{"id":1206,"date":"2020-07-27T19:31:45","date_gmt":"2020-07-27T17:31:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/?p=1206"},"modified":"2020-12-03T21:58:35","modified_gmt":"2020-12-03T19:58:35","slug":"predigt-von-vater-sergij-vom-19-7-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/tagesbuch\/predigt-von-vater-sergij-vom-19-7-20\/1206.html","title":{"rendered":"Predigt von Erzpriester Sergij Baburin vom 19.7.20"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/nx3012.your-storageshare.de\/s\/Xoptx55TLA7sCwx\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Predigt von Vater Sergij vom 19.7.20<\/p>\n\n\n\n<p>Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.<br \/>Einen frohen Sonntag, liebe Br\u00fcder und Schwestern! Heute m\u00f6chte ich ein<br \/>paar Worte sagen zu dem Auszug aus dem R\u00f6merbrief, den wir w\u00e4hrend der<br \/>Liturgie geh\u00f6rt haben. Apostel Paulus hat ihn an die R\u00f6mer geschrieben.<br \/>Und zuerst muss man dazu sagen, dass die r\u00f6mische urchristliche Gemeinde<br \/>selbst f\u00fcr uns schon von gro\u00dfem Interesse ist. Denn einerseits war es<br \/>die gr\u00f6\u00dfte Gemeinde, es war die Gemeinde der Hauptstadt des R\u00f6mischen<br \/>Reichs. Und es war die Gemeinde, die die Hinrichtung der Apostelf\u00fcrsten<br \/>Petrus und Paulus mitgekriegt hatten. Und anderseits war es eine der<br \/>ersten Gemeinden, die vollst\u00e4ndig aus Heiden bestand. Wir wissen aus der<br \/>antiken Kirchengeschichte, dass die ersten christlichen Gemeinden<br \/>gew\u00f6hnlich auf der Grundlage verschiedener Synagogen gebildet wurden.<br \/>Die j\u00fcdische Diaspora war riesig und konzentrierte sich in allen gro\u00dfen<br \/>St\u00e4dten des R\u00f6mischen Reichs in Synagogen. Und gew\u00f6hnlich kamen die<br \/>Apostel eben an diese Orte und predigten in ihrer Muttersprache den<br \/>eigenen Leuten von Christus. Dabei st\u00fctzten sie sich auf prophetische<br \/>Schriften, die allen Teilnehmern wohl bekannt und teuer waren. Die<br \/>r\u00f6mische Gemeinde war anders, denn anfangs, ja, da gab es in ihr noch<br \/>viele Juden. Aber wir wissen aus der Geschichte, dass im Jahre 50 der<br \/>Imperator Claudius alle Juden aus Rom vertrieben hat. Deswegen bestand<br \/>diese Gemeinde fortan ausschlie\u00dflich aus Heiden. F\u00fcr diese Menschen<br \/>musste die Lehre von Christus auf ganze andere Art aufbereitet werden.<br \/>In dem Sinne, dass, ungeachtet dessen, dass Er im j\u00fcdischen Volk geboren<br \/>wurde und Teil war dieser interessanten und an Kultur reichen Ethnie, Er<br \/>trotzdem au\u00dferhalb jeglicher Ethnie eine universelle Lehre verbreitete,<br \/>die sich an die Seele und das Bewusstsein eines jeden Menschen richtet,<br \/>unabh\u00e4ngig von seiner Nationalit\u00e4t. Apostel Paulus konnte, obwohl er<br \/>sein Leben in Rom beendet hat, sich in Rom nicht oft aufhalten. Darum<br \/>enth\u00e4lt der R\u00f6merbrief auf bestimmte Weise in Kurzform, thesenhaft die<br \/>ganze christliche Grundlehre, so, wie Apostel Paulus sie verstand und<br \/>den Menschen brachte. Deshalb ist der R\u00f6merbrief besonders interessant,<br \/>denn er enth\u00e4lt sein Bekenntnis zu Christus. Noch f\u00fcr das heutige<br \/>Bewusstsein ist das 12. Kapitel, das