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Osterbotschaft Seiner Heiligkeit, des Patriarchen von Moskau und ganz Russland, KYRILL, an die Oberhirten, Hirten, Mönche, Nonnen und alle gläubigen Kinder der Russisch-Orthodoxen Kirche

23.04.2011 | Thema: Predigt, Tagebuch |

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22.04.2011 ·

Im HERRN geliebte Oberhirten, allverehrte Presbyter und Diakone, gottliebende Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

Von dem mit Dankbarkeit an Gott erfüllten Herzen, verkündige ich Euch allen die große und heilsbringende Botschaft:

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!

Jahr für Jahr bezeugt die Kirche mit diesem Ausruf jenes Geschehen von universaler Bedeutung, das sich vor fast zweitausend Jahren ereignet hat. Damals kamen die Myron tragenden Frauen früh am Morgen zum Bestattungsort ihres Lehrers und sahen, dass das Grab leer war. Die göttliche Kraft Christi hat das Gesetz des Todes besiegt. Er ist auferstanden, indem er der ganzen Menschheit bezeugt hat, dass der Tod kein Lebensende ist, sondern dass der Tod durch die Kraft Gottes überwunden wird.

Die Auferstehung Christi als das einmalige Geschehen in der Weltgeschichte, ist nach Gottes Absicht auch zum Anfang unserer persönlichen Auferstehung geworden. Der Heiland ist nämlich dafür in der Welt gekommen, gelitten, wurde gekreuzigt und ist von den Toten auferstanden, damit jeder die Möglichkeit hat, durch die Erfahrung der von den Toten Auferstehung durchzugehen, und zwar nicht im übertragenen, sondern im wahren Sinne dieses Wortes. Apostel Paulus zeugt davon deutlich: „Gott … wird uns auch auferwecken durch seine Kraft“ (1 Kor. 6, 14).

Eben deshalb ist das Paschafest ein Siegesfest des Lebens über den Tod, denn durch die Auferstehung von Christus, dem Erlöser, ist uns allen die Auferstehung von den Toten geschenkt worden. Welch schwierige Umstände des irdischen Daseins wir auch durchschreiten, welche Prüfungen uns auch treffen, mit welchen Ängsten uns auch jene zu schrecken versuchen, die ohne geistliche Kraft die Zukunft deuten wollen, unsere Weltauffassung soll gelassen und freudig sein, weil Christus auferstanden ist!

Im Heiligen Rus´ war das Paschafest immer am größten und hellsten. In den letzten Jahrzehnten ist es erneut in viele Häuser und Familien zurückgekehrt. Heute begeht man es auch dort, wo früher kein Paschagruß klang: in Krankenhäusern und Gefängnissen, im Militär und in der Flotte, sogar im Weltraum. Walte Gott, dass hinter den äußerlichen Veränderungen, die sich in den Ländern der Russischen Welt ereignen, die wahre Wiedergeburt der menschlichen Seelen geschehe, dass die Freude der Auferstehung Christi jedes Herz erfülle, dass durch das Licht der Göttlichen Liebe nicht nur unsere Verwandten und Nächsten erwärmt werden, sondern auch die Leute, die keine Möglichkeit haben, die Kirche zu besuchen, die Senioren, Kranken und Alleinstehenden.

Durch die Auferstehung Christi gewinnt der glaubende Mensch die Möglichkeit, der von oben herabgesandten gnadenreichen Kraft teilhaftig zu werden, um nach Wahrheit und Gottes Geboten zu leben: gut und barmherzig, ehrlich und wollwollend in seinen Beziehungen zu den Mitmenschen zu sein, fähig zu sein, mit ihnen Freude und Elend zu teilen.

