{"id":1176,"date":"2020-06-09T19:52:05","date_gmt":"2020-06-09T17:52:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/?p=1176"},"modified":"2020-06-10T10:49:12","modified_gmt":"2020-06-10T08:49:12","slug":"pfingstpredigt-vom-07-06-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/tagesbuch\/pfingstpredigt-vom-07-06-2020\/1176.html","title":{"rendered":"Pfingstpredigt vom 07.06.2020"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"blob:https:\/\/www.hamburg-hram.de\/5052bc0b-88a7-4471-9a5e-c5435186e772\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Predigt von Erzpriester Sergij Baburin<br \/>Hamburg, den 7.6.2020<br \/>Pfingsten<\/p>\n\n\n\n<p>Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!<br \/>Frohe Pfingsten, liebe Br\u00fcder und Schwestern!<br \/>Die Erinnerung an die Evangelischen Ereignisse, die Herabsendung des<br \/>Heiligen Geistes auf die Apostel, wird als der Geburtstag der Kirche<br \/>bezeichnet. Und das ist sicherlich ein sehr wichtiges Thema f\u00fcr uns,<br \/>weil wir gl\u00e4ubig sind und zur Kirche gehen. Aber was ist denn diese<br \/>\u201eKirche\u201c, die an diesem Tag geboren wurde? Das ist nat\u00fcrlich f\u00fcr uns<br \/>alle eine sehr wichtige und bedeutende Frage. Denn wir sind oft gepr\u00e4gt<br \/>von den sprachlichen Stereotypen, deren wir uns bedienen, und von<br \/>unseren Gewohnheiten. Oft benutzen wir folgenden Ausdruck: \u201eHeute gehe<br \/>ich in die Kirche.\u201c Es ist immer wichtig, zu verstehen, was wir damit<br \/>meinen. Ist es einfach eine Gewohnheit in die Kirche zu gehen, weil es<br \/>mir dort gef\u00e4llt, es viele nette Menschen und Bekannte gibt, ich dort<br \/>f\u00fcr meine N\u00e4chsten beten kann, meine Seele zur Ruhe kommt und ich mich<br \/>dadurch wohl f\u00fchle. Oft h\u00f6rt man auch &#8211; und ich m\u00f6chte absichtlich,<br \/>bevor ich auf die Kirche zu sprechen komme, auf einige Wort-Parasiten<br \/>aufmerksam machen &#8211; die Leute sagen, dass es die Kirche daf\u00fcr gibt, dass<br \/>dort bestimmte Rituale abgehalten werden. Neulich erst, als ich einen<br \/>Menschen aussegnete, fragten mich seine Verwandten nach der Beerdigung:<br \/>\u201eWelche Rituale sollen wir noch durchf\u00fchren au\u00dfer dem, was Sie bereits<br \/>getan haben?\u201c Ich fragte: \u201eWas meinen Sie?\u201c \u201eNun, es gibt da das<br \/>vierzigt\u00e4gige Gedenken, die Totenoffizien, Spiegel abh\u00e4ngen, Gabeln<br \/>wegr\u00e4umen, vielleicht noch etwas?\u201c Im Verst\u00e4ndnis der Menschen ist ein<br \/>Ritual eine wichtige, sakrale, mystische Handlung. Es ist im Verst\u00e4ndnis dieser Menschen \u00fcberhaupt nicht wichtig sie zu verstehen. Aber sie ist etwas sehr Sprechendes \u00fcber eine v\u00f6llig andere Realit\u00e4t. So betrachtet hat ein Ritual etwas von heidnischer Magie. In diesem Fall wird die Kirche wahrgenommen als B\u00fcro f\u00fcr rituelle Dienstleistungen. Oft wird auch gesagt: \u201eIch gehe in die Kirche, um meine religi\u00f6sen Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen.\u201c Das ist eine Formulierung, die man sehr oft h\u00f6rt. Die Menschen haben ja wirklich die unterschiedlichsten Bed\u00fcrfnisse. Und es gibt verschiedene Orte, an denen diese Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden. Und die Kirche ist eben der Ort zur Befriedigung religi\u00f6ser Bed\u00fcrfnisse. Gewiss hat all das keinerlei Beziehung zu der Kirche als Sakrament, \u00fcber die wir heute sprechen und zu der wir alle geh\u00f6ren. Und es muss auch gesagt werden, dass wir diese v\u00f6llig fremden Begriffe, die der Kirche anhaften und \u00fcberhaupt keine Beziehung zu ihr haben, aus unserem Bewusstsein und unserer Sprache entfernen m\u00fcssen.<br \/>Wenn wir \u00fcber die Kirche sprechen als ihrem Geburtstag, als als einer<br \/>besonders segensreichen Gegenwart auf der Erde, dann ist es wichtig sich<br \/>an Ikonen zu erinnern. Ikonen sprechen eine gute, tiefe und symbolische<br \/>Sprache, die uns manchmal auch wortlos verst\u00e4ndlich ist. Die Ikone hier<br \/>zum Beispiel, die auf dem Analogion liegt, die \u201eHerabsendung des Heiligen<br \/>Geistes\u201c, entspricht der alten Ikonographie. Wir sehen die 12 Apostel im<br \/>Halbkreis sitzen. Alle sind mit ihren Gesichtern in die Mitte gerichtet,<br \/>die leer ist. Aber die Apostel schauen dorthin. Es ist der Ort des<br \/>unsichtbaren Jesus Christus, der seinen J\u00fcngern sagt: \u201eIch bin bei euch<br \/>alle Tage bis zum Ende der Welt.\u201c (Matth\u00e4us, 28:20)<br \/>Und die Kirche ist nichts anderes als die Gegenwart Christi unter uns.<br \/>Aber gleichzeitig erinnern wir uns an die Worte des Herrn: \u201e\u2026ich gehe<br \/>zum Vater\u2026 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben\u2026\u201c (Johannes, 24:12-16). Wir sprechen heute davon, dass der Sohn nach Himmelfahrt unsichtbar bei den J\u00fcngern geblieben ist und gleichzeitig zur Rechten des Vaters (das hei\u00dft neben dem Vater, in der<br \/>Gnade, in einer Einheit mit Seinem Vater) den Geist in Seine Kirche<br \/>sendet, in das Leben eines jeden von uns. So kommt mit dem Sohn der<br \/>Heilige Geist in unser Leben. Und dieses erstaunliche Geheimnis er\u00f6ffnet<br \/>sich uns im heutigen Feiertag. Aber wenn wir dar\u00fcber reden, dann m\u00fcssen<br \/>wir sofort etwas erg\u00e4nzen: Wenn wir \u00fcber die Gnade des Heiligen Geistes<br \/>sprechen, dann sprechen wir \u00fcber die Handlungen, in denen wir die<br \/>Gegenwart des Heiligen Geistes in der Kirche sp\u00fcren. Aber \u201eGnade\u201c ist<br \/>ein allgemeiner Begriff, der allen Personen der Heiligen Dreifaltigkeit<br \/>innewohnt. Wir k\u00f6nnen nicht sagen, dass der Heilige Geist eine Gnade,<br \/>der Sohn eine andere und der Vater eine dritte habe. Es ist eine<br \/>einheitliche Gnade der g\u00f6ttlichen Natur, derer wir teilhaftig werden<br \/>durch den Heiligen Geist. Deshalb ist die Kirche der Raum, in dem wir<br \/>das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit erfahren. Die Kirche kann ohne<br \/>die Dreifaltigkeit nicht leben, ohne die Vorstellung, dass der Herr sich<br \/>uns in seiner inneren Natur offenbart und seine G\u00f6ttliche Gnade auf uns<br \/>herabgesendet hat. Dies ist eine Offenbarung im Leben eines jeden von uns.