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Tagesbuch

Mein Leben in Christo. Das Wort 49

30.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Für den Christen ist es unerläßlich zu fasten, um den Verstand zu klären und das Gefühl zu wecken und zu entwickeln und den Willen zu guter Tätigkeit zu lenken. Diese drei Fähigkeiten des Menschen verdunkeln und erdrücken wir hauptsächlich durch „Üppigkeit im Essen, Trunksucht und alltägliche Sorgen“ (Luk. 21,34) und fallen dadurch ab von der Quelle des Lebens, Gott, und fallen in Vergänglichkeit und Unwesentlichkeit, indem wir in uns das Ebenbild Gottes verkehren und beflecken. Üppigkeit im Essen und Neigung zu Genüssen binden uns fest an die Erde und beschneiden sozusagen die Flügel der Seele. Seht aber, welch hoher Flug bei allen Fastern und Enthaltsamen zu erkennen ist. Wie Adler schwebten sie in dem Himmel, sie die Erdgeborenen lebten mit Verstand und Herz in den Himmeln und hörten dort unaussprechliche Worte und lernten dort die göttliche Weisheit, und wie sehr erniedrigt sich der Mensch durch Völlerei, Üppigkeit im Essen und Trunksucht. Er verkehrt seine Natur, die nach dem Bilde Gottes geschaffen ist und wird gleich einem vernunftlosen Vieh und sogar schlimmer. Wehe uns wegen unserer Neigungen, wegen unserer gesetzlosen Gewohnheiten. Sie hindern uns, Gott und die Nächsten zu lieben und die Gebote Gottes zu erfüllen. Sie pflanzen in uns ein die verkehrte, fleischliche Selbstliebe, deren Ende das ewige Verderben ist. So ist für den Trinker viel Geld nicht zu schade für sein Vergnügen und seine Verdummung, aber für die Armen sind ihm Pfennige zu schade.
Der Tabakraucher wirft dutzende und hunderte von Rubeln zum Fenster hinaus. Für die Armen aber sind ihm die Kopeken zu schade, die seine Seele retten könnten. Diejenigen, die sich gerne luxuriös kleiden oder moderne Möbel und Einrichtung lieben, geben für Kleidung und Einrichtung große Geldsummen aus, gehen aber an den Armen mit Kälte und Verachtung vorbei. Diejenigen, die gut zu speisen lieben, sparen für Essen nicht dutzende und hunderte von Rubeln, für die Armen aber sind ihnen Groschen zu schade, Für den Christen ist es auch deshalb unumgänglich zu fasten, weil durch die Menschwerdung des Gottessohnes die menschliche Natur vergeistigt und vergöttlicht ist, und wir zum Reich des Höheren gehen, welches „nicht Speise und Trank ist, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm. 14,17) „Die Speise dem Leib, den Leib der Speise, Gott aber macht dieses wie jenes zunichte“ (Kor, 6,13). Essen und Trinken, d. h. Vorliebe für sinnliche Genüsse, sind nur dem Heidentum eigen, welches, da es keine geistige, himmlische Freude kennt, das ganze Leben im Genuß des Leibes, im Essen und Trinken sieht. Deshalb entlarvt der Herr oft im Evangelium diese verderbliche Eigenschaft.