Dieses christliche Verhalten zu den Nächsten schließt auch die Sorge ums eigene Land, Volk, Familie und Haus mit ein. In dem die Kirche die Priorität ewiger geistlicher Werte verkündet, ruft sie auch ihre Kinder auf zum behutsamen Verhältnis zu den zeitlichen, aber realen Werten der von Gott geschaffenen Welt: zur uns umgebenden Natur, zum reichen Kulturerbe, das jahrhundertelang von unseren Vorgängern geschaffen wurde. Ein Bewahrer der geistlichen Schätze und Traditionen der Orthodoxie zu sein, bedeutet, sowohl sich und die eigene innere Welt aktiv umzuwandeln, als auch die Schönheit und Harmonie der uns umgebenden Welt zu unterhalten, und sie dort einzupflanzen, wo sie vom bösen menschlichen Willen zerstört sind. So sind die Berufung und die Verantwortung eines Christen.

Der HERR fordert von uns keine unsere Kräfte übersteigende Taten. Indem er sich zur Seele jedes Menschen zuwendet, ruft er immer wieder an: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (Mt. 11, 28-30). Um spüren und begreifen zu können, inwieweit jenes Joch, das uns der Herr auferlegt, gut und sanft ist, muss man lernen, das Gute den Nächsten und Fernen zu tun. In diesem Lernen sind nur die erste Schritte schwer: sich rechtzeitig zu zügeln und nicht mit Grobheit auf Grobheit, mit Bösem auf Böses, mit Lüge auf Lüge, mit Verurteilung auf Verurteilung zu antworten. Und anschließend sollte man auch einmal Zufriedenheit über eine rechte und ehrliche Handlung empfinden, die einem anderen Menschen Nutzen gebracht hat, unabhängig wo: in der Familie, an der Arbeit, in der Pfarrgemeinde oder schlicht im Verkehr mit Nachbarn und Bekannten. Dieses Gefühl der Zufriedenheit vermag in einen freudigen und optimistischen Geisteszustand hinüberwachsen, wenn gute Werke, die nicht des Eigennutzes willen, sondern mit reinem Herzen getan werden, zum Teil unseres Lebens werden. Wir können die Veränderungen zum Besten im Gesellschaftsleben nur dann spüren, wenn wir uns der unzerstörbaren Beziehung bewusst sind, die zwischen dem von uns gewirkten Guten und dem gesellschaftlichen Wohlergehen besteht.

Die vom Evangelium inspirierte Motivation unserer Taten, sowohl im persönlichen, als auch im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich ist fähig, uns und die Umwelt grundlegend umzuwandeln.

„Es stehe Gott auf, dass seine Feinde zerstreut werden“! – rufen wir in dieser lichthellen Nacht aus. Es stehe Gott in unseren Herzen auf und Lüge, Feindschaft, Bosheit, Händel und alle Aufspaltungen in unserem Leben sollen zerstreut werden.

Von ganzer Seele gratuliere ich Euch allen, meinen Lieben, zum Paschafest. Mögen die Hilfe und der Segen des wahrhaftig auferstandenen HERRN jeden von uns in unseren weiteren Werken zum Ruhm der Kirche begleiten, zum Nutzen der Länder, in denen wir leben, zum Nutzen Nächster und Ferner. Amen.

PATRIARCH VON MOSKAU UND GANZ RUSSLAND

Moskau,

Pascha Christi

2011

Predigt am Tage der Einführung der Allgepriesenen Jungfrau Maria in den Tempel

21.02.2007 | Thema: Predigt |

Hl. Ioann von Kronstadt

Die Engel, die den Einzug der Allreinen sahen, staunten,
wie die Jungfrau in das Allerheiligste einging
(Gesang zur 9. Ode des Kanons)

Heute feiern wir, geliebte Brüder und Schwestern, zwei Feste: Die Auferstehung Christi und die Einführung der Allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel; das eine Fest findet allwöchentlich statt, das andere einmal im Jahr; das eine ist ein Herrenfest, das andere ein Gottesmutterfest. Gegenstand unserer Ansprache wird das Fest der Gottesgebärerin sein.