wir heute geh\u00f6rt haben, ein<br \/>erbauliches. Nach der Kl\u00e4rung einiger schwieriger Momente, erbaut<br \/>Apostel Paulus die Gemeinde. Er erbaut sie, damit sie in Frieden lebe,<br \/>dass kein Streit herrsche, es keine Konkurrenz gebe. Denn das ist die<br \/>hauptst\u00e4dtische Gemeinde. Das sind wohlhabende, gebildete Menschen, die<br \/>es gewohnt waren, ihr t\u00e4gliches Leben in Konkurrenz um Vorherrschaft und<br \/>Macht zu verbringen. Und all diese Prozesse beginnen auch in dieser<br \/>urchristlichen r\u00f6mischen Gemeinde. F\u00fcr uns ist das sehr wichtig, denn<br \/>wir verstehen, dass die Probleme, die diese antike Gemeinde hatte, auch<br \/>wir haben. Der Mensch hat sich nicht besonders ver\u00e4ndert in dieser Zeit.<br \/>Apostel Paulus beginnt das 12. Kapitel damit, dass wir alle es n\u00f6tig<br \/>haben, uns selbst vollkommen zu einem reinen Opfer zu umzubilden.<br \/>Dieses Selbstverst\u00e4ndnis, das uns Apostel Paulus vorschl\u00e4gt, ist f\u00fcr<br \/>sich genommen schon sehr besonders und bemerkenswert. Denn ein Opfer<br \/>wird Gott rein gegeben, und das, was Gott gegeben wurde, das ist schon<br \/>Seins, g\u00f6ttlich geworden. Und Apostel Paulus schl\u00e4gt jedem von uns vor,<br \/>dass wir uns f\u00fchlen sollen, als w\u00fcrden wir selbst Gott geopfert werden.<br \/>Wir geh\u00f6ren schon nicht mehr uns selbst, sondern Gott, wie er an einer<br \/>anderen Stelle sagt: \u201eteuer erworben\u201c. (Kor. 6,20) Dar\u00fcber, was es<br \/>bedeutet ein Opfer Gottes zu sein, schreibt auch der Heilige Johannes<br \/>Chrysostomus. Als reines Opfer m\u00fcssen wir auch unsere Augen, so hei\u00dft es<br \/>dort, vom B\u00f6sen und Unreinen abwenden. Dann wird die T\u00e4tigkeit unserer<br \/>Augen zum reinen Opfer. Unsere Worte, unsere Lippen, m\u00fcssen das Gute<br \/>aussprechen, das Segensreiche, Rettende und Friedliche. Dann wird unser<br \/>Mund zur Darbringung des Opfers. Unsere H\u00e4nde m\u00fcssen sich nach dem Guten<br \/>ausstrecken. Dann werden sie zum Brandopfer. Aber er bleibt nicht dabei<br \/>stehen. Nat\u00fcrlich ist das Opfer im traditionellen Verst\u00e4ndnis schon von<br \/>toter Substanz. Auch wenn es ein reines Opfer war, so wurde es doch,<br \/>bevor es geopfert wurde, get\u00f6tet. Wir aber sind ein lebendiges Opfer.<br \/>Und darum m\u00fcssen wir Leben schaffen. Nicht nur das B\u00f6se meiden, sondern<br \/>im Gegenteil, so sagt er, sollen unsere Lippen Gutes und Segensreiches,<br \/>unsere H\u00e4nde Licht verbreiten und unsere Ohren Gottes Wort vernehmen<br \/>lernen. In so bildhafter Sprache schreibt der Heilige Johannes<br \/>Chrysostomus \u00fcber dieses Fragment des Paulusbriefes.<br \/>Weiter schreibt er auch sehr interessant im Widerschein eines alten<br \/>Streits. Denn auch heute gibt es, wie ihr wisst, eine Menge christlicher<br \/>charismatischer Gemeinden. F\u00fcr unser Bewusstsein ist das nat\u00fcrlich<br \/>schwer mit anzusehen, wie Menschen in Wahnsinn verfallen, beginnen zu<br \/>schreien, seltsame Handlungen auszuf\u00fchren, Laute von sich zu geben, und<br \/>das dann Wirkungen des Heiligen Geistes nennen, meinen, dass der Geist<br \/>durch sie spreche. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir dieses Problem nicht einfach so<br \/>beiseite schieben. Denn in der Urkirche gab es so etwas. Was war das<br \/>denn damals? &#8211; Wir sehen, dass es eine Gabe der ersten Jahre der<br \/>christlichen Kirche war. Und wir erinnern uns, dass es in der<br \/>Apostelgeschichte hei\u00dft, dass jeder Mensch die Apostel und deren Sprache<br \/>verstand. Und wir verstehen aus der Apostelgeschichte heraus, dass diese<br \/>Gabe in der Urkirche den Menschen zeigen sollte, dass die Predigt sich<br \/>nicht auf eine Sprache beschr\u00e4nkt, auf eine Ethnie oder eine Kultur,<br \/>sondern dass jeder Mensch die Botschaft Christi in seiner Sprache h\u00f6ren<br \/>kann. Und sie haben sie geh\u00f6rt und verstanden. Trotzdem bleibt f\u00fcr uns<br \/>diese urchristliche Gabe wohl in ihrer umfassenden Bedeutung verborgen,<br \/>aber wir verstehen, wenn wir diese Schriften lesen, dass es einige<br \/>prinzipielle Momente gibt: wir sehen, dass es sich nicht immer um eine<br \/>fremde Sprache handelte. Oft waren es Unterweisungen in den Themen, die<br \/>f\u00fcr den Tag vorgesehen waren, Lesungen alter Propheten und Schriften,<br \/>von Menschen so vorgetragen, dass die H\u00f6rer sp\u00fcrten, dass in deren<br \/>Herzen der Heilige Geist wirksam war. Es war eine Form des Lehrens, eine<br \/>Erbauung aller Menschen. Es gab Momente, in denen ein Mensch tats\u00e4chlich<br \/>in einer besonderen Sprache sprach, und ein anderer dies deutete. Das<br \/>kann man auch finden als Erinnerung. Aber diese Gabe verschwindet sehr<br \/>schnell wieder in der Kirche. Und&nbsp; schon Apostel Paulus sagt, indem er<br \/>sich auf eben diese Erscheinungen bezieht, dass alles gesittet und wohl<br \/>geordnet vor sich gehen solle. Denn oftmals verfielen die Menschen in<br \/>Aufruhr, wie man sich gut vorstellen kann, jeder begann herum zu<br \/>schreien, jeder wollte etwas sagen, und die allgemeine Struktur des<br \/>Gottesdienstes wurde verletzt. Deshalb verurteilt Apostel Paulus die<br \/>Christen, die sich dieser Gabe hingeben. Und in der heutigen Schrift,<br \/>und das ist sehr interessant, sagt Apostel Paulus, dass jeder Christ<br \/>seine besondere Gabe habe. Mit dieser Gabe soll er Gott dienen.<br \/>Nat\u00fcrlich hat keiner das Recht sich seiner Gabe zu r\u00fchmen, denn eine<br \/>Gabe ist eben eine Gabe, etwas Gegebenes, Geschenktes, und kein<br \/>pers\u00f6nliches Verdienst des Menschen. Interessanterweise nennt Apostel<br \/>Paulus nun als erste die Gabe der Prophetie, aber er sagt \u201eer rede in<br \/>\u00dcbereinstimmung mit dem Glauben\u201c (R\u00f6mer 12,6). Denn Apostel Paulus, als<br \/>diese Gabe noch existierte, und auch in der r\u00f6mischen Gemeinde noch<br \/>vorhanden war, begrenzt sie hiermit schon. Auch dort gab es St\u00f6rungen.<br \/>Er sagt, Prophetie sei nicht einfach der Wunsch sich auszusprechen, mit<br \/>sch\u00f6ner Rede zu gl\u00e4nzen &#8211; denn es ist in der Hauptstadt, nat\u00fcrlich waren<br \/>die Menschen gebildet -, sondern es ist eine Gabe des Glaubens, tiefen<br \/>Glaubens. Und weiter schreibt er, dass es nicht m\u00f6glich ist, damit<br \/>anzugeben, sich \u00fcber andere zu erheben. Dieses verborgene Moment<br \/>enth\u00fcllt sich in dieser Botschaft, dass hier der Glaube zugrunde liegen<br \/>muss.