{"id":10,"date":"2005-04-27T00:15:57","date_gmt":"2005-04-26T22:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/hamburg-hram.de\/de\/?page_id=10"},"modified":"2014-09-09T11:38:27","modified_gmt":"2014-09-09T09:38:27","slug":"hl-johannes-von-kronstadt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/hl-johannes-von-kronstadt","title":{"rendered":"Hl. Johannes"},"content":{"rendered":"<h1>Der Heilige Johannes von Kronstadt<\/h1>\n<p><img src=\"https:\/\/www.hamburg-hram.de\/de\/wp-content\/ioannkicon.jpg\" \/><\/p>\n<p>Der Heilige Johannes von Kronstadt &#8211; mit weltlichem Namen Johannes Sergiew &#8211; wurde am 19. Okt. 1829 im D\u00f6rflein Sury in Nordru\u00dfland als Sohn eines Me\u00dfners geboren. Die gottesf\u00fcrchtigen Eltern erzogen das Kind schon fr\u00fch zum Gebet und Gottvertrauen. Als Johannes 6 Jahre alt geworden war, kaufte ihm sein Vater eine Fibel. (Kostenlose Schulen gab es damals nicht). Aber das Kind lernte schwer, vielleicht wegen seiner schwachen Gesundheit. Das Lernen war f\u00fcr ihn eine unsagbare Qual. Hilfesuchend wandte sich der Junge an Gott, von dem er wu\u00dfte, da\u00df Er ja sein himmlischer Vater war, der alles vermochte und ihn liebhatte. Sein kindliches Gebet wurde erh\u00f6rt; die Hemmung fiel, sein Verstand ging auf und kurz darauf konnte er lesen.<\/p>\n<p>Es gibt Kindererlebnisse, die das ganze Leben eines Menschen bestimmen k\u00f6nnen. So ging es auch dem kleinen Johannes, der nun aus eigener Erfahrung die Kraft des Gebetes im Glauben und Vertrauen kennengelernt hatte.<\/p>\n<p>Das, was das ganze Geheimnis dieses Gottesmannes ausmachte, seine ungemeine Gebetskraft kam eben davon, da\u00df er bis zu seinem letzten Atemzug, trotz einer akademischen Bildung und einem Leben mitten in der Welt, diesen Glauben und dieses Vertrauen nie verlernt hat.<\/p>\n<p>Mit 9 Jahren wurde der Junge in die Pfarrschule (Mittelschule) nach Archangelsk geschickt. Da fingen die Schwierigkeiten von neuem an, weil er, nunmehr von seinen Eltern getrennt, von seinen Mitsch\u00fclern f\u00fcr seine l\u00e4ndliche Ungeschicktheit verlacht und versto\u00dfen wurde, so da\u00df er auf sich selbst angewiesen war. So war er zum letzten Sch\u00fcler geworden. Da griff er wieder zum bew\u00e4hrten Mittel &#8211; zum Gebet und wieder wurde ihm geholfen; nach und nach verbesserten sich seine Noten so, da\u00df er als guter Sch\u00fcler in das Seminar versetzt wurde, das er 1851 als Primus absolvierte. Da\u00df er in dieser Zeit durch eine besondere Neigung zur Beschaulichkeit oder &#8211; au\u00dfer seinen guten Noten &#8211; durch au\u00dferordentliche Tugenden bzw. Leistungen aufgefallen w\u00e4re, ist nicht bekannt.<\/p>\n<p>Nur diesen Zug kann man ihm durch sein ganzes Leben hindurch nachweisen: Was immer er tat, tat er gr\u00fcndlich und folgerichtig. Zwischen seinen Gedanken, seinen Worten und seinen Taten gab es keinen Widerspruch.<\/p>\n<p>Aus dem Seminar wurde er auf seine guten Noten hin auf Staatsstipendium nach St. Petersburg in die Geistliche Akademie (Theologische Hochschule) geschickt, die er 1855 mit dem Titel eines Magisters der Theologie absolvierte.