Mein Leben in Christo. Das Wort 47

29.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Ich blicke auf die Ikonen im Gotteshaus, auf deine Ikone, die Ikone meines Herrn, die Ikone deiner allreinen Mutter, der heiligen Engel und Erzengel und auf die Angesichter der Heiligen, die geschmückt sind und in Gold und Silber glänzen. Und ich denke bei mir selbst: Wie hast du unsere Natur, unser Wesen geehrt und geschmückt, Schöpfer aller Dinge und vorsehend Waltender für alle. Durch dein Licht glänzen alle Heiligen,
durch deine Gnadenfülle sind sie heilig, indem sie die Sündhaftigkeit besiegt und die Befleckung des Fleisches und Geistes durch die Sünde abgewaschen haben. Durch deine Herrlichkeit sind sie herrlich, durch deine Unverweslichkeit unvergänglich, Preis sei dir, der du so sehr unser Wesen geehrt, erleuchtet und erhöht hast. Hier sind deine Apostel und Priester, lebendige Ebenbilder deiner, des Höchsten, Sendboten des Vaters und Priesters und ersten Hohepriesters, der die Himmel durchschritten hat.
Deine Güte, deine Weisheit, deine Kraft, deine geistige Schönheit, Macht, Größe, Heiligkeit strahlt in ihnen. Hier sind deine Märtyrer, die durch deine Kraft schreckliche Versuchungen überwunden haben, die schreckliche Qualen erlitten; in deinem Blut haben sie das Gewand, ihrer Seelen weiß gewaschen; hier sind deine Asketen, die durch Fasten, Wachen, Gebet deine wunderbaren Gaben empfangen haben, die Gaben der Heilung, der Hellsicht. Deine Kraft machte sie stark genug, über der Sünde und allen dämonischen Ränken zu stehen. Dein Ebenbild glänzt in ihnen wie die Sonne.

Mein Leben in Christo. Das Wort 48

28.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Man sagt, es sei nicht wesentlich in der Fastenzeit verbotene Speisen zu essen, das Fasten liege nicht in der Speise, es sei nicht wichtig, teure und schöne Gewänder zu tragen, ins Theater zu fahren, zu Abendgesellschaften, Maskenbällen, großartiges teures Geschirr anzuschaffen, ebensolche Möbel, teure Equipagen, schnelle Pferde, Geld anzuhäufen usw. aber weswegen wendet sich unser Herz ab von Gott, der Quelle des Lebens, weswegen verlieren wir das ewige Leben? Ist es nicht wegen der Völlerei, der wertvollen Kleidung, wie der Reiche im Evangelium, nicht wegen der Theater und Maskenbälle? Weswegen werden wir hartherzig gegenüber den Armen und sogar gegenüber unseren eigenen Verwandten? Nicht wegen unseres Hanges zu Genüssen, zum Bauch, zur Kleidung, zu teurer Einrichtung und Möbeln, zu Equipagen, zu Geld usw! „Kann man Gott und dem Mammon dienen“? (Matth. 6,24) Freund der Welt und Freund Gottes sein, Christus dienen und dem Veliar? Es ist unmöglich.

Mein Leben in Christo. Das Wort 46

27.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Es ist unzweifelhaft, daß der Teufel in den Herzen sehr vieler Menschen sitzt als eine Art Schlaffheit des Herzens, als Lähmung und Trägheit zu jedem guten und nützlichen Werk, insbesondere zu Werken des Glaubens und der Frömmigkeit, die Aufmerksamkeit und Nüchternheit des Herzens und überhaupt geistig-seelische Anstrengung verlangen. So trifft er das Herz durch Schlaffheit, den Verstand durch Stumpfheit während des Gebets. So trifft er das Herz durch Schlaffheit, Kälte und Untätigkeit dann, wenn es notwendig ist, etwas Gutes zu tun,
beispielsweise einem Leidenden mitleiden, einem in Not befindlichen helfen, einen Traurigen trösten, einen Unwissenden belehren, einen Verirrten und Lasterhaften auf den wahren Weg zu leiten. Man muß stets mit Aufmerksamkeit auf sein Herz achten, aus ihm die Finsternis der Trägheit und der verhärteten Fühllosigkeit vertreiben, darauf achten, daß es immer in Glaube und Liebe zu Gott und dem Nächsten brennt und zu allen Mühen und zur Selbstaufopferung für den Ruhm Gottes und die Rettung des Nächsten bereit ist „In ihrem Bemühen nicht träge, im Geiste brennend dem Herren arbeitend“ (Röm 12,11). – Der Teufel sitzt in unseren Herzen auch noch durch ungewöhnlich heftige Reizbarkeit. Wir werden manchmal so krank vor Eigenliebe, daß wir nicht den geringsten Widerspruch dulden, nicht das geringste materielle oder geistige Hindernis, nicht ein einziges ungeglättetes, grobes Wort. Aber gerade dann heißt es ertragen, wenn die Wasser der Bosheit und Ungeduld zu unserer Seele steigen, „In eurer Geduld erlangt eure Seele“ (Luk. 21,19) „Es kamen die Wasser und wehten die Winde und bestürmten jenes Haus“ (Matth. 7,27) Was wird aus dem Menschen, wenn der Teufel auf ihn die Wasser seiner Versuchungen losläßt und den Wind seiner Ränke gegen ihn wehen läßt. Wenn der Christ fest auf dem Stein Christus steht, dann fällt er nicht, wenn er aber auf dem Sand seiner Klugheit und seiner Leidenschaft steht, dann fällt er sehr deutlich. (Matth. 7,24-27).

