{"id":420,"date":"2005-09-13T21:10:41","date_gmt":"2005-09-13T19:10:41","guid":{"rendered":"http:\/\/hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/mission-und-bestandigkeit-der-gottesdienstform\/420.html"},"modified":"2006-03-08T14:45:26","modified_gmt":"2006-03-08T12:45:26","slug":"mission-und-bestandigkeit-der-gottesdienstform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/ambrosius-backhaus\/mission-und-bestandigkeit-der-gottesdienstform\/420.html","title":{"rendered":"Mission und Best\u00e4ndigkeit der Gottesdienstform"},"content":{"rendered":"<p>Ambrosius Backhaus<\/p>\n<p>Breklum<br \/>\n27. Februar 2004<\/p>\n<p>Die Verk\u00fcndigung der Frohen Botschaft hat viele Formen. Der Herr Jesus Christus redet vom Schiff, wenige Meter vom Lande, zu einer gro\u00dfen Menge; ER spricht mit der Frau am Brunnen in Samarien in der Hitze des Mittags, ER sieht den Kranken am Teiche Bethesda und den Z\u00f6llner Zach\u00e4us auf dem Baum und redet ganz pers\u00f6nlich zu ihnen. ER begegnet Maria von Magdala in der N\u00e4he des Grabes und tritt durch verschlossene T\u00fcren zu den J\u00fcngern; ER gedenkt des Thomas und erscheint nach acht Tagen wiederum den versammelten J\u00fcngern, Thomas in ihrer Mitte; ER spricht zu dem zweifelnden Nathanael und h\u00f6rt die Bitte des Hauptmanns von Kapernaum. <!--more--><\/p>\n<p>Ebenso vielgestaltig berichtet die Apostelgeschichte von der Predigt des Petrus am Pfingsttage und von der Anrede an Saulus auf dem Weg nach Damaskus; ER schickt den Philippus dem K\u00e4mmerer aus dem Mohrenland, und die Apostel h\u00f6ren den Ruf der Gemeinde, die den Heiligen Geist noch nicht empfangen hatte.<\/p>\n<p>Das sind nur wenige Beispiele der unersch\u00f6pflichen F\u00fclle der Wege, auf denen das Evangelium verk\u00fcndet, wirksam verk\u00fcndet wird. In der Geschichte der Kirche sind die Formen ebenso vielf\u00e4ltig. Nina bringt die Kunde von Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn nach Georgien, indem sie in der N\u00e4he der Hauptstadt in einer kleinen H\u00fctte bei offenen T\u00fcren betet und die Gottesdienste der Kirche singt.<\/p>\n<p>Nur noch ein Beispiel: die Glocken, die von den Muslimen als ein typisch christlicher Ruf zum Gebet und zum Glauben empfunden werden. Paulus redet von dem \u201et\u00f6nenden Erz und der klingenden Schelle&#8220;; die fr\u00fche Kirche sah in den Glocken ein Zeichen heidnischer Verk\u00fcndigung. Aus dem fernen Osten kam die Glocke neu nach Ru\u00dfland, dem glockenreichen Land, \u00fcber Skandinavien nach Europa, und heute rufen die Glocken der Kirchen zum Gebet und zum Glauben. Auf dem Athos ruft das Simandron, die dumpfe h\u00f6lzerne \u201eGlocke&#8220;, zum Gebet in die Kirche.<\/p>\n<p>Genug der Beispiele, die sich in jeder Gestalt der Kirche durch immer neue Gestalt der Verk\u00fcndigung vermehren lassen:<\/p>\n<p>Das Wort allein ohne Bild und Zeichen; das Bild in der Ikone als sichtbares Bekenntnis zur Menschwerdung Gottes in Christus, die Krankenheilung als Zeichen, da\u00df Christus der Herr ist und seiner Gemeinde die Vollmacht schenkt, Kranke zu heilen.