<br \/>Alles, was in der Kirche getan wird, jede Handlung in der Kirche<br \/>geschieht nicht, weil sie alt, mystisch oder geheim ist, sondern weil<br \/>Gnade in ihr vorhanden ist. Damit verbunden ist die Gnade der Heiligen<br \/>Dreifaltigkeit. Die Gnade Gottes wird uns durch jedes Sakrament der<br \/>Kirche geschenkt. Und das ist f\u00fcr uns auch sehr wichtig zu verstehen.<br \/>Gleichzeitig verstehen wir, dass das ein Wunder ist. Jeder Gottesdienst,<br \/>jede Handlung, die wir bewusst und mit seelischer Anteilnahme in der<br \/>Kirche vollziehen, ist immer ein Wunder. Das Wunder, dass menschliche<br \/>Bereitwilligkeit, Streben und Flei\u00df, diese Geheimnisse zu erfassen, dass<br \/>diese menschlichen Willens\u00e4u\u00dferungen mit G\u00f6ttlicher Gnade beantwortet<br \/>werden. Nat\u00fcrlich verstehen wir manche Ausdr\u00fccke in der<br \/>Apostelgeschichte nicht. Wir lesen: \u201eDer Heilige Geist hat uns dorthin<br \/>gesandt\u2026\u201c oder \u201eDer Heilige Geist hat uns gesagt\u2026\u201c. Oder einen anderen<br \/>Ausdruck, den die Heiligen V\u00e4ter als Mysterium verstanden: \u201eGib dich dem<br \/>Heiligen Geist und uns hin\u201c (das bedeutet: \u201eDas ist der Wille des<br \/>Heiligen Geistes und damit unser Wille\u201c).<br \/>Wovon sprechen die Apostel? Und warum ist es wichtig f\u00fcr uns, dies zu<br \/>verstehen? Die Kirche besteht seit dem ersten Jahrhundert ununterbrochen<br \/>und ist unantastbar. Das hei\u00dft, wir sprechen \u00fcber eine ganz bestimmte<br \/>Sprache des Heiligen Geistes. Und wieder h\u00f6ren wir, dass die Apostel<br \/>verschiedene Sprachen sprechen. Dies ist sicherlich nicht die Art von<br \/>Ekstase, die wir manchmal in den verschiedenen charismatischen<br \/>Gemeinschaften, die es gibt, beobachten oder h\u00f6ren. Es ist eine Sprache<br \/>des Heiligen Geistes, die wir aufgerufen sind verstehen zu lernen. Sie<br \/>und ich, wir haben es etwas leichter damit, weil wir st\u00e4ndig von einer<br \/>Sprache zur anderen springen. Als wir hierher kamen und \u00fcberhaupt nichts<br \/>verstanden, kein einziges Wort, das um uns herum gesprochen wurde, und<br \/>an einem gr\u00e4sslichen Minderwertigkeitskomplex deswegen litten und es<br \/>noch heute tun, da haben wir fieberhaft nach Lehrb\u00fcchern gegriffen und<br \/>versucht, etwas zu wiederholen, Konjugationen, Konjunktivneigungen und<br \/>jedesmal feststellen m\u00fcssen, dass es nutzlos war. Etwas blieb zwar<br \/>h\u00e4ngen, aber es war v\u00f6llig unm\u00f6glich, es anzuwenden. Die Sprache, das<br \/>ist ein Raum, in dem wir h\u00f6ren, wahrnehmen und versuchen zu<br \/>kommunizieren. Wir versuchen den Gespr\u00e4chspartner zu verstehen und tun<br \/>alles, damit er uns versteht. Lebendige Unterhaltung ist immer so. Und<br \/>nur in lebendiger Kommunikation kann man die Tiefen einer anderen<br \/>Sprache erfassen. Das haben wir alle gut gelernt, indem wir hier gelebt<br \/>haben. Genau dasselbe geschieht hier. Wenn wir heimlich die Sprache der<br \/>Kirche, die Sprache des Heiligen Geistes, lernen wollen, dann m\u00fcssen wir<br \/>in dieser Sprache leben, wir m\u00fcssen in dieser Sprache kommunizieren, wir<br \/>m\u00fcssen diese Sprache so oft wie m\u00f6glich anwenden, damit sie zu einer<br \/>aktiven Sprache unseres Lebens wird und nicht nur zu einigen abstrakten<br \/>Phrasen, die wir verwenden, wenn wir zur Kirche kommen oder wenn wir uns<br \/>mit jemandem dar\u00fcber unterhalten, was die Kirche ist.