<\/p>\n<p>Inzwischen war sein Vater gestorben und seine Mutter mittellos geblieben. Johannes wollte sein Studium sofort aufgeben, um f\u00fcr sie zu arbeiten. Aber die fromme Frau lie\u00df das nicht zu. Es bot sich dann dem Studenten eine bescheidene Stellung als Schreiber in der AkademieKanzlei, wo die Posten an mittellose Studenten vergeben wurden. Den kargen Lohn sandte er dann restlos seiner Mutter.<\/p>\n<p>Johannes war nicht der Meinung, da\u00df ihm nach Beendigung seines Theologiestudiums und nach einer passenden Heirat eine Pfarrstelle \u201eautomatisch&#8220; zust\u00fcnde. Er wu\u00dfte, da\u00df es sich bei dem Priestertum um eine Gnade Gottes und um einen verantwortungsvollen Dienst handelte. Um diese Gnade betete er mit Inbrunst. Nun wurde ihm eine Priesterstelle am St. Andreas-Dom zu Kronstadt zugewiesen, die er bis zu seinem Tod, 53 Jahre sp\u00e4ter, behielt.<\/p>\n<h3>Ein Leben f\u00fcr Gott und die Menschen<\/h3>\n<p>Als milit\u00e4rische Hafenstadt wimmelte damals Kronstadt von Seeleuten, Wehrmachtsangeh\u00f6rigen und Hafenarbeitern, die haupts\u00e4chlich darauf bedacht waren, Feierabend-, Fest- und Landurlaubzeit so lustig wie m\u00f6glich zu verbringen, und die deswegen sich betrunken in den Stra\u00dfen und Anlagen herumtrieben, l\u00e4rmend und Unfug anstellend. Dies entsetzte den jungen Priester und er versuchte, durch Zureden und Predigen diese \u201everlorene Sch\u00e4flein&#8220; zu bekehren. Da\u00df er damit wenig Erfolg hatte, sondern sich vielmehr zahlreiche Unannehmlichkeiten und Dem\u00fctigungen zuzog, kann man sich vorstellen! Das stie\u00df ihn aber nicht ab; es spornte ihn nuran. Der Erfolg blieb ihm trotzdem versagt. \u201eDa\u00df ich zur F\u00fcrbitte f\u00fcr diese Menschen greifen sollte, kam mir nicht in den Sinn; dazu hatte ich damals weder Lust noch Verst\u00e4ndnis&#8220;, sagte er sp\u00e4ter bei einer Priestertagung aus. So pr\u00fcfte ihn der Herr auf Ausdauer und Eifer in seinem Dienst. Dann aber wies Er ihm den Weg, den er nunmehr gehen sollte.<\/p>\n<p>Es lebte damals in Kronstadt eine fromme Witwe, Paraskewa Kowrigina, die auf die Weisung ihres Seelsorgers hin nach Kronstadt gezogen und sich dort dem Dienst an den Hilfsbed\u00fcrftigen gewidmet hatte. Diese begann, Vater Johannes um F\u00fcrbitte f\u00fcr den oder jenen ihrer Sch\u00fctzlinge zu ersuchen. Am Anfang weigerte sich der Priester, weil er meinte, \u201esein unw\u00fcrdiges Gebet k\u00f6nne nichts ausrichten&#8220;; doch lie\u00df die Kowrigina nicht locker und beteuerte, Vr Johannes&#8216; Gebet w\u00fcrde bestimmt erh\u00f6rt werden. Fast unwillig gab er der Bitte statt. Aber Vr Johannes war ein Mensch, der nur aufs Ganze gehen konnte. Auch hier ging er aufs Ganze, gr\u00fcndlich, wie er alles tat. Da brach wieder sein kindlicher Glaube, sein kindliches Vertrauen durch und es betete der erwachsene Mensch, der Akademiker, mit derselben W\u00e4rme, mit derselben Zuversicht wie damals, da er als Sechsj\u00e4hriger um das Verstehen der \u201eZeichen&#8220; in seiner Fibel gebetet hatte. Von der bezwingenden Kraft seines Gebetes haben wir eine Vorstellung, wenn wir seine Aussagen \u00fcber das Gebet in seinem Tagebuch: \u201eMein Leben in Christo&#8220; lesen.