Beim Gedenken an das heilige Ereignis, das die hl. Kirche jetzt feierlich begeht, soll unser ganzes Wesen von Freude und Zittern durchdrungen sein. Denn woran denken und was feiern wir jetzt? – Die Einführung des dreijährigen Mädchens, der allgepriesenen Jungfrau Maria, in den Tempel Gottes, damit sie im Allerheiligsten zum Herrn hin erzogen, d.h. zu einer Wohnung Gottes bereitet werde. 0 unaussprechliche Freude! Denn der Herr Selbst möchte durch das junge, zuvor durch den Hl. Geist gereinigte Mädchen in die allerengste Verbindung mit den Menschen treten und auf sie seine unermeßlich großen Güter ergießen, die alles Verstehen überschreiten, nämlich: die menschliche Armut bereichern mit der Gottheit, unsere Nacktheit bekleiden, das Gestaltlose ansehnlich machen, das Unreine reinigen, das Finstere erleuchten, das Vergängliche erneuern, das Schwache stark machen. Aber mit der Freude vereint sich unwillkürlich auch Zittern. Denn Gott, der Anfangslose, Große, Unzugängliche und selbst für die Engel Furchtbare, tritt ein in allerengste Gemeinschaft mit der schwachen menschlichen Natur, der Allerheiligste mit den Sündern, wenn auch durch Buße gereinigten. Und so laßt uns dem Herrn begegnen, der zur Vereinigung mit unserer vergänglichen Natur kommt, laßt uns Ihm mit Freude und Zittern begegnen, mit Freude wegen der Größe der Wohltaten Gottes, mit Zittern wegen unserer Sünden.

Zur Ehre und Verherrlichung der allgesegneten Mutter Gottes und zu unserer Erbauung wollen wir davon sprechen, wie sich Ihre Einführung in den Tempel vollzog und danach von der hohen Bedeutung des Tempels für uns und davon, daß wir selbst Tempel Gottes werden sollen. Bekanntlich wurde die allheilige Jungfrau Maria von unfruchtbaren Eltern, Joachim und Anna, geboren, die, schon alt, sich von Gott in inständigem Gebet diese überaus gepriesene Tochter erbaten und dabei das Gelübde ablegten, ihr Kind Gott zu weihen. Und nun, als die Allheilige Jungfrau drei Jahre alt wurde, haben Ihre gerechten Eltern ihr Gelöbnis erfüllt, das sie Gott gegeben hatten und Sie feierlich in den Jerusalemer Tempel eingeführt. Die alten Väter der Kirche, die die Einführung der Gottesgebärerin besungen haben, erzählen in den heiligen Gesängen, wie die hll. Joachim und Anna in Nazareth ihre Verwandten und Freunde versammelten. Die jungen Mädchen gingen mit Kerzen in den Händen dem hl. Mädchen voran; Sie selbst führten Ihre Eltern, und ihnen folgten Freunde und Verwandte. Auf diese Weise gingen sie von Nazareth bis zum Jerusalemer Tempel. Der Hohepriester Zacharias und die Priester, die im Tempel dienten, begegneten ihnen mit Gebeten und Gesang. Die hl. Jungfrau wurde auf die erste Stufe der Freitreppe der Kirche gestellt und ging zur Verwunderung aller Anwesenden, von niemand gestützt, fest die 15 Stufen herauf und blieb erst auf der obersten stehen. Der Hohepriester führte das allreine Mädchen ins Allerheiligste, in das allein der Hohepriester nur einmal im Jahre hineinging. Die Mutter Gottes wurde nach den Worten der Kirche in den Tempel des Gesetzes eingeführt als beseelter Tempel des großen Königs. Die gerechten Eltern brachten Gott Gaben und Opfer dar und kehrten dann, nachdem sie den Segen der Priester empfangen hatten, mit ihren Verwandten nach Nazareth zurück. Die hl. Jungfrau Maria wohnte beim Tempel. Dort lebten in gesonderten Räumen junge Mädchen, die Gott geweiht waren, auch Witwen, die im Tempel dienten, ähnlich wie die Prophetin Hanna. Hier lebten auch Pilger und Fremdlinge. Ihnen schloß sich die hl. Anna, die Mutter der Gottesgebärerin, an, als sie bald nach der Einführung der allheiligen Jungfrau [in den Tempel] verwitwete; aber sie lebte nicht lange mit ihrer allheiligen Tochter; bald nach ihrem Mann übergab sie ihren Geist an Gott.