Mein Leben in Christo. Das Wort 45

26.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Unglücklich ist, wer über die Maßen die Bequemlichkeit im Leben liebt und sich mit allem möglichen Komfort eingerichtet hat. Er wird jede Unbequemlichkeit scheuen, verzärteln und wird sich nicht an Geduld gewöhnen können, Währenddessen ist das Leben des Christen ganz Unbequemlichkeit, ein enger und unebener Weg, ein Kreuz, das Unbequemlichkeit und große Geduld erfordert. Daher strebe nicht nach Wohnungen mit allen Bequemlichkeiten und liebe nicht Bequemlichkeit der Welt, sondern liebe den kreuztragenden Christus, ertrage Unbequemlichkeiten, gewöhne dich an Unbequemlichkeit. „Ich habe mich gewöhnt, zufrieden zu sein in den Umständen, in denen ich bin“, spricht der Apostel (Phil. 4.11). Unglücklich ist, wer Schmuck liebt und Schmuck für seinen Leib sucht. Er wird nicht die notwendige Mühe aufbringen für den Schmuck seiner Seele durch Glauben, Liebe, Sanftmut, Demut, Gerechtigkeit, Geduld. Besonders unglücklich ist der, der den Schmuck durch Ehrungen liebt, er macht aus sich ein schändliches Idol und wie Nebukadnezar wird er sich brüsten vor denen, die nicht seine Ehrungen haben und Verehrung für sich fordern („Nicht in glänzendem Schmuck“) (I. Thimot, 2,9). Sogar wir Männer sind geworden wie Frauen, wir schmücken uns selbst wie Idole, denken aber wenig an die innere Wohlgestalt, haben sogar völlig den inneren Raum unserer Seele verlassen. Unglücklich ist, wer die Eile liebt, er wird vielmals stolpern, auf tausende von Unannehmlichkeiten und inneren Schwierigkeiten stoßen wegen seiner Eile und wird häufig Anlaß zur Reizbarkeit haben. Unglücklich ist, wer Neigung zu Essen und Trinken hat und um die Sättigung sich bemüht. Er wird in der Praxis sehen, wenn er für den Herrn zu arbeiten beginnt, daß Nahrung und Trank, wenn wir das Herz daran heften, ein Hindernis ist für den Leib, Betrübnis und Schiffbruch des Geistes und daß der Mensch mit sehr weniger und einfacher Speise satt werden kann.

Mein Leben in Christo. Das Wort 44

25.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

„Die ihr habt das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen“. (I. Tim 3,9). Ein reines Herz erfordert der
heilige, göttliche himmlische, christliche Glaube, um wohltätig auf das ganze Wesen des Menschen zu wirken, in einem unreinen Herzen kann er jedoch nicht wohnen und wohltätige Veränderungen in ihm bewirken, wenn der Mensch sich nicht von seinen Lastern bessert. Deshalb gibt es auch im Christentum viele, die berufen sind, aber wenige die auserwählt sind. Viele nennen sich Christen, jedoch nicht viele sind in Wirklichkeit solche, nicht viele bringen die Früchte des Reiches Gottes. Deshalb gibt es im Christentum viele gottlose Freidenker, Abergläubische, Gewinnsüchtige, Unzüchtige, Trinker, Diebe usw. Nicht der Glaube ist Schuld, daß die Christen so sind, sondern die, die den Namen Christi tragen, sind schuld an ihrer Unaufmerksamkeit gegenüber dem Glauben, seinen Regeln, an ihrer Unreinheit und ihrer Neigung zum Irdischen, deretwegen sie in ihrem unreinen Herzen nicht dem reinen himmlischen Schatz des Christusglaubens Wohnung geben können, und sie gehen zugrunde an der Quelle der Rettung. Wehe uns undankbaren, schlechtgesinnten, eingebildet Weisen, eitlen, unzüchtigen und Trägen. Herr, was sollen wir tun? Besiege uns durch deine Güte, durch deine Liebe, durch deine Weisheit. Mache das Sinnen unseres Fleisches zunichte. Besiege unsere Bosheit durch die Macht deiner Güte.

