>Durch deine vielen Wunder und seltsamen Zeichen aber erstauntest du alle in der Stadt Velikij-Ustjug.<br \/>\nDa du deinem Volk Erbarmen erflehtest, ging aus dem kostbaren Bild der allheiligen Gottesgeb\u00e4rerin durch dein Gebet Myron (\u00d6l) hervor, und Kranken wurde Heilung zuteil. So bitten wir dich, Wundert\u00e4ter Prokop, erflehe von Christus Gott unabl\u00e4ssig Vergebung f\u00fcr unsere S\u00fcnden.\u201c<\/p>\n<p>Namenstag am 8. Juli (21. Juli neuen Stiles)<br \/>\nSchutzheiliger der orthodoxen russischen Kirche in L\u00fcbeck und Hamburg.<\/p>\n<p><center><br \/>\n<a href=https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius>https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius<\/a><br \/>\n<\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ambrosius Backhaus (23.08.1923 &#8211; 03.04.2005) Die Hansekapit\u00e4ne und Hansekaufleute waren in allen L\u00e4ndern um die Ostsee und die Nordsee zu Hause. Novgorod war schon fr\u00fch ein Ziel der Koggen aus Schweden und L\u00fcbeck; 1190 wird der erste Vertrag mit dem F\u00fcrsten Jaroslav abgeschlossen, um 1200 die Kirche St. Peter gebaut und bald ein Kontorhaus errichtet. 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