<br \/>Was also ist die Sprache des Heiligen Geistes? Es ist unser Eifer zu<br \/>verstehen, was Gottes Willen f\u00fcr unser Leben ist, was es mit unserem<br \/>Leben auf sich hat, was der Herr \u00fcber uns denkt und wie die G\u00f6ttliche<br \/>Vorsehung von jedem von uns ist. Lernen, den Willen Gottes in unserem<br \/>Leben zu erkennen, Gott zu h\u00f6ren, seinen Willen zu h\u00f6ren und danach zu<br \/>leben, danach zu schaffen &#8211; genau das ist der Geist des Heiligen<br \/>Geistes, der sich uns allen offenbart. Und Gott gebe uns heute, wenn wir<br \/>weiter beten und darum bitten, dass die Gnade des Heiligen Geistes auf<br \/>uns nieder komme: \u201eKomm und nimm Wohnung in uns\u2026\u201c und wir \u201emit einer<br \/>Stimme, mit einem Herzen\u201c wieder diese wunderbaren Worte ausrufen, dass<br \/>wir verstehen, worum wir da eigentlich bitten. Es sind nicht nur<br \/>abstrakte Phrasen. Wir bitten nicht um irgendeine innere Begeisterung,<br \/>eine Ekstase, sondern wir bitten darum, Gottes Willen zu verstehen, dass<br \/>der Herr uns helfe unsere Herzen zu \u00f6ffnen. Dass der Herr unsere Herzen<br \/>f\u00e4hig macht, ihn zu h\u00f6ren, f\u00e4hig zu ihm zu sprechen. Dies ist das<br \/>Hauptziel unseres heutigen Gebets, und alles Weitere ergibt sich.<br \/>Gott segne Sie alle, Br\u00fcder und Schwestern, an diesem heiligen,<br \/>wunderbaren Geburtstag der Kirche, der von der lebendigen,<br \/>lebensspendenden, erleuchtenden und verwandelnden Gnade des Heiligen<br \/>Geistes zeugt!<br \/>Heute endet der Gottesdienst nach den Regeln der Kirche hiermit nicht,<br \/>sondern geht weiter. Etwa 25 Minuten lang wird die Abendvesper dieses<br \/>heiligen Tages noch gelesen werden, in der die Gebete zur Heiligen<br \/>Dreifaltigkeit erklingen. Das erste Gebet wendet sich an den Gott-Vater,<br \/>das zweite an den Sohn und das dritte an den Heiligen Geist. Sie sind in<br \/>die Vesper eingewoben. Darum: wer noch Kraft hat und Zeit, der kann f\u00fcr<br \/>diesen Gottesdienst noch bleiben und mit ganzem Herzen in die Tiefe<br \/>dieser Worte eindringen, in die Tiefe dieser jahrhundertealten Gebete<br \/>der Kirche f\u00fcr jede christliche Seele.<br \/>Gott segne Sie alle!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt von Erzpriester Sergij BaburinHamburg, den 7.6.2020Pfingsten Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!Frohe Pfingsten, liebe Br\u00fcder und Schwestern!Die Erinnerung an die Evangelischen Ereignisse, die Herabsendung desHeiligen Geistes auf die Apostel, wird als der Geburtstag der Kirchebezeichnet. 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