Mein Leben in Christo. Das Wort 43

24.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Du bemerkst ständig, daß Gott in dir keine, nicht die geringste zeitweilige Unreinheit duldet und dich, sobald du im Herzen irgendeinen unreinen Gedanken zuläßt, der Friede verläßt und gleichzeitig Gott selbst und du zum Aufenthaltsort des Teufels wirst, wenn du nicht sogleich die Sünde abweist, so daß man von jedem sündhaften Gedanken, um so mehr von einem sündhaften Wort oder einer Tat sagen muß: das ist der Teufel. Von jedem heiligen und guten Gedanken ebenso wie von entsprechenden Worten und Taten müssen wir sagen, daß dies Gott ist oder daß dies von Gott ist. Stell dir nun vor, was für ein geschmücktes, reines und unerschütterliches Gemach des Allherrschers die allreine Seele und der allreine Leib der Gottesmutter ist, in deren Leib sich Gott das Wort niederließ, und in ihr mit Seiner Gottheit mit Seiner Seele und mit Seinem allreinen Leib wohnte. Stell dir vor, was für eine ewige, unendliche, unveränderliche Heiligkeit sie ist. Stell dir vor, welcher Ehrfurcht und welcher Verehrung sie würdig ist, Stell dir vor, wer wir sind, noch „Rohr“ vom teuflischen „Wind bewegt“ (Matth. 11. 7). Sobald der Teufel mit seiner Lästerung in unser Herz bläst, geraten wir gleich ins Schwanken durch seine Lästerung, geraten in Verwirrung und Niedergeschlagenheit, während man eigentlich alle Lästerungen verachten und ihnen keine Beachtung schenken muß wie Träumen oder Phantasien.

Mein Leben in Christo. Das Wort 42

23.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Die heiligen Engel und die heiligen Menschen Gottes sind unsere besten und treuesten Brüder und Freunde, die uns so oft helfen in verschiedenen Umständen, in denen kein Mensch helfen kann. Da diese Brüder, die ewig leben und uns Wohltaten erweisen, unsichtbar sind, wir aber gemäß unserer Körperlichkeit sie vor unseren Augen haben wollen, gleichsam immer bei uns gegenwärtig, so stellen wir ihre Darstellungen her. Und indem wir auf ihre Darstellungen schauen, stellen wir uns vor, daß sie mit uns sind, und wir rufen sie an in unseren Gebeten, da wir wissen, daß sie eine große Freimut vor Gott haben und uns in verschiedenen Umständen helfen. Auf diese Weise ist die Ikonenverehrung für uns sehr wohltätig, in Übereinstimmung mit unserer Natur, dem gesunden Menschenverstand und auch mit der Heiligen Schrift selbst, denn Gestalten der Cherubim waren auch im alttestamentlichen Heiligum des Mose. Die Ikonen dienen uns als ständige Erinnerung daran, daß der Herr immer bei uns ist: „Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt“ (Matth. 28,20), daß die heilige Gottesgebärerin immer uns nahe ist, als Anfang des geistigen Aufbaus der Kirche, als Mutter aller wahren Christen gemäB der Gnade. Und alle wahren Christen haben ein Bild der Mutter Gottes und ihrer Herrin und Mutter gemäß der Gnade in ihren Häusern und schmücken sie im Überfluß billig und recht mit Silber und Gold und Edelsteinen, denn es gibt für sie niemanden, außer Gott, der für sie teurer und achtenswerter wäre als Seine allreine Mutter. Der Herr und Seine allreine Mutter bezeugen uns selbst unablässig sowohl innerlich als auch äußerlich durch Wunder, daß unsere wahre Verehrung Seiner Hei-
ligen und Seiner Mutter und seine heiligen Ikonen Ihm gefällig ist und für uns in größtem Maße nützlich.