<br \/>\nDieselben Ursachen rufen dieselben Ergebnisse hervor: Auch jetzt wurden die Gebete von Vr Johannes erh\u00f6rt. Das ermunterte ihn, sich immer \u00f6fter f\u00fcr verschiedene Menschen f\u00fcrbittend einzusetzen, allerdings nur, wenn die Betreffenden oder ihre Umgebung mitzubeten einverstanden waren; sein Hauptzweck war ja die Errettung der Seele, die Bekehrung der Ungl\u00e4ubigen und der S\u00fcnder.<\/p>\n<h3>Auf dem \u201ekleinen Weg&#8220;<\/h3>\n<p>Vater Johannes hatte eingesehen, da\u00df ein Priester, als Mensch, der zum \u201eHaushalter \u00fcber Gottes Geheimnisse&#8220; gesetzt worden ist, auch selbst \u201etreu erfunden werden&#8220; sollte (1. Kor., 1-6). Deshalb begann er, bald nach seiner Priesterweihe, seine Arbeit an sich selbst, die Zucht seiner Seele. Zu diesem Zweck fing er an, sein Tagebuch: \u201eMein Leben in Christo&#8220; zu f\u00fchren. Darin notierte er Tag f\u00fcr Tag seine Verfehlungen, aber auch seine \u201eEntdeckungen&#8220; auf dem Gebiet des Geistes, sowie die Gnaden, die ihm zuteil wurden. Dieses Tagebuch ist uns erhalten geblieben. Es ist die Geschichte eines Menschen, der nach und nach, nur von gutem Willen und von Gottesliebe getrieben, der Gnade Gottes entgegeneilte und sich von ihr durchdringen lie\u00df, eines Menschen, der seinen Glauben in Leben umsetzen und \u201edie Wahrheit tun&#8220; (1. Joh. 3, 7 u. 10) wollte. Nach und nach, immer die Gnade Gottes in sich aufnehmend und sich ihr immer mehr \u00f6ffnend, gelang er vom Sumpf der \u201ekleinen&#8220; Leidenschaften, vom Staub der \u201ekleinen&#8220; S\u00fcnden und S\u00fcndengewohnheiten bis zu den Gipfeln der Heiligkeit ohne besondere Leistungen, ohne besondere Begabung, allein mit einem folgerichtigen, t\u00e4tigen Glauben. Hier sieht man einen Menschen, der den \u201ekleinen Weg geht und erf\u00e4hrt, bis wohin dieser \u201ekleine Weg&#8220; f\u00fchren kann.<\/p>\n<h3>Wunder als logische Folge von Glauben und Vertrauen<\/h3>\n<p>Es gen\u00fcgt, einige Seiten von \u201eMein Leben in Christo&#8220; zu lesen, um aufzuh\u00f6ren, \u00fcber die Wundert\u00e4tigkeit von Vr Johannes zu staunen, geschweige denn sie anzuzweifeln. Diese kommt einem dann als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, als eine logische Folge seiner Glaubenshaltung vor.<\/p>\n<p>Der Gottesdiener war durchaus kein \u201eWunderdoktor&#8220;, der durch Magnetismus, Suggestion, Hypnose oder \u00c4hnliches gewirkt h\u00e4tte. Bei ihm waren, wie einst bei den Aposteln und Propheten, die Wunderheilungen nichts anderes, als ein \u201eZeichen zur Best\u00e4tigung des Wortes&#8220; (Mk 16, 20), wobei diese Zeichen einzig und allein auf das Gebet hin geschahen. Dabei mu\u00dften auch die Anwesenden bzw. die Angeh\u00f6rigen des (bzw. der) Erkrankten mitbeten. Auch sollte die Heilung, wie erw\u00e4hnt, die Bekehrung bzw. die Festigung des Glaubens und das Ernstnehmen der Gebote Gottes zur Folge haben; dies nicht nur f\u00fcr die Kranken, sondern auch f\u00fcr deren Umgebung.<\/p>\n<p>Von Einbildung, von Autosuggestion aber kann hier keine Rede sein, nachdem sehr oft S\u00e4uglinge und Kleinkinder oder auch solche Menschen, die bewu\u00dftlos lagen, geheilt wurden. Desgleichen wurden t\u00e4glich Abwesende geheilt, f\u00fcr die ein Brief bzw. ein Telegramm mit Ansuchen um F\u00fcrbitte geschickt wurde, manchmal ohne da\u00df der betreffende Kranke davon unterrichtet worden war. Es war ja nicht Vr Johannes, der die Wunder wirkte, sondern Gott, den er darum bat in fester Zuversicht auf Seine Verhei\u00dfung: \u201eALLES, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubet, werdet ihr empfangen&#8220; (Matth. 