<\/p>\n<p>Die orthodoxen Kirchen haben erfahren, vor allem in den Zeiten der Verfolgung durch Tataren, durch den Islam, durch den sowjetischen Staat, da\u00df die Best\u00e4ndigkeit des Gottesdienstes der Kirche mit allen dazu geh\u00f6renden Formen den Glauben durch die Zeit tr\u00e4gt, auch wenn die Kirche bedr\u00e4ngt wird und das Wort der Predigt und der Verk\u00fcndigung unterdr\u00fcckt wird und unter der Macht der Gegner der Kirche fast v\u00f6llig verstummen mu\u00df.<\/p>\n<p>Die in Jahrhunderten gereifte Form des Gottesdienstes, der gro\u00dfen Liturgien des Abendmahles und der Gottesdienste, die vom Abend \u00fcber die Mitternacht bis zur Todesstunde des Herrn in Wort, Gesang und Zeichen den Glauben verk\u00fcnden, haben alle Verfolgungen \u00fcberstanden. Da wird das Stehen in der Kirche und das Kopftuch der Frau zur schweigenden, aber deutlichen Verk\u00fcndigung, da\u00df der Herr K\u00f6nig ist und Christus auch die unscheinbaren Kleinigkeiten des Lebens zum Zeichen Seiner Liebe und Gegenwart werden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Die \u00fcbervollen Weihnachtsgottesdienste sprechen eine deutliche Sprache: Der Kirchenferne, der nur Weihnachten in die Kirche kommt, erwartet immer wieder die gleiche Feier, die gleiche Verk\u00fcndigung, auch wenn er dem Inhalt der Botschaft kein besonderes Interesse abgewinnen kann. Neuerungen verwirren ihn und vielleicht kommt er das n\u00e4chste Jahr nicht wieder. Die im Grundentwurf immer gleichen Weihnachtsgottesdienste sind zun\u00e4chst ein \u00e4u\u00dferlicher Anla\u00df, in die Kirche zu kommen, aber zugleich ein best\u00e4ndiger Anla\u00df bei dem &#8211; zu Weihnachten &#8211; auch viel Volkstum das Verhalten der nur Kirchensteuer zahlenden Christen bestimmt.<\/p>\n<p>Griechen stehen in der Fr\u00fchlingssonne drau\u00dfen vor der Kirche, rauchend, und sind zufrieden, da\u00df ihre Liturgie gefeiert wird &#8211; ein extremes Beispiel, das wieder betont, wie wichtig ein best\u00e4ndiger Gottesdienst ist, wo man immer wei\u00df, was geschieht und geschehen wird.<\/p>\n<p>Wobei unsere Verk\u00fcndigung ihre Kraft daher nimmt, da\u00df wir \u201ewieder und wieder&#8220; die gro\u00dfen Taten Gottes verk\u00fcnden, die \u00fcber unser Verstehen hinaus gehen, die uns aber gl\u00fccklich, selig machen. <\/p>\n<p>Diese Gestalt des Gottesdienstes ist gewachsen, in Jahrhunderten gereift. Die gro\u00dfen Liturgien der orthodoxen Kirche &#8211; benannt nach Johannes Chrysostomos, Basilius dem Gro\u00dfen und Gregor dem Dialogen &#8211; sind zu ihrer heutigen Form herangereift, und jedes orthodoxe Volk hat nicht nur seine Sprache, sondern oft auch Besonderheiten in kleinen Varianten der Gottesdienste.<\/p>\n<p>Auch wo eine neue Form entsteht, bedarf es langer Zeit, vieler Jahre, bis sie f\u00fcr die Gemeinde, gerade f\u00fcr die seltenen Kirchg\u00e4nger, etwas Vertrautes wird, auf die man sich verlassen kann. Die Ausnahme ist der gemeinsame Gottesdienst heute noch getrennter Kirchen, f\u00fcr den wir die Kraft des Heiligen Geistes erbitten und wo wir tastend suchen eine Gestalt zu finden, die wir gemeinsam, jeder in der Gewi\u00dfheit seines Glaubens und seines Lebens in der Gemeinde &#8211; seiner Tradition -, miteinander feiern. Gewinnt dieser Gottesdienst Best\u00e4ndigkeit, so wird er zum Mittelpunkt einer wachsenden Gemeinde aus allen Kirchen (wie die