<br \/>Aber ich w\u00fcrde wohl gerne den Text vorlesen (R\u00f6mer 12,6-14), weil<br \/>bestimmte Dinge f\u00fcr uns hier sehr wichtig sind. Andere sind<br \/>unverst\u00e4ndlich und bed\u00fcrfen vielleicht einer Erl\u00e4uterung:<br \/>\u201eHat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in \u00dcbereinstimmung<br \/>mit dem Glauben\u201c. Diese Gabe verbindet Apostel Paulus also mit dem<br \/>Glauben, die anderen nicht. Er sagt, eben dies ist eine Frucht des<br \/>Glaubens, tiefen, echten, reinen und dem\u00fctigen Glaubens.<br \/>\u201eHat einer die Gabe des Dienens, dann diene er.\u201c Das bezieht sich auf<br \/>das diakonische Dienen, so wie es Johannes Chrysostomus und andere<br \/>Gelehrte verstehen: ein Dienen der Kirche und dem Kirchlichen. Das ist<br \/>das Dienen im Gottesdienst, die die Diakone gehalten haben. Das ist das<br \/>Dienen zu Tisch, wenn eine gemeinsame Mahlzeit organisiert wurde. Das<br \/>ist das Dienen eben der Diakonie, die auch hier in Europa sehr beliebt<br \/>ist, der Dienst am N\u00e4chsten. Hierzulande nennt man dieses diakonische<br \/>Dienen den sozialen Dienst am N\u00e4chsten. All das zusammen umfasst dieser<br \/>Begriff: der Dienst entsteht im Dienen. Wenn du von Gott an diesen Ort<br \/>gestellt wurdest, dann gib dich dieser Aufgabe voll und ganz hin.<br \/>\u201eWer zum Lehren berufen ist, der lehre\u201c. Das ist schon eine<br \/>priesterliche Funktion. Lehren in der Kirche, das konkrete Auslegen der<br \/>Schrift. Hier wird die n\u00e4chste kirchliche Stufe angesprochen.<br \/>\u201eWer zum Tr\u00f6sten und Ermahnen berufen ist, der tr\u00f6ste und ermahne.\u201c Das<br \/>ist auch sehr interessant: die alten Gelehrten sind sich einig, dass<br \/>hier die alte geistliche F\u00fchrung gemeint ist, die bis in unsere Zeit als<br \/>Tradition erhalten ist. Denn die Menschen, die einen Zugang zur<br \/>menschlichen Seele haben, k\u00f6nnen mahnen, tr\u00f6sten, den Weg weisen und den<br \/>Menschen darin best\u00e4rken. Und so sagt Apostel Paulus, gib dich ganz und<br \/>gar dem Dienst an den Abgr\u00fcnden der menschlichen Seele hin.<br \/>\u201eWer gibt, gebe ohne Hintergedanken {auf Russisch: in Einfachheit}\u201c.<br \/>Auch ein interessanter Ausdruck: wer ist der, der gibt? Das sind die,<br \/>welche Almosen gaben. Aber nicht die eigenen. Sie verteilten die<br \/>Almosen, die die Gemeinde gesammelt und ihnen anvertraut hat, und ihrer<br \/>Obhut unterlag es, die Menschen herauszufinden, die der Mittel wirklich<br \/>bedurften, um sie ihnen als Hilfe der Allgemeinheit zu \u00fcberbringen. Und<br \/>hier hei\u00dft es, gib \u201eohne Hintergedanken {in Schlichtheit}\u201c. Denn<br \/>nat\u00fcrlich, und wir alle haben das, wenn ich etwas erhalten habe, m\u00f6chte<br \/>ich es in einer gewissen Manier geben, mit Gef\u00fchl, als w\u00e4re es von einem<br \/>selbst. Und nat\u00fcrlich, so wird es schon immer gewesen sein, handeln die<br \/>Menschen, denen es obliegt ein Budget zu verwalten, nicht immer ohne<br \/>Hintergedanken. Und hier unterstreicht Apostel Paulus: es ist nicht<br \/>deins, daher gib es ohne Hintergedanken und einfach her. Suche nicht den<br \/>Dank der Beschenkten, denn er wird ja kommen: \u201eDanke ihnen, aber wie<br \/>kann denn das sein, das w\u00e4re doch nicht\u2026\u201c usw., nimm ihn nicht an und<br \/>auf dein Konto, auch wenn das sehr angenehm ist. Tue Gutes ohne<br \/>Hintergedanken!