21, 22).<\/p>\n<h3>Sein Tagesablauf<\/h3>\n<p>Meistens sah sein Tag folgenderma\u00dfen aus: Um 3 Uhr fr\u00fch stand er auf, um sich zum Gottesdienst vorzubereiten. Er ging im Hof auf und ab und betete vor sich hin. Gegen 4 Uhr fr\u00fch fuhr er zum Dom, zum Morgenamt (Mette). Am Haustor wartete eine Menge, um seinen Segen zu empfangen bzw. um Hilfe zu erbitten. Am Dom wartete eine andere Menge &#8211; die Bettler, denen er Almosen austeilte. Anschlie\u00dfend an das Morgenamt fing er die Feier der G\u00f6ttlichen Liturgie an. Der Dom war \u00fcbervoll und die Teilnehmer an der hl. Kommunion waren so zahlreich, da\u00df der Gottesdienst manchmal bis 12 Uhr mittags dauerte. Von tausendk\u00f6pfigen Mengen umgeben, verlie\u00df er den Dom, um sich unverz\u00fcglich nach St. Petersburg oder sonst wohin zu den auf ihn wartenden Kranken zu begeben. Selten kehrte er vor Mitternacht heim, um, wie er in seinem Tagebuch schrieb, \u201evolle drei Stunden (!) eines erquickenden Schlafs zu genie\u00dfen&#8220;. Seine einzige Ruhezeit w\u00e4hrend des Tages war die, die er in einem Eisenbahnabteil verbrachte. Oft war es nicht mehr, als die karge Stunde zwischen Kronstadt und St. Petersburg. Ab und zu &#8211; berichtete sein Biograph, Surski &#8211; kehrte er bei einer befreundeten Familie ein. Diese kurze Erholung benutzte er, um Zeitungen zu lesen, bzw. eine knappe Mahlzeit oder eine Tasse Kaffee oder Tee zu sich zu nehmen. (\u00dcberhaupt a\u00df er, was ihm vorgesetzt wurde und wenn er sich Zeit daf\u00fcr nehmen konnte.) Es verging kein Tag, wo nicht mehrere Kranke durch das F\u00fcrbittgebet des Gottesmannes geheilt wurden.<\/p>\n<p>Aus den Hunderten von Berichten, die man heute \u00fcber solche F\u00e4lle besitzt, entnehmen wir diese zwei, die besonders deutlich Gottes Absicht bei diesen Gebetserh\u00f6rungen zeigen. Die Namen der betreffenden Personen, von denen die Angeh\u00f6rigen heute noch leben, sind in allen Originalberichten angegeben. Die Berichte selbst sind in offiziellen kirchlichen Dienststellen aufbewahrt.<\/p>\n<p><strong> St. Petersburg, im Winter 1893. <\/strong>Da lag, mit einer doppelseitigen Lungenentz\u00fcndung, im Todeskampf, die Tochter eines bekannten polnischen Edelmanns r\u00f6m.-katholischen Bekenntnisses, R&#8230; Nach Sch\u00e4tzung des behandelnden Arztes (des ber\u00fchmten Dr. Botkin) sollte die Kranke die Nacht nicht \u00fcberleben. Da die Mutter herzleidend war, lie\u00df der Arzt seinen Assistenten, Dr. M&#8230;, zur\u00fcck, der bei der Sterbenden die Nacht verbringen sollte, um gegebenenfalls der alten Dame Hilfe leisten zu k\u00f6nnen. Dr. B. bat den jungen Arzt, ihn sofort nach dem Ableben der Patientin zu verst\u00e4ndigen. Kurz darauf riet eine Bekannte, Vater Johannes kommen zu lassen, der soeben in der N\u00e4he eingetroffen war. Obgleich nicht orthodox, willigte der Edelmann ein. Die erste Frage des Priesters war, ob die Anwesenden an Gott glaubten. Nachdem sie bejaht hatten, forderte er sie auf, mit ihm zu beten. Die Sterbende war bereits bewu\u00dftlos und r\u00f6chelte. Als Vater Johannes sein Gebet beendet hatte, legte er seine Hand auf ihren Kopf und sagte den Eltern: \u201eHabt keine Sorge, sie wird wieder gesund.