St. Ansgar-Vesper in Hamburg)<\/p>\n<p>Der uns anvertraute Ruf der Verk\u00fcndigung ist einfach und in jede Sprache zu \u00fcbersetzen:<\/p>\n<p>GOTT liebt uns &#8211; GOTT ist um unseres und um unseres Heiles willen Mensch geworden -, geboren in Bethlehem; getauft im Jordan, da sich Gott als der Dreifaltige Gott offenbarte; gelebt in unserer Mitte; gekreuzigt, gestorben, auferstanden von den Toten; uns gegenw\u00e4rtig in leiblicher N\u00e4he in den heiligen Mysterien, zuerst in der Taufe und im Abendmahl.<\/p>\n<p>Die Best\u00e4ndigkeit, stabilitas, des Gottesdienstes und des Gebetes ist die Mission der orthodoxen Kirche in der Welt des Unglaubens, der Kirchenferne und der Verfolgung. Dem zur Seite steht die Predigt. Wer Stunden im Gottesdienst gestanden hat, erinnert sich an die Predigt, die das Gebet begleitet. In der Predigt h\u00f6rt die Gemeinde immer neu, wie der Prediger seinen pers\u00f6nlichen Glauben, seine pers\u00f6nliche Erfahrung mit dem auferstandenen Herrn der Gemeinde sagt. Im Russischen kann man f\u00fcr \u201epredigen&#8220; auch sagen: \u201edas Wort sagen&#8220;.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des Gottesdienstes findet der Gl\u00e4ubige im Priester den Menschen, der in der Vollmacht Christi f\u00fcr ihn betet und sein Tun, sein Haus und sein Werk segnet. Ob sich der Mann ein Auto kaufen geht, oder ob die Frau vor einer Pr\u00fcfung steht &#8211; sie werden den Priester um seine F\u00fcrbitte bitten, auch per Telefon, Fax oder e-mail. Das bedeutet, da\u00df die Kirche in ihren Dienern st\u00e4ndig erreichbar ist. Die st\u00e4ndige Erreichbarkeit ist sicher ein neu zu erreichendes Ziel, aber da\u00df sie ein Ziel ist, ist eine Kraftquelle der Mission. Gerade der Kirchenferne ist entt\u00e4uscht und zur\u00fcckgesto\u00dfen, wenn er bei der Gemeinde anruft und auf die B\u00fcrozeiten verwiesen wird. Das Verlangen nach und die M\u00f6glichkeit zu einem geistlichen Gespr\u00e4ch l\u00e4\u00dft sich nicht in B\u00fcrozeiten beantworten. Die st\u00e4ndige Gegenwart der Kirche in ihren Menschen, nicht nur den Pfarrern, f\u00fcr eine jede und einen jeden, ist &#8211; ich wiederhole &#8211; die gro\u00dfe Kraftquelle der Mission. Hier ist uns eine Vollmacht anvertraut, die wir keinen Augenblick unter den Scheffelstellen sollen; das m\u00f6ge trotz unserer Schw\u00e4che ein unabl\u00e4ssiges Ziel und Verlangen sein.<\/p>\n<p>Ein Christ hat keinen Urlaub. Best\u00e4ndigkeit im Gebet und im Gottesdienst und ein immer waches Herz f\u00fcr den N\u00e4chsten, auch in seinen kleinen und unwichtigen N\u00f6ten, ist uns anvertraut, da\u00df wir immer und \u00fcberall den Herrn verk\u00fcnden mit den Worten der letzten Anrufungen jedes Gottesdienstes:<\/p>\n<p>\u201eEhre sei DIR, Christus, unser Gott, unsere Hoffnung, Ehre sei DIR.&#8220;<\/p>\n<p>Ambrosius Backhaus<br \/>\n(23.08.1923 &#8211; 03.04.2005)<\/p>\n<p><center><br \/>\n<a href=https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius>https:\/\/www.hamburg-hram.de\/ambrosius<\/a><br \/>\n<\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ambrosius Backhaus Breklum 27. Februar 2004 Die Verk\u00fcndigung der Frohen Botschaft hat viele Formen. 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