Die heilige Jungfrau wurde unter der Aufsicht älterer frommer Jungfrauen erzogen, die erfahren waren in der Hl. Schrift und in Handarbeiten. Sie arbeitete unaufhörlich, betete häufig, liebte die Lektüre der Heiligen Schrift. So wurde sie vorbereitet auf ihre hohe Bestimmung. Die Kirche nennt sie die überaus schöne Morgenröte, aus der die Sonne der Gerechtigkeit leuchtete. Gänzlich heiligte, wie ein heiliger Gesang sagt, Sie, die im Tempel war und mit himmlischer Nahrung ernährt wurde, der Allheilige Geist. Als die allreine Jungfrau in das Alter kam, in dem die Jungfrauen, die beim Tempel aufwuchsen, gewöhnlich in die Welt zurückkehrten und in den Stand der Ehe traten, da wollten die Priester, daß auch Sie so handelte. Aber die allreine Jungfrau offenbarte ihnen Ihren Wunsch, Sich Gott zu weihen und nicht in den Stand der Ehe zu treten. Da verlobten sie sie aufgrund einer Eingebung des Heiligen Geistes dem schon älteren Joseph, einem Verwandten ihrer Eltern. Er wurde der Beschützer der allreinen Jungfrau und ehrte das Gott gegebene Gelöbnis.

Die Ikone der Einführung der Mutter Gottes in den Tempel zeigt das dreijährige heilige Mädchen, wie Es die Stufen zum Tempel hinaufgeht. Das soll uns vor allem den Wunsch eingeben, [unsere] Kinder häufiger in den Tempel Gottes zu führen, sie von Kindheit an im Gebet und Hören der HL Schrift zu unterweisen, damit auch sie in Frömmigkeit aufwüchsen und immer höher stiegen auf den Stufen guter Werke und frommer Gedanken. Aber das heutige Fest lehrt uns auch alle auch, den Tempel Gottes hoch zu ehren und den Aufenthalt in ihm in Gebet Lobpreis und Danksagung zu lieben.