&#8220; Dr. M., der seine Augen von der Sterbenden nicht abgewandt hatte, sah, wie das R\u00f6cheln pl\u00f6tzlich aufh\u00f6rte und die Atemz\u00fcge ruhig und gleichm\u00e4\u00dfig wurden. Das versetzte ihn in solch ein Erstaunen, da\u00df er sofort den Atem der Kranken scharf beobachtete und dabei feststellen mu\u00dfte, da\u00df sie schlief. Eine Stunde sp\u00e4ter erwachte sie und bat zu essen. Dr. M. lie\u00df ihr Fleischbr\u00fche verabreichen und begann, sie zu untersuchen. Sie war geheilt. Von diesem Tag ,in verteilte Dr. M. seinen betr\u00e4chtlichen Verdienst an die Armen. Oft schickte er mittellose Patienten auf eigene Kosten in Kurorte. Sein Schwager, von dem dieser Bericht stammte, erz\u00e4hlte, da\u00df er bis zu seinem Tode nichts besa\u00df. Oft mu\u00dfte ihm seine Mutter Kleidung und W\u00e4sche anschaffen, weil er nicht nur sein Geld, sondern auch seine Bekleidung verschenkt hatte.<\/p>\n<p><strong>Der zweite Bericht <\/strong>stammte von einer Frau, die 1960 noch lebte und deren Eltern mit Vr Johannes gut bekannt waren. \u201eAus Petersburg brachte man uns eines Tages den Buben unserer Bekannten. Sein Bein war mit Holzbast verbunden. Der zu uns eingeladene Vr Johannes feierte einen Bittgottesdienst, nach welchem er den Bast entfernte und befahl, das Bein nur mit Mull zu verbinden. Am Abend spielte der Junge mit uns, vollst\u00e4ndig gesund. Als man Vr Johannes fragte, was der Kleine gehabt hatte, antwortete er:\u201eSein Vater soll weniger trinken, dann wird der Junge gesund.&#8220; Der Vater war tats\u00e4chlich ein Trinker, der sich daraufhin von seiner Sucht befreite.<\/p>\n<p><strong>Vater Johannes starb eines friedlichen Todes am 20. Dezember 1908. <\/strong>Im Jahre 1964 wurde er nach einer eingehenden Untersuchung von der Kirche heilig gesprochen. Doch nicht nur w\u00e4hrend seines Erdenlebens, sondern auch, wie er es kurz vor seinem Tod versprochen hatte, wirkte auch weiterhin und wirkt bis heute der heilige Gottesdiener, St. Johannes von Kronstadt, als F\u00fcrbitter. Der Verfasser kennt pers\u00f6nlich zwei von einer schweren Krankheit pl\u00f6tzlich geheilte Menschen, die sich an ihn gewandt hatten; einer von ihnen lebt heute noch. Beeindruckend ist der Fall eines in Buenos Aires k\u00fcrzlich verstorbenen Prof. Eugen Moesner. Dessen Frau Ludmilla erkrankte 1952 an einem unheilbaren, \u00e4u\u00dferst qualvollen Leiden. Trotz allen Bem\u00fchungen der besten \u00c4rzte, und trotz der st\u00e4rksten Medikamente war es unm\u00f6glich, die Beschwerden der Kranken zu lindern, geschweige denn sie zu heilen. In der Nacht zum 6. 9. 