Mein Leben in Christo. Das Wort 41

22.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Es ist eine natürliche Sache, Darstellungen Christi, der allreinen Gottesmutter, der Engel und Heiligen zu haben, erstens erfordert dies unsere Natur. Wir haben immer den Wunsch, vor uns das Bild des Geliebten zu haben, das Bild des Wohltäters, um auf ihn schauend öfter an ihn und Seine Wohltaten zu denken, uns vor ihm zu verneigen, wie wir gewöhnlich auch mit lebendigen Menschen verfahren, besonders von uns geachteten und geliebten, zweitens sind wir nach dem Bilde und Ebenbilde Gottes geschaffen. Für uns ist der Wunsch natürlich, vor unseren Augen immer unser Urbild zu haben, unseren Uranfang, Gott den Herrn in den Gestalten, in denen Er selbst den Menschen erschienen ist, um öfter an Ihn zu denken, an Seine ständige Gegenwart bei uns, an Seine Vorsehung, um in sichtbaren Zeichen oder Gebräuchen unsere Ehrfurcht Ihm gegenüber, unsere Dankbarkeit und unsere Liebe auszudrücken, denn wir sind körperlich und haben wegen unserer Körperlichkeit das Bedürfnis nach stofflichen Darstellungen, stofflichen Gebräuchen. Deshalb erschien der Herr selbst den Gottgefälligen, beispielsweise Abraham in Gestalt der drei Fremden im Eichenhain von Mamre, dem Jesaja in Gestalt eines großen Königs, der auf einem hohen und erhöhten Thron
sitzt, dem Propheten Daniel in Gestalt eines Alten an Tagen und in Gestalt des Menschensohnes, der zu ihm geführt wird. Wenn ein sichtbares Bild des unsichtbaren Gottes nicht notwendig wäre, so wäre Er natürlich auch nicht in sichtbarer Gestalt erschienen, wäre nicht in unserem Fleisch auf der Erde erschienen, hätte nicht die Knechtsgestalt angenommen, und David spricht: „suchet ständig Sein Antlitz“ (Ps. 104,4/105,4).
Deshalb haben wir mit uns, und verehren wir, die Darstellung der allreinen Gottesmutter, der Engel und Heiligen, d. h. deshalb weil sie lebendige Bilder und Ebenbilder Gottes sind und wir, indem wir auf sie blikken, uns lebhafter an ihre Anstrengungen, Tugenden, Wohltaten uns gegenüber erinnern, an ihre brennende Liebe zu Gott, und selbst angeregt werden, sie nachzuahmen, zur Wachsamkeit über uns selbst, zur Reinigung unserer selbst von aller Unreinheit des Fleisches und Geistes, zur Verherrlichung ihrer Mühe, und machen sie dadurch zu Fürsprechern für uns vor Gott, denn Gott nimmt gerne die Fürsprache Seiner Freunde und Seiner treuen Diener für Menschen, für die diese vor Ihm sprechen, an. Da wir nicht körperlose Geister sind, sondern in Fleisch eingehüllte Wesen, die stoffliche Umrisse haben, eine materielle Gestalt, so suchen wir natürlicherweise Bilder der unsichtbaren Wesen und aus Herablassung für unsere Schwäche gab der Herr auch den Engeln die Macht, unsere Gestalt anzunehmen und uns in unserer Gestalt zu erscheinen, wie z. B. ein Erzengel dem Jesus Navin erschien, David, Maria und Anna, Sacharia, der allheiligen Jungfrau Maria und anderen im alten und neuen Testament. Beweisen wir nicht selbst im täglichen Leben das Erfordernis unserer Natur, ihr Bestreben, Darstellungen geliebter Personen zu haben, wenn wir dem Wunsch Ausdruck geben, ihre Portraits bei uns zu haben und selbst unsere eigenen Darstellungen anfertigen lassen und sie an die Wand hängen oder in ein Album
einfügen, um häufig auf sie zu blicken und den Ausdruck geachteter und geliebter Personen zu genießen.