Der Tempel ist ein irdischer Himmel. In ihm steht der Thron Gottes,** auf dem unsichtbar der König der Herrlichkeit sitzt und unsere Anbetung, unsere Gebete, Tränen, Seufzer, Lob- und Dankopfer entgegennimmt; im Tempel sind unsere höchsten, geistlichen, ewigen Interessen beschlossen. Von ihm geht die Reinigung, Heiligung und Erneuerung unserer Seelen und Leiber aus; hier fließt unaufhörlich der Strom lebendigen Wassers, wird das Wort Gottes gelesen, werden die tröstlichsten Wahrheiten verkündigt, die Herz und Verstand nähren und entzücken; hier werden süße, himmlische, die Seele erschütternde Gesänge gesungen; hier werden alle heilsamen und uns erneuernden Mysterien vollzogen; hier fließen unaufhörlich die lebenspendenden Ströme des Blutes des Herrn Jesus Christus, die in die, die sie empfangen, ihr wunderbares, göttliches Leben, Reinigung, Heiligung und Erneuerung eingießen; hier werden die höchsten kirchlichen und bürgerlichen Feiern vollzogen, deren Gegenstand unser Heil und unsere Seligkeit in Gott sind oder das Wohlergehen und die Rettung des Vaterlandes oder seiner mächtigen Gebieter von Elend und Übel; hier finden wir Trost in Kümmernissen, Licht in Zweifeln, Kraft in Krankheiten. Hier hören wir von den wunderbaren Glaubenstaten der heiligen, Gott wohlgefälligen Diener und Freunde Gottes, unserer Beter vor Gott, und lernen, ihnen, unserer Kraft entsprechend, nachzueifern. Hier im Tempel erkennen wir die Eitelkeit und Nichtigkeit aller irdischen Güter und daß einzig die Tugend niemals stirbt; hier fühlen wir uns schließlich als Glieder des einen geistlichen Leibes der Kirche Christi und als Himmelsbürger; hier erhalten wir einen Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit. Wie kann man nach all dem den Tempel nicht lieben, diese Grenzlinie zwischen Erde und Himmel, diese himmlische Schule, in der wir für den Himmel, für Gott erzogen werden; dieses Spital, in dem unsere seelischen Leiden, Sünden und Leidenschaften geheilt werden; diese Quelle lebendigen Wassers, wo der reinste Strom des Lebens fließt? Der Tempel Gottes ist geweiht zur Wohnung Gottes und zum Ort des Vollzugs der überhimmlischen Mysterien und des Gottesdienstes dazu, daß wir aus uns selbst, aus unseren Herzen, einen nicht von Menschenhand geschaffenen Tempel Gottes bauen; denn nach dem Wort der Schrift ist der Christ ein Tempel Gottes; „Wisset ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Heilige Geist in euch wohnt?‘ Ihr seid Kirchen des lebendigen Gottes“, sagt sie, wie geschrieben steht: „Ich wohne in ihnen und werde in sie eingehen, und werde ihr Gott sein und sie werden meine Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige“.

Und so erkennen wir schließlich unsere hohe Würde und Bestimmung, deren uns der Herr, unser Gott, gewürdigt hat; laßt uns uns selbst unaufhörlich zu einer Wohnung Gottes heranziehen, uns durch Buße, „von jedem Makel des Fleisches und der Seele reinigen und ein Heiligtum schaffen in der Furcht Gottes“. Amen.

** Im Russischen bezeichnet престол sowohl den Thron als auch den Altar (Anm. des Ubers.)

Übersetzung: Karl Christian Felmy

(Полное собранiе Сочиненiй протоiерея Iоанна Ильича Сергiева. Т.1 С.-Петербургъ 1893, 423-428)

Predigt über die Kommunion der heiligen Geheimnisse

21.02.2007 | Thema: Predigt |

Hl. Ioann von Kronstadt

Nehmet den Leib Christi, kostet die unsterbliche Quelle
(Kommuniongesang).

Vor Euch, du Herde, die du nach Christus heißt, befindet sich in diesem Kelch der göttliche Leib und das göttliche Blut unseres Herrn Jesus Christus und ihr habt euch durch Fasten und Beichte zum Empfang dieser heiligen unsterblichen und lebendigmachenden Geheimnisse vorbereitet. Um sie würdig zu empfangen, wird von einem jeden von euch verlangt:

Erstens. Der kindliche, schlichte Glaube, daß ihr unter der Gestalt von Brot und Wein den allerreinsten Leib und das allerreinste Blut des Erlösers empfangt, daß ihr den Erlöser Selbst mit eurem Mund in euren Herzen empfangt, ein Fleisch und Blut mit Ihm werdet und ein Geist, wie gesagt ist: „Denn wir sind Glieder Seines Leibes, von Seinem Fleisch und Seinem Bein“.[Eph 5,30] „Wer Mein Fleisch isset und trinket Mein Blut, der bleibt in Mir und Ich in ihm“.[Joh 6, 56] Und „wer aber dem Herrn anhanget, der ist ein Geist mit dem Herrn“ [1Kor 6,17]; denn in dieser Partikel des Leibes und des Blutes Christi Gottes, die ihr empfangt, befindet sich der ganze Jesus Christus als Seele im Leib.

