{"id":1186,"date":"2020-07-03T11:52:35","date_gmt":"2020-07-03T09:52:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/?p=1186"},"modified":"2020-07-03T11:52:35","modified_gmt":"2020-07-03T09:52:35","slug":"predigt-vom-28-6-2020-von-vater-henadzi-sar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/predigt\/predigt-vom-28-6-2020-von-vater-henadzi-sar\/1186.html","title":{"rendered":"Predigt vom 28.6.2020 von Vater Henadzi Sar"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-content\/20-06-28-Vater-Gennadij.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Frohes Fest euch allen!<\/p>\n\n\n\n<p>Heute haben wir aus dem Evangelium dar\u00fcber geh\u00f6rt, wie der Herr sagt: &#8222;K\u00fcmmert euch nicht darum, was ihr esst und trinkt, sondern trachtet nach dem Himmelreich, denn ihr k\u00f6nnt nicht zwei Herren auf einmal dienen&#8220;, Gott und dem b\u00f6sen Mammon. Diese Worte k\u00f6nnen manchmal missverstanden werden, und so kann man denken, dass wir uns um nichts k\u00fcmmern m\u00fcssen. Dabei es ist verlockend, ein reicher Mensch zu werden. &nbsp;Aber wir hier, in der Kirche, sind normalerweise keine reichen Leute. Wir haben Familien und Eltern, die meistens schon in einem h\u00f6heren Alter sind. Wir m\u00fcssen sie und unsere Zukunft im Blick behalten und unser Leben so gestalten, dass es allen gut geht. Stellt diese Lebensansicht einen Widerspruch zu den Worten Christi dar, Der sagt, dass wir uns um nichts k\u00fcmmern m\u00fcssen? Ich glaube nicht, dass es hier einen Widerspruch gibt, denn Christus wollte nicht, dass man sich um nichts k\u00fcmmert, sondern dass man sich in all diesen Gedanken nicht verliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich an eine Klostergeschichte, in der zwei M\u00f6nche, Br\u00fcder, im fr\u00fchen Christentum, in die W\u00fcste gingen, ein Haus bauten und in der \u00e4gyptischen W\u00fcste lebten. Einer von ihnen dachte: &#8222;Ich werde wie ein Engel sein: Ich werde mich um nichts k\u00fcmmern, sondern wie ein Engel leben &#8211; nur beten\u201c, und er lief zur Nacht weg. In der Nacht aber wurde es kalt, da es eine W\u00fcste war. Denn in der W\u00fcste ist es tags\u00fcber hei\u00df und nachts kalt. Morgens kam er nach Hause und klopfte an die T\u00fcr. Sein Bruder antwortet ihm: &#8222;Wer ist da?&#8220; Der M\u00f6nch sagt: &#8222;Ich bin&#8217;s, dein Bruder&#8220;. Dann antwortet ihm der Bruder: &#8222;Das kann nicht sein. Du bist eine Versuchung, ein D\u00e4mon, denn mein Bruder ist ein Engel&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;\u00d6ffne doch die T\u00fcr. Ich sterbe vor K\u00e4lte&#8220;. &#8222;Das kann nicht sein. Mein Bruder f\u00fchlt sich weder kalt noch hungrig.&#8220; Schlie\u00dflich hat er, der arme Mann, gebetet und gefastet, und die M\u00f6nche lie\u00dfen ihn herein, lie\u00dfen ihn sich aufw\u00e4rmen und gaben ihm etwas zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe das Beispiel daf\u00fcr, wie extrem man die Worte des Erl\u00f6sers verdrehen kann, deswegen gegeben, weil wir uns manchmal willk\u00fcrlich ausdenken, wie etwas sein soll, ohne eine gr\u00fcndliche Erfahrung darin zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frage ist tats\u00e4chlich interessant: wie soll das gehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss seinen eigenen Lebensweg kennen, ihm folgen und seine Pflichten erf\u00fcllen, aber man darf nicht vergessen, dass es tiefere Dinge im Leben gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es m\u00f6glich, sich an etwas zu erinnern, ohne dieses vorher zu erfahren? Das hei\u00dft, ohne vorher die Gnade Gottes zu erfahren, die es uns erlaubt, die Welt als etwas Unwichtiges im Vergleich zur Tiefe, zu tieferen Dingen zu sehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint mir pers\u00f6nlich, dass die theoretische Erkenntnis dieses Geheimnisses und die Entdeckung dieser Tiefe, vorausgehen, und die Praxis, wie man diese Tiefe selbst erreicht, sp\u00e4ter kommt. Zuerst verstehen wir also, dass es eine Tiefe gibt, und dann machen wir uns bewusst auf den Weg zu dieser Tiefe. Es scheint mir ein gro\u00dfer Fehler zu sein, wenn wir, ohne n\u00e4here Kenntnis dieser Tiefe versuchen selbst herauszufinden, welche Art von Leistung und Verhalten zu dieser Leidenschaftslosigkeit und Sorglosigkeit f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt erinnere ich mich an eine andere Geschichte, es war in \u00c4gypten, als dort Christen lebten, als ein junger M\u00f6nch, es war ein junger Mann aus einer Gro\u00dfstadt und einer reichen Familie, zu einem \u00e4lteren M\u00f6nch und Starez kam. Dieser behielt ihn dort f\u00fcr einige Zeit (vielleicht ein oder zwei Monate, vielleicht ein oder zwei Jahre) und schickte ihn dann zur\u00fcck in die Stadt, wo er in einer Familie reicher Eltern gelebt hatte, wo er bedeutsam und herausragend gewesen war. Gleichzeitig hatte ihm der Starez nun angeordnet, dort auf der Stra\u00dfe zu bleiben und um Almosen zu bitten. F\u00fcr den jungen Mann war es nat\u00fcrlich eine Menge Stress, denn er musste arm, unfreiwillig und bespuckt dorthin zur\u00fcckkehren, wo er fr\u00fcher gro\u00dfartig gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich litt der Arme zun\u00e4chst mehrere Jahre lang und beruhigte sich dann. Den Rest der Geschichte kenne ich nicht. Aber vielleicht ist es eine Best\u00e4tigung, dass man auf diese Weise innere Demut und Stille finden kann?!<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits sagt diese Geschichte nicht aus, was dieser M\u00f6nch erlebt hat, bevor er in die W\u00fcste kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilf uns, Herr, dass wir uns um nichts k\u00fcmmern m\u00fcssen, und noch besser, dass wir genug Geld zum Leben haben, und dass dabei auch das geistliche Leben gut verl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, hilf uns allen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frohes Fest euch allen! Heute haben wir aus dem Evangelium dar\u00fcber geh\u00f6rt, wie der Herr sagt: &#8222;K\u00fcmmert euch nicht darum, was ihr esst und trinkt, sondern trachtet nach dem Himmelreich, denn ihr k\u00f6nnt nicht zwei Herren auf einmal dienen&#8220;, Gott und dem b\u00f6sen Mammon. 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