52, als die Qualen unertr\u00e4glich geworden waren, betete die Kranke unter Tr\u00e4nen, die ganze Nacht hindurch, zum hl. Johannes, er m\u00f6ge durch seine F\u00fcrbitte, wenn es Gott gef\u00e4llig ist, ihre Schmerzen wenigstens ertr\u00e4glich machen. Am n\u00e4chsten Morgen war die Krankheit verschwunden, was vom behandelnden Arzt best\u00e4tigt wurde. Aus Dankbarkeit lie\u00df der hochbetagte Ehemann nach dem Tode seiner Frau &#8211; die nach ihrer Heilung noch mehrere Jahre lebte und dann ruhig und schmerzlos verstarb &#8211; eine kleine Brosch\u00fcre zu Ehre des \u201eNothelfers&#8220; aus eigenen Mitteln drucken. Da bezeugt er u. a. den Fall einer Bekannten aus Santiago de Chile, Isabella Martinez, einer frommen r\u00f6m.-katholischen Christin, deren 17-j\u00e4hrige Tochter an Tuberkulose erkrankt war und durch die F\u00fcrbitte des hl. Johannes geheilt wurde. Auf Anregung einer orthodoxen Dame hatte sie zum Heiligen inbr\u00fcnstig gebetet. Auch f\u00fchrt Prof. Moesner in seiner Brosch\u00fcre die pl\u00f6tzliche Heilung des in Pantschevo\/Jugoslawien seinerzeit an Zungenkrebs erkrankten Oberst Sch. an, die von zwei dort bekannten \u00c4rzten, Dr. Lewizki und Dr. Nowikov, festgestellt und bezeugt wurde.<\/p>\n<h3>Er war f\u00fcr alle da!<\/h3>\n<p>Trotz seiner warmen Vaterlandsliebe, zeigte Vr Johannes nie Abneigung oder Geringsch\u00e4tzung Ausl\u00e4ndern gegen\u00fcber. Und obwohl er ein \u00fcberzeugter Orthodoxer war, der kompromi\u00dflos zu der Lehre der Orthodoxen Kirche festhielt, betrachtete er nie Andersgl\u00e4ubige \u201evon oben herab&#8220;. Bei seiner F\u00fcrbitte machte er zwischen Orthodoxen und Nichtorthodoxen keinen Unterschied. Immer wieder h\u00f6rte man ihn bei der hl. Liturgie Namen nennen, die offenkundig Andersgl\u00e4ubigen geh\u00f6rten. Es wandten sich an ihn nicht nur Christen anderer Konfessionen, sondern auch Nichtchristen &#8211; Mohammedaner, Juden und andere. Einmal kam zu ihm ins Gotteshaus eine Tatarin. \u201eGlaubst du an Gott?&#8220; &#8211; fragte Vr Johannes. Und, als sie bejahte: \u201eGut, dann kniee nieder und bete zu deinem Gott; ich werde zu meinem beten.&#8220; Und Gott erf\u00fcllte die Bitte der Frau. Ein anderes Mal war es ein Tatar, der sagte: \u201eDein Gott ist m\u00e4chtiger als mein Allah. Bete, da\u00df mir in meinem Ungl\u00fcck geholfen werde.&#8220; Auch das schlug Vr Johannes nicht ab. Der franz\u00f6sische Admiral Gervais schrieb ihm: \u201eGeben Sie Raum in Ihrem gottgef\u00e4lligen Gebet auch meiner Heimat, Frankreich!&#8220; Vr Johannes betete f\u00fcr alle, die aufrichtig an Gott glaubten. Ein franz\u00f6sischer (r\u00f6m.-kath.) Bischof bat um 20 000 Franken, um ein Waisenhaus von Feinden des Christentums loszukaufen. Diese Bitte wurde von dem orthodoxen Priester sofort erf\u00fcllt.<\/p>\n<h3>Der Prophet<\/h3>\n<p>Vater Johannes besa\u00df im hohen Ma\u00dfe die prophetische Gabe. Er war im genauesten Sinne des Wortes ein \u201eHellseher&#8220;. Hier einige Beispiele:<\/p>\n<p>1903 wurde in Albanien der russische Konsul ermordet. Seinen Hinterbliebenen war eine Entsch\u00e4digung von 400 000 Goldrubel versprochen, aber die Leute konnten nicht entscheiden, ob sie diese Summe annehmen sollten oder nicht. So fuhr die Mutter des Ermordeten zu Vr Johannes, um sich von ihm Rat zu holen. Am Haus des Priesters stand wie immer eine Menschenmenge, die auf Einla\u00df wartete. Als Vr Johannes heraustrat, \u00fcberschaute er mit einem Blick die Menge und dann zeigte er auf die Dame mit den Worten: \u201eMutter, komm her zu mir!