<br \/>\u201eWer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein\u201c. Das lasse ich ohne Kommentar<br \/>stehen.<br \/>\u201eWer Barmherzigkeit \u00fcbt, der tue es freudig.\u201c Auch eine interessante<br \/>Sache. Wahrscheinlich hat das Jeder schon einmal in einer schwachen<br \/>Minute gehabt. Dass wir teilen wollen, etwas weggeben wollen und uns<br \/>sogar selbst das Versprechen geben, unbedingt jemandem etwas zu spenden:<br \/>der Kirche, den Armen, kinderreichen Familien oder entfernten<br \/>Verwandten. Aber wenn der Moment des Zahlens kommt, dann geht es uns oft<br \/>sehr schlecht damit. Weil Teilen jedes Mal einfach schwer ist. Schon<br \/>will man zumindest nicht gleich alles weggeben, sondern ein bisschen<br \/>zur\u00fcckhalten. \u201eIch war im \u00dcberschwang der Gef\u00fchle vielleicht doch ein<br \/>wenig zu extrem\u2026\u201c. Nat\u00fcrlich ist das eine gro\u00dfe Gabe. Dar\u00fcber haben die<br \/>alten V\u00e4ter in ihren Briefen an reiche Leute geschrieben: \u201eIhr seid<br \/>gl\u00fcckliche Menschen! Ihr habt etwas, was ihr geben k\u00f6nnt. Ihr habt<br \/>etwas, was ihr verlieren k\u00f6nnt, was ihr euch vom Herzen rei\u00dfen k\u00f6nnt.<br \/>Wir haben nichts. Deshalb sind unsere Taten vor Gott weniger wert.\u201c<br \/>Deshalb schreibt Apostel Paulus: tue freudig Gutes. Sei nicht geizig,<br \/>bereue es nicht, gib es weg und freue dich! Es ist seliger zu geben als<br \/>zu nehmen. Auch das lesen wir bei diesem Apostel.<br \/>\u201eEure Liebe sei ohne Heuchelei.\u201c<br \/>\u201eVerabscheut das B\u00f6se\u201c. Das ist, wie ich finde, ein sehr wichtiger Satz<br \/>bei Apostel Paulus. Man kann das B\u00f6se meiden, sich bem\u00fchen nichts B\u00f6ses<br \/>zu tun. Man kann es aber sogar verabscheuen. Das sind unterschiedliche<br \/>Begriffe. Das hei\u00dft, das B\u00f6se muss uns widerw\u00e4rtig werden, wir m\u00fcssen es<br \/>hassen, es muss uns sch\u00fctteln vor Abscheu. Dar\u00fcber spricht er. Wir<br \/>m\u00fcssen dem B\u00f6sen fremdartig werden. Sodass wir, jedes Mal, wenn wir uns<br \/>b\u00f6se f\u00fchlen, wir sofort eine Gegenreaktion in uns sp\u00fcren m\u00fcssen. Und<br \/>auch von Anderen das B\u00f6se nicht annehmen m\u00fcssen, wobei wir sie nicht<br \/>unbedingt verurteilen brauchen. \u201eVerabscheut das B\u00f6se\u201c, wendet euch ab<br \/>von ihm, \u201ehaltet fest am Guten!\u201c, werdet mehr und mehr vollst\u00e4ndig eins<br \/>mit dem Guten.<br \/>\u201eSeid einander in br\u00fcderlicher Liebe zugetan\u201c. {in der russischen<br \/>\u00dcbersetzung ist diesen Worten hinzugef\u00fcgt: \u201emit Z\u00e4rtlichkeit\u201c}. Hier<br \/>braucht es wirklich keine besondere Deutung, denn alles ist einfach,<br \/>verst\u00e4ndlich und logisch.<br \/>\u201e\u00dcbertrefft euch in gegenseitiger Achtung!\u201c Bem\u00fcht euch die ersten zu<br \/>sein in der Achtung der Anderen gegen\u00fcber, im achtungsvollen,<br \/>ehrf\u00fcrchtigen Miteinander. Grobheit ist leider Teil unserer Natur. Wir<br \/>lieben scharfe Worte und Konflikte. Und wieder spricht Apostel Paulus zu<br \/>uns einfach und allgemein verst\u00e4ndlich: \u201e\u00fcbertrefft euch in<br \/>gegenseitiger Achtung!