Es wird von euch zweitens die vollständige unerschütterliche Hoffnung auf die Barmherzigkeit des Erlösers gefordert, daß Er, als göttliches Feuer, mit Seinem Blut all eure Sünden verbrennt und reinigt; deshalb übergebe sich jeder unter euch im Bewußtsein seiner Unwürdigkeit, die göttlichen Geheimnisse zu empfangen, vollständig der Barmherzigkeit des Herrn, damit Er selbst durch Seine Gnade euch würdig mache des Empfangs Seiner heiligen Geheimnisse; jeder sei guter Hoffnung, niemand schwanke, niemand sei kleinmütig, niemand verzage bei der Vorstellung seiner Fluchwürdigkeit und Untauglichkeit; vom Kelch wird allen die Gnade des Gebieters und die große Verzeihung und Reinigung der Sünden gewährt. Nur glaubt und vertraut.

Es wird drittens eine große, brennende engelgleiche Liebe der Kommunikanten zu dem Erlöser verlangt; auf die Liebe des Herrn soll jeder von euch mit Liebe antworten; denn sagt: welche Liebe Gottes hat sich uns Sündern darin erzeigt, daß Gott Selbst, der für uns Fleisch angenommen hat, gelitten hat, gestorben und auferstanden ist, uns zur Nahrung und zum Trank Seinen göttlichen Leib und Sein Blut gegeben und Sich dadurch mit uns in allerengster Vereinigung verbunden hat, mit uns zusammengewachsen oder Sich mit uns vermischt hat, indem Er uns zu Teilhabern Seiner göttlichen Natur gemacht hat! Welche Mutter, welcher Vater, haben irgendwann ihre Kinder so geliebt wie uns der Herr geliebt hat? Und wofür vereinigt sich der Herr mit uns in den heiligen Geheimnissen? – Dazu, um uns von dem Schmutz der Sünden zu reinigen, von dem Schmutz der an Abscheulichkeit und Tödlichkeit nicht übertroffen werden kann; um uns Seine Heiligkeit mitzuteilen, Sein göttliches Leben, Seinen Frieden, Erquickung, Freude, Leichtigkeit, Süße, Freiheit, deren es nichts Kostbareres und Wünschenswerteres auf der Welt gibt; um uns, gereinigt von den Sünden, verwandelt und erneuert, zu Sich in die Himmel zu nehmen, in das ewige Leben, in die ewige Seligkeit: denn mit Sünden und mit Leidenschaften kann niemand im Paradies sein: „Wer Mein Fleisch isset und trinket Mein Blut, der hat das ewige Leben“, sagt der Herr, „und Ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken“.[Joh 6,56]

So entflammt, die ihr an den göttlichen Geheimnissen kommunizieren wollt, eure Herzen in Liebe zum Erlöser. Heiliger Geist, Tröster, Hort der Güter, gieße Deine Liebe in unsere Herzen!