Mein Leben in Christo. Das Wort 40

21.09.2011 | Thema: Mein Leben in Christo |

Bildhaftigkeit oder Symbol ist ein Erfordernis der menschlichen Natur in unserem jetzigen geistig-sinnlichen Zustand. Sie erklärt anschaulich vieles aus der geistigen Welt, das wir ohne Bilder und Symbole nicht wissen könnten. Deshalb hat unser göttlicher Lehrer, die hypostasierte Weisheit, die alles erschuf, der Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus, oft die Menschen mit Bildern oder Gleichnissen gelehrt. Deshalb ist es in unserem orthodoxen Gotteshaus gebräuchlich, dem Blick der Christen vieles bildhaft dazustellen, z.B. den Herrn selbst auf einer Ikone, die allreine Gottesmutter, die Engel und alle Heiligen, damit wir unser Leben, alle Gedanken, Worte und Taten nach dem Bilde der Gedanken, Worte und Taten des Herrn und Seiner Heiligen formen. Daher die häufige Darstellung des Kreuzes, die Beräucherung mit Weihrauch, das Anzünden von Kerzen und Lampaden und die Einzüge und Auszüge aus dem Altar, deshalb die Verneigungen, das Senken des Kopfes und das Fallen
kehrt, damit sie ihm, wenn er kommt und anklopft, auf die Knie. Wir sind tief gefallen durch die Sünde. Alles dieses erinnert uns an verschiedene geistige Dinge und Zustände. Die Bildhaftigkeit beeinflußt vielfältig die menschliche Seele, ihre schöpferische oder aktive Fähigkeit. Wenn der Christ häufig mit Liebe und Ehrfurcht auf das Bild des Herrn Jesus Christus oder Seiner allreinen Mutter und Seiner Heiligen blickt, so nimmt auch seine Seele die geistigen Züge der in Liebe geschauten PersonSanftmut, Demut, Barmherzigkeit, Enthaltsamkeit – an. Würden wir doch häufiger auf das Antlitz und insbesondere das Leben des Herrn und Seiner Heiligen blicken. Wie würden wir uns verändern, würden von Macht zu Macht emporsteigen. Ebenso erinnert uns der Geruch des Weihrauches in der Kirche oder zu Hause durch Entsprechung an den Wohlgeruch der Tugenden und an das Gegenteil, den Gestank der Sünden und lehrt den, der dem inneren Gespür gegenüber aufmerksam ist, den Gestank der Leidenschaften, Unenthaltsamkeit, Unzucht, Bösartigkeit, Neid, Stolz, Verzweiflung und andere Leidenschaften zu fliehen und sich mit christlichen Tugenden zu schmücken.
Der Weihrauch und das Weihrauchfaß erinnert uns an die Worte des Apostels: „Wir sind ein Wohlgeruch für Gott unter den Geretteten und unter den ins Verderben gehenden, den einen aber Geruch zum Tode, den anderen jedoch Geruch des Lebens zum Leben“ (II. Kor. 2,15,16). Auf ähnliche Weise erinnert uns die Kerze oder Lampade an das geistige Licht und Feuer, beispielsweise an die Worte des Herrn: „Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, auf daß jeder, der an mich glaubt, nicht in Finsternis bleibe“ (Joh. 12,46), Oder: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu schleudern und wie ich es will hat es schon zu brennen begonnen“ (Luk. 12,49). Oder: Eure Lenden seien umgürtet und die Leuchter mögen brennen und ihr möget den Menschen gleichen, die ihren Herren erwarten wenn er vom Hochzeitsmahl zurück-
öffnen“ (Luk. 12,35,36). Oder: „So möge euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, preisen“ (Matth. 5,16). Und durch den Gegenstand selbst, durch ihr Wesen lehren sie uns die dem Licht und Feuer entsprechenden geistigen Dinge oder Gegenstände, beispielsweise, daß unsere Herzen immer brennen in Liebe zu Gott und dem Nächsten, daß wir nicht das Feuer der Leidenschaften und der Hölle zulassen, daß wir durch das Beispiel des tugendhaften Lebens den anderen leuchten wie uns die Kerze in den Dingen des Lebens leuchtet.


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