&#8220; Und bevor sie etwas sagen konnte, sprach der Priester: \u201eDu bist eine echte Mutter. F\u00fcr das Blut des Sohnes darf man kein Geld annehmen!&#8220;<br \/>\nAls er das Frauenkloster zu Ehre des hl. Johannes von Ryla, seines Schutzpatrons, erbauen lie\u00df, sagte Vr Johannes eines Tages dem Architekten: \u201eSetzen Sie bitte noch mehr Wohnr\u00e4ume hinzu, f\u00fcr die Lesna-Nonnen!&#8220; Damals konnte niemand verstehen, was damit gemeint war. Erst im 1. Weltkrieg &#8211; etwa 6 Jahre nach seinem Tode, als man aus dem Westgebiet das Lesna-Kloster evakuierte und 40 Nonnen im Johannes-Kloster Unterkunft fanden, wu\u00dfte man es.<\/p>\n<h3>Wie er vom Durchschnittpriester zum heiligen Gottesdiener wurde<\/h3>\n<p>Im Gegensatz zu den Heiligen des Mittelalters und der Neuzeit, hat Johannes von Kronstadt nichts \u201e\u00dcbermenschliches&#8220; geleistet. Keine Bu\u00df\u00fcbungen, keine besondere Askese, wie er es selbst best\u00e4tigte.<\/p>\n<p>Die Fastenzeiten hielt er zwar gewissenhaft ein, wie es auch sonst von jedem Orthodoxen verlangt wird, aber so fasten, wie es die M\u00f6nche in strengen Kl\u00f6stern tun, konnte er nicht. Stets unterwegs, au\u00dfer der Zeit, die er beim Gebet und Gottesdienst verbrachte, konnte Vr Johannes nur das essen, was ihm vorgesetzt bzw. angeboten wurde.<\/p>\n<p>Gekleidet war er gut, weil ihm seine Kleidung geschenkt wurde, und er wollte nicht die Gl\u00e4ubigen durch Abschlagen dieser Gaben kr\u00e4nken. Zwar schlief er wenig, aber nicht als etwaige Bu\u00df\u00fcbung, sondern weil er sich keine Zeit dazu nahm; der Dienst an Gott und an dem N\u00e4chsten ging bei ihm vor.<\/p>\n<p>Was brachte ihn dann auf solch eine geistliche H\u00f6he? &#8211; Wie bereits gesagt, er war ein Mensch, der nur \u201eaufs Ganze ging. In seinem dreifachen Dienst &#8211; an Gott, Seiner Kirche und am N\u00e4chsten, ging er stets aufs Ganze, indem er die Weisungen des Evangeliums ganz genau beherzigte und in die Praxis umsetzte. Das aber, was ihm die Kraft dazu verlieh, war der Umstand, da\u00df er auch in seinem liturgischen Tun aufs Ganze ging und somit im wahrsten Sinne des Wortes in und mit Christus lebte. Ihm hat deswegen auch die Verhei\u00dfung des Herrn gegolten:<br \/>\n\u201eWenn ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so bittet, um was immer ihr wollt und es wird euch widerfahren&#8220; (Joh. 15, 7).<\/p>\n<h3>Die Widrigkeiten<\/h3>\n<p>Wie (ausnahmslos) jeder, der sich um den Dienst an Christus und an Seiner Kirche aufrichtig bem\u00fcht, mu\u00dfte auch St. Johannes von Kronstadt Feindschaft, Verleumdung und \u00fcble Nachrede erleiden. Dies um so mehr als die Wunder, die Gott auf seine F\u00fcrbitte hin wirkte, ihm au\u00dferdem noch den Ha\u00df der Neider einbrachte. Der Heiland hatte ja Seinen J\u00fcngern prophezeit: \u201eDer Knecht ist nicht gr\u00f6\u00dfer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen&#8220; (Joh. 15, 20) und: \u201eDer J\u00fcnger ist nicht \u00fcber den Meister noch der Knecht \u00fcber seinen Herrn. Haben sie den Hausherrn Belsebub gehei\u00dfen, wieviel mehr werden sie seine Hausgenossen so hei\u00dfen!&#8220;  (Matth. 