Es wird von euch viertens die Veränderung des Herzens verlangt. Bisher haben viele von euch die Sünde geliebt, alle habt ihr euch willentlich oder unwillkürlich der Sünde übergeben; nun strebt danach, sie gänzlich zu hassen; denn die Sünde ist eine Ausgeburt des Teufels, ist Widerstand gegen Gott. Trachtet alle danach, verwandelt zu werden in der Tiefe eurer Seele. Ihr wollt den Leib und das Blut des göttlichen Lammes kosten, des sanften und milden Herrn Jesus Christus. Seid deshalb auch selbst sanfte und milde Lämmer, geduldig und dem Willen Gottes ergeben, der Kirche, dem Willen der Eltern, Vorgesetzten, Älteren. Ihr empfangt den Leib und das Blut des Erlösers, aber Er ist ganz Liebe, und Ihm sind Feindschaft und Bosheit fremd. Trachten auch wir danach, in gegenseitiger Liebe zu leben; verzeiht Beleidigungen, vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Ärger mit Ärger. Tretet hin zu dem Herrn, dem himmlischen König, der uns alle zum Himmel führt; trachtet danach an das zu denken, was oben ist, bemüht euch, himmlische Sitten zu erwerben, laßt die leidenschaftliche Neigung zu irdischen Dingen, die vergänglich sind und die Seelen knechten und verderben. Liebt das obere Vaterland, die obere Stadt Jerusalem, wo die Mutter Gottes und alle Heiligen sind, und wohin wir alle streben sollen. Verlaßt alle Unreinheit und sündlichen Leidenschaften, jeder zeige eine Wandlung zum Besseren, jeder zeige Besserung, jeder bringe dem Gebieter irgendeine gute Frucht guter Werke, jeder schaffe Früchte, die der Buße würdig sind. Herr! Du selbst verändere und erneuere uns!
Schließlich, damit wir diese himmlische Gabe, den allreinen Leib und das Blut Christi bewahren, wird von uns fünftens Achtsamkeit auf uns selbst verlangt, gegenüber unseren Gedanken, gegenüber unserem Herzen, gegenüber seinen Gefühlen und Neigungen, die Bezähmung seines sündigen Wünschens und Trachtens, auch Enthaltsamkeit bei Essen und Trinken, Enthaltsamkeit von Geschwätzigkeit, Übelreden, Schwören, und jeder Lüge. Mit einem Wort: Jeder hüte sich vor alldem, was Christus, dem Erlöser unserer Seelen, zuwider ist. Denkt daran, daß der Herr uns durch die Kommunion vergöttlicht, uns göttlich macht, und trachtet danach, göttlich zu leben in aller Heiligkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit. Ihr seid Kinder Gottes und Christi. Welches Leben aber gebührt den Kindern Gottes?
Euch alle würdige der Herr würdig und mit reicher Ernte die göttlichen Geheimnisse zu empfangen. „Wer den göttlichen Leib und das göttliche Blut unwürdig ist und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst zum Gericht“ [1Kor 11,22], sagt der hl. Apostel Paulus. So tretet mit Glaube und Liebe hinzu, damit ihr Teilhaber des ewigen Lebens werdet. Amen.

Hl. Ioann von Kronstadt

(Полное собрание Сочиненiй протоiерея Iоанна Ильича Сергiева. Т.2 С.-Петербургъ 1894, 69-72)

Uebersetzung: Prof. Dr. Karl Christian Felmy / Перевод: профессор доктор Карл Христиан Фелми

Московская Духовная Академия присвоила профессору доктору Карлу Христиану Фелми в 2005 году степень почетного доктора богословия.

Karl Christian Felmy, geboren 1938 in Liegnitz/Schlesien, studierte von 1958 bis 1964 Theologie in Münster und Heidelberg. Von 1964 bis 1969 war er Verwalter einer Assistentenstelle am Ostkirchen-Institut in Münster. 1970 erfolgte seine Promotion mit einer Dissertation über das Thema “Predigt im orthodoxen Rußland. Untersuchungen zu Inhalt und Eigenart der russischen Predigt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.”

Nach der Ordination war er von 1971 bis 1975 Referent für Orthodoxie am Kirchlichen Außenamt der EKD in Frankfurt und anschließend Assistent am Lehrstuhl für Geschichte und Theologie des christlichen Ostens in Erlangen (Professor Dr. Fairy v. Lilienfeld). 1981 wurde er in Erlangen habilitiert. Nach einer Zwischenstation als Pfarrer in Fürth war er von 1982 bis 1985 Professor für Konfessionskunde in Heidelberg. 1985 wurde er auf den Lehrstuhl für Geschichte und Theologie des christlichen Ostens der Universität Erlangen-Nürnberg berufen. Zwischen 1995 und 1997 war Prof. Felmy Dekan der Theologischen Fakultät.

Er ist Mitglied der Kommission für den Dialog zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Russischen Orthodoxen Kirche und der Kommission des Lutherischen Weltbundes für den Dialog mit der Orthodoxie.


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