\u201c. Das soll ein Ma\u00df sein f\u00fcr das soziale<br \/>christliche Leben, tiefste gegenseitige Achtung.<br \/>\u201eLasst nicht nach in eurem Eifer\u201c. Im Eifer Gutes zu tun.<br \/>\u201eLasst euch vom Geist entflammen\u201c. Was f\u00fcr eine wundervolle Poesie in<br \/>den Worten des Apostel Paulus! Man f\u00fchlt richtig, wie diese Worte in der<br \/>Originalsprache in hohem poetischen Stil gesagt sind. Noch in der<br \/>\u00dcbersetzung f\u00fchlt man ihn: \u201elasst euch vom Geist entflammen\u201c! Das<br \/>geistliche Leben muss uns alle entflammen lassen, uns erw\u00e4rmen. Es ist<br \/>das Wichtigste im Leben. Und diese erstaunlichen Worte im Anschluss:<br \/>\u201eund dient dem Herrn!\u201c. Viele stolpern \u00fcber den Ausdruck \u201eKnecht oder<br \/>Diener Gottes\u201c. Was ist das f\u00fcr eine Dienerschaft, Knechtschaft, was f\u00fcr<br \/>ein Sklaventum habt ihr da in der Kirche installiert? Um die Kirche<br \/>herum alles frei, und bei euch hier Knechtschaft. Das ist genau das:<br \/>Knecht Gottes {auf russisch \u201erab Bozchij\u201c, Diener Gottes, kann auch<br \/>Sklave Gottes hei\u00dfen, wobei \u201erab\u201c, denselben Wortstamm hat wie z.B.<br \/>\u201erabotat\u00b4\u201c &#8211; arbeiten} ist der Diener Gottes, der sich als Diener Gottes<br \/>auf Erden f\u00fchlt, als Ausf\u00fchrender, als Seine H\u00e4nde in dieser Welt.<br \/>\u201eSeid fr\u00f6hlich in der Hoffnung\u201c. Oft vergessen wir diesen Satz.<br \/>\u201eGeduldig in der Bedr\u00e4ngnis, beharrlich im Gebet!\u201c, \u201ebeharrlich im<br \/>Gebet!\u201c.&nbsp; Ohne Kommentar. Mit einem tiefen Seufzer nehmen wir diesen<br \/>Satz in unser Herz auf.<br \/>\u201eHelft den Heiligen, wenn sie in Not sind;\u201c. Die Rede ist von Kollekten<br \/>f\u00fcr arme Gemeinden, die Apostel Paulus bekannterma\u00dfen vornahm f\u00fcr<br \/>Gemeinden in Jud\u00e4a, im Heiligen Land, denn diese wurden gew\u00f6hnlich<br \/>verfolgt und waren sehr arm, weswegen ihnen andere Gemeinden Hilfe<br \/>zukommen lie\u00dfen.<br \/>\u201eGew\u00e4hrt jederzeit Gastfreundschaft!\u201c Das ist auch ein sehr wichtiges<br \/>Moment, dass Gastfreundschaft hei\u00dft, Reisende aufzunehmen, Armen und<br \/>Hilfsbed\u00fcrftigen zu helfen. Und Apostel Paulus schreibt {in der<br \/>russischen \u00dcbersetzung}: eifert, jederzeit Gastfreundschaft zu gew\u00e4hren.<br \/>Was hei\u00dft hier \u201eeifert\u201c? &#8211; Echte Not wird niemals selbst laut \u201ehier!\u201c<br \/>schreien. Sie wird niemanden festhalten und dann verfluchen, wie es hier<br \/>bei uns vor der Kirche gerade ein Mensch tut. Echte Not versteckt sich<br \/>eher. Daher muss ein Christ sie mit Eifer suchen, um sie aufzudecken,<br \/>die echte Not, um dem zu helfen, der Hilfe wirklich braucht. Das<br \/>erfordert gro\u00dfen menschlichen Eifer und Flei\u00df.<br \/>\u201eSegnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht!\u201c. Hier auch,<br \/>bestimmt jeder Zweite hier bei uns, kommt zur Beichte und sagt: \u201eIch<br \/>verfluche die Politiker\u201c. Der Eine verflucht Putin, der Andere Medvedev,<br \/>der Dritte Trump, der Vierte hat sich noch irgendeinen Feind ausgedacht.<br \/>Wozu braucht ein Christ das?