10, 25). Aber die Abneigung und der Argwohn gegen Vr Johannes kam nicht nur von erkl\u00e4rten Feinden des Christentums sondern auch von Kirchenm\u00e4nnern, die selbst gro\u00dfe Gottesdiener waren, wie z. B. der heiligm\u00e4\u00dfige Bischof Theophanes der Klausner. Man mu\u00df aber zuf\u00fcgen, da\u00df in solchen F\u00e4llen, da die Kritik nur auf Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen beruhte, sich diese sehr bald in Anerkennung wandelte.<br \/>\nDas gro\u00dfe Mi\u00dfverst\u00e4ndnis<\/p>\n<p>Wenn man \u00fcber das Leben und das Werk des Gottgef\u00e4lligen nachsinnt, so wird einem klar, da\u00df dieser, damals wie heute, von vieler seiner Verehrer gr\u00fcndlich mi\u00dfverstanden wird. Es ist n\u00e4mlich nie die Absicht St. Johannes&#8216; gewesen, die Menschen durch Wunderheilungen und Prophezeiungen in Erstaunen zu setzen, geschweige denn einen \u201ePersonenkult&#8220; zu stiften. Wie er sich selbst einsch\u00e4tzte, ist aus seinen Worten bei einer Priesterversammlung im Jahre 1904 zu ersehen, wo er gebeten wurde, \u00fcber seine erfolgreiche T\u00e4tigkeit zu sprechen. \u00dcber diese sagte er u. a. aus: \u201eAlles, was in mir gut ist, das kommt durch Gottes Gnade; alles aber, was unvollkommen und schlecht ist &#8211; das kommt von mir.&#8220;<\/p>\n<p>Sein einziges Ziel war die Veranschaulichung der ewigen G\u00fcltigkeit des Evangeliums. Er wollte zeigen, da\u00df die Wahrheit, die Christus geoffenbart hat, nicht nur vor ca. zweitausend Jahren, sondern HIER UND HEUTE und zwar F\u00dcR ALLE gilt. \u201eDer J\u00fcnger ist nicht \u00fcber seinen Meister; wenn er aber vollkommen wird, so wird er, wie sein Meister&#8220;, spricht der Herr (Luk. 6, 40). Die ganzen Gnadengaben, die St. Johannes verliehen wurden, waren nichts als Zeichen zur Best\u00e4tigung seiner Predigt, darunter seiner schriftlichen Predigt, die auch nach seinem Tode wirken sollte.<\/p>\n<p>Da\u00df St. Johannes von Kronstadt die Menschen zu Christus und Seiner Kirche f\u00fchren wollte und nicht seinen eigenen Ruhm suchte, das vergessen gar zu oft diejenigen, die ihn zu gerne als eine Art \u201eWunderdoktor&#8220; und \u201eHilfeautomat&#8220; betrachten m\u00f6chten, ohne den eigentlichen Sinn und Zweck seiner Hilfe einzusehen, und zwar da\u00df dieses Ziel die Heilung bzw. die Heiligung vor allem der Seele war, entweder weil diese Seele vom Weg Christi abgewichen war oder (wie z. B. im Falle von Ludmilla M.), um durch sie die ewige G\u00fcltigkeit der Verhei\u00dfungen Christi zu bezeugen.<\/p>\n<p>(aus \u201eOrthodoxe Rundschau&#8220;, Heft 18, 1973)<br \/>\nSein Festtag ist der zweite Januar ( 20. Dez.)<\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=http:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienJ\/Johannes_von_Kronstadt.htm>http:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienJ\/Johannes_von_Kronstadt.htm<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Heilige Johannes von Kronstadt Der Heilige Johannes von Kronstadt &#8211; mit weltlichem Namen Johannes Sergiew &#8211; wurde am 19. Okt. 1829 im D\u00f6rflein Sury in Nordru\u00dfland als Sohn eines Me\u00dfners geboren. Die gottesf\u00fcrchtigen Eltern erzogen das Kind schon fr\u00fch zum Gebet und Gottvertrauen. 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