&nbsp; Zumal das Menschen sind, die an der Macht<br \/>sind. Mit ihnen wird der Herr besonders hart ins Gericht gehen. Von<br \/>ihren Entscheidungen h\u00e4ngt Vieles in unserem Leben ab, ob es ein Leben<br \/>in Frieden sein wird, oder nicht. Deshalb beten wir, dass Gott sie<br \/>erleuchte, aufhalte\/bremse\/anhalte oder aufkl\u00e4re. Nat\u00fcrlich kommt es uns<br \/>selbst oft so vor, als w\u00e4ren wir Politiker. Wenn man mal so liest in<br \/>einem sozialen Netzwerk, dann sind alle deine Freunde Politiker.<br \/>Ver\u00e4ndert sich die Situation, werden alle Spezialisten f\u00fcr Viren.<br \/>Augenblicklich werden alle Profis, geben Ratschl\u00e4ge, wissen es nat\u00fcrlich<br \/>besser, wie es zu sein hat. Davon muss man sich fern halten. Ein Christ<br \/>kann keine Feinde haben. Er darf keinen hassen. Er muss segnen. Und wenn<br \/>er keine Kraft hat zu segnen, dann m\u00f6ge er wenigstens schweigen. Die<br \/>Verfolger, unterstreicht und wiederholt Apostel Paulus, verflucht nicht,<br \/>sondern segnet sie! Denn auch sie sind sich nicht bewusst, was sie tun<br \/>und leben vielleicht im Glauben, sie seien die Vollstrecker eines<br \/>allumfassenden Gerichts. Letztlich sind aber auch sie eine Waffe in den<br \/>H\u00e4nden der Vorsehung, manchmal auch einer g\u00f6ttlichen Heimsuchung.<br \/>Deshalb schreibt Paulus: \u201esegnet\u201c! Das bezieht sich nat\u00fcrlich auch auf<br \/>die Menschen, die uns in unserem einfachen Alltag nicht wohlgesinnt<br \/>sind. Wir m\u00fcssen uns von allem Hass befreien. Als Beispiel m\u00f6chte ich,<br \/>auch wenn ich wei\u00df, dass ich euch schon sehr strapaziert habe, ganz kurz<br \/>aus der Liste der Heiligen, derer heute gedacht wird, die Heilige Lucia<br \/>nennen. Sie hat ein \u00e4u\u00dferst interessantes Beispiel gegeben. Sie war<br \/>Christin, eine reiche junge Frau. Sie wurde gefangen genommen von<br \/>irgendeinem germanischen Krieger, einem Hauptmann. Der hat sie<br \/>mitgenommen in sein Haus. Er dachte, sie w\u00fcrde seine Dienerin werden.<br \/>Nat\u00fcrlich vollzog er zuhause irgendwelche heidnischen germanischen<br \/>Kulthandlungen &#8211; das Ganze findet zu Beginn des 4. Jh. statt &#8211; und er<br \/>erwartet jetzt von ihr, da sie nun mal als Sklavin gefangen gehalten<br \/>wurde, dass sie gemeinsam mit ihm Opfer darbringen solle. Sie sagt:<br \/>\u201eNein. Lieber sterben, aber ich werde deinen G\u00f6ttern keine Opfer<br \/>darbringen.\u201c F\u00fcr ihn als Soldat war das interessant. Denn diese Menschen<br \/>hatten ja st\u00e4ndig den Tod vor Augen und hatten panische Angst vor ihm.<br \/>Und hier ist ein Mensch, der keine Angst vor dem Tod hat. Lieber<br \/>sterben, aber dem eigenen Glauben treu bleiben. Das hat ihm Respekt<br \/>eingefl\u00f6\u00dft. Dann begann er sie zu beobachten, und wirklich, dieser<br \/>Mensch betet tief und irgendwie sehr innig. Er stellt ihr ein kleines<br \/>separates H\u00e4uschen zur Verf\u00fcgung auf seinem gro\u00dfen Hof, \u00fcberl\u00e4sst ihr<br \/>ihre Dienerinnen, die er gemeinsam mit ihr gefangen genommen hatte und<br \/>gibt ihr noch einige von den eigenen dazu, und sagt: \u201eIn eurem H\u00e4uschen<br \/>da k\u00f6nnt ihr beten. Und betet besonders auch f\u00fcr mich, wenn ich auf<br \/>Feldz\u00fcgen unterwegs bin.\u201c Er war Berufssoldat, der viel in den<br \/>unterschiedlichsten Armeen k\u00e4mpfte und immer wieder auf Feldz\u00fcgen war.<br \/>Und Lucia also sollte f\u00fcr ihn beten. Und sie betete. Immer. Und er kam<br \/>heil wieder, jedes Mal, mit gro\u00dfem Lohn, und freute sich sehr dar\u00fcber,<br \/>dass er jetzt in seinem Haus eine solch t\u00fcchtige Bittstellerin hatte.<br \/>Aber dann erreicht sie die Nachricht, dass wieder einmal eine Zeit der<br \/>Verfolgungen beginnt. Diokletian begann die Christen zu verfolgen. Sie<br \/>sagt zu ihm: \u201eDas war\u00b4s. Ich habe bei dir gelebt, ich habe f\u00fcr dich<br \/>gebetet, aber jetzt gehe ich.\u201c \u201eWohin?\u201c \u201eNach Rom.\u201c \u201eWarum?\u201c \u201eIch will<br \/>sterben, gemeinsam mit den Christen, die dort hingerichtet werden.\u201c \u201eIch<br \/>gehe mit dir.\u201c Dieser Mensch hat sein Haus verlassen, seine Familie,<br \/>seinen gro\u00dfen Hof, um sich das anzusehen. Er ging sich das ansehen,<br \/>begeisterte sich und starb zusammen mit ihr. So eine \u00fcberw\u00e4ltigende<br \/>Heiligenvita. Er war ihr Verfolger, hat sie gefangen genommen, nahm ihr<br \/>die Heimat, das Land, die Freunde, die Gemeinde, in der sie lebte, ein<br \/>schrecklicher Mensch. Sie hat f\u00fcr ihn gebetet. Und das ist die Frucht:<br \/>heute verehren wir diese beiden zusammen als Heilige, die Heilige<br \/>M\u00e4rtyrerin Lucia und Rix, diesen germanischen Hauptmann, der von den<br \/>Gro\u00dftaten dieser jungen Frau so ber\u00fchrt war, dass er selbst beschloss<br \/>gemeinsam mit ihr sein Leben f\u00fcr Christus zu opfern. Das ist eine<br \/>wunderbare Illustration, wie wir diejenigen segnen sollen, die uns nicht<br \/>wohlgesinnt sind. Manchmal wissen die Menschen selbst nicht, was sie<br \/>tun, manchmal sind sie blind und k\u00f6nnen nicht an sich halten, vielleicht<br \/>weil sie selbst eine schwere Kindheit hatten oder durch irgendeine<br \/>innere Problemhaftigkeit. Aber wir m\u00fcssen sie und die ganze Situation in<br \/>unser Herz nehmen, Mitleid mit diesen Menschen haben, sie nicht<br \/>verfluchen und beten. Und wir sehen, wie das Gebet Wunder wirkt, wie es<br \/>uns selbst ver\u00e4ndert, alle die \u00e4ndert, die uns heute hassen und morgen<br \/>vielleicht schon bereit sind, mit uns in den Tod zu gehen f\u00fcr den<br \/>Wiederstandenen Christus.<br \/>Besch\u00fctze uns alle der Herr, liebe Br\u00fcder und Schwestern, Gottes Segen<br \/>euch allen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt von Vater Sergij vom 19.7.20 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.Einen frohen Sonntag, liebe Br\u00fcder und Schwestern! Heute m\u00f6chte ich einpaar Worte sagen zu dem Auszug aus dem R\u00f6merbrief, den wir w\u00e4hrend derLiturgie geh\u00f6rt haben. Apostel Paulus hat ihn an die R\u00f6mer geschrieben.Und zuerst muss man dazu sagen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,1],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1206"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1206"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1265,"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1206\/revisions\/1265"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}